Kein ein Kind zu spät eingeschult werden?

Hallo!

Wir machen uns gerade finale Gedanken zum Thema Einschulung unserer Tochter. Sie ist ein Kannkind (Ende Juli/ Niedersachsen).

Seitens der Schule und schulärtzlichen Untersuchung spricht nichts dagegen. Die Ezieher empfehlen die Einschulung. Unser Bauchgefühl dagegen ist noch sehr unsicher mit der Entscheidung.

Zum Thema ein Kind zu früh einschulen gibt es ja viele Aussagen, leider wird nie richtig auf das „gegenteilige“ Thema eingegangen.

Daher würde ich gerne dazu Meinungen/Erfahrungsberichte haben. Also was passiert, wenn ein Kind spät/ zu spät eingeschult wird?

Vielen Dank für die Antworten.

MfG

Volker

Hallo Volker!

Ich kann dir hier nur meinen subjektiven Eindruck vermitteln. Ich habe weder Kinder (und damit auch keine im grundschulfähigen Alter) noch bin ich im Lehramt tätig. Du hast es hier also mit einem ausgewiesenen Laien zu tun.
Für die jetzige Einschulung spricht, dass sowohl die Schule als auch die Erzieher den Schulbesuch empfehlen. Diese Menschen haben (große) Erfahrung in solchen Fällen und auf ihr Urteil ist dann doch zumeist Verlass, zumal gerade die Erzieher im Kindergarten deine Tochter sehr gut kennen sollten und ihr Potential einschätzen können. Natürlich ist es für Eltern schwierig, ihr Kind in den „grauen Alltag des Lebens“ hinauszuschicken - das Kind könnte ja noch so schön ein Jahr im Kindergarten spielen.
Dafür spricht auch (und da denke ich an die spätere Zukunft), dass in der heutigen Zeit ein Jahr viel ist, wenn es Richtung Studium/Ausbildung und die darauf folgenden Bewerbungen um einen Arbeitsplatz geht. Je früher deine Tochter ins Berufsleben starten kann, desto eher hat sie Chancen auf dem Berufsmarkt. Traurig, aber wahr. Man sollte hier nicht noch ein Jahr im Kindergarten „verschwenden“, wenn das Kind reif genug ist (was ja bestätigt wurde).

Dagegen spricht die Tatsache, dass sie die Jüngste in der Klasse sein wird. Für Kinder ist es ein riesiger Unterschied, ob jemand in ihrer Alterklasse schon im September bspw. 8 Jahre alt wurde oder es erst noch im nächsten Juli wird. Sie wird zeit ihrer Schulzeit das Stigma der Jüngsten tragen (zumindest bis zur Pubertät, so schätze ich mal). Bei mir ist auch noch dieses Denken verankert. Leider - weil es so prägend war. Ich war nicht die Jüngste, eine heute noch sehr gute Freundin von mir war es (Juni, vier Tage vor dem Stichtag). Ich fühle mich tief drin immer noch um einiges älter als sie (vier Monate :wink:). Bei Leuten, die ich erst nach der Schule (auf der Uni oder so) kennengelernt habe und die vielleicht drei, vier Jahre jünger sind, geht es mir nicht so. Aber weil ich sie eben schon seit der ersten Klasse kenne und sie da unterschwellig immer die Kleine war, hängt das drin. Ich seh das inzwischen mit einem Augenzwinkern…
Jetzt hab ich mir diese „Argumentation“ grade durchgelesen, versteh aber selbst nicht viel von dem, was ich geschrieben habe und hoffe, dieser Punkt wurde irgendwie verständlich.

Nichtsdestotrotz solltet ihr als Eltern vielleicht auch mal eure Tochter fragen, um sie geht es ja schließlich. Will sie in die Schule? Wenn sie es nicht weiß, fragt doch mal bei der neuen Schule an, ob eure Tochter mal für ne Stunde die jetzigen Erstklässler im Unterricht besuchen darf, damit sie einen Eindruck bekommt, was in der Schule so abgeht. Naja, vielleicht ist das auch eine schlechte Idee, denn die Erstklässler können ja dann schon Dinge, die eure Kleine nicht kann. Da kann sie sich schnell überfordert fühlen und Angst vor der Schule bekommen.

Andere Frage: Ihre Freundinnen, wann werden jene eingeschult? Das kann auch ganz wichtig sein, dass sie sich in der Schule wohlfühlt, dass ihre Freundinnen aus dem Kindergarten in ihrer Klasse sind.

Alles nicht so leicht. Ich persönlich würde die Kleine in die Schule schicken. Sie scheint reif dafür zu sein, also warum noch ein Jahr verlieren?

