Kein wehrdienst machen

[…]

Das ist aber ein wenig simpel ausgedrückt. Es ist vielmehr ein
Kompromiss zwischen individueller Freiheit und allgemeinen
Regeln, damit ein solidarisches Zusammenleben funktioniert.

Ist das weniger simpel? Ausserdem beinhaltet deine Definition
ja schon, dass auch auf der Ebene der individuellen Freiheit
Kompromisse gemacht werden müssen. Für einen derartigen
Kompromiss kann man z.B. die Dienstpflicht halten.

Nein, das war auch sehr simpel. Aber vielleicht etwas mehr am Kern des Pudels … bisher war die Dienstpflicht ja ein solcher Kompromiss, der unter den Umständen „kalter Krieg“ etc. von vielen für gerechtfertigt befunden wurde. Diese Verhältnisse haben sich jetzt geändert.

Das ist natürlich nicht egal. Es geht da um einen erheblichen
Eingriff in die Selbstbestimmung (ich wiederhole mich hier),
der in der jetzigen Form nicht vom Grundgesetz abgedeckt ist!

Ach Gott, dann ist auch eine rote Verkehrsampel ein Eingriff
in die Selbstbestimmung.

Das ist ein ganz windiger Vergleich. Die Verkehrsampel z.B. ist ein notwendiger Kompromiss, denn sonst wäre ein geregelter Individualverkehr nicht denkbar. Was genau wäre aber die Begründung für die Aufrechterhaltung der Wehrpflicht?

Das sollten wir mal im Brett Recht andiskutieren. Bin mal
gespannt auf die Meinung von ein paar Dutzend Juristen.

Ich habe da eine interessante Diskussion im Radio verfolgt, die im Rahmen der Bundeswehrreform stattfand. Dort war auch ein hochrangiger Jurist vertreten, der genau dieses Argument gebracht hat. Im übrigen hat doch die extra einberufene Expertenkommission die Wehrpflicht ebenfalls abschaffen wollen. Nur hat unser Verteidigungsminister nicht drauf gehört.

[…]

Das hat auch nichts mit Mehrheit zu tun. Denn über das
Grundgesetz kann man nicht einfach durch Volksentscheid hinweg
gehen. Zumal ich bezweifle, dass eine Wehrpflicht zur Zeit
eine Mehrheit in der Bevölkerung findet.

Nun, auch das Grundgesetz ist kein gottgegebenes Evangelium,
sondern kann - mit einigen Ausnahmen - per Mehrheitsbeschluss
verändert werden.

Nein. Das Grundgesetz kann lediglich durch eine 2/3 Mehrheit im Bundestag geändert werden. Es gibt dort kein plebiszitäres Element – also keine direkte Abstimmung im Volk und keine gewöhliche Mehrheitsentscheidung.

Als Kommisskopp muss man keinen Wehrdienst geleistet haben. Da
bist Du doch ein gutes Beispiel :wink:

Nun, das hängt dann sicherlich von Deiner persönlichen
Definition des Begriffes ab. Wenn jeder ein Kommisskopp ist,
der nicht deiner Meinung ist, dass eine Dienstpflicht eine
verfassungswidrige Verletzung deines Rechts auf
Selbstbestimmung darstellt, dann gehöre ich wohl dazu. Bei
dieser Definition fühle ich mich dann allerdings in ganz guter
Gesellschaft.

Nein, als Kommisskopp bezeichne ich diejenigen, die von ihrer tollen Zeit bei der BW erzählen (Lagerfeuer, auf Wache mit dem G3 aus versehen Wildschweine erlegen etc.) und der Meinung sind, nichtdienende seien Weicheier, die ihrer Pflicht und Schuldigkeit gegenüber dem Vaterland nicht nachkämen und im übrigen eine wesentliche persönlchkeitsbildende Phase in ihrem Leben versäumten.

  1. dass ich den Terminus Gemeinwohl im Zusammenhang mit dem
    Zivildienst gebraucht habe.

Das ist mir in der Tat nicht aufgefallen. Soweit ich es
beurteilen kann, bezog sich das sowohl auf Wehr- wie auf den
Zivildienst.

