Kausativstamm, Intensivstamm?

Hi,

vor einiger Zeit wurde in diesem Brett eine Art Kausativstamm im Deutschen besprochen.

sitzen - setzen (zum sitzen bringen)
liegen - legen
springen - sprengen
schwimmen - schwemmen
sinken - senken

aus i wird also e.

Mir deucht, daß es auch einen Intensivstamm gibt. Kann das jemand bestätigen, oder ist es nur Zufall?

beben - bibbern (stark beben, total beben)
kneten - knittern

es gibt die form sogar im dialekt:
reiben - ribbeln (stark und schnell reiben)

aus e wird i, und ein r oder l wird eingefügt.
weiß jemand mehr beispiele?

manche scheinen nicht ganz „rein“ zu sein:

weinen - wimmern?
treppe - trippeln?

bei manchen finde ich die „grundform“ nicht:

schlittern - schleiden ?! slide? da ist doch ein zusammenhang!

Kann das jemand bestätigen oder bilde ich mir das nur ein?

gruß
datafox

Intensivstamm?
Hi, Datafox,

Mir deucht, daß es auch einen Intensivstamm gibt. Kann das jemand bestätigen, oder ist es nur Zufall?

Dem ist so und keineswegs zufällig. Und keineswegs nur im Deutschen!

Dazu:

_ Iterativ

(lat. iterativum ‚wiederholend‘. Auch: Frequentativ, Multiplikativ, Repetitiv) Aktionsart, die ausdrückt, daß sich der im Verbstamm ausgedrückte Vorgang oder Zustand regelmäßig wiederholt, ausgedrückt z.B. im Russ. durch das Infix {-va-} (z.B. govárivat’ ‚zu sagen pflegen‘, cítyvat’ Izvestiju ‚regelmäßig die Izvestija lesen‘), im Lat. durch {-ti-} (z.B. facere ‚tun, machen‘, facitare ‚gewöhnlich tun‘). In manchen Spr. können Iterative 2. und 3. Grades gebildet werden, z.B. tschech. to bylo tak ‚das war so‘ - to bývalo tak ‚das pflegte so zu sein‘ - to byvávalo tak ‚das war einst so (aber heute nicht mehr)‘_

und:

_ Diminutiv-iterativ

Aktionsart, die kennzeichnet, daß sich der im Verbstamm ausgedrückte Vorgang oder Zustand regelmäßig, aber mit zeitlichen Unterbrechungen und geringer Intensität wiederholt, z.B. russ. gljadét’ ‚sehen, schauen‘ - pogljádyvat’ ‚ab und zu hinsehen‘, kurít’ ‚rauchen‘ - pokúryvat’ ‚ab und zu ein bißchen rauchen‘, dt. raten - rätseln, falten - fälteln. Die Bez. ‚Desiderativum‘ für unpersönl. konstruierte dt. Verben dieses Typs (z.B. mich schläfert) ist veraltet;
[Lexikon Sprache: Diminutiv-iterativ, S. 1. Digitale Bibliothek Band 34: Metzler Lexikon Sprache, S. 2275 (vgl. MLSpr, S. 159) © J.B. Metzler Verlag]_

Zu deinen anderen Fragen (Grundform, Systematik des Vokalwechsel) finde ich vielleicht später.
In den hier genannten Beispielen findest du vor allem den Umlaut als Bildeform:
tanzen => tänzeln; kochen => köcheln, lachen => lächeln, kotzen => kötzeln (im Schwabischen) etc.

Gruß Fritz

sehr interessant! (owt & *)
.

Beispiele für Intensivformen:

tauchen - ducken
biegen - bücken
ziehen - zücken
plagen - placken
schneiden - schnitzen
reißen - ritzen
beißen - beizen
essen - ätzen

Einfügen von „r“ oder „l“ ist nicht typisch für den Intensiv, eher Verhärtung des Endkonsonanten des Stammes.

Danke, für den Zusatz, Hubert!
Ich hoffe, dadurch wird der Unterschied zwischen den Intensiv- und den Iterativformen deutlicher als er bisher ausgedrückt wurde.
Der Iterativ bringt ja eher eine Abschwächung der Aktion zum Ausdruck.
Gruß Fritz