KfW & Lehman Brothers

Hallo!

Ich höre und lese ständig davon, dass die KfW ca. 320 Mio. Euro an das Lehman Brothers Finanzinstitut überwiesen hat. Es war scheinbar ein grosser Fehler.

Meine Frage hierzu:

Wofür waren die 320 Mio. Euro gedacht?
Wenn KfW das Geld geschuldet hat, hätte es doch auch so wieder zurückbezahlen müssen…ob Lehman Insolvenz anmeldet, oder auch nicht. Oder muss man Schulden an Banken, die pleite sind nicht zurückzahlen (bei den verrückten Banken halte ich inzwischen alles für möglich^^).

Wenn es allerdings so war, dass KfW das Geld lediglich verleihen wollte, also einen Kredit geben, und die Insolvenz stand schon praktisch fest, dann ist das ja ein unhaltbarer Zustand. Jeder Idiot weiss, dass man keinem Geld leiht, wenn der Schuldner das Geld nicht zurückzahlen kann.
Wenn die KfW Bänker wirklich so doof waren, sollten die Schuldigen fristlos gekündigt werden und zudem noch auf Schadensersatz verklagt werden.

Und noch eine Frage: Die KfW Bank ist ja eine staatliche Bank wie ich gelesen habe. Zahlt die 320 Mio. Euro jetzt der Steuerzahler? Wird der Verlust sozialisiert?

Auch habe ich gelesen, dass die KfW eine Förderbank für die deutsche Wirtschaft und für Entwicklungsländer ist. Wieso sollte eine solche Bak dann einer amerikanischen Investmentbank Geld leihen? Oder wird Amerika jetzt schon als Entwicklungsland angesehen?

Würde mich über diese Hintergrundinformationen freuen.

Als der Franzose Jerome Kerviel mehrere Milliarden verbrannt hat, habe ich mich noch über die Franzosen lustig gemacht. Und jetzt machen es die Deutschen nach. Aber nicht verspekuliert und über einen längeren Zeitraum, sondern 320 Mio. Euro einfach innerhalb einer Sekunde verschenkt.
Mit fehlen die Worte.

Gruss

Hallo,

Wofür waren die 320 Mio. Euro gedacht?

das war die eine Seite eines Devisenhandels. Im Gegenzug hätte LB einen entsprechenden Dollarbetrag zahlen müssen.

Wenn KfW das Geld geschuldet hat, hätte es doch auch so wieder
zurückbezahlen müssen…ob Lehman Insolvenz anmeldet, oder
auch nicht.

So ist. Im Zweifel hätte der Inso-Verwalter von LB eingetrieben, wenn die KfW nicht gezahlt hätte. Außerdem wäre im Markt sehr schnell rumgewesen, daß die KfW nach Gutdünken Verpflichtungen nicht nachkommt. Das macht sich nicht gut in einem Markt, der im wesentlichen auf Vertrauen beruht.

Wenn es allerdings so war, dass KfW das Geld lediglich
verleihen wollte, also einen Kredit geben, und die Insolvenz
stand schon praktisch fest, dann ist das ja ein unhaltbarer
Zustand.

Die Verpflichtung aus einem Devisengeschäft ist nur sehr bedingt ein Kredit. Man spricht von einem sog. Anschafftungs- oder Erfüllungsrisiko. Bei Devisengeschäften wird nach zwei Tagen geliefert (wie bei Aktien). Das betreffende Geschäft wurde also zwei Werktage vor Montag (also am Donnerstag) eingetütet. U.U. handelte es sich dabei sogar um ein Termingeschäft, das schon Wochen oder Monate vorher abgeschlossen wurde.

Tatsache ist, daß viele Banken mit LB offene Positionen hatten, auch wenn die Gerüchte über die kritische Lage schon lange im Raum standen. Tatsache ist auch, daß eine Pleite dieser Dimension bis letzte Woche undenkbar war. Ob das eine vernünftige Einstellung war, sei dahingestellt, aber so war es nun einmal. Wer sich heute hinstellt und behauptet, er habe alles besser gewußt, macht es sich doch etwas sehr einfach.

