Kein Betriebsrat - und nun?

Hallo.

Folgende erfundene Situation.

Da ist eine Firma mit ca. 2000 Mitarbeitern. Diese bestehen 80% aus Mini-Jobbern. Der Rest sind Midi-Jobber.

Einen Betriebsrat gibt es keinen.

Die Firma sendet ihre Mitarbeiter, im Schnitt mit Teamleiter aus um in Discountern zu arbeiten. Ansprechpartner der Mitarbeiter sind die Teamleiter. Deren Ansprechpartner die Manager. Dann folgt der Chef der Manager und dann der „Big Boss“. Der Chef der Manager steht zu den Managern. Die Mitarbeiter die aus der Reihe tanzen sind schnell weg aus der Firma.

Nun gibt es da verschiedene Manager die Druck auf die Teamleiter ausüben. Die Teamleiter sollen die Mitarbeiter zeitlich stoppen. Schafft der Mitarbeiter die vorgegebenen Zeiten nicht, kommt der Manager zu einem Gespräch mit dem Mitarbeiter. Klappt es weiterhin nicht, erfolgen 3 Abmahnungen und dann die Kündigung! Der Teamleiter hat immer alle Mitarbeiter zusammen in die Pause geschickt, da sich alle gut miteinander verstehen und man ausserhalb des Pausenraums nicht miteinander reden darf. Ab sofort ist dies verboten. Die Mitarbeiter sollen nicht mehr zusammen in die Pause. Die Mitarbeiter beschweren sich beim Teamleiter. Der leitet die Beschwerde an den Manager weiter. Der sagt: Wem es nicht passt soll kündigen.
Auch verlangt der Manager dass der Teamleiter bestimmten Mitarbeitern, die gesagt haben sie kündigen in 2-3 Monaten, nahe legt sofort zu kündigen.

Ist das alles rechtens? Müssen Teamleiter und Mitarbeiter sich alles gefallen lassen? Das Team kann die vorgegebenen Zeiten nicht immer halten, kann man dann einfach die Mitarbeiter austauschen oder den Teamleiter von seinem Posten entheben? Und wenn die Firma nicht den Mitarbeitern helfen will, kann man sich ausserhalb Hilfe holen? Gibt es da nicht irgendwelche Leute die solche Firmen unter die Lupe nehmen können?

Vielen Dank für Antworten und einen schönen Restsonntag.

Hallo

Ist das alles rechtens?

Nein.

Müssen Teamleiter und Mitarbeiter sich
alles gefallen lassen?

Nein.

Das Team kann die vorgegebenen Zeiten
nicht immer halten, kann man dann einfach die Mitarbeiter
austauschen oder den Teamleiter von seinem Posten entheben?

Nein.

Und wenn die Firma nicht den Mitarbeitern helfen will, kann
man sich ausserhalb Hilfe holen?

Ja.

Gibt es da nicht irgendwelche
Leute die solche Firmen unter die Lupe nehmen können?

Ja. Es gibt Gewerkschaft, Berufsgenossenschaft, Gewerbeaufsicht, Umweltamt…wenn man mit Insiderkenntnissen über Verstöße gegen Arbeitsschutzbestimmungen und ähnliches mal anfängt, eine solche halbseidene Firma bei den Behörden anzuschwärzen, bekommen die keinen Fuß mehr auf den Boden und es wird deshalb rasch zu nachhaltigen Verbesserungen kommen. Das Problem ist eher, dass man sich im allgemeinen zu schlecht auskennt, um zu wissen, woraus alles man denen einen Strick drehen kann so lange, bis die Managertypen fertiggemacht sind.

Übrigens hindert niemand niemanden an der Gründung eines Betriebsrats…

smalbop

Hallo

Einen Betriebsrat gibt es keinen.

siehe unten.

Nun gibt es da verschiedene Manager die Druck auf die
Teamleiter ausüben. Die Teamleiter sollen die Mitarbeiter
zeitlich stoppen. Schafft der Mitarbeiter die vorgegebenen
Zeiten nicht, kommt der Manager zu einem Gespräch mit dem
Mitarbeiter.

Frage, was Druck ausüben bedeutet. Das eine Arbeitszeitkontrolle und Erfolgskontrolle erfolgt, ist normal.

Klappt es weiterhin nicht, erfolgen 3 Abmahnungen
und dann die Kündigung!

