Kennen lernen - Kind von neuem Partner

Hallo euch allen,

ich hoffe, ich bin mit diesem Posting hier richtig. Mich würden mal eure Tipps und Erfahrungswerte zu folgendem Problem bzw. Thema interessieren. Dazu erst mal ein paar Infos über die Situation:

Mein Freund hat einen Sohn (6 Jahre) und ist erst seit ein paar Monaten (Dezember) von seiner Ex getrennt (bitte jetzt keine Diskussionen darüber, dass ich daran Schuld bin etc.). Sein Sohn weiß seit ca. 4 Wochen darüber Bescheid (seine Ex hatte sich lange geweigert, dass der Sohn das erfährt). Er kommt da anscheinend aber gut (soweit man davon sprechen kann) mit klar.

Mein Freund bringt ihn weiterhin morgens in den Kindergarten und 2 x die Woche ist er auch abends da. Jedes 2. Wochenende dann noch einen Tag. Da seine eigene Wohnung noch nicht fertig ist, geht noch kein ganzes WE, da er bei mir wohnt. Wir würden zwar gerne sofort zusammen ziehen, aber finden, dass das dem Sohn gegenüber nicht in Ordnung wäre…Papa zieht aus, dann noch neue Freundin und dann noch direkt mit dieser konfrontiert ohne Möglichkeiten des Rückzugs. Daher eben die Lösung mit der eigenen Wohnung.

Doch genug der Hintergründe. Zum eigentlichen Thema. irgendwann soll sein Sohn mich ja kennen lernen. Nur wie? Erst von mir erzählen und dann mal treffen? dann ist er bestimmt sehr befangen. Also treffen und später als die „Neue“ vorstellen? oder oder oder und wo treffen und wann überhaupt? Ach ja, eins noch: anscheind hat seine Ex einen Neuen und war auch schon mit Sohn über Nacht da (alter Bekannter).

Was denkt ihr?

Schon im Voraus vielen Dank für eure Antworten.

Liebe Grüße
Yvonne

Hi!

irgendwann soll sein Sohn mich ja kennen lernen. Nur wie?

Ich bin selbst nicht direkt betroffen, hatte aber solche Zusammenführungen bei FreundInnen im Kinder-/Jugendalter (also die als die betroffenen Kinder) und neuerdings bei meiner Nichte miterlebt. Daher kann ich sagen, daß sowas in allen Facetten ablaufen kann und daher Ratschläge sehr schwierig sind, da alle Kinder anders reagieren können.

Was ich allerdings paar Mal mitbekommen hab, fand ich ganz gut und es ist gerade für jüngere Kinder IMHO ganz gut geeignet:

Es wurde sich einfach getroffen und etwas zu dritt unternommen - dabei war es ncihts besonderes, ein einfacher Besuch/Spaziergang im Park tat es völlig. Das Elternteil und der neue Partner gingen dabei miteinander so um, als ob sie normale, aber gute Freunde wären. Also nicht händchenhaltend und an jeder Ecke knutschend :wink:
Das hat den Hintergrund, daß die Unternehmung wirklich zu dritt sein soll (und dem Kennenlernen dient) und nicht, daß da zwei was unternehmen, und das Kind ist das fünfte Rad am Wagen! :wink:

Auf diese Weise ist es möglich, daß das Kind den neuen Partner erstmal als Mensch kennenlernt und nciht als Partner des Elternteils. So kann eine Beziehung vom Kind zum neuen Partner erst einmal unvoreingenommen entstehen, ohne daß das Kind Angst haben muß, zurückgesetzt zu werden, oder eifersüchtig wird oder… was auch immer :wink:

Das heißt auf keinen Fall, daß man das Kind belügen sollte! Man kann durchaus sagen, daß man den neuen Partner sehr gern oder sehr lieb hat - sollte man sogar auch -, es geht nur darum, mit dem Verhalten dem Kind zu signalisieren, daß der neue Partner keine Änderung in der Beziehung zw. Elternteil und Kind bewirkt. Ich denke, genau das ist auch der Knackpunkt, woran die meisten solcher Zusammenführungen mit neuen Partnern scheitern.

Im Laufe der Zeit bzw. später, wenn es dich gut kennt, kann man natürlich auch vor dem Kind sich etwas intimer verhalten :wink:
Dabei sollte man aber nicht vergessen, daß das Kind auch noch da ist - damit meine ich, es sollte sich nicht wie das fünfte Rad am Wagen fühlen. Also, wenn ihr z.b. knuddelt, dann nicht nur miteinander, sondern auch mit dem Kind :wink:

Ach ja, eins noch: anscheind hat seine Ex einen Neuen und war
auch schon mit Sohn über Nacht da (alter Bekannter).

