Aus meiner Sicht in einem nicht besonders kleinen Betrieb, bei dem genau die OEE ein thema ist:
Die OEE ist ein schöner Wert fürs Management, da er mit Zahlen von 0 bis >1 so ganz grundsätzlich zeigt, ob die Maschine rund läuft oder nicht.
Im Grunde ist die Idee dahinter nicht verkehrt: Wichtig sind die drei Größen, die möglicht alle =1 liegen sollten:
A = ( Gutteile / geplante Gesamtzahl) → möglichst kein Ausschuss
B = (Produktionsrate / geplante Produktionsrate) → Anlage sollte nicht langsamer als geplant laufen
C = Wahre Betriebszeit / geplante Betriebszeit → möglichst keine unerwarteten Stillstände
Daraus ergibt sich dann die OEE = A * B * C. Wenn die =1 ist, dann läuft die Anlage perfekt.
Die Realität sieht bei uns so aus:
- Wir machen Leistungstests, bei denen eine möglichst hohe Stückzahl in möglichst kurzer Zeit produziert wird. Letztlich ist das der Benchmark, um zu sehen, ob die versprochene Kapazität erreicht werden kann, Die OEE ist da die Zahl, die zeigt, ob das passt.
- Wir produzieren normalerweise 10 rote, dann 20 grüne, dann 4 blaue Teile. Der Maschine ist das ziemlich egal, die kann das. Aber drumherum wird dann gerödelt, um vorne das andersfarbige Material bereitzustellen und hinten die Palette auszutauschen. Egal wie gut die Logistik, da geht Zeit für drauf, die C massiv in die Knie zwingt - weil Zeit für das Umrüsten nicht in die geplante Betriebszeit eingerechnet wird
- Manche Anlagen produzieren gleichzeitig unterschiedliche Produkte, für die die Maschine unterschiedlich lange braucht. Diese Mischproduktion erhöht zwar die Effizienz der Anlage (Du kannst entweder 1l Murmeln oder 1l Sand in ein 1l-Gefäß schütten - oder aber 1l Murmeln und 0,25l Sand). Werte für die OEE zu planen, ist aber äußerst schwierig, und treffen selten die Realität.
- Wir haben mehrere Anlagen hintereinander. Wenn ich eine davon schneller mache, dann kann das die OEE dieser Anlage verkleinern, weil sie plötzlich andauernd auf neues Material wartet, was dann zu gerne als unerwarteter Stillstand gesehen wird.
- Manche Anlagen können von einer oder zwei Personen bedient werden, was Auswirkung auf die erwarteten Werte der OEE hat. Je nach Anlage werden diese Auswirkungen erst mit deutlicher Verzögerung sichtbar, und die OEE macht ganz verrückte Dinge, wenn man in diesen Zeiträumen hinschaut.
Ja, man kann eine OEE in Tests messen. Aber man kann UNGLAUBLICH viel Zeit darin versenken, herauszufinden, warum die OEE jetzt grade nicht =1 ist, Modelle für die Berechnung der erwarteten größen berechnen, die morgen doch wieder nicht passen, und so weiter. Das ganze wird ab einem bestimmten Punkt zu einem Selbstzweck, um die OEE schönzurechnen. Nicht im Sinne von frisieren, sondern sie an die realen Prozesse anzupassen.
Da ist es doch einfacher, generell zu schauen ob die Stückzahl erreicht wird, wieviel Ausschuss es gibt, und warum es zu Unterbrechungen kommt.
Ich beobachte nebenbei oft, dass man blind irgendwelchen Rechenvorschriften folgt, deren Voraussetzungen nicht erfüllt, bzw. deren Aussage einfach mal gar nichts mit der Realität zu tun haben. Ich werde z.B. regelmäßig angezählt, weil die CpK grottenschlecht ist. Mit der erreichten CpK müsste die Anlage eigentlich 10% Ausschuss produzieren. Real sind es eher 0,01%, also absolut OK. Gibt jedesmal Diskussionen, weil da in der Excel-Datei ein so böser Wert steht.