Und noch eine Frage: Die KfW Bank ist ja eine staatliche Bank
wie ich gelesen habe. Zahlt die 320 Mio. Euro jetzt der
Steuerzahler? Wird der Verlust sozialisiert?

Nein, die KfW ist von der Steuerpflicht befreit, d.h. dem Bund gehen keine Ertragssteuern verloren. Das einzige was passiert, ist daß sich der Wert der Beteiligung des Bundes an der KfW reduziert hat, aber das ist nicht liquiditätwirksam und daher auch keine Belastung für die Steuerzahler.

Auch habe ich gelesen, dass die KfW eine Förderbank für die
deutsche Wirtschaft und für Entwicklungsländer ist. Wieso
sollte eine solche Bak dann einer amerikanischen
Investmentbank Geld leihen?

Es wurde kein Geld verliehen, sondern ein Devisengeschäft gemacht, was kein besonderes Ereignis ist. Die Hintergründe des Geschäftes kennt ist natürlich nicht bekannt. Wenn die KfW aber bspw. auch Kredite in USD an deutsche oder nichtdeutsche Unternehmen vergibt, sind solche Devisentransaktionen schlichtweg notwendig, weil sie der für ein deutsches Kreditinstitut einzige Weg sind, an Dollar zu kommen.

Als der Franzose Jerome Kerviel mehrere Milliarden verbrannt
hat, habe ich mich noch über die Franzosen lustig gemacht. Und
jetzt machen es die Deutschen nach. Aber nicht verspekuliert
und über einen längeren Zeitraum, sondern 320 Mio. Euro
einfach innerhalb einer Sekunde verschenkt.
Mit fehlen die Worte.

Mir auch; vor allem über die von wenig Sachkenntnis getrübte Berichterstattung der Medien und der Bereitwilligkeit der Menschen, zu glauben, daß deutsche Kreditinstitute - unabhängig davon, ob sie staatlich oder privat organisiert sind - Geld verschenken.

Gruß
Christian

Gruss

Hallo!

Danke für die schnelle Aufklärung!

Also es wurde also kein aktueller Kredit vergeben und es wurde auch kein Kredit zurückgezahlt, sondern ein Devisengeschäft abgeschlossen.
Soweit habe ich das verstanden.

Was ich hingegen nicht verstehe ist, wie sowas so fehlerhaft ablaufen (also gesetzlich so schlampig geregelt sein) kann. Dass es dabei auch um Vertrauen geht, kann ich nur bedingt nachvollziehen.
Ich würde es für logisch, sinnvoll…ja sogar zwingend halten, dass es bei solchen Geschäften doch eine „Sicherung“ geben muss. Ich stelle mir diese Sicherheit so vor, dass jede an der Transaktion beteiligte Partei das auszutauschende Geld auf ein separates, gesichertes „Konto“ deponiert und erst wenn beide Parteien die vereinbarte Summe auf ein sicheres(!!) Konto deponiert haben, wird das Geld zeitgleich(!!) ausgetauscht. Bei solchen Summen fällt ja schon stündlich einiges an Zinsen an und beide Seiten sollten an einem zeitgleichen Austausch interesse haben.
Dass etwas Vertrauen auch zum Geschäft gehört, verstehe ich und kann ich auch nachvollziehen. Nur verstehe ich nicht, wie das gezahlte Geld bei Nicht-Einhaltung der Zahlung der anderen Seite nicht zurückverlangt werden kann (klar, nsovenz, aber dass es bei sowas keine Versicherung gibt, finde ich unverständlich. Solche Versicherungen gehören doch in vielen Wirtschaftzweigen zu den einkalkulierten Transaktionskosten, wie z.B. die Absicherung gegen Währungsschwankungen). Dass also das Geld zwar schon den Besitzer gewechselt hat aber erst endgültig in deren Besitz übergeht, wenn beide Seiten gezahlt haben.

