Kind ohne Prämedikation in den OP

Hallo, Klaas wurde letzte Woche operiert. Aus Zeitmangel kam Klaas ohne Prämedikation in den OP. Es war angewiesen, so stand es in seiner Akte und ich habe mehrfach darauf hingewiesen. Außerdem war es eine geplante OP. Er schläft bis heute schlecht, schreit nachts und kann nicht mehr allein einschlafen. Ich will das so etwas nicht nochmal passiert und habe mich deswegen beschwerd. Ich weiß das Kinder durch stressige op Situationen bis zu einem Jahr davon traumatisiert sein können. Viele sageten mir „ach las doch, sind auch nur Menschen“ Aber hier geht es um Kinderseelen die man schnell verbiegen kann. Sehe ich das zu eng? Läßt man das wieder mal unter den Tisch fallen? Jeder hat seine Arbeit gut zu erledigen. Und wenn ich in meinem Job etwas falsch mache muss ich dafür gerade stehen und zusehen das es ein 2. mal nicht passier.Mein Kinderarzt sagte mir heute das ich mich unbedingt beschweren sollte. Auch für die Kinder nach Klaas. Vielen Dank für die Antworten.

Hier der Brief:

Guten Tag,

letzten Donnerstag wurde unser Sohn Klaas ( 17 Monate alt ) operiert. Er war als zweiter auf der OP Liste, um ca. 9.20 sollte er „dran“ sein. Am Morgen der OP warteten wir darauf das er sein OP Hemd anbekam und die Prämedikation erhält. Ein gewohnter Ablauf für uns als Eltern. Emlasalbe wurde zeitig auf Armbeuge und Handgelenk verabreicht. Sogar ein 2. mal kam eine Schwester herein mit einer Tube Emla in der Hand.
Klaas ist unser 4. Kind, seine 3 Geschwister wurden schon 7 mal unter Vollnarkose operiert. An diesem Morgen kam es aber anders.

Auf einmal klingelte das Telefon auf der C5, Klaas sollte sofort in den OP. Wir fragten die Schwester noch warum Klaas weder Prämedikation noch OP Hemd erhält. Sie meinte die Anästhesie hätte zu spät angerufen, dafür bliebe jetzt keine Zeit mehr, das bleibt aus. Nur im Body reiche jetzt aus.

Wir gingen zur Schleuse. Wir haben unser Kind bei vollem Bewusstsein, unter Tränen und Schreien an der Schleuse abgegeben. Klaas hat nicht gewusst was los war. Er muss sich so erschrocken haben, er hat Angst gehabt. All die grünen Menschen. Die fremde Umgebung. Wo sind meine Eltern? Was geschieht jetzt mit mir?

Schrecklich! Ein einschneidendes Erlebnis für ein Kind in diesem Alter. Seine Bezugspersonen geben ihn ab. Hilflos ausgesetzt.

Und wir haben noch mal an der Schleuse gefragt warum er kein Zäpfchen bekommen hat. Die Krankenschwester der C5 wollte uns dann aufklären das es auch mit Zäpfchen immer eine schwierige Situation für die Eltern sei (wie gut das es Klaas so einfach viel).

Obendrauf kommt das der Zugang am Fuß gelegt wurden ist. Ohne Emlasalbe. Am Handgelenk sei wohl ist nicht möglich gewesen. Der Einstich war zu sehen. Wir hoffen das unser Sohn im benebelten Zustand das legen des Zugangs am Fußgelenk ertragen musste und nicht auch das noch im wachen Zustand.

Bei allen 7 OP`S davor hat nicht eines unserer Kinder geweint. Sie waren dank der Prämedikation so im Rausch das sie uns ankrinsten bei der Verabschiedung.
Warum haben wir als Eltern nicht gesagt das wir abbrechen??? Bis heute ärgern wir uns über uns selbst. Wahrscheinlich dachten wir das Klaas in aller besten Händen sei. So waren wir es eigentlich gewohnt. An dieser Schleuse haben wir davor schon drei mal eines unserer Kinder verabschiedet. Wir waren bis dahin immer vollstens zufrieden und dankbar.

Klaas wacht seit der OP mehrmals auf in der Nacht und hat Schreiattacken. Er kann nicht mehr alleine einschlafen. Klaas hat Angst wenn wir den Raum verlassen. Er klammert seit dem extrem an uns, auch am Tag.

An dieser Stelle möchte ich als Klaas seiner Mutter erwähnen das ich mit Kindern ab 6 Monaten aufgrund meiner Tätigkeit täglich zusammen arbeite. Ich weiß wie Kinder darunter leiden wenn sie einfach abgegeben werden ohne ihre sichere Basis in der Nähe zu haben. In meiner Ausbildung habe ich gelernt das es eines der schlimmsten Erfahrungen ist die ein Kind erleben kann. In Kindergarten und Krippe wird es nicht mehr praktiziert. Experten nennen es Kindesmisshandlung.

