Keine Lohnerhöhung nach einem Jahr?

Hallo!

Ich arbeite in einer Raiffeisengenossenschaft, habe eine 45-Stunden-Woche, und arbeite dort nun seit genau einem Jahr! Ich kriege etwas über 1000 Euro netto raus. Nun habe ich heute meinen Arbeitgeber gefragt, wie es mit einer Gehaltserhöhung ausschaue? Ohne irgendwie zu argumentieren, wie ich darauf komme, meinte er direkt, dass das nicht ginge, dass er das nach einem Jahr dem Vorstand nicht erklären könne. Ich habe ihn gefragt, wann ich denn mit einer Gehaltserhöhung rechnen könne, meinet er nur, VIELLEICHT im Dezember, nach Vorstandsbesprechung, wenn das Jahr gut liefe…
Habe ich denn gar keinen Anspruch auf etwas mehr Geld? Ich möchte irgendwann doch mal auch aus meinem Elternhaus ausziehen, mit 1000 Euro ist das doch ein Witz! Zumal wenn man ein Auto braucht, um zur Arbeit zu kommen, alleine das verschlingt schon rund 450 Euro für Steuern, Versicherung, Finanzierung.
Zu den Tätigkeiten dort: kassieren, bestellen, Preise kalkulieren, auszeichnen, Laden mitgestalten und auch sauber halten und putzen, zur Bank fahren (die Benzinkosten müssen von mir getragen werden), 3 Abteilungen, die mir gehören, führen und ordentlich halten, Kundeberatung, Reklamationen, über die restlichen Produkte, die wir in allen anderen Abteilung haben bescheid wissen und auch fachkundige Antworten geben können und und und. Es ist halt ein kleiner Betrieb, wo man sich um alles kümmern muss, ich wie auch die anderen zwei Kollegen.
Kann man da evtl. auch auf eine Lohnerhöhung bestehen, wenn es keinen Pausenraum gibt? Den haben wir nämlich nicht (aus Kostengründen!)! Also muss man die Stunde Pause im Auto machen, oder man geht einkaufen oder sonst wo hin. Ich finde das schon ein bisschen eigenartig, zumal wir dieses Jahr doppelt so groß werden, 400 qm sollen dazugebaut werden, also ist Geld ja da! Zumindest für den Laden, aber nicht für einen Pausenraum und auch nicht für eine Lohnerhöhung!
Was sagt ihr dazu? Verlange ich da vielleicht zu viel oder sind meine Zweifel doch ein bisschen berechtigt?

Lieben Dank schon mal und Grüße!!!

Hi Resi,

hmm, ich fürchte, dass Du da zwei Sachen durcheinander wirfst. Zum einen DEINE Interessen (eigene Wohnung, Auto, Hobbys etc.) und zum anderen die Interessen von Deinem CHEFFE.
Deine Interessen sind „möglichst viel Geld für möglichst wenig/angenehme Arbeit“ während Dein Cheffe eher für „möglichst viel Arbeit für möglichst wenig Geld“ möchte. Mit Deiner Einstellung habt Ihr Euch sicher über die Tätigkeit und Deine Gehaltsvorstellung unterhalten und Euch letzten Endes auf die aktuelle Summe geeinigt.

Willst Du nun von dieser Summe abweichen - sprich mehr Kohle haben, dann interessiert den Chef Deine Sichtweise nicht, sondern Du musst die Welt mit seinen Augen sehen. „Ich bin mehr Geld für Sie wert weil…“ vielleicht warst Du als Putzfrau eingestellt und machst nun die Stellvertretende Geschäftsleitng? Oder Du hast ein verloren geglaubtes Projekt durch tollen Einsatz doch noch zum Erfolg geführt? Egal was, hier musst Du Sachen aufführen, wo klar wird, dass DU jetzt für Deinen Chef mehr wert bist als Du das zum Zeitpunkt Deiner Einstellung warst. Was das für Sachen sind, können wir Dir nicht raten, aber Du ahnst in welche Richtung es gehen soll?

Generell noch was: es ist eigentlich nicht sooo üblich, dass man schon nach einem Jahr nach ner Gehaltserhöhung schreit. Das könnte eventuell die sehr schroffe Ablehnung vom Chef erklären…

Kann man da evtl. auch auf eine Lohnerhöhung bestehen, wenn es
keinen Pausenraum gibt?