Und die Ansicht, dass es absolut nicht abzusehen war, dass amerikanische (und andere) Banken in sehr starke Zahlungsschwierigkeiten kommen könnten, teile ich hingegen nicht.

Nicht nur deutsche Banken waren seit langem in den Nachrchten (West LB und Co), auch in Amerika sind ja schon mehrere Finanzinstitute haarscharf an der Insolvenz vorbeigeschrammt (zuletzt Fanny Mae und Freddy Mac). Und dass Amerika immer für Überraschungen gut ist, sollte seit langem (Enron) bekannt sein. (Die Insovenz der Lehman Brother und der Aufkauf von AIG durch den Staat waren dann erst er vorläufige Gipfel).

In Amerika war doch schon seit einiger Zeit einiges am Wanken. Investmentfirmen, die hippen und gewinnträchtigen Finanzinstitute, werden jetzt von alten „unmodernen“ Banken, wie der Bank of America aufgekauft.

Also ich kann das nicht nachvollziehen. Zudem in jedem Gangsterfilm ja jede Partei bei grossen „Deals“ ja erstmal die Ware und das Geld vorzeigen muss, bevor es zum Austausch kommt. Und die Börsen und Banken halte ich für genau solche Gangster. Dass grade die dann Geld abgeben ohne Sicherung, nur wegen des „Vertrauens“, halte ich für grob fahrlässig. Mit dem „Vertrauen“ auf steigende Immobilienpreise hat diese Krise ja erst angefangen (oder mit sinkenden Zinsen der Fed nach 9/11)…
Soviel also zu Vertrauen.

(Klar ist für die Pflege der Geschäftsbeziehungen Vertrauen wichtig. Aber dass man mit solchen Summen handelt ohne Absicherung nur weil es schon 1000 mal gutgegangen ist…naja…)

Eine Frage habe ich noch: Als KfW die Überweisung getätigt hat…innerhalb welchen Zeitraums hätte das Geld in Form von Dollar von Lehman bei KfW ankommen sollen? Vergehen da eher nur Sekunden…Stunden…evtl. soar Tage?

Und warum macht man sowas nicht per „Einzugsermächtigung“ und das Geld geht dann auf ein separates Konto. Und wenn innerhalb einer bestimmten Zeit die Gegenleistung nicht angekommen ist, kann das Geld einfach zurücküberwiesen werden. (Ich weiss, dass die „Großen“ nicht nach den selben Spielregen spielen müssen oder können, wie wir kleinen Endkunden, aber die Funktionsweise der „Großen“ erschliesst sich mir trotzdem nicht)

Ich bin kein Banker und habe lediglich „Laienwissen“, das ich mir in Büchern & Zeitungen angelesen habe…
Ich interessiere mich allerdings sehr dafür, wie unsere Welt funktioniert…
In der Wirtschaft kenne ich mich relativ gut aus. Nur beim Bankenwesen und den globalen Finanzsystemen hört mein Verstand auf mitzuhalten. Ich habe aber die Einsicht gewonnen, dass das Verstehen genau dieses Teils der Wirtschaft am wichtigsten ist um unsere Welt zu verstehen.

Deshalb bin ich für jegliche Aufklärung sehr dankbar.

Was ich hingegen nicht verstehe ist, wie sowas so fehlerhaft
ablaufen (also gesetzlich so schlampig geregelt sein) kann.

Was ist denn fehlerhaft abgelaufen?

Ich würde es für logisch, sinnvoll…ja sogar zwingend halten,
dass es bei solchen Geschäften doch eine „Sicherung“ geben
muss. Ich stelle mir diese Sicherheit so vor, dass jede an der
Transaktion beteiligte Partei das auszutauschende Geld auf ein
separates, gesichertes „Konto“ deponiert und erst wenn beide
Parteien die vereinbarte Summe auf ein sicheres(!!) Konto
deponiert haben, wird das Geld zeitgleich(!!) ausgetauscht.

