Hallo Helena,
ich hab’s nochmal anders geschickt, vielleicht geht es jetzt.
Vorab: Am Mittwoch war ja nochmal die Anhörung im Landtag; es kann deshalb sein, dass einige Punkte im BayKiBiG jetzt etwas abgemildert wurden. (Ich glaub’s zwar nicht… aber mein Stand bezieht sich auf die Gesetzesvorlage vom Dienstag.)
Das mit der Finanzierung ist so: Bisher werden ja pauschal 40% der Personalkosten bezuschusst. Jetzt wird pro Kind bezahlt, wobei es einerseits nach der Belegungszeit geht und es andererseits noch bestimmte Faktoren gibt (KiGa-Kinder haben einen höheren Faktor als Hortkinder, dann gibt es Faktoren für Kinder mit Integrationsbedarf usw.).
Vordergründig erscheint dies gerechter und sieht nach mehr Förderung aus, weil die Sätze ziemlich hoch sind. Aber das Budget, was bisher für die Kindergärten da war, muss nun plötzlich auch für Horte und Kinderkrippen reichen - es ist also faktisch weniger geworden.
Wenn eine Tagesstätte Gruppen mit mindestens 22 Kindern hat und die alle 5 Tage die Woche mindestens je 4 Stunden am Tag da sind, bleibt alles wie beim Alten. Bei weniger Kindern oder Kindern, die kürzer da sind (z.B. Hortkinder mit Nachmittagsunterricht), reicht der Zuschuss nicht, und die Tagesstätte muss die Kosten auf die Eltern umlegen oder schließen.
Außerdem führt so ein Finanzierungssystem natürlich dazu, dass ein Träger bevorzugt jüngere Erzieherinnen einstellt, weil die viel billiger zu haben sind als ihre älteren, oft erfahreneren Kolleginnen.
Der nächste Kritikpunkt: Gastkinder-Eltern kriegen nach einer Übergangsfrist viel weniger Zuschuss. D.h. falls du in Eching wohnst, in München arbeitest und dein Kind dort in den KiGa am Arbeitsplatz gehen soll, musst du viel mehr bezahlen, weil München den Platz nur noch mit der Hälfte bezuschusst. Gleiches gilt, wenn dein Kind in den Montessori-Kindergarten in den Nachbarort gehen soll. Deine Wahlfreiheit ist also erheblich eingeschränkt.
Man sollte auch wissen, dass der Bildungsplan, der zusammen mit dem bekannten Forscher Wassilos Fthenakis erarbeitet wurde, in wesentlichen Punkten gar nicht umgesetzt wird, weil das „zu teuer“ ist. Dabei gibt es inzwischen Langzeitstudien, die nachweisen, dass gerade die Vorschulförderung das Lernverhalten und den späteren schulischen und beruflichen Erfolg von Kindern ein Leben lang beeinflusst.
Mich persönlich stört, dass einige sicherlich gute und richtige Argumente vorgeschoben werden, um zu verschleiern, dass es letztlich nur ums Geld geht. Das musste ich jetzt mal loswerden!
Viele Grüße aus München
Katharina
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