als Kind wurde ich sehr viel geschlagen, von meinen Eltern und später noch massiver im Kinderheim.
Ich kann mich erinnern dass ich immer grinsen bzw. lachen musste, wenn ich geschimpft bekam bzw. verdroschen wurde. Was den jeweiligen Bestrafer total wild gemacht hat und ich bekam noch eine extra Portion für das freche Grinsen.
Mir war aber gar nicht nach grinsen!! Ich wollte das überhaupt nicht, im Gegenteil, aber es kam einfach - ich hatte meine Gesichtszüge da scheinbar nicht unter Kontrolle. Statt zu weinen und zu jammern habe ich gekichert und gegrinst.
Bin ich irgendwie gestört oder gibt es für sowas eine plausible Erklärung?
Aus der Wissensbeilage des Hamburger Abendblattes, Ausgabe 15.07.2003:
„Lächeln aus Demut – Verhaltensrelikt
Verhaltensforscher (Ethnologen) fassen unser Lächeln als früher überlebenswichtige Demutsgeste auf. Kinder lächeln oft unvermittelt, wenn Lehrer oder Eltern sie scharf zurechtweisen, schreibt Verhaltensforscher Vitus B. Dröscher. Dies sei keinesfalls ein Höhepunkt der Frechheit, sondern ein Indiz für Verlegenheit. Das rufe bei ihnen ein uraltes Verhaltensrelikt hervor: die im Instinktgefüge verankerte Demutsgebärde unserer affenähnlichen Vorfahren.“
das klingt für mich sehr einleuchtend, ganz lieben Dank!
Ich hatte mich immer gewundert warum ich das tue, und ich konnte es auch nicht ändern. Aber das würde es ja erklären.
Das Lachen kehrt das Verhältnis zwischen Mächtigen und Untergebenen um.
Will heißen: Du wurdest oft geschlagen und wusstest, dass es nichts bringt. Du hast Dir durch das Lachen Deinen Stolz bewahrt, da der „Bestrafer“ Dir körperlich überlegen war und es für Dich nur zwei Möglichkeiten gab:
Ich heule und ergebe mich
Ich „lache“ ihm einen Haufen. Mich kriegt er nicht klein!
Auch wenn Dir nicht danach zumute war, die menschlichen Handlungen entsprechen nicht immer seiner Logik! Das Verhalten wird zum Teil unterbewusst gesteuert.
Hast Du Dir schonmal Gedanken gemacht, was Du empfindest, wenn Du eine solche Szene gedanklich durchspielst oder im Fernsehen siehst? (Wobei das Fernsehen durch die Geschwindigkeit der Eindrücke nicht viel Zeit für eine Selbstanalyse lässt)
Ich denke, dass es nicht ungewöhnlich ist! Allerdings tritt bei den meisten der Selbstschutz in Form von Heulen ein, um die Schmerzen zu verkürzen.
traurige geschichte, selbstverständlich alles andere als zum lachen.
aber was bleibt dir als kind, ausgeliefert der willkür und gewalt der erwachsenen?
aufgeben, ducken, kleinmachen -dann ist´s schnell aus mit dir.
lachen hat dir ja auch die macht, den ausflippenden erwachsenen ärgern zu können, gezeigt. das mag dich gestärkt haben, als eigentlich machtloses kind macht zu erleben, ganz schön gesund, was deine psyche sich da ausgedacht hat!
ich hoffe für dich, dass du dich um diese erlebnisse und die auswirkungen in deinem leben gekümmert hast. wenn nicht, arbeite das mit professioneller hilfe auf. DU warst NICHT gestört, sondern in einer verrückten situation mit täter-erwachsenen, die dich da reingebracht und misshandelt haben. wo da die störung anzusiedeln ist, ist wohl hoffentlich klar.
Dankeschön, auch das klingt sehr interessant und durchaus plausibel.
Tja leider bin ich zu einer ziemlich kranken Erwachsenen herangewachsen. Seit fast 20 Jahre Depressionen, Kliniken, Tabletten, Therapien. Ich gehe 2 mal die Woche zu einer Therapeutin und schlucke die Höchstdosis Antidepressiva. Trotzdem geht es mir teilweise extrem schlecht.