Kind 'greift an'

Hi liebe Eltern,

unser Sohn ist gerade 3 geworden und hat in
letzter Zeit sehr unschöne Verhaltensweisen
gezeigt:
Da gibt es z.B. das Schuppsen, Treten,
Schlagen, Stuhlwegziehen hatten wir auch
schon usw…
Das ganze passiert ohne Grund, da wird also
nicht um Spielzeug gerangelt o.ä.
Er spielt herzallerliebst 'ne Stunde mit
anderen Kids in der Sandkiste und dann
peng: erstmal jemanden in den Haaren ziehen…
Mittlerweile sind wir immer auf dem Sprung,
wenn andere Kids da sind, um mögliche
schlimme Folgen zu vermeiden.
Aber was können Ursachen sein?
Was können wir machen?
(haben ca. 10 Erziehungsbücher durchgekämmt)
Zureden hilft nicht; Auszeiten helfen nicht,
Maßnahmen (Bobbycar weg) helfen nicht…
Und die „Tracht Prügel“ hat er bis heute nicht bekommen… soller auch nicht…

Arne

Hi Arne,

unser Sohn ist gerade 3 geworden und hat
in letzter Zeit sehr unschöne :Verhaltensweisen gezeigt:
Das ganze passiert ohne Grund

Das ganz sicher nicht. Und ein guter Ansatzpunkt ist, dass ihr euch überlegt, worin der Vorteil/Gewinn für deinen Sohn besteht. Ist es der Gewinn an Aufmerksamkeit? Bei einem mir bekannten Fall wurde einem 2jährigen im KiGa wegen seines aggressiven Verhaltens eine eigene KiGä zur Seite gestellt. Toll, oder? Wer hat das schon? Und welche Veranlassung hätte jemand,so einen Vorteil abzugeben? Besser wäre doch vielleicht ihm die Aufmerksamkeit an anderer Stelle zukommen zu lassen (wenn er was tolles macht z.B.).

Aber was können Ursachen sein?

Ich würde eher nach den Zielen fragen, das bringt dich wahrscheinlich weiter.

Was können wir machen?
(haben ca. 10 Erziehungsbücher
durchgekämmt)

Schau mal in Lauth,G.W., Schlottke, P.F. & Naumann, K. (1998). Rastlose Kinder, ratlose Eltern. München: dtv.
Da im Anhang ab S. 180 die Regeln für das Belohnungssystem. Kurz: Ein Wertmarkensystem, das auch dreijährigen schon einleuten sollte: erwünschtes Verhalten (klar definiert) wird belohnt mit einer Wertmarke, bei unerwünschtem muss er eine abgeben… Und vorher wird ein VErtrag geschlossen, der auch konsequent eingehalten wird. Belohnung: Am Ende der Woche wenn eine gewisse Zahl von Wertmarken da ist gibts die Belohnung (vorher schon klar absprechen).

Zureden hilft nicht;

Perspektivübernahme üben: Wie ginge es dir, wenn…

Auszeiten helfen
nicht,

Wie schon erwähnt: kein Wunder, das Verhalten funktioniert doch, oder?

Maßnahmen (Bobbycar weg) helfen nicht…

Das haben schon die Behavioristen gefunden: Belohnen funktioniert als Lernanreiz viel besser als Strafen. Und vielleicht ist das, was du als Strafe siehst für ihn gar keine, immerhin beschäftigst du dich ja mit ihm…

Und die „Tracht Prügel“ hat er bis heute
nicht bekommen… soller auch nicht…

Nö, lass mal: drei Viertel aller schlagenden Eltern sind selber geschlagen worden…

Viel Erfolg und gute Nerven wünscht der
S_

ich würd Ihn gewähren lassen. Irgendwann wird es den anderen Kindern einfach zu dumm und die wollen Ihn dann nicht mehr mitspielen lassen. Dann dürfte er es vielleicht lernen.

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Hi Tom

ich würd Ihn gewähren lassen. Irgendwann
wird es den anderen Kindern einfach zu
dumm und die wollen Ihn dann nicht mehr
mitspielen lassen. Dann dürfte er es
vielleicht lernen.

Das sagst du nur, weil nicht dein Kind das Opfer der Übergriffe ist, dann hättest du eine ganz andere Meinung, oder???

Und ob Ausgegrenztwerden eine gute Lektion ist, das wage ich auch zu bezweifeln.

