Kennzahlen

Hallo,

ich hätte kurz ein paar Fragen zu den Kennzahlen:

-) Bedeutet die Erzielung von „Gewinn“ auch gleichzeitig, dass ein Unternehmen „rentabel“ ist? (Die Frage taucht im Zusammenhang mit der Eigenkapitalrentabilität auf)

-) Ist grundsätzlich die Liquidität oder die Rentabilität von höherer Bedeutung?

-) Warum ist die Erzielung einer hohen Produktivität für ein Unternehmen von zentraler bedeutung? (Im Zusammenhang mit Produktivität=(Output/Input)

Danke schonmal im Voraus!

Grüße
Martin

Hi,

-) Bedeutet die Erzielung von „Gewinn“ auch gleichzeitig, dass
ein Unternehmen „rentabel“ ist?

naja, das ist eine semantische Spitzfindigkeit. Ist ein Unternehmen erst dann rentabel, wenn es meine Renditeansprüche erfüllt, oder wenn es bei 2 Mrd. Euro Umsatz am Ende des Jahres einen Cent Jahresüberschuß ausweist? Ich bin für erstere Variante.

Die bloße Erzielung eines Jahresüberschusses reicht insofern zur Beurteilung der Rentabilität nicht aus. Erst einmal stellt sich die Frage, in Bezug auf was die Rentibität bestimmt werden soll: Umsatz, Eigenkapital, Gesamtkapital. Dann ist die Frage, welche Anforderungen an die Rentabilität gestellt werden. Ackermann meint, daß 25% aufs Eigenkapital notwendig seien, also definiert er rentabel als „rentabel wenn Jahresüberschuß = Eigenkapital * 25%“. Ich hatte neulich ein Kundengespräch mit jemandem, der eine kleine Unternehmensgruppe gekauft hat. Dort wird mittelfristig eine Umsatzrendite von 5% angestrebt.

-) Ist grundsätzlich die Liquidität oder die Rentabilität von
höherer Bedeutung?

Kommt auf die Zielrichtung an. Auch hier wieder ein Beispiel: Du bist berufstätig und erbst irgendwann eine Immobilie, willst aber weiterhin arbeiten. Du hast die Alternative, die Immobilie zu verkaufen und das Geld in einen Aktienfonds zu stecken. Ist Dir beim Abwägen wichtiger, daß die Immonbilie über Wertsteigerung und Mieteinnahmen eine gute rendite abwirft, oder daß Du zu jedem beliebigen Zeitpunkt an viel Bargeld kommst?

Anderes Beispiel: Unternehmen A kauft Unternehmen B für 50 Mio. Euro. Das ganze wird auf 6 Jahre kreditfinanziert. Der bei der Transaktion entstandende Firmenwert beläuft sich auf 40 Mio. (Unternehmen B hält ganz dolle Marken und entwickelt gerade ein Mittel gegen Krebs). Dieser Firmenwert wird über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben, so daß absehbar ist, daß in den nächsten 10 Jahren keine Gewinne erzielt werden. Dennoch hat das Unternehmen einen jährlichen positiven Cashflow von 10 Mio. Euro. Was ist der Bank, die die Übernahmefinanzierung machen soll, wohl wichtiger? Liquidität oder Rendite?

-) Warum ist die Erzielung einer hohen Produktivität für ein
Unternehmen von zentraler bedeutung? (Im Zusammenhang mit
Produktivität=(Output/Input)

Auch hier ein Beispiel: Unternehmen A und B stellen jährlich jeweils 25.000.000 Ameisenbärfallen her. In Unternehmen A arbeiten 100.000 Mitarbeiter, in Unternehmen B 10.000 Mitarbeiter. Eine Ameisenbärfalle bringt im einschlägigen Fachhandel 120 Euro, das eingebrachte Material kostet im Einkauf 20 Euro. Jeder Mitarbeiter kostet pro Jahr mit allem drum und dran 30.000 Euro.

Am Ende des Jahres wird die Rechenmaschine angeworfen.
Unternehmen A:
Umsatz: 25.000.000*(120-20)=2.500.000.000
Pesonal: 100.000*30.000=3.000.000.000
Verlust: 500.000.000

Unternehmen B:
Umsatz 2.500.000.000
Personal: 10.000*30.000=300.000.000
Gewinn: 2.200.000.000

Nun hat Unternehmen A die Wahl, entweder einen guten Teil seines Personals zu entlassen, die Preise zu erhöhen, über kurz oder lang Insolvenz zu beantragen oder aber den Mitarbeitern zu erklären, daß sie Ameisenbärfallen zusammenbauen sollen - und zwar zackig.

