Keine Reparatur des Kreuzbandes?

Hallo,

nach einem Unfall habe ich nun einen vorderen Kreuzbandriss sowie einen Außenmeniskus (An) Riss. Beim Operationsgespräch wurde mir gesagt, dass man mit einer Atroskopie beginnt und dann den Meniskus „saniere.“ Am Kreuzband wird der Operateur nichts machen mit der Begründung, dass die Muskeln das fehlende Kreuzband „kompensieren“ werden. Nun stelle ich mir die Frage ob das nicht gepfuscht ist. Wenn ich mal alt bin und weniger Muskeln habe treten dann Probleme auf? Hat jemand damit Erfahrungen oder ist sogar Mediziner?
Ich würde mich über viele Antworten freuen! Liebe Grüße Philipp

Hi,
also ich hab mir meines wieder bauen lassen und meine richtig entschieden zu haben. In D ist das jedenfall Konsens. Die muskeln kompensieren es tatsächlich bis zu einem gewissen Grade, dennoch bleibt das Kniegelenk instabil und rutscht ständig hin und her. Das hat nach gängiger Lehrmeinung eine vorzeitige Arthrose zu Folge.
Also OP ist keine Muss-Entscheidung, aber m. E. sinnvoll.

pp

„Einfache“ Kreuzband- und Meniskenrisse, d.h. wenn diese einzeln vorliegen, können in der Tat gut konventionell behandelt werden, wobei genauso gute Therapieerfolge erzielt werden wie bei einer operativen Behandlung. Vorteilhaft ist dabei, dass das allgemeine Operationsrisiko entfällt.

Welche Behandlung jedoch in deinem Falle angezeigt ist, kann auf die Schnelle kaum beurteilt werden, weil diese Entscheidung sowohl von mehreren Faktoren wie auch der Erfahrung des behandelnden Arztes abhängt.
Dass dein Arzt dir davon abrät, kann also durchaus einen sinnvollen Hintergrund haben.

ich denke, das kommt auf den einzelfall an. bei guter muskulatur kann das kniegelenk durchaus mit einem band weniger auskommen. der arzt wird sicherlich physiotherapie verschreiben, wo die kniestabilisierende muskulatur aufgebaut wird. das kann man übrigens auch schon vor der op anfangen, dann ist das knie besser vorbereitet und erholt sich schneller.
bei misstrauen zum arzt würde ich einfach noch einen anderen aufsuchen.

Immmer operieren
hallöchen
offensichtlich hat hier niemand eine ahnung der biomechanik im knie!
die kreuzbänder sind für die biomechanik im knie unbeding notwendig (wenn wir sie nicht bräuchten, respektive durch muskulatur ausgleichen könnten, wieso haben wir sie dann?).
die kreuzbänder sind massgeblich an der gleitbewegung der tibia/u’schenkel gegenüber dem femur/o’schenkel (in Beugung und Streckung) verantwortlich, steuern das gleiten der meniscen und beteiligen sich an der physiologischen schlussrotation des unterschenkels gegenüber dem oberschenkel bei streckung des beines. diese physiologische biomechanik im knie ist ein hochspezialisiertes system das nur bei exakter feinabstimmung aller beteiligter systeme (bänder, muskeln, usw.) reibungslos funktionieren kann. das fehlen eines der kreuzbänder ist fatal.
deshalb wird dir heute jeder gute orthopäde empfehlen es zu operieren (die neuen methoden sind recht gut un unkompliziert).
http://www.arthro-uerdingen.de/Diashow-Kreuzbandplas…

viel spass

Da muss ich zumindest teilweise widersprechen.
Es stimmt zwar, dass das vordere Kreuzband einige wichtige Funktionen einnimmt.

die kreuzbänder sind für die biomechanik im knie unbeding
notwendig (wenn wir sie nicht bräuchten, respektive durch
muskulatur ausgleichen könnten, wieso haben wir sie dann?).
die kreuzbänder sind massgeblich an der gleitbewegung der
tibia/u’schenkel gegenüber dem femur/o’schenkel (in Beugung
und Streckung) verantwortlich, steuern das gleiten der
meniscen und beteiligen sich an der physiologischen
schlussrotation des unterschenkels gegenüber dem oberschenkel
bei streckung des beines. diese physiologische biomechanik im
knie ist ein hochspezialisiertes system das nur bei exakter
feinabstimmung aller beteiligter systeme (bänder, muskeln,
usw.) reibungslos funktionieren kann. das fehlen eines der
kreuzbänder ist fatal.

Einerseits kann das Knie aussschließlich in gebeugter Stellung eine Rotationsbewegung ausführen, andererseits haben die Kreuzbänder keinen Einfluss auf die Menisken.
Das nur am Rande.

Bedingungslos zur Operation zu raten, ist schlicht und ergreifend falsch. Alter, Morbidität, Mobilität, allgemeiner und Ernährungzustand sind wichtige Faktoren zur Beurteilung, ob eine operative oder konservative Therapie angezeigt ist. Da philhol bisher keine Angaben dazu gemacht hat und auch sonst keine Klarheit über den genauen Verletzungsumfang besteht, sollte wohl nicht verschwiegen werden, dass sein behandelnder Arzt durchaus die richtige Wahl getroffen haben kann.

