Kind frühfreif?

Hallo Experten,

bin nich ganz sicher, ob das hier das richtige Brett ist (Eltern-Kinder hätte vielleicht auch gepasst)…

Es geht um ein 8 jähriges Mädchen. Es fing schon so mit fünf an, dass sie immer mal sagte, sie sein verliebt. Mal wars einer aus dem Kindergarten, dann ihr Cousin. Diese Phasen gingen immer nach zwei drei Wochen wieder rum und da denkt man sich ja auch nix dabei, sondern schmunzelt eher darüber.
Mittlerweile ist das Mädchen in der zweiten Klasse und (nach eigener Aussage) schwer verliebt in einen Klasenkameraden. Sie redet von nichts anderem und nur noch von ihrem ‚Liebsten‘ und wie schnuckelig er ist. Es werden Liebesbriefe getauscht und sogar Geschenke. Die Mutter des Mädchen hat den Jungen schon gebeten, ihr bitte nichts mehr zu schenken (er gibt tatsächlich Geld für die Geschenke aus). Diese ‚Phase‘ dauert jetzt schon zwei Monate und die Eltern wissen sich keinen Rat und überlegen sogar die Kleine umzuschulen.
Die haben echt Angst, dass das Mädchen ‚frühreif‘ ist und mich um Rat gefragt. Leider kenn ich mich damit gar nicht aus. Erstmal meinte ich, naja, vielleicht so’ne Phase. Aber da habe ich regelrecht in ein Wespennest gestochen. Das dürfe nicht sein, zu jung für so was usw. Ich habe vorgeschlagen mit der Mutter des Jungen zu sprechen und auch mit der Klassenlehrerin, vielleicht sehen sie dann klarer… Und das wollen sie auch. Die beiden brauchen echt Unterstützung und machen einen überfroderten Eindruck…

Was denkt Ihr darüber? Gibts hier Eltern, die das Problem kennen und wissen was zu tun ist? Wie kann man aus pädagogischer oder psychologischer Sicht gegensteuern und muss man das überhaupt?

Lieben Gruß und Danke schon mal im voraus, Suse

Hi Suse,

mir scheint, das Kind ist nicht frühreif, sondern altklug. Woher das kommt, lässt sich von außen nur vermuten, deshalb sage ich dazu mal nix. Aber mit dem Kontakt zu den potentiellen Schwiegereltern und der Lehrerin wird sich die ganze Sorge um die Liebelei bald in Wohlgefallen auflösen.

Mein Neffe im zarten Alter von 8 Jahren: „Heute habe ich der Elisabeth einen Kuss gegeben.“ Ich: „Und - was hat sie gesagt?“ „Pfui Teufel!“ Er hat sie aber weiterhin geliebt, zumindest für drei Wochen.

Gruß Ralf

Hallo Ralf,

mir scheint, das Kind ist nicht frühreif, sondern altklug.

Wie genau kommst du darauf?

Lieben Gruß von Suse

Hi Suse,

da wollte ich uns was Gutes tun und habe mal bei Bertelsmann nachgesehen, bin damit aber gar nicht glücklich:

alt|klug [Adj. , o. Steig.]
frühreif, (scheinbar) klüger, als es dem Alter entspricht

Frühreif hat eindeutig einen sexuellen Anklang; ich habe noch nie gehört, dass damit etwas anderes als die körperliche Reife bezeichnet wurde. Und warum das scheinbar in Klammern steht, ist mir völlig schleierhaft.

Aber vielleicht lebe ich ja hinter dem Mond. Ich bezeichne Kinder als altklug, die zwar in der Lage sind, zu reden (um nicht zu sagen zu schwätzen) wie die Alten, jedoch nicht wirklich wissen, wovon sie sprechen. Und wenn ein Kind mit 8 Jahren von Verliebtheit spricht, dann kann mir keiner weismachen, es hätte verstanden, worum es da mal gehen wird.

Altkluge Kinder kenne ich aus meiner Verwandtschaft so einige; soweit ich sehe, entwickelt es sich da, wo sie als Erwachsene behandelt werden. Wie auch immer, das ist nicht schlimm und schon gar nicht behandlungsbedürftig.