Viele Grüße
S_

Stimme Stefan voll und ganz zu *o. T.*
mfg
Martin

Hi Stefan

Das „Aufmerksamkeit erhalten wollen“ wird
für mich persönlich zu oft als „Grund“
herangezogen, aber wie sieht es damit
aus wenn nur das „Opferkind“ anwesend ist
und sonst niemand, der aufmerksam werden
könnte??

Welcher Vorteil/Gewinn für das Kind, wenn es
schlägt… gute Frage! Geb ich hiermit
weiter…

…KiGä zur Seite gestellt. Toll, oder?
gut, das ist klar…Aufmerksamkeit!

Wertmarkensystem…

Das hört sich gut an…
Nur denke ich, dass ein 3-jahriger,
zumindest unser (er kennt mit 3 noch
nicht das Alphabet und kalkuliert noch
nicht unseren Haushalt durch…) mit
Zeitspannen wie eine Woche, 3 Tage
oder heute abend so seine Probleme hat.

Zureden hilft nicht;
Perspektivübernahme üben…

Zureden=Perpektivübernahmen (meinte ich
so)… vielleicht sind wir zu ungeduldig…

schlagenden Eltern sind selber geschlagen
worden…

!nicht schlagende Eltern aber auch…!

Arne

Hi Tom

ich würd Ihn gewähren lassen.

Das kann ganz schön ins Auge gehen,
zumal ,wenn ein anderes Kind dabei
mal ernsthaft verletzt wird. Der Junge
kann etwaige Folgen noch nicht ein-
schätzen!
Aber wir…

Arne

Hi Arne,

Das „Aufmerksamkeit erhalten wollen“ wird
für mich persönlich zu oft als „Grund“
herangezogen,

Wieso? Ich sehe genau das als einen zentralen Punkt in der heutigen Zeit. Wer hat den heute schon richtig die Zeit, sich mit seinen Kindern zu beschäftigen? Und die fordern ihr Recht ein, das scheint mir logisch. Fast schon bequem ist es doch, wenn du das abtust und die Gründe im Kind allein suchst. Das endet dann in: Mei, der ist halt so. So will ich aber Menschen nicht sehen! Ich unterstelle jeder/m eine gewisse Lernfähigkeit!

aber wie sieht es damit
aus wenn nur das „Opferkind“ anwesend ist
und sonst niemand, der aufmerksam werden
könnte??

Na, da musst du doch nicht lange überlegen. Ich habe doch nicht gesagt, dass das einzige Ziel die Aufmerksamkeit ist. Macht und Stärke ist doch auch toll…

Welcher Vorteil/Gewinn für das Kind, wenn
es
schlägt… gute Frage! Geb ich hiermit
weiter…

Ich könnte hier nur ins Blaue schiessen, ich kenne weder dein Kind, noch dich, noch die ganze Situation aussenrum, ich lasses lieber.

Wertmarkensystem…

Das hört sich gut an…
Nur denke ich, dass ein 3-jahriger,
zumindest unser (er kennt mit 3 noch
nicht das Alphabet und kalkuliert noch
nicht unseren Haushalt durch…)

Nicht? :wink:

mit
Zeitspannen wie eine Woche, 3 Tage
oder heute abend so seine Probleme hat.

Sicher sagst du deinem Spross, wann er sich die Nase putzen soll, warum dann nicht, dass er die anderer Leute in Ruhe zu lassen hat? Sorry, meine ist schon so groß, ich hab das nicht mehr so plastisch mit den verbohrten 3jährigen. Ist sicher nicht einfach dein Problem, versteh mich da nicht falsch! Ich versuch halt ein paar praktische Tips anzubieten. Die musst du halt noch zurechtstutzen für euch.

vielleicht sind wir zu
ungeduldig…

Klingt mir gar nicht so, du bemühst dich doch (10 Bücher, hier)

schlagenden Eltern sind selber geschlagen
worden…

!nicht schlagende Eltern aber auch…!

Ja. Der Umkehrschluss meiner Aussage ist nicht zulässig! Zu deutsch: Schlagende Eltern sind geschlagen worden, aber geschlagene Kinder werden nicht unbedingt zu schlagenden Eltern (das ist aber kein Freibreif, die Kinder zu schlagen, wenn mensch genau drüber nachdenkt).

Gruß
S_

Hi Stefan

Gründe im Kind allein suchst. Das endet
dann in: Mei, der ist halt so.

