Kernspin-Resonanz

Hallo,

zur Kernspin-Resonanz habe ich folgende Fragen:

  1. In der Literatur findet man oft widersprüchliche Aussagen darüber, woher die Resonanz kommt (leider sind die Aussagen in Wikipedia auch nicht so einleuchtend). Zum einen sei die Präzessionsbewegung selbst die Resonanzerscheinung, und die Präzessionsfrequenz entspräche der Resonanzfrequenz. In etwas wissenschaftlicheren Büchern oder Artikeln findet man die Aussage, der Resonanzeffekt komme von Übergängen von einem diskreten Winkeln der Spinachse zur Richtung des B-Feldes. Was ist jetzt richtig?

  2. Zum Ausrichten der Spins und somit als Grundlage zum Nachweis des Kernspin-Resonanz-Effektes benötigt man ein Gleichfeld. Die Intensität dieses Feldes bestimmt proportional die erhaltene Resonanzfrequenz. Steigt mit dieser Intensität auch die Wirkung der Resonanz bzw. die Amplitude in der Sensorspule beim Puls-Echo-Verfahren? Woher kommt das? Wäre dies ein Grund: Der Grad der Sättigung der Spinausrichtung hängt von der Intensität des B-Feldes ab.

Danke für Aufklärung.

Gruß

Dieter

Hallo,

zur Kernspin-Resonanz habe ich folgende Fragen:

  1. In der Literatur findet man oft widersprüchliche Aussagen
    darüber, woher die Resonanz kommt (leider sind die Aussagen in
    Wikipedia auch nicht so einleuchtend). Zum einen sei die
    Präzessionsbewegung selbst die Resonanzerscheinung, und die
    Präzessionsfrequenz entspräche der Resonanzfrequenz. In etwas
    wissenschaftlicheren Büchern oder Artikeln findet man die
    Aussage, der Resonanzeffekt komme von Übergängen von einem
    diskreten Winkeln der Spinachse zur Richtung des B-Feldes. Was
    ist jetzt richtig?

Die physikalische Grundlage der magnetischen Kernresonanz ist der Einfluß eines statischen äußeren Magnetfelds auf die Energieniveaus des Atomkerns. Das mangetische Moment des Kerns koppelt an das äußere B-Feld und kann daher, analog zu den Elektronen, diskrete Energieniveaus annehmen.

Um Übergänge zwischen den diskreten Energieniveaus zu induzieren, benötigt man ein weiteres hochfrequentes B-Feld, welches dann natürlich die entsprechende Resonanzbedingung erfüllen muß.

Resonanzbedingung heißt: die Energie des induzierten Feldes muß der Differenz zweier Niveaus entsprechen.

Das Kreiselmodell, in dem von Präzession die Rede ist, dient nur zur mechanistischen Veranschaulichung und ist nicht verbatim zu übertragen. Eine Präzession im klassischen Sinne gibt es in der Quantenphysik nicht. Dafür gibt es magnetische Momente und Unschärferelationen.

  1. Zum Ausrichten der Spins und somit als Grundlage zum
    Nachweis des Kernspin-Resonanz-Effektes benötigt man ein
    Gleichfeld. Die Intensität dieses Feldes bestimmt proportional
    die erhaltene Resonanzfrequenz. Steigt mit dieser Intensität
    auch die Wirkung der Resonanz bzw. die Amplitude in der
    Sensorspule beim Puls-Echo-Verfahren? Woher kommt das? Wäre
    dies ein Grund: Der Grad der Sättigung der Spinausrichtung
    hängt von der Intensität des B-Feldes ab.

OK, da mußte ich selbst nochmal ein wenig in den Büchern nachschauen, da NMR & Co. jetzt nicht gerade mein Hobby ist:

Man muß zwischen dem statischen B-Feld, dessen Intensität wie du richtig sagst die Resonanzfrequenz bestimmt und dem (hochfrequenten) Resonanzfeld selbst unterscheiden.

Die Sättigung der Resonanz kommt ja daher zustande, daß irgendwann alle Kerne in Resonanz sind. Eine weitere Intensitätserhöhung beim hochfrequenten B-Feld liefert also keine weitere Wirkung der Resonanz.

Viele Grüße

Oliver

Hallo Oliver,

vielen Dank für die Erläuterungen. Mir ist – nach dem Lesen dieser Zeilen und nach dem Wälzen anderer Literatur und ziemlich intensivem Nachdenken – jetzt einiges mehr klar. Dennoch bestehen immer noch Fragen. Meine Intension ist, einen experimentellen Nachweis zu führen mit dem Ziel, die NMR für eine praktische Anwendung zu nutzen – als Sensor sozusagen. Hierzu möchte ich aber vorher die Grundlagen begriffen haben, andernfalls wird’s sich aufs Herumprobieren beschränken.

Die physikalische Grundlage der magnetischen Kernresonanz ist
der Einfluß eines statischen äußeren Magnetfelds auf die
Energieniveaus des Atomkerns. Das mangetische Moment des Kerns
koppelt an das äußere B-Feld und kann daher, analog zu den
Elektronen, diskrete Energieniveaus annehmen.

Um Übergänge zwischen den diskreten Energieniveaus zu
induzieren, benötigt man ein weiteres hochfrequentes B-Feld,
welches dann natürlich die entsprechende Resonanzbedingung
erfüllen muß.

Das habe ich verstanden.

Resonanzbedingung heißt: die Energie des induzierten Feldes
muß der Differenz zweier Niveaus entsprechen.

Genau, und das bedeutet, dass diese veranschaulichende Präzession immer nur während der Übergangsvorgänge stattfindet.

Das Kreiselmodell, in dem von Präzession die Rede ist, dient
nur zur mechanistischen Veranschaulichung und ist nicht
verbatim zu übertragen. Eine Präzession im klassischen Sinne
gibt es in der Quantenphysik nicht. Dafür gibt es magnetische
Momente und Unschärferelationen.

Ja, das sehe ich auch ein. Die veranschaulichende mech. Modellvorstellung kann helfen. Man darf es halt nicht in aller Konsequenz nutzen.

Man muß zwischen dem statischen B-Feld, dessen Intensität wie
du richtig sagst die Resonanzfrequenz bestimmt und dem
(hochfrequenten) Resonanzfeld selbst unterscheiden.

Ich denke mir, hier kann man sich das ruhig klassisch vor Augen führen:
Eine Spannkraft längs der Kreiseldrehachse würde die Präzessionsfrequenz beeinflussen, sofern der Kreisel überhaupt eine Störung von außen erhalten hat, also Präzession ausführt. Die Spannkraft würde die Frequenz proportional beeinflussen.

Die Sättigung der Resonanz kommt ja daher zustande, daß
irgendwann alle Kerne in Resonanz sind. Eine weitere
Intensitätserhöhung beim hochfrequenten B-Feld liefert also
keine weitere Wirkung der Resonanz.

Hm, ich meinte eigentlich erst mal das Gleichfeld: Warum benötige ich so starke Felder, wenn’s auch kleinere täten, hätte ich es ja auch leichter, weil kleinere Resonanzfrequenzen zu verarbeiten wären. Ich denke mir halt, dass man erst mit starken Feldern eine hinreichend hohe Anzahl von Kernen ausgerichtet erhält, weil sie immer bestrebt sind, durch thermische Effekte zu chaotisieren. Die Frage ist jetzt aber, wie kann ich das System optimieren, d. h. wie hängt die erhaltene Amplitude des Nutzsignals vom Gleichfeld ab (bei konstantem Anregungswechselfeld)?

Viele Grüße

Dieter