Ich hoffe, ich konnte dir mit meinen wirren Gedanken weiterhelfen…

Grüße
Sarah

Hallo Volker,

Daher würde ich gerne dazu Meinungen/Erfahrungsberichte haben.
Also was passiert, wenn ein Kind spät/ zu spät eingeschult wird?

Manche Erziehungswissenschaftler und Hirnforscher gehen davon aus, dass sich das Lernfenster in einem bestimmten Alter schließt. So haben Kinder, die älter als etwa sechs Jahre sind, keinen Spaß mehr daran, grundlegende Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen. Ebenso verlieren sie mit etwa zwölf Jahren die Lust am akademischen Arbeiten (jeder kann sich daran erinnern, dass etwa ab der siebten Klasse andere Dinge wichtiger waren als die Schule :wink: ). Nach meiner Erfahrung geschieht das bei Mädchen noch früher als bei Jungen.

In der vorigen Antwort wurde das Altersproblem angesprochen - sie würde in der Klasse immer die Jüngste sein. Erstens glaube ich das nicht, weil es ja noch andere Kann-Kinder gibt. Zweitens - wenn du sie erst nächstes Jahr einschulst, wird sie womöglich in ihrer Klasse immer die Älteste sein. Und das ist für ein Mädchen auch nicht unbedingt gut.

Wir haben uns bei unseren vier Kindern für frühes Einschulen entschieden und sie haben bisher damit keine Probleme.

Alles Gute

Felix

Hi,

ich bin zur Abwechslung mal eine Lehrerin, aber für die großen Kinder. Aber mein Bruder wurde zurückgestellt, weil er zu klein war.
In der Grundschule hat das keinen unterschied gemacht, jedenfalls kann ich mich nciht erinnern, dass er da irgendwas erzählt hat, und auch meine Eltern berichten nichts. In den größeren klassen fand er es doof, denn er war immer älter, vernünftiger, erwachsener als die anderen. Außerdem fing er dann doch an zu wchsen und war zumindest für eine Weile der Größte :wink:

Die Tochter wird sicher nichts verpassen, es wird nicht „zu spät“ für irgenwas sein (da widerspreche ich meinem Vorredner). Sie wird nur in der Entwicklung den Mitschülern voraus sein, und das fällt besonders in Klasse 6-10 (ungefähr) auf, weil da die Pubertät dran ist, und das bedeutet ja nicht nur eine körperliche, sondern auch eine Persönlichkeitsentwicklung. Mädchen sind da sowieso schneller als Jungs. Die haben den ersten Pubertätsschub schon in der 6. Klasse, die Jungs erstAnfang der 7. oder in den Sommerferien zwischen 6. und 7. Klasse.

Ansonsten ist das einzige Argument, das ich sehe, dass sie dann eben auch ein jahr später mit allem fertig ist - Schulabschluss, ausbildung, etc.

Aber wenn die Ämter sagen, sie ist schulfähig, warum dann nicht der Entscheidung folgen? Kann sie bestimmte Dinge selbständig (Schulweg, Klassenzimmer finden, um Rat fragen, etc), kann sie die Schultasche tragen, hat sie keine Angst vor Fremden, und solche Dinge.

Hallo,

Daher würde ich gerne dazu Meinungen/Erfahrungsberichte haben.
Also was passiert, wenn ein Kind spät/ zu spät eingeschult
wird?

Es könnte eventuell Langeweile im Kindergarten aufkommen (das kommt natürlich auch auf die Erzieherinnen an, wie sie individuell fördern können) und diese könnte sich dann durch die anfängliche Schulzeit ziehen und zu Schulfrust führen.
Das Argument mit dem frühzeitigen Einstieg in die Arbeitswelt wurde ja schon erwähnt.

Nicht ohne Grund haben viele Bundesländer bereits diesen ominösen Stichtag für Muss-Kinder immer weiter nach hinten geschoben (September-Dezember), eben weil die Kinder doch schon bereit für die Schule sind (Ausnahmen gibt es natürlich immer!).

Ich selbst war auch immer die Jüngste in meiner Klasse und es hat mich in keiner Weise belastet.

Beatrix

Hallo Volker,

Wir machen uns gerade finale Gedanken zum Thema Einschulung
unserer Tochter. Sie ist ein Kannkind (Ende Juli/
Niedersachsen).

war selber eines, meine Tochter auch (Anfang August, aber schon vor 23 Jahren, als das noch viel enger gesehen wurde, dass man Kinder früher in die Schule schickt).

Daher würde ich gerne dazu Meinungen/Erfahrungsberichte haben.
Also was passiert, wenn ein Kind spät/ zu spät eingeschult
wird?