Es ist nicht zu erwarten, daß man wegen eines unglücklich gelaufenen Geschäftes über Jahrzehnte gewachsene Strukturen verändert, aber Du kannst den Vorschlag ja mal in die Runde werfen.

Dass etwas Vertrauen auch zum Geschäft gehört, verstehe ich
und kann ich auch nachvollziehen. Nur verstehe ich nicht, wie
das gezahlte Geld bei Nicht-Einhaltung der Zahlung der anderen
Seite nicht zurückverlangt werden kann (klar, nsovenz, aber
dass es bei sowas keine Versicherung gibt, finde ich
unverständlich.

Natürlich kann man das Geld bzw. die vereinbarte Gegenleistung (zurück)verlangen. Das macht man in solchen Fällen üblicherweise beim Insolvenzverwalter bzw. dem US-amerikanischen Pendant.

Und die Ansicht, dass es absolut nicht abzusehen war, dass
amerikanische (und andere) Banken in sehr starke
Zahlungsschwierigkeiten kommen könnten, teile ich hingegen
nicht.

Aha.

Nicht nur deutsche Banken waren seit langem in den Nachrchten
(West LB und Co), auch in Amerika sind ja schon mehrere
Finanzinstitute haarscharf an der Insolvenz vorbeigeschrammt
(zuletzt Fanny Mae und Freddy Mac).

Und was hat der Staat in diesen Fällen gemacht? Richtig, er hat die Institute gestützt und so die Zahlungsfähigkeit erhalten.

Also ich kann das nicht nachvollziehen. Zudem in jedem
Gangsterfilm ja jede Partei bei grossen „Deals“ ja erstmal die
Ware und das Geld vorzeigen muss, bevor es zum Austausch
kommt.

Stimmt, das ist ein Argument.

Und die Börsen und Banken halte ich für genau solche
Gangster.

Gut zu wissen.

Eine Frage habe ich noch: Als KfW die Überweisung getätigt
hat…innerhalb welchen Zeitraums hätte das Geld in Form von
Dollar von Lehman bei KfW ankommen sollen? Vergehen da eher
nur Sekunden…Stunden…evtl. soar Tage?

Sekunden.

Und warum macht man sowas nicht per „Einzugsermächtigung“ und
das Geld geht dann auf ein separates Konto.

Weil es grenzüberschreitende Lastschriften zwischen den USA und Deutschland nicht gibt.

Und wenn innerhalb
einer bestimmten Zeit die Gegenleistung nicht angekommen ist,
kann das Geld einfach zurücküberwiesen werden. (Ich weiss,
dass die „Großen“ nicht nach den selben Spielregen spielen
müssen oder können, wie wir kleinen Endkunden, aber die
Funktionsweise der „Großen“ erschliesst sich mir trotzdem
nicht)

Das ist mir auch schon aufgefallen.

Ich bin kein Banker und habe lediglich „Laienwissen“, das ich
mir in Büchern & Zeitungen angelesen habe…
Ich interessiere mich allerdings sehr dafür, wie unsere Welt
funktioniert…

Dann solltest Du fragen wie sie funktioniert und Dir nicht aufgrund von Halb- oder Viertelwissen eine unverrückbare Meinung bilden.

In der Wirtschaft kenne ich mich relativ gut aus. Nur beim
Bankenwesen und den globalen Finanzsystemen hört mein Verstand
auf mitzuhalten. Ich habe aber die Einsicht gewonnen, dass das
Verstehen genau dieses Teils der Wirtschaft am wichtigsten ist
um unsere Welt zu verstehen.

Deshalb bin ich für jegliche Aufklärung sehr dankbar.

Nein, Du willst eine Bestätigung Deiner Meinung, die Du auf Basis von unzureichendem Wissen und zweifelhafter medialer Berichterstattung gebildet hast.

Gruß
C.

2 „Gefällt mir“