Mit freundlichen Grüßen
jaZoo

da musst du offensichtlich nochmal einen genauen blick ins anatomiebuch werfen: die kreuzbänder strahlen sogar in die menisken ein (kleine fasrige anteile), und steuern so auch das gleiten der menisken. gerade deshalb haben kreuzbandpatienten meist funktionelle meniskusprobleme.

dass man zur kreuzbandoperation (wie bei jeder operation) natürlich einige konstitutionelle grundvoraussetzungen mitbringen sollte ist glaub auch jedem nicht-mediziner klar (deshalb hab ich da auch nichts dazugeschrieben).

übrigens, falls du es nicht kennst, solltest du mal den „kapanji“ lesen, DAS buch zur biomechanik des menschen, sind glaub 30 seiten nur zum knie…also einiges komplexer als man denkt!

viel spass

da musst du offensichtlich nochmal einen genauen blick ins
anatomiebuch werfen: die kreuzbänder strahlen sogar in die
menisken ein (kleine fasrige anteile), und steuern so auch das
gleiten der menisken. gerade deshalb haben kreuzbandpatienten
meist funktionelle meniskusprobleme.

Alles schön und gut, einerseits setzen die Kreubänder mit ihren größten Anteilen an den Areae intercondylares anterior bzw. posterior an - man kann wirklich nur von kleinen fasrigen Anteilen sprechen, die in die Menisken einstrahlen. Andererseits wird die Gleitbewegung der Menisken durch Sehnenanteile der Mm. semimembranosus und politeus bzw. der Retinacula patellae vermittelt - von der elastischen Verformung und Verdrängung während der Kniebeugung ganz zu schweigen.

dass man zur kreuzbandoperation (wie bei jeder operation)
natürlich einige konstitutionelle grundvoraussetzungen
mitbringen sollte ist glaub auch jedem nicht-mediziner klar
(deshalb hab ich da auch nichts dazugeschrieben).

Leider ist das nicht immer jedem klar, leider auch, weil einige Ärzte, medizinisches Personal und Laien starre Dogmen verfechten. Da ist es dann kein Wunder, wenn dem behandelnden Arzt kein Vertrauen entgegen gebracht wird, weil der nicht die bekannte Prozedur durchführen will. Das soll jetzt kein Angriff gegen dich sein, aber gerade in diesem Fall wissen wir so gut wie gar nichts über die gegebene Situation.

Klar, die Wahrscheinlichkeit, dass bei philhol eine Kreuzbandplastik angezeigt ist, ist höher als die für die konservative Therapie - aber wer weiß, was den behandelnden Arzt zu seiner Entscheidung bewogen hat.

übrigens, falls du es nicht kennst, solltest du mal den
„kapanji“ lesen, DAS buch zur biomechanik des menschen, sind
glaub 30 seiten nur zum knie…also einiges komplexer als
man denkt!

Nein, das kenne ich noch nicht. In welchem Verlag ist es denn erschienen?

Liebe Grüße,
jaZoo

ahoi
ja, das mit den ärzten stimmt leider…letzthin hat ein orthopäde meiner 95jährigen patientin vorgeschlagen eine hüft-tep einzubauen! wahnsinn! (was sie natürlich nicht gemacht hat)
leider schauen viele ärzte vor allem nach ihrem geldbeutel, als nach dem wohl der patienten…

also kapandji musst du unbedingt lesen, wenn du dich für biomechanik interessierst, ist zwar extrem teuer (wie fast alle medizinischen bücher), aber es lohnt sich.
http://www.amazon.de/B%C3%BCcher/s?ie=UTF8&rh=n%3A18…

ja, das mit den ärzten stimmt leider…letzthin hat ein
orthopäde meiner 95jährigen patientin vorgeschlagen eine
hüft-tep einzubauen! wahnsinn! (was sie natürlich nicht
gemacht hat)
leider schauen viele ärzte vor allem nach ihrem geldbeutel,
als nach dem wohl der patienten…

So viel zur Exzellenzinitiative bzw. dem, was letztendlich bei rumkommen soll. Sowas spricht sich hoffentlich rum, immerhin kannst du deinen Patienten mit Hüftproblemen von jenem Orthopäden abraten… :wink:

also kapandji musst du unbedingt lesen, wenn du dich für
biomechanik interessierst, ist zwar extrem teuer (wie fast
alle medizinischen bücher), aber es lohnt sich.
http://www.amazon.de/B%C3%BCcher/s?ie=UTF8&rh=n%3A18…

Naja, was heißt „interessieren“. Nicht so sehr, dass ich es mir kaufen würde, aber ich werde mal einen Blick reinwerfen. Von so manchen Inhalten hört man ja im Studium leider kaum was.

Liebe Grüße,
jaZoo