Das Kind lernt inzwischen „aus Versehen“ Lesen und Schreiben und langweilt sich dann in der Schule. Außerdem ein nicht unwichtiges Argument: Bei meiner Tochter wurden im gleichen Jahrgang alle guten Freunde eingeschult, sie wäre fast als letzte im Kindergarten zurückgeblieben. Das hätte bei meiner Tochter einen echten Verlust auslösen können.

Gruß, Karin

Hallo Volker,

ich weiß nicht, wo Du lebst, aber in NW gibt es da mehrere Optionen.
Wenn man feststellt, daß das Kind völlig überfordert ist, ist eine Rückkehr in den Kindergarten problemlos. Des weiteren gibt es in NW die sog. Schuleingangsphase, die die bisherigen Klassen 1 u 2 beinhaltet. Ein Kind kann nun zwischen einem und drei Jahren in dieser Eingangsphase verweilen, wobei angestrebt wird, daß zwei Jahre der Regelfall sind.
Ganz nebenbei, was meint denn die Tochter?
Die ist schließlich die Hauptperson in diesem Spiel!

Gandalf

hallo

ich bin ein jahr zurückgestellt worden, da gerade im jahr meiner eigentlichen einschulung der stichtag zwischen „noch ein jahr kindergarten“ und „schon in die schule“ vom 1. juni auf den 1. juli gelegt wurde. da ich am 11.juni geboren bin, wäre ich praktisch aus der mittelgruppe des kindergartens ohne freunde und als eine der jüngsten in die erste klasse gekommen mit den kindern der ältesten gruppe aus dem kindergarten. laut meinen eltern, meiner oma (erzieherin) und meiner kindergärtnerin hätte ich das lerntechnisch wohl locker geschafft. leider war ich mit gerade 6 jahren wohl noch etwas transusig und verbummelt, sodass meine eltern befürchteten, ich würde in der schule öfters den anschluss verpassen. ergo blieb ich noch ein jahr im kindergarten, wurde dann mit meinen freunden und als älteste eingeschult. zu dem zeitpunkt konnte ich das wesentlichste der 1. klasse auch schon, fand es aber viel angenehmer, die schule locker angehen zu können und alles aus dem handgelenk zu schütteln, als mich dafür abrackern zu müssen. ich mein, man kann sich ja anders beschäftigen. ich hab zum ausgleich gitarre spielen gelernt.

meine ganze schulzeit hindurch ging es mir in der rolle der ältesten eigentlich gut. ich habe es nie als nachteil empfunden, geistig vielleicht ein bisschen reifer zu sein als der rest, ich fand es im gegenteil immer ne ehre, wenn ich aufgrund meines alters um rat gefragt wurde. die einzige zeit, wo älter sein auch etwas nachteilig war, war der beginn der pubertät mit all ihren körperlichen merkmalen, die natürlich bei mir dann auch als erstes sich ausprägten. da gabs mal etwas hänseleien, ungefähr ein jahr lang.

heutzutage hängt mir dieses fehlende jahr irgendwie nach, aber auch nur eher mir, die zügig durchstudieren und frühestmöglich fertig sein möchte. ich sage mir immer, dass ich rein übers frühere einschulen auch noch ein jahr früher fertig sein könnte. das alles relativiert sich recht schnell, weil ich allein über das zügige studieren schon viele der leute überhole, die das eine jahr nicht „verbummelt“ haben im kindergarten. ergo ist ein früher einstieg ins berufsleben zwar möglich durch die frühe einschulung, was aber noch lange nicht heißt, dass deine tochter das irgendwann auch mal umsetzen wird. kann auch gut passieren, sie ruht sich genau auf diesem jahr aus. ich glaube, spätestens beim berufseinstieg hat sich dieser unterschied ausgemerzt, weil einige schneller abgeschlossen haben und andere sich eben mehr zeit lassen, unabhängig vom einstiegsalter.

wie schon erwähnt, würde ich eure tochter fragen, ob sie denn schon in die schule möchte, und schauen, ob auch ihre freunde mitkommen, denn das wird fürs kind denk ich das ausschlaggebendste sein. sich erstmal einen neuen status unter völlig fremden kindern erarbeiten zu müssen, ist für sie wahrscheinlich viel schlimmer, als die älteste oder die jüngste zu sein.

gruß
yvi

ot:lassdochdiezwischenräumeauchgleichweg owt

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ot
keinproblem,aberfindestdujetztecht,dasssichdassoangenehmerliest?naja,fallsja,lasseichmichgerneinesbesserenbelehren.grußyvi