Hallo Jeanne,
das Knackgeräusch in Deinem Kiefergelenk kommt daher, dass unter Belastung des Gelenkes die flache Knorpelscheibe die als Puffer zwischen Kiefergelenkköpfchen (Teil des Unterkiefers) und Kiefergelenkpfanne (Teil der Schädelknochen) seitlich zwischen den beiden Knochenflächen herausspringt.
Diese Knorpelscheibe (der sogenannte Diskus) ist durch Sehnen an dem Kiefergelenkköpfchen angeheftet. Wenn diese Sehnen (Mediziner nennen diese Strukturen Bänder) überdehnt werden, liegt die Knorpelscheibe nicht mehr so stramm auf dem Kiefergelenkköpfchen wie es sein sollte. Dann kann dieser Diskus aus dem Gelenkspalt (wenn Du beim Kauen oder Beissen die beiden Teile des Gelenks zusammenpresst) herausrutschen. In dem Moment wo der Druck auf das Gelenk nachlässt, wird der Diskus durch die (noch nicht völlig ausgeleierten) Bänder wieder in seine Ausgangsposition zurückgezogen und dann bei der nächsten Belastung wieder herausspringen.
Dein grundsätzlicher Ansatz einen Physiotherapeuten aufzusuchen, der sich mit dem Thema Kiefergelenk besonders auskennt, ist gut.
Die physiotherapeutische Entspannung der betroffenen Muskulatur verringert die Gewalt mit der Dein Kiefergelenk maltraitiert wird. Allerdings bekämpft auch diese Therapie nicht die Ursache des Knackgeräusches.
Du hast selber schon festgestellt, dass Du mit den Zähnen knirschst. Das ist defintiv die Ursache für Deine Knackgeräusche!!!
Wichtig für Dich ist zum Einen, ob das Knacken ein Problem ist und zum Anderen was Du dagegen tun kannst.
Zuerst solltest Du Dir einen Zahnarzt suchen, der sich mit diesem Problem etwas besser auskennt. Es gibt zwar Arthrosen im Kiefergelenk aber die sind so selten, dass sie als Ursache für Dein Problem meistens ausfallen. Einen geeigneten Zahnarzt zu finden ist allerdings nicht ganz so einfach. Die besten Empfehlungen können Dir zu diesem Thema Physiotherapeuten, Orthopäden und Logopäden geben, die berufliche Erfahrungen mit entsprechenden Zahnärzten gemacht haben.
Im Gegensatz zur landläufigen Meinung gibt es fast keine Kieferorthopäden oder Kieferchirurgen die sich mit dem Thema CMD ( =craniomandibuläre Dysfunktion, so nennt man Dein Krankheitsbild) intensiver beschäftigen. Meistens sind dies normale Zahnärzte, die Kiefergelenksfehlfunktionen behandeln.
Die zahnärztliche Behandlung besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen.
- die ausführliche Untersuchung und Aufklärung über die Ursachen des Knirschens.
- eine geeignete Knirscherschiene
Du schreibst Dass Du schon mehrere Schienen gehabt hast und dass Du sie alle in kürzester Zeit zerbissen hast.
Das bedeutet, dass die bisherigen Schienen ungeeignet waren. Eine funktionsfähige Schiene zu zerbeissen ist fast unmöglich.
Man kann zwar als Patient sehr schnell Schliffspuren in eine Schiene hereinfräsen (das wäre aber nicht schlimm), sie zu zerbeissen ist bei korrekter Herstellung aber fast ausgeschlossen.
Langfristig kannst Du Dein Problem aber nur selber lösen, indem Du versuchst und es hoffentlich auch schaffst Dich möglichst zu entspannen.
Deine innere Grundspannung führt zu einer erhöhten Muskelspannung, die im Bereich der Kaumuskulatur durch das nächtliche Zähneknirschen die beschriebenen Schäden verursacht.
Alle therapeutischen Massnahmen egal ob durch den Physiotherapeuten oder den Zahnarzt behandeln nur die Symptome, aber nicht die Ursache.
Nur der Patient selber kann dauerhaft diese überhöhte Grundspannung reduzieren und damit auch die Symptome in den Griff bekommen.
Das bedeutet aber nicht, dass Du nur dann das Knacken reduzieren kannst, wenn Du entspannter durchs Leben gehst. Es reicht sehr häufig aus, die Muskelspannungen durch Physiotherapie und Schienentherapie zu reduzieren, um mit der verbleibenden Restspannung gut leben zu können.
Zum Schluss noch ein Wort zu Deiner Frage, ob das Knacken irgendetwas kaputt macht.
Egal wie schrecklich sich das Geräusch anhört, es ist unwichtig.
Wichtig ist nur, ob Du dabei Schmerzen hast.
Häufig wird das Geräusch schwächer unter einer geeigneten Schienentherapie, aber leider häufig auch nicht.
Es würde dann schwächer, wenn sich die betroffenen Bänder wieder straffen und die regelmässige Belastung reduziert wird.
Den therapeutischen Ansatz habe ich oben schon beschrieben, Deine innere Grundspannung kannst aber nur Du selbst reduzieren.
Als Patient kannst Du die Belastung bewusst nur dann reduzieren wenn Du Dich beim Knirschen oder Pressen Deiner Zähne bzw. beim Kaugummikauen „erwischst“. Wenn Du in dem Moment wo Du merkst, dass Du mit den Zähnen knirschst (oder unnötig kaust) direkt damit aufhörst, reduzierst Du alleine dadurch die schädliche Belastung und gibst Deinem Kiefergelenk Gelegenheit zur Regenerierung.
Ich hoffe , ich habe Dir Deine Problematik halbwegs anschaulich erklären können.
Gruß
Gero