Genau sowas in der Art mein ich: da der Neue der Ex ein „alter Bekannter“ ist, das Kind ihn also auch als normalen MEnschen kennt, ist die Chance, daß er ihn - so wie er ist! - auch als Partner seiner Mutter anerkennt.
Und genau dazu rate ich auch hier: werde erst mal eine gute „Bekannte“ des Kindes :wink:

Gruß,
Sharon

Hallo Yvonne!

Sharon hat völlig Recht:

Ihr müsst euch und dem Sohn deines Freundes Zeit lassen, ganz ganz gaaanz viel Zeit. Ich würde sogar sagen, am besten wäre, wenn ihr es schafft, noch nicht mal im Hinterkopf einen Zeitrahmen für euer neues Leben in einer gemeinsamen Wohnung zu haben. Ich weiss, dass das superschwer ist, aber der kleine Kerl wird euch ganz sicher zeigen, wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist.

Ich selbst bin Mutter einer 6jährigen Tochter und habe mit ihr und meinem Mann das Ende unserer Ehe durchgestanden. Wir haben das freundschaftlich hinbekommen. Vielleicht seit ihr nicht in einer so glücklichen Situation. Aber ich will dir trotzdem versuchen, ein paar Tips geben.

Ich vermute mal, du hättest in deinem Frage-Posting erwähnt, wenn du selbst Mutter wärst, oder? Wenn nicht, ist es vielleicht noch schwerer, sich in das Gefühlsleben eines Kindes hineinzuversetzen.

Ich will bestimmt nicht predigen, aber bitte, bitte bitte lasst es langsam angehen und stellt immer das Wohl des Kindes vor euer eigenes! Egal was ihr tut, bitte versetzt euch vorher jedes einzelne Mal in die Lage des Kindes und versucht euch vorzustellen, wie euer Tun von ihm wahrgenommen würde. Und wenn er abwehrend reagiert - nehmt es ihm nicht übel sondern haltet euch vor Augen, warum das so ist.

Es gibt für ein Kind nichts schlimmeres, als das Zerbrechen der Familie als Schutzhöhle zu erleben. Das Urvertrauen in die Eltern als konstante Sicherheit für’s Leben kriegt plötzlich Risse oder geht sogar ganz kaputt. Und ein Kind kann die Trennung seiner Eltern nicht rational oder unabhängig von der eigenen Person wahrnehmen, da es nicht ermessen kann, dass die Eltern niemals im Leben irgend jemanden mehr lieben könnten als das eigene Kind (das wissen wir ja selbst nicht, bevor sie auf der Welt sind :smile:).
Es hat Schuldgefühle und schreckliche Ängste. Es will sich nicht für einen Elternteil entscheiden oder auch nur Partei ergreifen müssen. Es muss unbedingt wissen und austesten können, dass die Liebe und Aufmerksamkeit und die Sicherheit noch unverändert da sind. Und da wird ein neuer Partner ganz automatisch als Rivale im Kampf um all diese Faktoren wahrgenommen.

Konkret würde ich an euerer Stelle sehen, dass du zunächst mal nur ganz sporadisch und auf neutralem Boden „ins Bild“ trittst. Der Papa sollte nicht ständig von dir erzählen. Stattdessen bist du halt bei den Wochenend-Aktivitäten irgendwann mal dabei. Aber auch nur manchmal, zunächst. Dabei schenk dem kleinen Kerl Aufmerksamkeit, spiel mit ihm und lass ihn merken, dass du ihn wirklich kennen lernen willst. Genau wie Sharon sagte: Kein Knutschen, kein Händchenhalten, alle Aufmerksamkeit beim Kind.
Dann kannst du irgendwann mal auch beim Papa zuhause auftauchen und die Dinge sich schrittweise entwickeln lassen. Ich finde auch wichtig, dass in der Wohnung des Vaters zunächst keine Fotos von dir an der Wand hängen oder persönliche Dinge von dir herumstehen. Du solltest auf keinen Fall versuchen, eine Mutterrolle übernehmen zu wollen, eine Mama hat er schon und braucht keine zweite. Auch nicht über die Trennung - oder gar schlecht über die Mama - reden wollen, egal ob die Mutter eventuell über dich herziehen mag. Vielleicht versuchst du dich als Tante oder gute Freundin zu sehen.

