Kaum öffentlich gespielt: Brahms-Kammermusik

Liebe Leute,

mitten im Üben der Brahms-Violinsonaten (alle drei) und des
g-Moll-Klavierquartetts frage ich mich, warum wird Brahms-Kammermusik so selten in einem öffentlichen Konzert gegeben?

Was ab und zu doch mal kommt, sind einige Duo-Sonaten (Violine: A-Dur und G-Dur;
Cello, Klarinette (aber nicht Viola!): jeweils beide Sonaten), Klarinettentrio und Klarinettenquintett. Aber ansonsten?

Liegt es daran, daß Kammerkonzerte fast immer von Muggenensembles gegeben werden, die sich vorher nur für zwei Proben treffen? Kein
Wunder, wenn dann nur Standardwerke gespielt werden. Bei Klaviertrios ist typischerweise Mendelssohn d-Moll-Teil dabei usw.

Brahms ist für diese Praxis wohl doch noch zu schwierig, die gewisse Schwülstigkeit im Gesamtklang zu lichten erfordert halt mehr Probenarbeit. Abgesehen davon, daß die Stimmen nicht gerade leicht sind.

In Streichquartett-Konzerten gibt’s Beethoven und Schubert, aber
kein Brahms (allenfalls das c-Moll-Quartett).

Wie seht Ihr das?

Stefan

Hallo Stefan,

ich spiele zwar auch Geige, aber erst sechs Jahre und auch nicht sooo toll (da du ja sooo viel Wert auf die präzise Angabe von Titeln legst (kleiner Angeber, was!? *g* sorry…): Bin grad bei bwv 1041 und ich hasse es…)

Was ich dir aber zur Aufführungspraxis sagen kann, einfach aus meinem gesunden Musikerverständnis (es ist mir sozusagen beim üben der 2ten Geige in Beethovens siebter eingefallen): Alle die Dinge, die du genannt hast, haben ihre Berechtigung. Bei der Auswahl von Stücken muss man sicherlich eine gute MIschung zwischen Anspruch und Unterhaltungswert. So Sachen wie der zweite Satz aus Beethovens siebter, den kennt man eben. D.h. wenn ein unbedarfter, potenzieller Zuhörer, der vielleicht nur ab und zu ein Konzert mitnimmt, ein Plakat liest, auf dem etwas steht, was er kennt, denkt er sich: Oh prima, wollte ich schon immer mal live sehen!! Und kauft sich ne Karte. Wenn er dagegen den Titel eines unbekannten Stückes liest (das er nicht aus seiner CD-Sammlung kennt), dann denkt er nur „Hä“ und geht weiter. Er weiß eben nicht, was er bekommt und wird sich dreimal überlegen, ob er eine Karte kauft.
Und seien wir mal ehrlich: Welches Orchester kann es sich leisten, am Publikum vorbei auschließlich nach eigenem Gusto zu spielen?!

Ich spiele in einem Laienorchester und da liegt es natürlich nahe, dass neben dem Marktwert eines Stückes besonders der Anspruch entscheident ist. Und, welchen Solisten wir grade zur Verfügung haben.

Bis jetzt habe ich bRahms, um den es dir ja ging, noch mit keinem Wort erwähnt, aber die o.a. Gründe bieten denke ich eine Erklärung. Ich bin zwar mit Brahms nicht so vertraut, aber ich könnte mir vorstellen, dass es so ist. Es liegt nicht an Brahms, sondern einfach an seinem Ruf, was unheimlich schade sein kann. (Man nehme z.B. Dvoraks Neunte - eine wunderschöne Sinfonie, die das Zeug zum abgenudelten Dauerbrenner hätte)

Liebe Grüße,

Lena

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Hallo Lena

ich spiele zwar auch Geige, aber erst sechs Jahre und auch
nicht sooo toll

wohl doch schon gut genug, um eine Beethoven-Sinfonie mitzuspielen :smile:

(da du ja sooo viel Wert auf die präzise

Angabe von Titeln legst (kleiner Angeber, was!? *g*
sorry…):

*hmpf* :-/
(In *diesem* Experten-Forum ist so etwas nix zum Angeben, sondern
gehört zum normalen Diskurs.)

Bin grad bei bwv 1041

warum nicht gleich: Violinkonzert in a-Moll? ich hab’s jedenfalls
ergooglen müssen… das war jetzt die Retourkutsche und damit ist’s gut.

Du beziehst Dich auf Orchestermusik: Da komme ich durchaus mit, wie man halbwegs attraktive Konzertprogramme zusammenstellt und die Konzertsäle vollkriegt. Aber Brahms-Orchesterstücke werden eigentlich schon ganz gerne gespielt, die vierte Sinfonie kommt immer wieder mal.

Brahms hat nicht unbedingt einen schlechten Ruf, denk an die
Ungarischen Tänze oder an die Orchesterserenaden (letztere wunderbar im Sommerfreiluft-Konzert zu spielen!)

Mir ging es aber wirklich um Kammermusikkonzerte - da gehen eh nur speziell Interessierte hin. Laufkundschaft wird es kaum geben.
Das besagte Mendelssohntrio ist ein Hit, aber nur für Kammermusikfans - aktive wie passive.

Und meiner Ansicht sieht es hier eher mau mit Brahms aus.

Stefan