Nö, der Begriff taucht in meiner Antwort auf Bruno Hallers
posting auf, der schreibt, dass man ihm auf ziviler Ebene
seine Würde/Selbstbestimmung geraubt hat.

Das sowieso, denn in Deutschland sind „Soldaten“ Zivilisten in Uniform.

Richtig. Dumpfbacken gibt es in der Tat überall. Nur nicht
überall in der gleichen Dichte. Du findest unter den
Bundeswehrsoldaten weit mehr Dumpfbacken, als z.B. unter den
Zivildienstleistenden :smile:
Ich bin oft genug am Wochenende Zug gefahren. Glaube mir, es
ist berechtigt und ich könnte hier noch viel verächtlichendere
Äußerungen über unsere emsigen Vaterlandsverteidiger machen!
Eines habe ich mich in deren Nähe jedenfalls nie gefühlt:
sicher.

Tja, was soll ich dazu sagen. Wenn das Deine Erfahrung ist,
lässt sich darüber kaum diskutieren. Aber der eigentliche
Punkt unserer Diskussion ist ja auch nicht der Geisteszustand
der Wehrdienstleistenden. Ich denke aber, dass das zumindest
zum Teil auch ein Problem der selektiven Wahrnehmung ist. Die
still und unauffällig zugfahrenden Vaterlandsverteidiger
fallen ja nicht so auf, wie die saufenden und herumpöbelnden
Exemplare.

Da hast Du wohl wieder recht. Aber es ist weiss Gott keine besonders gute Reklame für die Bundeswehr. Wenn man stets nur mit Dumpfbacken und besoffenen Horden in Berührung kommt, dann muss so ein Bild der Bundeswehr resultieren. Sollte halt mehr Wert auf die Gesinnung und ein höfliches, dezentes Auftreten in der Öffentlichkeit gelegt werden. Aber mittlerweile sammelt sich wohl der Bodensatz der Gesellschaft bei der BW, der Rest macht Zivildienst :wink:

Es ist übrigens mittlerweile so schlimm, dass an Wochenende die MP direkt auf den Bahnsteigen des Hamburger Hauptbahnhofes patrouilliert, um die schlimmsten Radaubrüder an Ort und Stelle einzusammeln. Immerhin bleiben einem während der Reise so einige Schlägereien erspart.

Gruss

Jens

Allerdings lasse ich es einfach nicht gelten, dass die
Bundeswehr für die Entwicklung der Persönlichkeit eines jungen
Staatsbürgers unabdingbar ist und etwas leistet, was ohne sie
nicht möglich wäre.

Habe ich ja auch nicht gesagt.

In den allermeisten mir bekannten Fällen hat die
Bundeswehrzeit eher geschadet, als genutzt.

Na, das klingt ja mal interessant. Würde ich gerne mehr drüber erfahren.

Das man „seinen Spass“ haben kann, bezweifle ich auch keinen
Augenblick. Solange man nicht in Bosnien Dienst leistet,
sondern brav daheim …

Um diese Frage ging es mir doch überhaupt nicht.

Ach, na das kann man durchaus sehr gut (auch ohne Wohnheim)
zivil erleben. Mach halt mal Interrail nach Marokko …

Jetzt fängst Du ja schon wieder damit an, Äpfel mit Birnen zu vergleichen!

Aber hat es sich denn positiv ausgewirkt?

Ich denke, ich hätte auch ohne überlebt.

Wärst Du auch
hingegangen, wenn es rein freiwillig gewesen wäre?

Nö.

Sind ein
paar Wochen Lagerfeuer- und Cowboyromantik den Eingriff in die
persönliche Freiheit wert?

Für mich kam es zumindest zur richtigen Zeit, denn ich hatte keine Ahnung, was ich studieren will, wollte von zuhause weg, und da ist es ganz schön für mich gewesen, dass mir da jemand die Entscheidung abgenommen hat.
Mag eine Dünnbrettbohrer-Haltung sein, aber sowas in der Art war ich dann wohl mit 19.

