Hi,
-) Bedeutet die Erzielung von „Gewinn“ auch gleichzeitig, dass
ein Unternehmen „rentabel“ ist?
naja, das ist eine semantische Spitzfindigkeit. Ist ein Unternehmen erst dann rentabel, wenn es meine Renditeansprüche erfüllt, oder wenn es bei 2 Mrd. Euro Umsatz am Ende des Jahres einen Cent Jahresüberschuß ausweist? Ich bin für erstere Variante.
Die bloße Erzielung eines Jahresüberschusses reicht insofern zur Beurteilung der Rentabilität nicht aus. Erst einmal stellt sich die Frage, in Bezug auf was die Rentibität bestimmt werden soll: Umsatz, Eigenkapital, Gesamtkapital. Dann ist die Frage, welche Anforderungen an die Rentabilität gestellt werden. Ackermann meint, daß 25% aufs Eigenkapital notwendig seien, also definiert er rentabel als „rentabel wenn Jahresüberschuß = Eigenkapital * 25%“. Ich hatte neulich ein Kundengespräch mit jemandem, der eine kleine Unternehmensgruppe gekauft hat. Dort wird mittelfristig eine Umsatzrendite von 5% angestrebt.
-) Ist grundsätzlich die Liquidität oder die Rentabilität von
höherer Bedeutung?
Kommt auf die Zielrichtung an. Auch hier wieder ein Beispiel: Du bist berufstätig und erbst irgendwann eine Immobilie, willst aber weiterhin arbeiten. Du hast die Alternative, die Immobilie zu verkaufen und das Geld in einen Aktienfonds zu stecken. Ist Dir beim Abwägen wichtiger, daß die Immonbilie über Wertsteigerung und Mieteinnahmen eine gute rendite abwirft, oder daß Du zu jedem beliebigen Zeitpunkt an viel Bargeld kommst?
Anderes Beispiel: Unternehmen A kauft Unternehmen B für 50 Mio. Euro. Das ganze wird auf 6 Jahre kreditfinanziert. Der bei der Transaktion entstandende Firmenwert beläuft sich auf 40 Mio. (Unternehmen B hält ganz dolle Marken und entwickelt gerade ein Mittel gegen Krebs). Dieser Firmenwert wird über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben, so daß absehbar ist, daß in den nächsten 10 Jahren keine Gewinne erzielt werden. Dennoch hat das Unternehmen einen jährlichen positiven Cashflow von 10 Mio. Euro. Was ist der Bank, die die Übernahmefinanzierung machen soll, wohl wichtiger? Liquidität oder Rendite?
-) Warum ist die Erzielung einer hohen Produktivität für ein
Unternehmen von zentraler bedeutung? (Im Zusammenhang mit
Produktivität=(Output/Input)
Auch hier ein Beispiel: Unternehmen A und B stellen jährlich jeweils 25.000.000 Ameisenbärfallen her. In Unternehmen A arbeiten 100.000 Mitarbeiter, in Unternehmen B 10.000 Mitarbeiter. Eine Ameisenbärfalle bringt im einschlägigen Fachhandel 120 Euro, das eingebrachte Material kostet im Einkauf 20 Euro. Jeder Mitarbeiter kostet pro Jahr mit allem drum und dran 30.000 Euro.
Am Ende des Jahres wird die Rechenmaschine angeworfen.
Unternehmen A:
Umsatz: 25.000.000*(120-20)=2.500.000.000
Pesonal: 100.000*30.000=3.000.000.000
Verlust: 500.000.000
Unternehmen B:
Umsatz 2.500.000.000
Personal: 10.000*30.000=300.000.000
Gewinn: 2.200.000.000
Nun hat Unternehmen A die Wahl, entweder einen guten Teil seines Personals zu entlassen, die Preise zu erhöhen, über kurz oder lang Insolvenz zu beantragen oder aber den Mitarbeitern zu erklären, daß sie Ameisenbärfallen zusammenbauen sollen - und zwar zackig.
Gruß,
Christian