Am nächsten Tag (Entlassungstag) haben wir uns bereits mündlich bei der Krankenschwester beschwerd über diesen Ablauf. Sie schaute in die Akte und sagte uns das er eigentlich davor etwas bekommen sollte. Das stand so geschrieben und war angeordnet. Auch sie konnte nicht verstehen warum Klaas das Zäpfchen davor nicht erhalten hat.

Und sollte Klaas weil er Mastozytose Patient ist, keine Prämedikation erhalten sollen (obwohl es ja angeordnet war), hätte man ihn auch mit Maske an der Seite eines Elternteiles in Narkose bringen können.

Wir erwarten das zu diesem Vorfall, in kürze, Stellung genommen wird.

Hallo Melanie, zuerst einmal mein Mitgefühl, sowohl für Euch als Eltern als auch für Klaas. Man lässt sich immer noch in Krankenhäusern zu viel gefallen, weil man ja, wie Du schriebst, glaubt, der Patient sei in den allerbesten Händen. Ein Freund von uns sagte immer, bei den Ärzten sei es wie überall, es gibt gute und schlechte Handwerker. Aber ein schlechter Handwerker muss auch für den Murks einstehen, den er macht, und was medizinische Behandlung, und das auch noch von kleinen Kindern, angeht, muss man noch viel mehr Sorgfalt fordern. Also beschweren und sich nicht einschüchtern lassen. Da Du ja eigene Kinder hast und offensichtlich auch beruflich mit Kindern umgehst, weißt Du Bescheid. Wenn Du in psychologischer Hinsicht einen Tipp erlaubst: Wichtig, sehr wichtig, ist, dass Klaas das Sicherheitsgefühl, das er ja wohl vor diesem Erlebnis hatte, wieder bekommt. Auch die Geschwister können hier viel tun, Kinder lieben es, wenn sie Verantwortung übernehmen dürfen, und ich habe es immer wieder erlebt, dass kleine Kinder viel mehr verstehen, als Erwachsene glauben. (Ich meine die Erwachsenen, die ‚schon erwachsen auf die Welt gekommen‘ sind). Als ich ein kleines Kind war, wusste man so etwas noch nicht (oder wollte es nicht wissen). Ich wurde fallen gelassen und habe das bis heute nie ganz überwunden. Fallangst und mit zunehmendem Alter immer größere Höhenangst, die ja auch eine Form von Fallangst ist.
Viel Glück; ich hoffe, ich konnte Dir etwas helfen.
CreakingDoor

Deine Antwort hat mir sehr geholfen. Wenn etwas schief gelaufen ist muss jemand dafür gerade stehen. Es einsehen. Das darf nicht wieder passieren. Viele haben mir gesagt ich soll daran denken das es nur Menschen sind. Alle machen Fehler. Ich sollte die Kraft für anderes nutzen. Aber der Gedanke das es nochmal passiert und ein weiteres Kind dadurch einen Knax bekommt ist für mich nicht tragbar. Vielen, vielen Dank…Ich dachte schon ich spinne…

Liebe Melanie,
Ihr Brief ist mir wirklich nahe gegangen. Die Verfahrensweise und Vorbereitung der OP lässt wirklich zu wünschen übrig! Dass Klaas so halsüberkopf in den OP musste, hat Sie sicherlich auch verwirrt, hatten gehofft, dass er in guten HÄnden ist. Medizinisch mag das ja sogar gestimmt haben. Aber Klaas weinen und rufen lassen da andere Stimmen in mir wach werden und ich denke (so wie ich ihre Anfrage gelesen habe)geht es Ihnen genau so. Sicherlich können Sie das Krankenhaus zur REchenschaft ziehen, die Verantwortlichen zu einer Stellungnahme drängen - aber mal ehrlich: was passiert ist ist passiert und eine Stellungnahme macht Klaas Zustand nicht milder. Er hat ein Trauma durchlebt! Aber bitte, machen Sie sich keine Vorwürfe, dass sie hätten dazwischen gehen sollen … usw. Das belastet sie nur mit Schuldgefühlen, die für Ihre Seele auch nicht gut sind. Seien Sie vielmehr für Klaas da, geben Sie ihm Halt und sehr sehr viel Zuwendung. Vielleicht erklären sie ihm was passiert ist und dass es nicht Ihre SChuld war. Sagen Sie ihm, dass sowas nicht noch einmal vorkommt. Vielleicht wollen Sie ihm ein „Frustkissen“ geben, welches er verhauen darf. Dazu gehen sie in die Situation zurück und wenn ihm die Gefühle hochkommen, soll er all seinen Ärger rauslassen. Diese Gefühle wollen raus und sollen auch nicht unterdrückt werden, da sie sich in seiner Seele festsetzen können. Auch wenn es für Sie momentan stressig ist, geben Sie ihm die Liebe und Aufmerksamkeit, die er sich einfordert. Das verlangt von Ihnen viel Kraft und Nerven! Deshalb verschwenden Sie sie nicht für Recht und Unrecht an der OP-Leitung.
Ich wünsche Ihnen alles Liebe!