Gruß Ralf

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Frühlings Erwachen
Hallo Suse,

mich erinnert das von Dir geschilderte „Problem“ an Frank Wedekinds Drama „Frühlings Erwachen“. Es ist lediglich um 5 Jahre nach vorn verschoben.
Die einzigen, die mit der „Frühreife“ des Mädchens ein Problem haben, sind die Eltern. Wovor haben diese eigentlich Angst? Falls nicht schon geschehen sollten die Eltern ihre Kinder aufklären, um ihnen einen verantwortungsvollen und selbstbestimmten Umgang mit Liebe und Sexualität zu ermöglichen. Diese Fähigkeit stellt sich nicht plötzlich mit der Vollendung des 12. / 14. oder 16. Lebensjahr ein. Entscheidend ist, dass Eltern ihre Kinder aufklären und ihnen helfen mit ihren Gefühlen umzugehen. Da sich jedes Kinder anders entwickelt, gibt es das Alter, ab dem Eltern damit anfangen sollten nicht. Im gegebenen Fall ist, aus meiner Sicht, Zeit damit anzufangen.

Wenn dem Mädchen der Kontakt zu dem Jungen verboten oder entzogen wird, würde sie dadurch – aus meiner Sicht – Opfer einer restriktiven und umaufgeklärten Sexualmoral. Es besteht die Gefahr, dass sie Schuldgefühle entwickelt, Sexualität als schmutzig empfinden und verdrängt.
Wenn nicht eingegriffen wird, ist die seelische Gesundheit des Mädchens ebenfalls gefährdet. Denn unabhängig davon, wie sich die Eltern verhalten, gibt es im Umfeld der beiden sicherlich viele Menschen, die kindliche Sexualität moralisch verwerflich finden und damit nicht umgehen können.

In diesem Sinne, halte ich es für das wichtigste, dass die Eltern lernen zu akzeptieren, dass ihre Tochter ein sexuelles Wesen ist und sie dabei unterstützen mit ihre Gefühlen und den Reaktionen von Erwachsenen und Kindern umzugehen, die ihre Sexualität verwerflich finden.

Kindliche Sexualität sollte nicht tabuisiert werden. Sie ist nicht moralisch verwerflich. Da dies viele Menschen implizit oder explizit anders einschätzen, müssen „frühreife“ Kinder besonders unterstützt und evtl. auch – vor der Gesellschaft – geschützt werden.

Viele Grüße
Falk

Hallo Ralf,

alles klar. Ich werde das auf jeden Fall mal zur Sprache bringen.

Vielen Dank!

Die haben echt Angst, dass das Mädchen ‚frühreif‘ ist und mich
um Rat gefragt.

Ich halte die von Drambedier geäußerte Vermutung für sehr wahrscheinlich. Ob Sexualität in einer Weise, die die frühzeitige Aufklärung erforderlich macht, im Spiel ist, muss jemand beurteilen, der näher am Geschehen ist, als wir hier. Wenn das der Fall ist (unwahrscheinlich aus meiner Sicht) müssen die Eltern natürlich entsprechend handeln, wie Falk schrieb.

Mittlerweile ist das Mädchen in der zweiten Klasse und (nach
eigener Aussage) schwer verliebt in einen Klasenkameraden. Sie
redet von nichts anderem und nur noch von ihrem ‚Liebsten‘ und
wie schnuckelig er ist.

Redet sie gegenüber ihren Eltern so? Das untermauert den Verdacht auf „Altklugheit“. Mir ist schon bei vielen Menschen aufgefallen, dass selbst Jugendliche bis etwa 19 ihre Beziehung nicht als Selbstzweck (im positiven Sinn) betrachten sondern sie als Trophäe ihrer Umwelt präsentieren. Sie wollen ausdrücken „Guckt mal, ich habe einen Partner, ich bin erwachsen/selbständig/stehe mit beiden Beinen im Leben etc.“. Selbst hier im Forum sind mir schon ViKas über den Weg gelaufen, in denen der Partner als „Hobby“ aufgeführt wird. Völlig unnötig und rein aus Mitteilungsbedürfnis. Folglich sollten sich die Eltern meiner Meinung nach da erstmal raushalten. Jeder Gesprächsversuch nach dem Prinzip „Bist du sicher, dass du ihn liebst?“ wird sie provozieren, ihre „Liebe“ gegen den Widerstand der Eltern durchzusetzen und damit selbst eine noch endrucksvollere Illusion geistiger Reife zu haben.

Die Mutter des Mädchen hat den Jungen schon
gebeten, ihr bitte nichts mehr zu schenken (er gibt
tatsächlich Geld für die Geschenke aus).

Das ist doch sein Geld. Ansonsten müssen dessen Eltern ihm den Hahn zudrehen. Aber er wird sich schon nicht verschulden.

Diese ‚Phase‘ dauert
jetzt schon zwei Monate und die Eltern wissen sich keinen Rat
und überlegen sogar die Kleine umzuschulen.

