Hallo Zusammen,
ich habe vor kurzem mein Diplom abgeschlossen (Naturwissenschaften) und ein Problem mit einem früher abgeleisteten Praktikum in den USA.
Kurz gefasst:
- Ich habe kein Praktikumszeugnis für ein 6-monatiges Praktikum in den USA
- Wie kann die unangenehme Geschichte (s.u.) in einem Bewerbungsgespräch positiv für mich verpacken?
Die ganze Geschichte:
Ich war vor ca. 2 Jahren in den USA und habe an einer Institution, die Teil der dortigen Universität ist, ein Praktikum abgeleistet (freiwillig). Das ganze habe ich mir selbst organisiert, dh. direkt eine eMail an einen Associate Professor dort geschrieben und nach etwas hin und her einen Vertrag als Werksstudent für ein halbes Jahr bekommen. Die Option war, die dort getane Arbeit etc. eventuell später in eine Diplomarbeit einfliessen zu lassen. Die Anforderung des Associate Professors, meinem Betreuer dort, waren 1-2 Publikation, die daraus resultieren sollten. Ein halbes Jahr später war ich dann in den Staaten.
Anfangs lief das ganze ganz gut, ich habe dort an der Uni mit experimentellen Daten gearbeitet und programmiert. Bald stellte sich aber heraus, dass mein Betreuer ein extremer Eigenbrödler ist. An was er arbeitete, war eigentlich etwas völlig Fachfremdes und keiner vom Institut wusste, was er überhaupt machte. Seine Arbeitsgruppe, die er versprochen hatte, war in allen Teilen der Welt verstreut, nur eben nicht an dieser Universität. Seine Anwesenheitszeit an der Uni war auch extrem mager, was wohl darauf zurückzuführen war, dass er sich selbst finanzieren musste. Deswegen hatte er auch noch nie einen Studenten betreut oder auch nur eine einzige Vorlesung gehalten, obwohl er bereits 6 Jahre Associate war. Ebenso war mein Betreuer bekannt dafür, genauer Vorstellungen zu haben, diese aber in keinster Art und Weise vermitteln zu können. Auch seine Wutausbrüche waren berüchtigt. Das Ganze hat natürlich vor mir nicht halt gemacht, dh. was ich gemacht habe, war natürlich nie so wie er es wollte. Helfen konnte mir in dieser Sache dort niemand.
Teil des Praktikums waren auch zwei längere Feldkampagnen (jeweils ca. 3 Wochen) in abgelegensten Teilen Alaskas. Auf dem ersten Trip waren wir zu fünft, wobei bis auf ihn und mich nur fachfremde Leute, teilweise nicht einmal Wissenschaftler, teilnahmen. Die Messungen habe ich damals alleine organisiert und mit einem felderprobten Techniker durchgeführt. Auch hier ging meine Auseinandersetzung mit meinem Betreuer weiter, ausgelöst oft nur durch Kleinigkeiten.
In der zweiten Hälfte des Praktikums war der Associate Professor nicht mehr verfügbar, da seine Frau ein Kind bekommen hatte und er eine Auszeit nahm, was vorher nie im Gespräch gewesen war. Meine Arbeit hat ihn dann überhaupt nicht mehr interessiert, er war auch fast nicht mehr erreichbar.
Auf der zweiten Feldkampagne war er dann gar nicht dabei, stattdessen zwei andere Wissenschaftler, die aber ihre eigenen Messungen durchgeführt haben. Meinen Teil der Messungen habe ich wie zuvor mit dem Techniker durchgeführt und waren sehr erfolgreich.
Einen Monat vor Ende des Praktikums habe ich ihm eröffnet, dass ich keine Diplomarbeit aus der bisherigen Arbeit machen werde und ebenso keine Publikation. Meine Bergründung war, dass eine Betreuung seinerseits schon nicht geklappt hat, als ich noch vor Ort war und dass die Betreuung per eMail oder telefonisch dann noch weniger klappen würde. Daraufhin haben wir uns nur noch angeschrieben. Den Rest der Zeit habe ich dann noch damit verbracht, die bisherge Arbeit zu strukturieren bzw. Programmcodes zu dokumentieren.
Ein Zeugnis für die Zeit habe ich nicht. Auch seine Vorgesetzten habe ich damals nicht nach einem Zeugnis etc. gefragt, da auch diese Studenten betreuten, die zu der Zeit, als ich dort war, reihenweise ihren Master geschmissen haben eben aufgrund deren mangelnder Betreuung. Das hat mich auch davon abgehalten, auf deren Unterstützung zu hoffen. Zudem war das ganze Institut kurz vor einer Umstrukturierung in den obersten Reihen.
Meine Hoffnung im Moment ist, etwas von dem “Techniker” zu erhalten, zu dem ich immer noch einen guten Kontakt pflege. Er hat zwar keinen Titel, kann aber meine Arbeitsweise, zumindest während der beiden 3-wöchingen Kampagnen sehr gut beurteilen. Natürlich würde jedem aus einer Personalabteilung sicher auffallen, das niemand mit einem Doktortitel etc. dieses Zeugnis unterschrieben hat und “nachbohren”. Wie könnte man die Geschichte, die ich erlebt habe, irgendwie positiv für mich verpacken?
Hat jemand für solch einen Fall kluge Ratschläge?
Viele Grüsse Alexandra
zum tragen kommt.