Kelten von wann bis wann?

Hallo,

ich liege gerade in einem kleinen Streit mit einem Bekannten.

Er behauptet ca. 450 n.Chr. gab es noch Kelten und ein lebendiges Keltentum, inkl. Religion, Kultur, Kriege und Völker.

Soviel ich weiss verschwanden die Kelten schon vorher recht sang- und klanglos von der Bildfläche.

Kann mir jemand da en detail helfen???

Danke!

Gruß
Helena

Du hast Irland und Großbritanien übersehen.
Unter dem Druck römischer, später angelsächsischer Eroberungen in Britannien wanderten im 5. und 6.Jahrhundert n.Chr. trotz der Romanisierung noch Keltisch sprechende Volksgruppen aus Wales und Cornwall in die heutige Bretagne ein. Gleichzeitig erfolgten vom keltischen Irland aus Eroberungen in Wales und Schottland.
(Quelle Brockhaus in Text und Bild 2002)

Siehe dazu auch:
http://www.fordham.edu/halsall/sbook1g.html

Gruß
Armin

Hallo, liebe Helena und liebe Kiltträger, Kiltnichtträger und Nichtkiltträger!
Es gibt ziemlich umfangreiche Literatur zu den „Kelten“ (zB. A. Demandt, B. Maier und G. Herm (nur „meine“ 3 letzten) sowie Romilly Allen spez. über deren Kunst. (nur das „Populärwissenschaftliche“, das Buch „The Celtic Languages“ von Martin J. Ball ist zu spezifisch sprachlich und außerdem noch auf Englisch)
Ist es nicht zumindest bezweifelnswert, ob es eine EINHEIT „die Kelten“ überhaupt gegeben hat, bzw. was für eine EINHEIT das gewesen ist/sein soll? Man verbindet damit ja vieles, zB die „Druiden“ (was zunächst nur „Eichenkundiger“ bedeutet).
Früher neigte ich dazu, die Welt"urbevölkerung" auf unserem Doppelkontinent (oder gab es vielleicht doch schon „Menschheit“, als die ganze Erde kontinentmäßig das letztemal kontinental insgesamt EINS war,
[Pangeia´, nicht aber wohl schon Gondwana´ mit Meer Thetis´ umzu?), neigte ich also dazu, diese in 2 Gruppen zu unterscheiden/einzuteilen, die "Kelten" und die "Turkvölker/Anatolen/(Ural-)Altaier". Aber nachdem ich in o.a. Literatur las, daß sogar an der Gründung von Ankara "die Kelten" (als Galater´ oder auch als Thyner/Bithyner) beteiligt waren…
Wenn aber Kelten´ sowieso eigentlich nur ein Kunst(eigen)name einer Urbevölkerung (eines Ur"volkes") unseres Kontinents ist/sein kann, was sagt das denn nun wirklich aus: "wie stammen alle von den Kelten ab"? (Pst: ich finde übergens nicht, daß "wir Menschen von den Affen abstammen"! Eher umgekehrt.) Außerdem kann man in dem "Fehnomen": trk: kent´ = s[ch]ehir´ = engl.: shire´ einen weiteren „alltäglichen“ Zusammenhang zwischen anatolisch (oder mehr persisch´?) und keltisch´ erkennen.

Verzeiht mir bitte, daß ich (wiedermal) die Gelegenheit ergreife, weiterführende „Fragen“ zu stellen. Es gibt wohl schlimmeres, oder?
Proapos kilt´(träger): man sieht in wissenschaftlichen Greisen üblicherweise einen Zusammenhang zwischen dem Namen Kelten´ und dem „Werkzeug“(der Waffe)" Keil, vereinfacht gesagt wären die „Kelten“ die ersten Indianer hier (tomahawk).
Seitdem ich las, daß die Römer sich darüber mokiert haben, daß die Germanen und Kelten (um Rom´ umzu) erstens meistens tierisch´ nackicht zu kämpfen pflegten, zweitens auf Stroh schliefen, wo doch das gebildete romanische lettus´(und ähnlich) für Bett´ auf lateinisch lictus´ =Stroh´ (angeblich) zurückgeht.

Naja, ne Decke konnten die Kelten vielleicht noch nicht weben, aber Tierfelle (uralisch-altaisch ~kil[t]´) werden sie doch wohl dazwischen gelegt haben! Seitdem ich das also las, wird es für mich immer wahrscheinlicher, daß der Name der Kelten´ doch vielleicht eher damit zusammenhängt, daß die Kelten´ (wie dann auch die Römer´) als erste angezogen´ zu kämpfen begonnen haben. Natürlich ist die Interpretation des Namens Kelten´ als Benennung nach ihren Waffen damit nicht widerlegt (wozu auch?), das entspricht ja der des Namens der Sachsen nach DEREN Waffen, den Messern/Steinen, nur ist mir das Hemd näher als die Hose…und auch das (Uniform)Kleid lieber als der (Uniform)Keild.

