Kein Teil der Welt zu sein

Hallo Allerseits,

insbesondere im Johannesevangelium spricht Jesus davon, dass seine Jünger nicht von dieser Welt sind.
Johannes 17:16
Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.

Was bedeutete es eurer Meinung nach damals für seine Jünger?
Gilt das noch für heutige Christen, bzw. wie wäre das auf heutige Christen anzuwenden?

Gruß
Carlos

Hi Carlos,

wenn ich meine Laienmeinung dazu kundgeben darf:

Joh. 17 gibt ein Gebet von Jesus wieder. „Sie“ meint damit alle Menschen, von einer Eingrenzung auf einige Auserwählte ist in dem Kapitel nirgendwo ein Hinweis zu finden. Allenfalls lässt es sich auf die verwenden, die den wahren Gott und Jesus, seinen auf die Welt gesandten Sohn anerkennen. Doch das bleibt allenfalls wohlwollende Interpretation.

HM

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Hallo Allerseits,

insbesondere im Johannesevangelium spricht Jesus davon, dass
seine Jünger nicht von dieser Welt sind.
Johannes 17:16
Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der
Welt bin.

Was bedeutete es eurer Meinung nach damals für seine Jünger?
Gilt das noch für heutige Christen, bzw. wie wäre das auf
heutige Christen anzuwenden?

Das ist nicht schwer zu verstehen.

Jesus wies damit auf die Tatsache hin, daß ein Mensch (hier seine Jünger) wenn er sich einem spirituellen Weg weiht, die Welt verläßt, indem er sich von ihr (d.h. vom allgemeinen weltlichen Leben) abwendet und den inneren Weg beschreitet (dem eigentlichen Weg Jesu).

Auf die heutige Christenheit bezogen, würde das heißen, daß man die eigentliche Botschaft Jesu nicht verstanden hat.

gruß
rolf

Joh.: aus der Welt
Hi Carlos,

insbesondere im Johannesevangelium spricht Jesus davon, dass
seine Jünger nicht von dieser Welt sind.
Johannes 17:16
Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der
Welt bin.

εκ του κοσμου heißt „aus der Welt“. Und das wiederum im johanneischen Sinne: allein aus dem sozio-psycho-physiologischen Kontext bestimmt sein.

Das gesamte Joh.-Ev. handelt davon, daß das In-der-Welt-Sein bzw. Aus-der-Welt-Sein nicht die alleinige Bestimmtheit des Menschen sei. Es kommt eine weitere Bestimmung dazu (siehe z.B. Joh.3). Und zu verkünden, daß diese Bestimung zu realisieren sei, das ist der Auftrag (εντολη), den der Gesandte (= Jesus) in der Welt zu erfüllen (τελειωσις) hat: Und der besteht genauer darin, eben diesen Auftrag weiterzugeben:

Joh.17.18:
Wie du mich gesandt hast in den kosmos, habe auch ich sie in den kosmos gesandt

Der Inhalt des Auftrags ist, in ihn (=Jesus) zu glauben, und das wiederum heißt, zu glauben, daß er (=Jesus) der Gesandte Gottes ist. Dies zu glauben - und den Gott als den allein wahren (μονον αλητινον) zu erkennen - ist dann nach Joh. bereits das „ewige Leben“ (Joh.17.3).

Diese Bestimmungen sind, das ist das Besondere an der johanneischen Version, identisch damit, daß die Menschen einander lieben.

Diesen Auftrag zu erfüllen bzw diese Bestimmung zu realisieren, hat nach Joh. der Mensch die a priori die Fähigkeit bzw die Vollmacht (εξουσια). Er muß sie nur auch in Anspruch nehmen.

Wer diesen Auftrag annimmt, und darin seine Identität bzw Erfüllung erkennt, ist dann „nicht aus der Welt“. Das heißt dann, „Schüler“ zu sein.

„nicht aus der Welt“-Sein bedeutet also nicht, außerhalb der Welt zu sein, und erst recht nicht, „kein Teil“ der Welt zu sein (das wäre eine fatale falsche Übersetzung), sondern in ihr zu sein, und diese Vollmacht zu realisieren.

Gruß

Metapher

insbesondere im Johannesevangelium spricht Jesus davon, dass
seine Jünger nicht von dieser Welt sind.
Johannes 17:16
Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der
Welt bin.

Was bedeutete es eurer Meinung nach damals für seine Jünger?
Gilt das noch für heutige Christen, bzw. wie wäre das auf
heutige Christen anzuwenden?

Hallo, Carlos!
Um mich als Nicht-Theologe nicht auf Spintisierereien einzulassen, hab ich s extra nachgelesen (Nestle).
Der ganze Abschnitt ist ein Gebet Jesu. Hier im Kontext bittet er für seine Anhänger. Die Stelle lautet im Zusammenhang: "Ich gab ihnen deinen logos (Wort/Geist/Rede), und die Welt hasst(e) sie, weil sie sind nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht: ‘Nimm sie weg aus der Welt’, sondern ‘bewahre sie vor vor dem Bösen!’.
Durch die Kausalangabe weil/óti/quia wird klar, dass dieses Nicht-von-der-Welt-sein als der Grund für Hass genannt ist, und nachvollziehbar folgt darauf die Bitte um Bewahrung vor dem Bösen / ek tou ponerou / a malo. Ob damit Sünde gemeint ist oder Hass und Verfolgung als Übel, sollen die Theologen sagen.
Anwendbar auf heutige Christen? Kein Hass, keíne Häme (, weil von dieser Welt)? Blätter doch mal ein bisschen im Brett herum,
rät mit schönen Grüßen
H.