Gruß,
Christian

Hallo,

ich hätte kurz ein paar Fragen zu den Kennzahlen:

-) Bedeutet die Erzielung von „Gewinn“ auch gleichzeitig, dass
ein Unternehmen „rentabel“ ist? (Die Frage taucht im
Zusammenhang mit der Eigenkapitalrentabilität auf)

Gewinn bedeutet einen Zuwachs des Eigenkapitals und somit eine positive Eigenkapitalrentabilität, bleibt noch die Frage wie hoch die Verzinsung im Vergleich zu sicheren Anlagen ist, denn eigentlich kann man dann erst von einer wirklichen Rentabilität sprechen, wenn die EK-Rentabilität höher ist.

-) Ist grundsätzlich die Liquidität oder die Rentabilität von
höherer Bedeutung?

beides ist wichtig, sowohl fehlende Liquidität als auch fehlende bzw. negative Rentabilität führen früher oder später zur Insolvenz.

-) Warum ist die Erzielung einer hohen Produktivität für ein
Unternehmen von zentraler bedeutung? (Im Zusammenhang mit
Produktivität=(Output/Input)

ich sags mal ohne BWL-Latein:

Wenn du 10 Euro (Input) investierst und ein Jahr später 12 (Output) wieder bekommst ist das besser als wenn du 11 (Output) wiederbekommst.

Die Produktivität ist bei 12 Euro höher.

hi christian,
kannst du mir bitte das nachfolgende Beispiel ein bisschen genauer erklären? hab ein bisschen mühe. zb: wieso, oder wie entsteht ein firmenwert von 40 mio. der wert is ja 5o mio. und wie wird es abgeschrieben, sodass es kein gewinn ausweisst? mit 10 mio pro jahr? oder wie?
und vorallem: was ist jetzt der bank wichtiger? die liquidität, oder? wegen der abschreibung, net?
bin ein bisschen verwirrt.

danke im vorau

ricky

Anderes Beispiel: Unternehmen A kauft Unternehmen B für 50
Mio. Euro. Das ganze wird auf 6 Jahre kreditfinanziert. Der
bei der Transaktion entstandende Firmenwert beläuft sich auf
40 Mio. (Unternehmen B hält ganz dolle Marken und entwickelt
gerade ein Mittel gegen Krebs). Dieser Firmenwert wird über
die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben, so daß
absehbar ist, daß in den nächsten 10 Jahren keine Gewinne
erzielt werden. Dennoch hat das Unternehmen einen jährlichen
positiven Cashflow von 10 Mio. Euro. Was ist der Bank, die die
Übernahmefinanzierung machen soll, wohl wichtiger? Liquidität
oder Rendite?

Hallöchen,

kannst du mir bitte das nachfolgende Beispiel ein bisschen
genauer erklären? hab ein bisschen mühe. zb: wieso, oder wie
entsteht ein firmenwert von 40 mio. der wert is ja 5o mio. und

der Firmenwert ist vereinfacht gesagt die Differenz zwischen Kaufpreis und dem Wert des Vermögens des erworbenen Unternehmens. Ein Firmenwert wird z.B. dann bezahlt, wenn der Käufer von einer grandiosen Zukunft des erworbenen Unternehmens ausgeht, so geschehen bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone. Wenn man sich bei dieser Zukunftsbetrachtung irrt, kommt dann das heraus:
http://www.uni-duisburg.de/FB5/VWL/IWB/docs/observer…

wie wird es abgeschrieben, sodass es kein gewinn ausweisst?

Nach HGB ist der Firmenwert abzuschreiben wie jedes andere Wirtschaftsgut auch. Durch die Abschreibung vermindert sich der Gewinn.

mit 10 mio pro jahr? oder wie?

Kommt u.a. auf die Abschreibungsdauer an.

und vorallem: was ist jetzt der bank wichtiger? die
liquidität,

Die Frage war, was wichtiger ist: Liquidität oder Rentabilität. Der Bank natürlich die Liquidität wichtiger, denn aus der werden Zins und Tilgung bezahlt nicht aus dem Gewinn.

Gruß,
Christian

Herzlichen Dank für eure Antworten!

Ihr habt mir echt weitergeholfen!

Grüße,
Martin