Versteh’ mich nicht falsch: wir haben das
Problem, nicht zu erkennen…

Ich bin der Meinung, dass ein Kind
von Geburt sehr wenig (oder nichts) kann
oder hat, sondern im laufe der Zeit lernt,
erfährt oder auch nicht erfährt und dadurch
das wird was es ist. Darum werde ich nie
sagen „der ist halt so“
Wie gesagt, nicht das Kind hat das Problem,
wir haben es…

Macht und Stärke?
Ja bei Erwachsenen - bei Kindern auch?
So ausgeprägt?

arne

Hi Arne,

vielleicht kein guter Trost, aber meist ist das eine Phase. Höchst unangenehm, für Kind, Eltern und weitere Betroffene aber es geht vorüber. Alle Kinder bei uns hier und das sind verflixt viele, hatten irgendwann die Idee „Wenn ich den jetzt umschupse - passiert was, mal gucken was…“ (das ist beliebig auswechselbar mit: Haare ziehen, etwas wegnehmen, Stuhl wegkicken, den anderen beiseiteschieben, Beißen, Zwicken, Kratzen, jemanden schlicht ignorieren…)
Aufmerksamkeit (klar, n’bißchen immer), Neugier (was macht der denn, wenn er fällt?), Langeweile (hab’ sonst grad nix zu tun), die blanke Schnapsidee, es sei ein tolles Spiel, all das sind Möglichkeiten des Warum und es gibt noch viele. Fakt ist: die wenigsten, die als 2 1/2ährige andere umwerfen, beißen, an den Haaren ziehen, tun das mit 3 1/2 auch noch. Da ist es doch interessanter zu beobachten, was die Großen tun, wenn man die Wände anmalt?
Beobachtet es, versucht Schlimmeres zu verhindern, redet mit ihm/íhr drüber (Oft hilft der stete Tropfen der Zeit) und irgendwann hört es auf!

Hoffe ich für Euch

Liebe Grüße

Uschi

*dieDASjetztzumzweitenmalbeimeigenenKindhintersichhat*

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Hallo,
ich halte dieses „Gewährenlassen“ für keine gute Idee. Als Mutter von Kindern die sich nicht wehren wollten oder sollten habe ich oft darunter gelitten. Eine soziale Gruppe setzt ein gewisses kontrolliertes Verhalten voraus, Kinder sind da in jeder Beziehung die schwächsten und ungeschütztesten, auch später im Hinblick auf Gewalt auf dem Schulhof etc. Welcher Erwachsene möchte seinen Heimweg von der Arbeit unter der Bedrohung körperlicher Übergriffe antreten, wer hat da so wenig Rechtsmittel in der Hand und ist auf die gut funktionierenden Erziehungsmethoden fremder Eltern und deren Gutwill angewiesen. (Damit meine ich nicht Eure Kinder, ich kenne Sie ja nicht.) Aber auch 3-jährige sind mächtig wenn sie einem -jährigen gegenüberstehen, manchmal schafft Macht Lust, verschafft Aufmerksamkeit etc. sollte es aber nicht.
Etwas konkreter: wenn meine Kinder andere geschlagen, gequält oder irgendwie schlecht behandelt haben (in meinen subjektiven, liebevollen Augen), dann habe ich sie weggebracht, da man keiner sozialen Gruppe, es sei denn sie ist sehr stabil, tragfähig etc, dann löst sie das Problem selbst (sind heutzutage aber die wenigsten), einen aggressiven Störfaktor zumuten sollte. Dem Kind sollte klar sein, dass sein Verhalten das Verlassen der Gruppe unmittelbar verursacht hat, weiters sind m.E. keine Massregelungen von Nöten. Ich weiss, dass sich das einfach anhört, aber häufig nicht leicht ist, da es die eigenen Pläne durchkreuzt (man wollte den Nachmittag hier verbringen, war verabredet etc.) Da ein 3-jähriger schon stark nach sozialem Kontakt mit Gleichaltrigen drängt, dürfte das ausreichen. Nach Möglichkeit sollte man aber kein attraktives Alternativangebot entwickeln, es sei denn, man möchte selber gern. Also ungefähr so: Sobald der Filius einem anderen Kind die Schaufel überzieht, verlasse ich ruhig und bestimmt mit meinem Kind den Spielplatz, den Raum etc. Vielleicht möchte es jetzt lieber zu Hause, in einem anderen Raum etc. seine Autos sortieren, meine Aufmerksamkeit genießen etc., was auch immer, bloss keinen neuen sozialen Kontakt zu anderen Kindern. "Wir gehen, weil der „xy“ das Kind gehauen… was auch immer hat. Das ist hier nicht erlaubt und wir können erst morgen wiederkommen. Ist Euch das zu extrem ?
Barbara

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