Hallo HM,

Joh. 17 gibt ein Gebet von Jesus wieder. „Sie“ meint damit
alle Menschen, von einer Eingrenzung auf einige Auserwählte
ist in dem Kapitel nirgendwo ein Hinweis zu finden. Allenfalls
lässt es sich auf die verwenden, die den wahren Gott und
Jesus, seinen auf die Welt gesandten Sohn anerkennen.

Auch im Kapitel 15 Vers 17-19 geht es darum kein Teil der Welt zu sein.
Sowohl im Kapitel 5, als auch Kapitel 17 spricht Jesus zu seinen Jüngern und über seine Jünger.

Gruß
Carlos

Hallo Metapher,

ich weiss nicht, ob ich dich richtig verstehe.

εκ του
κοσμου heißt „aus der Welt“. Und
das wiederum im johanneischen Sinne: allein aus dem
sozio-psycho-physiologischen Kontext bestimmt sein.

OK, mit der Welt ist nicht der Planet Erde gemeint, sondern die menschliche Gesellschaft,
ähnlich wie der Begriff „Welt“ auch heute verwendet wird.

Der Inhalt des Auftrags ist, in ihn (=Jesus) zu
glauben, und das wiederum heißt, zu glauben, daß er (=Jesus)
der Gesandte Gottes ist. Dies zu glauben - und den Gott als
den allein wahren (μονον
αλητινον) zu erkennen

  • ist dann nach Joh. bereits das „ewige Leben“ (Joh.17.3).

OK, Christen müssen glauben an Gott un Jesus ausüben.

Diese Bestimmungen sind, das ist das Besondere an der
johanneischen Version, identisch damit, daß die Menschen
einander lieben.

Dem kann ich nicht mehr folgen.

Wer diesen Auftrag annimmt, und darin seine Identität bzw
Erfüllung erkennt, ist dann „nicht aus der Welt“. Das heißt
dann, „Schüler“ zu sein.

„nicht aus der Welt“-Sein bedeutet also nicht, außerhalb der
Welt zu sein, und erst recht nicht, „kein Teil“ der Welt zu
sein (das wäre eine fatale falsche Übersetzung), sondern in
ihr zu sein, und diese Vollmacht zu realisieren.

Nicht aus der Welt zu sein bedeutet also den Auftrag Jesu auszuführen und an Gott und seinen Sohn zu glauben,… wenn ich dich richtig verstanden habe.

Gruß
Carlos

in der Welt, aber nicht aus der Welt
Hi Carlos,

OK, mit der Welt ist nicht der Planet Erde gemeint, sondern
die menschliche Gesellschaft,
ähnlich wie der Begriff „Welt“ auch heute verwendet wird.

Ja, und und der Begriff „Welt“, kosmos, ist analog verwendet wie „Fleisch“, sarx, so daß mit beidem zusammen der ganze sozio-psycho-somatische Kontext, also der Gesellschaft und des Individuums, gemeint ist.

Der Inhalt des Auftrags ist, in ihn (=Jesus) zu
glauben, und das wiederum heißt, zu glauben, daß er (=Jesus)
der Gesandte Gottes ist. Dies zu glauben - und den Gott als
den allein wahren (μονον αλητινον) zu erkennen

  • ist dann nach Joh. bereits das „ewige Leben“ (Joh.17.3).

OK, Christen müssen glauben an Gott un Jesus ausüben.

Sie müssen nicht. Es ist sein Auftrag (entole) an sie. Und wenn sie dem Auftrag nachkommen, dann sind es die „Schüler“, die in Kap. 17. gemeint sind.

Diese Bestimmungen sind, das ist das Besondere an der
johanneischen Version, identisch damit, daß die Menschen
einander lieben.

Dem kann ich nicht mehr folgen.

Das erhellt aus dem dramatischen Höhepunkt dieses Kapitels: 17.20-23.
In drei Stufen wird dieses „liebt einander“ (diese Formulierung gibt es nur bei Joh. Sonst lautet der Satz „liebt den anderen“) aus dem innergöttlichen Dialog (ebend das gesamte Kap. 17) per analogiam („so - wie“) „abgeleitet“: So wie der hier Sprechende mit dem Vater eins ist, so ist er mit ihnen (den „in ihn“ Glaubenden = den Glaubenden, daß er Gesandter Gottes ist) eins - und so sind sie untereinander eins.

Nicht aus der Welt zu sein bedeutet also den Auftrag Jesu
auszuführen und an Gott und seinen Sohn zu glauben,… wenn
ich dich richtig verstanden habe.

Ja, so dürfte sich der Autor verstanden sehen. Dieser Ausdruck „sie sind nicht aus der Welt wie auch ich nicht aus der Welt bin (ek tou kosmou)“ in 17.14+16 ist ja parallel zum Ausdruck zu lesen: „ich bin nicht mehr in der Welt (en to kosmo), sie aber sind in der Welt“ (17.11). D.h. hier wird der Gedanke aus Joh.3.5 (nicht nur aus dem Mutterschoß geboren, sondern von neuem - oder von „oben“ - aus pneuma, Geist) in anderer Sprache wiederholt: Die Bestimmung, in der Welt zu sein (sarx, kosmos) ist nun nicht mehr die alleinige, sondern mit 17.8 haben sie eine neue, zusätzliche Identiät: „die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie genommen und haben wahrhaftig erkannt, daß ich von dir ausgegangen bin …“.

Gruß

Metapher

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Hallo Carlos

Einfach gesagt, wiedergeborene Christen sind Bürger des Himmelreiches und nicht Bürger der Welt, auch wenn sie noch eine Zeit darauf leben.

Gruss
beat