Damit lösen sie eine Trotz-Phase bis zum zwanzigsten Lebensjahr aus. Das ist auch deshalb nicht klug, weil das Mädchen mit Typen, die sie „jetzt erst recht“ abschleppt, selbst nicht glücklich wird.

Hallo Suse

Es geht um ein 8 jähriges Mädchen.


schwer verliebt in einen Klasenkameraden.

und

Wie kann man aus pädagogischer oder psychologischer
Sicht gegensteuern

In dem man das Ganze legitimiert, den Jungen
immer mit einlädt und ihn ganz normal behandelt.
Was spricht gegen „Geschenke kaufen“? Das ist
doch schön.

und muss man das überhaupt?

Was? Den Reiz erhöhen, in dem man ein Problem
daraus bastelt?

Ich denke, die Kinder spielen einfach die
Rollen, die sie auf dem Fernsehschirm ihrer
Eltern tagein tagaus sehen - und die sie für
die „Guten“ halten.

Grüße

CMБ

Hallo Suse,

Es geht um ein 8 jähriges Mädchen.

warum darf sich ein achtjaähriges Mädchen und ein ebensoalter Junge sich nicht inneinander verlieben?!
Ich erinnere mich noch recht gut, daß ich mich mit rund neun unsterblich in eine Mitschülerin verliebt hatte und ging deswegen sogar in die Kirche, nur weil sie auch dorthin ging. Leider war die Liebe nicht auf Gegenseitigkeit.

Du siehst, nichts neues unter der Sonne.

Je mehr Umstand die ELtern darum machen, desto problematischer wird die Sache (aufgeklärt sind die Kinder doch hoffentlich?!)

Gandalf

Hallo Suse,
da würde ich gar kein „Drama“ drum machen.
Meine Tochter und mein Sohn hatten im frühen Kindergartenalter auch schon ihre „liebsten“ und dann natürlich in der Grundschule.
Ich fand das „Verliebt sein“ einfach nur süß und habe diejenigen dann wie normale Freunde behandelt.
Irgendwann war es dann auch vorbei. Und Jungs bzw. Mädchen plötzlich „ecklig“.
Dann so mit ca. 14 Jahren ging es wieder los und da schon wesentlich ernster, auch in der Hinsicht auf „Sex“.
Da ist man dann als Eltern gefragt und die Aufklärung( die hoffentlich schon in der Kindheit erfolgte) mußte entsprechend vertieft werden.
Ich habe mit meinen „Kleinen“ da immer ganz offen über alles geredet und wir hatten damit keine Probleme.Ich glaube Vertrauen spielt da die große Rolle und vielleicht haben wir in der frühen Phase damals schon den Grundstein dafür gelegt.
Ich würde um die Sache also kein Theater machen und das ganze lockerer sehen.Wir Erwachsenen neigen dazu immer gleich das Schlimmste an der Sache zu sehen und machen uns zu viele Gedanken.Wahrscheinlich werden viele Eltern mal mit früher Verliebtheit der Kids konfrontiert aber die meisten nehmen es als normal hin und das ist es auch.
Also Gegensteuern würde ich da gar nicht.
Seht es doch einfach als gute Freundschaft der Beiden mit etwas Schwärmerei.

Wären die Beiden kontaktarm und hätten keine Freunde müßte man sich Gedanken machen.

Weiss nicht ob ich weiter helfen konnte, aber vielleicht dazu anregen mal anders zu denken.

Grüßle Marion

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

hallo suse,

ich als nichtexpertin würde mal meinen - einen grund zur angst gibt es erstmal nicht. - da gehen die phantasien der eltern wohl mit ihnen durch.

in dem alter sind viele verliebt - die frage wäre doch eher - auf welche weise ists sie es? - und das könnte sich herausfinden lassen.
ists es eine eine verliebheit die „harmlos“ ist und bleibt oder
geht es eben wirklich um ein frühreifes mädchen (und jungen - denn zum sex gehören ja 2 und hier scheint ja der angstgrund zu liegen).

wenn sie gerne offen spricht mit ihren eltern, können sie ja über diesen weg nicht nur herausfinden wie aktuell der „stand der dinge“
ist, sie können darüber meinem gefühl nach das „level“ auf dauer
„beobachten“.
vielleicht sprechen die eltern mal mit ihrer tochter (hoffentlich haben sie ein vertrauenvolles verhältnis) und fragen sie genauer nach ihren gefühlen und gedanken, träumen um den jungen.
und dann sprechen sie evtl mal mit seinen eltern und die machen das gleiche und dann könnte man evtl schon viel mehr wissen und einschätzen ohne die schlimmsten eigenen phantasien dominieren zu lassen.