Siehe oben - darüber würde ich auf gar keinen Fall argumentieren. Wir sind doch hier nicht im Urlaubshotel wo jede einzelne Schnake einen Reisepreismangel darstellt :wink:

Achja - ich hab blöderweise Dein diesbezügliches Zitat schon gelöscht (jaja, wenn die Finger schneller tippen als das Hirn denkt…), aber irgendwo schreibst Du sinngemäss, dass Du öfters mal dienstliche Fahrten mit dem Privat-PKW machst. Da würde ich auf jeden Fall mal abklären, wie das mit der Versicherung aussieht: sprich, was wenn Dir auf so einer Fahrt mal ein Unfall passiet (sei es nun mit Sach- oder Personenschaden, sei es mit oder ohne Deine Schuld)? Ob und wie ist sowas versichert? Vielleicht könntest Du auch fragen, ob Du diese Kosten (wenn wir hier über grössere bzw. regelmässige Strecken reden) eventuell erstattet kriegen könntest? Bei beidem weiss ich nicht, wie das der Gesetzgeber regelt, aber das ist bestimmt irgendwie geregelt *fg*

*wink*

Petzi

Hallo Petzi,

ich bin dadurch auf die Lohnerhöhung gekommen, weil der Chef ja selbst immer wieder zufrieden sagte, dass gerade diese Abteilungen sehr gut laufen, seit dem ich sie habe. Jetzt kümmert sich da wenigstens jemand richtig drum. So, und wenn man sich darum bemüht und sich engagiert, dann will man doch wohl auch ein Häppchen von dem Riesenprofit, den wir ja nun mal machen, abhaben. Eingestellt wurde ich als kaufmännische Angestellte. Zu der Zeit hatten wir auch noch einen Azubi, den es nun nicht mehr gibt, also müssen wir drei im Büro uns seine Aufgaben auch noch aufteilen.

Nun ja, und aufführen konnte ich leider bei dem Gespräch gar nichts. Der Chef hat direkt nach dem ersten Satz abgeblockt und ließ mich gar nicht zu Wort kommen. Ich weiß ja selbst, dass ich mich um EINIGES gebessert habe, was ich anfangs für Fehler gemacht habe, die mir nun niemals nie mehr passieren könnten. Ich habe durch Fortbildungen meinen Wissensstand erweitert und bekomme das alles nicht honoriert.

Meine Kusine (nur als ein Besipiel von vielen aus meiner Familie) bekam nach einem Jahr eine Erhöhung von etwas über 100 Euro netto. Vielleicht auch da unüblich, aber so kenne ich es nun mal :smile:

Liebe Grüße

Taktik-Tictac?

ich bin dadurch auf die Lohnerhöhung gekommen, weil der Chef ja selbst immer wieder zufrieden sagte, dass gerade diese Abteilungen sehr gut laufen, seit dem ich sie habe.

Manchmal sagen Chefs sowas auch nur, um aufzubauen oder motivieren. Interessanter wären hier Fakten, wie zB. Umsatzplus von 12% oder beschleunigte Duchrsatzraten um 25% oder oder oder…

So, und wenn man sich darum bemüht und sich engagiert,

„X war stets bemüht und engagiert…“ - gibt’s diese Aussage auch in direkter Korrelation zu

dem Riesenprofit, den wir ja nun mal machen

oder nur dieses Wischiwaschi „Chef hat doch selbst gesagt, dass es jetzt gut läuft“?

dann will man doch wohl auch ein Häppchen von

Auch die falsche Begründung. Die Chefdenke zu lernen hilft immens bei Gehaltsgesprächen.

Zu der Zeit hatten wir auch noch einen Azubi, den es nun nicht mehr gibt, also müssen wir drei im Büro uns seine Aufgaben auch noch aufteilen.

Was hat er denn gemacht? Weltrekord im Solitär und das Tages-Sudoku bis zur Frühstückspause? Sorry, das war bös. Je nach Betriebskultur und Azubi geht es ohne Azubis sogar schneller und einfacher ohne. Hier müßtest Du schon konkret argumentieren können „Die Aufgabe war nicht Teil dessen, was abgemacht war als ich angefangen habe. Ich erbringe diese Leistung wegen der geänderten Struktur nun zusätzlich, und die ist Ihnen, wie ich weiß, wichtig und kostbar…“

Nun ja, und aufführen konnte ich leider bei dem Gespräch gar nichts. Der Chef hat direkt nach dem ersten Satz abgeblockt und ließ mich gar nicht zu Wort kommen.