Und ob es vergleichbar ist. Sei mal nicht so abfällig
gegenüber Nicht-BW Geschichten. Das Leben findet auch
ausserhalb der Armee statt, ob den BWlern das nun passt oder
nicht.

Meine Güte, Du raffst irgendwie nicht ganz, dass ich hier gar nix abwerten will!
Schliesslich lebe ich nicht in einem BW-Kosmos, sondern habe in den letzten Jahren selbstverständlich auch ausserhalb der BW Erfahrungen gemacht.

Und bewerten kann ich es auch wunderbar. Das lasse ich mir
doch nicht verwehren, weil mich ein paar Schlaumeier als
„Weichei“ oder sonstwie bezeichnen.

Für Dich selber kannst, darfst und musst Du das tun.

Ich bin nach wie vor der
Überzeugung, dass man bei der Bundeswehr rein gar nichts lernt
oder mitbekommt, was man nicht auch anders erleben könnte.

Was Du alles weisst…
Im Ernst: Du missverstehst hier, glaube ich, einiges. Es geht doch hier nicht um eine Glorifizierung der BW. Natürlich wäre ich wohl auch ohne BW zu dem Menschen geworden, der ich heute bin.

Ausserdem ging es ursprünglich darum, ob es berechtigt ist,
sich vor diesem Dienst „drücken“ zu wollen.

Aber nicht in der Diskussion mit mir.

Und ich bin
absolut der Meinung, dass man selbstverständlich das Recht
darauf hat, diesen Quatsch ganz zu vermeiden, wenn es
irgendwie legal geht.

Ist ja auch richtig so.

Das ist mir nun wirklich neu. Vielleicht bin ich zu alt. Meine
Freunde haben ihre diversen bei der BW erworbenen „Scheine“
(LKW, Motorrad, Motorbot, etc.) durchaus im zivilen Leben
behalten dürfen.

Ist aber tatsächlich vor ein paar Jahren geändert worden (u.a. weil die Fahrlehrerverbände Druck gemacht haben).

Und tschüss,
HOFee

kann ich dort dann auch noch gezogen werden?

Nein, hast Du alle Wohnsitze im Inland abgemeldet, so kannst Du nicht eingezogen werden.

gibt es andere möglichkeiten?

Keine Bessere. Und nach dem Studium ist die Wehrplicht eh abgeschafft.

Schau mal nach unter http://www.bundeswehrsabschaffen.de unter der Broschüre "Wie vermeide ich die Wehrpflicht.

Für unsere zwei Streithälse noch ein Wort:
Ich bin auch der Meinung, daß die Bundeswehr verfassungswidrig ist. Sie greift unnötig in die persönliche Freiheit ein.
Das hat auch schon ein deutsches Gericht gesagt, unter:
http://www.brandenburg.de/lgp/lgpweb/presse/pressemi…

Mark

Das alles und noch viel mehr! Wer das nicht vertraegt,
der soll halt Krankenschwester spielen. Ich spiele lieber
Ballerspiele.

so ein blödes Gelaber

P.S. So schlimm wars übrigens nicht, man kriegt sogar waehrend
eines Manoevers Nutella zum Fruestueck, und ein gutes
Stueck Braten zum Mittagessen, wenn man so schlau war,
einen guten Draht zur Kueche zu legen.
DAS nenne ich Vorbereitung aufs wirkliche Leben.

was? opportunismus?

MfG Bruno

Hallo Mark,

das von Dir gefundene Urteil über die Verfassungsmäßigkeit der Wehrpflicht ist unbedingt lesenswert. Auch wenn die letzte Entscheidung noch aussteht, haben sich hier Richter die Mühe gemacht, absolut wasserdicht und von allen Seiten die Problematik bedenkend, kaum widerlegbar zu argumentieren.

Für Befürworter und Gegner staatlicher Zwangsdienste eine Pflichtlektüre.

Gruß
Wolfgang

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was? opportunismus?

Nein, zu begreifen, dass ein Schnitzel wichtiger
ist, als jede Ideologie.

Vor allem im Umgang mit Nationen, bei denen
Schnitzel (und nicht nur das) Mangelware sind.

Marco