klar würde jedwedes „ergebnis“ nicht bedeuten, dass der gegenwärtige stand der dinge bei den kindern auf dauer anhält. aber wenn man aufmerksam ist ohne dauerbeobachtungsbeschuss und offen mit dem kind umgeht, habe ich zumindest die vorstellung, dass man veränderungen mitbekommt und dann überlegen kann, wie vorgehen…

eine aufklärung des kindes in direkter anspielung auf den jungen halte ich zb. nicht für gut - denn das vermittelt unterstellungen die nicht so harmlos sind. aber eine grundlegende aufklärung wiederum, die kann nicht schaden und dafür ist sie alt genug - wenn sie altersgemäss stattfindet.

ich finde es gut, wenn die eltern aufmerksam sind, aber angst ist kein guter begleiter.

lg
nina

PS: in meinem umfeld gibt ein mädchen, etwas jünger als jenes hier,
da ists genauso.

Hallo Suse,

das kennt man ja nun schon immer, diese Verliebtheit vor der Pubertät!
Früher sprach man allgemein von „Kälberliebe“ und hat sich nicht weiter darum geschert, heute macht man anscheinend um jeden Pups einen ungeheuren Aufwand.
Aber früher gab´s eben auch nicht soviel Liebe und Sex an jeder Straßenecke.
Im zweiten Schuljahr war ich für ´ne Zeitlang schwer verliebt in eine aus der vierten Klasse, das heißt, ich fühlte mich zu ihr hingezogen, suchte ihre Nähe, hab ihr auch mal Bonbons geschenkt usw.
Was ich eigentlich von ihr wollte, wußte ich allerdings selber nicht.
Auch vorher gab´s immer wieder Phasen, wo ich mich für eine gewisse Zeit zu einem Mädchen hingezogen fühlte, nur wäre es mir nie in den Sinn gekommen, das Liebe zu nennen, weil ich einfach nichts von der Liebe wußte.
Außerdem musste man früher bei so etwas schwer aufpassen, nicht wegen der Erwachsenen, die nur haben geschmunzelt, aber die eigenen Altersgenossen haben einen schwer verspottet, wenn sie was merkten.

Wie gesagt, Fernsehen gab´s noch nicht und Liebesromane waren mir ein Gräuel. (Aufgeklärt war ich übrigens auch noch nicht.)

mfg Nemo.

Freundschaft und Liebe
Hallo!
Ich hab nicht wirklich alle bisherigen Antworten gelesen, aber ich glaube, dass es kein Problem ist, wenn ein 8jähriges Mädchen verliebt ist. Jungs in dem Alter schwärmen oft für die Lehrerin, Mädchen beginnen für den neuen Fernsehstar oder Tokiohotel oder weiß der Teufel was alles zu schwärmen. Dazu kommt, dass Kinder heutzutage durch Fernsehen und identische Kleidung, wie sie die Eltern tragen, nur in kleinen Größen, den Unterschied zwischen Kind und Erwachsenem nicht mehr so wahrnehmen können, wie früher mal. Sie sehen im Fernsehen permanent Serien und Geschichten in denen es sich ausschließlich um Liebe dreht. Sie sind ganz normale Kinder, wollen also so sein wie alle anderen
Die beiden Kinder sind einfach befreundet, haben sich lieb und sind zufällig unterschiedlicen Geschlechts. Wäre sie so gut befreundet mit einem Mädchen und würden die sich Geschenke machen, dann würde sich keiner sorgen.

Solange die Schule oder eines der beiden Kinder darunter leidet, würde ich das Ganze ignorieren und immerwieder die Freundschaft und nicht die „Beziehung“ betonen. Dann wird sie das auch bleiben. Abgesehen davon haben wir doch alle Doktor gespielt als Kinder, oder nicht? (Wir waren nur so clever es unseren überbesorgten Eltern nicht auf die Nase zu binden :wink: )

lg infi

Vielen, vielen Dank!
Hallo liebe Antwortgeber,

ich war ein paar Tage offline und habe erst heute die meisten Antworten lesen können. Ich möchte mich ganz herzlich bedanken bei Euch. Ich kopiere einfach mal die Antworten und gebe sie der Mutter des Mädchens zu lesen. Ich hoffe, dass sie dann nicht mehr so’ne Panik hat…

Lieben Gruß von Suse