Joh.: aus der Welt
Hi Carlos,
insbesondere im Johannesevangelium spricht Jesus davon, dass
seine Jünger nicht von dieser Welt sind.
Johannes 17:16
Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der
Welt bin.
εκ του κοσμου heißt „aus der Welt“. Und das wiederum im johanneischen Sinne: allein aus dem sozio-psycho-physiologischen Kontext bestimmt sein.
Das gesamte Joh.-Ev. handelt davon, daß das In-der-Welt-Sein bzw. Aus-der-Welt-Sein nicht die alleinige Bestimmtheit des Menschen sei. Es kommt eine weitere Bestimmung dazu (siehe z.B. Joh.3). Und zu verkünden, daß diese Bestimung zu realisieren sei, das ist der Auftrag (εντολη), den der Gesandte (= Jesus) in der Welt zu erfüllen (τελειωσις) hat: Und der besteht genauer darin, eben diesen Auftrag weiterzugeben:
Joh.17.18:
Wie du mich gesandt hast in den kosmos, habe auch ich sie in den kosmos gesandt
Der Inhalt des Auftrags ist, in ihn (=Jesus) zu glauben, und das wiederum heißt, zu glauben, daß er (=Jesus) der Gesandte Gottes ist. Dies zu glauben - und den Gott als den allein wahren (μονον αλητινον) zu erkennen - ist dann nach Joh. bereits das „ewige Leben“ (Joh.17.3).
Diese Bestimmungen sind, das ist das Besondere an der johanneischen Version, identisch damit, daß die Menschen einander lieben.
Diesen Auftrag zu erfüllen bzw diese Bestimmung zu realisieren, hat nach Joh. der Mensch die a priori die Fähigkeit bzw die Vollmacht (εξουσια). Er muß sie nur auch in Anspruch nehmen.
Wer diesen Auftrag annimmt, und darin seine Identität bzw Erfüllung erkennt, ist dann „nicht aus der Welt“. Das heißt dann, „Schüler“ zu sein.
„nicht aus der Welt“-Sein bedeutet also nicht, außerhalb der Welt zu sein, und erst recht nicht, „kein Teil“ der Welt zu sein (das wäre eine fatale falsche Übersetzung), sondern in ihr zu sein, und diese Vollmacht zu realisieren.
Gruß
Metapher