Klar, passiert schnell. Besonders wenn der erste Satz „Gehalt“ ist. Man muß von hinten durchs Fenster und so… erstmal um ein Gespräch bitten, in dem man über die übernommenen Verantwortungen redet. In diesem läßt man sich dann Resultate und Fortschritte bestätigen. Und DANN holt man den Holzhammer raus von wegen „Da ich ja laut Ihren Aussagen nun das Niveau, für das ich mein derzeitiges Gehalt bekomme, überschreite wäre es doch sicher angebracht, mein Gehalt den Leistungen anzugleichen?“

Ich weiß ja selbst, dass ich mich um EINIGES gebessert habe, was ich anfangs für Fehler gemacht habe, die mir nun niemals nie mehr passieren könnten.

Nun ehrlich gesagt, wenn Du üble Schnitzer gemacht hast, hat man Dich nicht für dieses Gehalt eingestellt, weil Deine Arbeit in diesem Zustand über €2000 inkl. AG-Anteil zur RV/KV wert ist, sondern in der Hoffnung, dass Du in Zukunft Leistungen erbringst, die dann auch das kompensieren, was Du anfangs verhauen hast. Wenn Deine Leistungen nun das „Durchfüttern der Anfangsphase“ kompensiert haben, gut.
Vor allem: Du darfst nicht netto rechnen, immerhin zahlt Dein AG brutto.
Daher mußt Du auch nicht Arbeit für €1000, sondern Arbeit für €2000 rechtfertigen.
Und wenn Du €100 netto mehr willst, mußt Du Arbeit für fast €2200 rechtfertigen.

Ich habe durch Fortbildungen meinen Wissensstand erweitert und bekomme das alles nicht honoriert.

Chef-Sicht: wenn Du es nicht hättest, wäre es honoriert worden, und zwar mit einem Kündigungsschreiben wegen akuter Unfähigkeit. Allein die Tatsache, daß Du noch dort arbeitest, ist schon eine Form der Honorierung.

Meine Kusine (nur als ein Besipiel von vielen aus meiner Familie) bekam nach einem Jahr eine Erhöhung von etwas über 100 Euro netto.

Ich kenne auch Leute, die nach einem Jahr fast +100% Gehalt bekamen. Aber die wurden „zum Ausbilden“ quasi mit einem Lehrlingsgehalt eingestellt und bekamen nach fertiger Ausbildung das Gehalt, was ihre entsprechende Qualifikation wert ist.

Es interessiert doch weniger das „wieviel mehr“ als das „von wo nach wo“.

Nochmal:
Erstens interessiert Chefs nicht, was üblich ist, sondern was Du an Leistungen beweisen kannst.
Zweitens interessiert Chefs nicht, was Du netto kostet sondern was Du in der Jahresbilanz an Gesamtkosten verursachst(und zwar brutto plus AG-Anteil).
Drittens argumentiert man nicht über persönliche Bedürfnisse sondern über Bedürfnisse des Unternehmens.

Und das alles zusammenfassend: wenn Dir diese Dinge nicht bekannt oder bewußt sind oder Du sie gar bewußt verdrängst, dann hast Du in der kaufmännischen Tätigkeit noch viiiiiiiiiiel zu lernen bevor Du ein höheres Gehalt rechtfertigen kannst.

Gruss,
Michael

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Nochmal:
Erstens interessiert Chefs nicht, was üblich ist, sondern was
Du an Leistungen beweisen kannst.
Zweitens interessiert Chefs nicht, was Du netto kostet sondern
was Du in der Jahresbilanz an Gesamtkosten verursachst(und
zwar brutto plus AG-Anteil).
Drittens argumentiert man nicht über persönliche Bedürfnisse
sondern über Bedürfnisse des Unternehmens.

Und das alles zusammenfassend: wenn Dir diese Dinge nicht
bekannt oder bewußt sind oder Du sie gar bewußt verdrängst,
dann hast Du in der kaufmännischen Tätigkeit noch
viiiiiiiiiiel zu lernen bevor Du ein höheres Gehalt
rechtfertigen kannst.

Gruss,
Michael

Hallo Michael,
ich habe das als Außenstehender einfach mal mitgelesen, ist ja ein öffentliches Forum.
Wenn ich zu deinem Beitrag Sternchen vergeben könnte, du bekämst gleich eine ganze Tüte voll.
Alles war korrekt, höflich argumentiert und überzeugend.
Du hast nur das Fazit nicht präzise genug mit Nachdruck ausgedrückt was nämlich heißt:
Leistung (Geld) nur gegen Leistung (Erfolg).

Gruß
acuario