Ist halt die Frage, was verlangt wird. Schafft jemand eine zumutbare Arbeit nicht in der Zeit, wie es alle anderen MA schaffen, kann der AG schon fritgerecht kündigen.

Der Teamleiter hat immer alle
Mitarbeiter zusammen in die Pause geschickt, da sich alle gut
miteinander verstehen und man ausserhalb des Pausenraums nicht
miteinander reden darf. Ab sofort ist dies verboten. Die
Mitarbeiter sollen nicht mehr zusammen in die Pause. Die
Mitarbeiter beschweren sich beim Teamleiter. Der leitet die
Beschwerde an den Manager weiter. Der sagt: Wem es nicht passt
soll kündigen.

Wann Pausen gemacht werden, kann der AG in Grenzen des Arbeitszeitgesetzes bestimmen. MA haben keinen Anspruch, mit bestimmten Gruppen Pausen zu machen.

Auch verlangt der Manager dass der Teamleiter bestimmten
Mitarbeitern, die gesagt haben sie kündigen in 2-3 Monaten,
nahe legt sofort zu kündigen.

Was bedeutet: nahelegen? Wenn er nur fragt, kann man sicher nichts machen. Wenn natürlich mit illegalen Mitteln Druck ausgeübt wird, kann der AN sich natürlich wehren.

Ist das alles rechtens? Müssen Teamleiter und Mitarbeiter sich
alles gefallen lassen?

Alles sicher nicht.

Das Team kann die vorgegebenen Zeiten
nicht immer halten, kann man dann einfach die Mitarbeiter
austauschen oder den Teamleiter von seinem Posten entheben?

Der AG hat schon ein Direktionsrecht, er bestimmt, wer welche Arbeit macht. Wenn ein Team einen Job nicht schafft, kann er schon ein anderes Team hinschicken. Natürlich müssen die Anforderungen auch realistisch sein.

Und wenn die Firma nicht den Mitarbeitern helfen will, kann
man sich ausserhalb Hilfe holen? Gibt es da nicht irgendwelche
Leute die solche Firmen unter die Lupe nehmen können?

Man sollte dringend über einen Betriebsrat nachdenken. Es braucht nur 3 MA, die sich zusammentun. Dann wird eine Betriebsversammlung einberufen, an der JEDER AN teilnehmen können muss. Der AG muss auf seine Kosten die AN ggf. auch zum Versammlungsort kommen lassen.
Der AG darf die BR-Wahlen nicht behindern und keinen Einfluss ausüben.
Das passiert zwar häufig, beschäftigt ggf. dann aber auch die Gerichte, wenn AN damit nicht einverstanden sind.

Mit BR haben die AN dann wesentlich bessere Chancen, die Arbeit besser zu gestalten. Der BR ist auch bei Kündigungen anzuhören und hat sehr viele Informationsrechte.

Der BR kann sich bei komplizierteren Angelegenheiten angemessen beraten lassen. Das hilft, wenn AG immer wieder mit neuen Vorschriften etc. kommen. Der BR muss sich nicht selbst mit allen Gesetzen auskennen, er kann dann ggf. Fachanwälte hinzuziehen, die Kosten trägt der AG.

Das schlimmste, was passieren kann: die Mitarbeiterversammlung spricht sich gegen den BR aus, dann sieht es für die, die alles initiiert haben, natürlich sehr schlecht aus. Der AG wird Gründe finden, ihnen das Leben schwer zu machen.

Hallo,

Übrigens hindert niemand niemanden an der Gründung eines
Betriebsrats…

smalbop

richtig, im theoretischen Fall. Praktisch deuten deine Pünktchen ja schon was anderes an, was im fiktiven Fall bei der Schilderung durchaus zum tragen käme. Ein wie geschilderter AG hätte sicher zahlreiche Ideen, eine Betriebsratsgründung zu blockieren.
Gruß
cosis

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Hallo,

Hallo,

Ein wie
geschilderter AG hätte sicher zahlreiche Ideen, eine
Betriebsratsgründung zu blockieren.

Es gibt aber auch Mittel und Wege, „Blockaden“ des AG (die idR rechtswidrig sind), aufzulösen, wie das Beispiel eines größeren IT-Unternehmens aus dem Süddeutschen Raum zeigt. Hier ist halt der Weg zur Gewerkschaft dringend notwendig, die einen bei der Umsetzung von § 17 BetrVG unterstützen (und auch schützen) kann.
http://www.gesetze-im-internet.de/betrvg/__17.html

Gruß
cosis