Bitte versteh mich nicht falsch: Ich will dir nicht sagen, dass du dem Jungen was verheimlichen oder vormachen sollst (das kannst du auch gar nicht, denn mit seinen 6 Jahren weiss er vermutlich sofort, wo der Hase lang läuft), sondern ihn nur nicht krass zu konfrontieren. So kann er dich erst mal inRuhe auschecken und sehen, dass du keine Bedrohung bist oder jemand, der ihm einen Teil von Papas Aufmerksamkeit und Liebe wegnehmen könnte.

Ich weiß, dass es vielleicht hart klingt, weil auf diese Weise u.U. viele, viele Monate ins Land ziehen können, bevor du offen die Position im Leben deines Partners einnehmen kannst, die du dir wünschst. Aber es ist wichtig, dass du keinerlei Druck auf Vater oder Sohn ausübst und dir falls nötig klar machst, dass es einen großen Unterschied macht, ob man eine Beziehung mit einem Single oder einem Vater eingeht. Da muss man zurückstecken, weil man automatisch Verantwortung für das Wohlergehen eines fremden Kindes mitübernimmt!

Ich möchte dir dringend raten, einmal im Forum http://www.scheidungskinder.de vorbeizuschauen. Dort tauschen sich betroffene Kinder und Eltern aus. Und zu lesen, welche Schmerzen und teils irreparablen Schäden sich trennende Eltern ihren doch eigentlich geliebten Kindern immer wieder zufügen, hält mir selbst immer wieder den Spiegel für mein eigenes Tun vor Augen.
Stelle doch deine Frage einmal dort im Forum, schildere eure Situation und lass dir von den betroffenen Kindern sagen, wie sie sich die Heranführung an die neue Partnerin des Papas gewünscht hätten. Und keine Angst: niemand dort wird die „Vorwürfe“ oder ähnliches machen, sondern euch und vor allem dem Sohn deines Freundes helfen wollen.

So, Predigt beendet. *g* Ich wünsche euch viel Glück und Geduld! Und bitte vergiss nicht, dass du jetzt eine Rolle im Leben eines Kindes spielst. Du kannst viel Gutes bewirken!

Liebe Grüße!

„Luise“

Hallo Yvonne
Nach dem, was Du schreibst, habe ich den Eindruck gewonnen, dass Du Dir sehr viel Gedanken machst über dieses Kind und die Situation und dass Du überdurchschnittlich feinfühlig damit umgehst.
Ich kenne da vergleichsweise eher egozentrischeres Verhalten. Ich finde also, dass Du Dir schon genug Gedabnken machst und sehe da eigentlich eine gute Prognose für das Kind und Eure Beziehungen.
Gruß,
Branden

manchmal ist es auch ganz einfach
Hallo,
Mein Sohn war 5 als ich einen neuen Freund hatte, und Lampenfieber bei dem Gedanken ihn vorzustellen.
Mein Liebster kam am Abend zu Besuch, nach der Zu-Bett-geh-Zeit, weil wir uns halt sehen wollten.
Wir saßen in der Küche beim Tee, da schneite mein Mini herein und wollte wissen wer das ist.
Mein Freund
es folgte eine ganz zwanglose Vorstellung, ein paar belanglose Worte und dann habe ich ihn wieder ins Bett gebracht.
Am nächsten Tag haben wir eher nebenbei darüber geredet, wer, wie, wann, ein erster Eindruck und ob es in Ordnung ist, wenn er mal wieder kommt. Am Abend, mein Kleines, wenn du eh schläfst.
Dann nach der x-ten kleinen Begegnung die Frage, ob es ok ist, wenn er am Sonntag nachmittag mit in den Park kommt.
Ein halbes Jahr später, einige Ausflüge später und auch das eine oder andere Frühstück :wink: später hat mein Sohn ihn gefragt, ob er sein Papa sein wolle.
Das was dann folgte, war viel spannender und anspruchsvoller…
Will sagen, es kann so einfach sein.
Daumen drückende
Susanne

PS. Als sein Vater eine neue Freundin hatte, lief es ähnlich zwanglos. Vielleicht lag es daran, dass mein Sohn wusste, er hat beide Eltern, auch wenn sie nicht zusammenleben. Sein Vater konnte ihn annähernd jederzeit sehen, und mein Sohn seinen Vater ebenso einfach anrufen.
Vielleicht lag es daran, dass wir unsere Konflikte abgearbeitet hatten.
Ich weiß nicht, ob das den Unterschied macht.
Lieben Gruß
Susanne

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Danke euch allen und…
wir werden das definitiv langsam angehen lassen. Anders geht es sowieso nicht. Ich will auch auf gar keinen Fall eine Mutterrolle einnehmen. Das Kind hat eine Mutter und so soll es auch bleiben.

Euch alles Liebe.
Yvonne

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