Mein Frageanhängsel:
Ist der Name kilt´ nun eigentlich keltisch´ oder `Altaisch-anatolisch´?

Pstpst: Im Turkmenischen bedeutet `kilt´ so etwas wie „Haken, Nadel zum Schließen von Kleidern“ (nach Hasan Eren: „türkische Etymologie“).
In welchem Maße kann man bei ethnischen Ähnlichkeiten eigentlich von „einer gemeinsamen (einheitlichen) [Volks]Kultur“ sprechen?

Hoschtschi Kil (kiltisch-türkisch für „Lebt wohl“), Kurt-Gudrun

Hallo Helena,

Kurzantwort: Extremwerte sind 1000v.Chr. (Urnenfelderkultur) bis heute (Iren, Waliser, Bretonen), Minimalwerte sind ca. 500 v.Chr. (LaTene-Kultur und keltische Expansion) bis ca.100 n.Chr. (ca.100 v.Chr. Zerstörung von Manching, dann Caesars Eroberung Galliens, nach der Zeitenwende Romanisierung der Gallier = ihr Verschwinden)

Langantwort: Der Beginn der keltischen Kultur wird allgemein auf das Auftauchen der sog. Hallstatt-Kultur (ca. 750 v.Chr.) gelegt. Damals fing die bronzezeitliche Urnenfelderkultur, die in Hallstatt (Österreich) schon seit Ewigkeiten (Salz-)Bergbau betrieb, an, Eisen zu verarbeiten. Gleichzeitig tauchten kulturelle Eigenheiten auf (Fibeln/Schmuck, figürliche Darstellungen, Bestattungsweisen, Waffentechnik), die darauf hindeuten, dass die späteren Entsprechungen bei den Menschen, die von Griechen als „keltoi“ und von Römern als „Gallier“ bezeichnet wurden, aus diesen Eigenheiten entwickelt wurden.
Manche Wissenschaftler setzen noch früher an: Wenn sich aus der Urnenfelderkultur nach und nach die Hallstattkultur entwickelte, dann muüüsen beide Kulturen vom gleichen Volk getragen werden: Das wären dann die Ur-/Proto-/Frühkelten.
Die Völkerschaften, mit denen es Griechen und Römer zu tun hatten (sehr handfest zu tun hatten: Die Eroberung von Rom unter Brennus und die Plünderung von Delphi durch einen anderen Brennus gehen auf das Konto eben dieser Keltoi/Gallier), diese Völkerschaften also gehören schon zur Nachfolgekultur der Hallstattkultur, der sog. LaTene-Kultur. Das waren dann die „eigentlichen“ Kelten (ab 480 v.Chr. bis zu Augustus, also ungefähr der Zeitenwende). Gleichzeitig mit der (Weiter-)Entwicklung der LaTene-Kultur aus der Hallstattkultur beginnt eine Expansion, sichtbar schon allein an den Namen der Kultur: Hallstatt im Salzkammergut markiert eine auf den östlichen Alpenbereich beschränkte Kultur, die nach dem schweizerischen La Tene (am Genfersee) benannte Kultur umfasst die Galater in Anatolien ebenso wie die Briten, Gallier und Iberokelten.

Du bemerkst meine sehr vorsichtige Ausdrucksweise: All das (mit Ausnahme des Absatzes über die Expansion) ist durchaus umstritten. Also z.B. ob die Hallstattkultur wirklich schon was mit den Kelten zu tun hatte, oder ob der Name nicht ohnehin eine Fremdbezeichnung ist - die Kelten waren NIE ein Volk, sondern setzten sich immer aus konkurrierenden Stämmen zusammen, die sich im Zweifelsfall mehr mit benachbarten iberischen, germanischen (auch so eine Fremdbezeichnung!!), oder sonstigen Nachbarn verwandt fühlten (FÜHLTEN!) als mit den Stämmen, die eine ähnliche Sprache sprachen. Will sagen: „Die“ Kelten empfanden sich NIE ALS VOLK! Ebensowenig wie „die“ Germanen. Siehe Caesar: Der konnte Gallien deswegen so leicht erobern, weil er a)innergallische Konflikte ausnutzte, und b) jede Völkerschaft ihren Separatfrieden mit Caesar schloss und daher die verschiedenen gallischen Völker gegeneiander ausgespielt werden konnten.

In dem ganzen Keltengefummel kristallisiert sich eins raus: Nix is klar.
Obwohl es durchaus Wissenschaftler gibt, die auch dies bezweifeln…

VG
Christian

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