Hallo Simone,
durfte ich reinkommen zum Haare waschen.
Eigentlich ist das aber Aufgabe des Vaters und nicht deine -
besonders, da das Thema z.Zt. problematisch ist.
Das sehe ich nicht zwangsläufig so. Er spricht mit ihr darüber, ich tue es auch, in Absprache mit ihm. Im heutigen speziellen Fall bin ich nun mit ihr alleine.
Und warum kann sie sich nicht allein die Haare waschen?
Das fragst Du am besten ihre Mutter. Allerdings hat sie auch ewig viele, lange Haare, die sie auch nur mit Mühe alleine gekämmt kriegt. Vom alleinigen morgendlichen Zopfflechten ist sie noch ein ganzes Stück entfernt.
Dann ist mir aufgefallen, dass du dich als „Vize-Mama“
bezeichnest - auch wenn es sicher nicht wortwörtlich von dir
so gemeint ist: Du bist die Frau ihres Vaters, aber nicht die
Mutter.
Das ist richtig. Aber dadurch, daß ich die frau ihres Vaters wurde ist sie nochmal ein ganzes Stück näher an mich herangerückt. Damit meine ich, daß sie sich deutlich auf mich zubewegt hat. So weit, daß sie auch zu mir manchmal Mama sagt, in so einer eher verspielten, testenden Art. Wir haben ihr dann erklärt, das es superschön ist, daß sie mich so mag, aber ihre Mama wäre ich nun mal nicht. Und da fiel mir dann der Ausdruck Vize-Mama ein, den wir ihr dann versucht haben zu erklären. Ihr gefiel das und mir allemal besser als Stiefmutter.
Also lehn dich entspannt zurück und lass die Eltern machen.
So einfach ist das nicht. Wir verbringen relativ viel Zeit miteinander zu dritt, da kann ich mich bei Problemen und Konflikten nicht daneben stellen und die Hände in den Schoß legen.
Da du deine eigene Kindheit angesprochen hast: Wie war das
denn bei euch mit dem täglichen Waschen?
Bei uns war es immer gleich - Abendbrot, gemeinsam
abräumen/-waschen, ein bisschen spielen, ich als Jüngste
zuerst ins Bad und mich waschen, Zähneputzen, ins Bett gehen,
halbe Stunde lesen (anschließend heimlich mit Taschenlampe
weiterlesen), schlafen.
Bei uns war es so, daß ich als ich noch recht klein war, morgens immer zu meiner Mutter gewackelt bin und gefragt habe, was ich denn heute waschen soll
. Später habe ich das dann von allein getan.
Samstags wurde gebadet und Haare gewaschen.
So war es bei uns auch und ich habe das geliebt. Ich durfte mir immer über der Wanne eine Höhle bauen (mit so einer umgedrehten Plastikwaschwanne, zwei Holzdingern, auf denen sie stand und dem größten Badetuch. Wenn ich mit allem fertig war, habe ich immer nach meinem Vater gerufen, der hat mich dann aus der Wanne abgeholt, in dem er mich in das große Badetuch gewickelt und in die warme Küche getragen hat.
Es war immer das gleiche Ritual und völlig selbstverständlich.
So war es auch bei uns.
Vielleicht ist es einfacher für das Mädchen, wenn ihr es mit
der Körperpflege so handhabt, wie es bei der Mutter üblich
ist?
Lehnt euch an deren Gewohnheiten an.
Was sagt der Vater: Wann legt er den Zeitpunkt und den Umfang
der Körperpflege für das Kind fest? Kann man mit dem Kind
vereinbaren, wann was notwendig ist?
Er sieht das etwas lockerer als ich. Und ich denke eben, daß sie bestimmte Dinge eben so als selbstverständlich lernen sollte. Sorge machte mir nur, als sie auf Nachfrage erzählte, daß sie sich die ganze Woche über nicht gewaschen oder geduscht hat.
Schamhaftigkeit ist weder für 8 1/2 Mädchen noch Jungen ungwöhnlich
Auch gemeinsames Umkleiden in öffentl. Bädern o. ä . - nur
machen, wenn sie explizit den Wunsch äußert. Grunddsätzlich
kann sie das schon alleine schaffen und du musst in dem Alter
keine Hilfestellung mehr geben.
Hilfestellung dabei brauchte sie auch nicht. Ich habe sie einfach gefragt, ob sie in eine eigene Kabine möchte oder mit mir mit. Sie wählte letzteres. Wenn sie mit ihrem Papa schwimmen ging, haben sich die beiden auch eine Kabine geteilt. Soooo schamhaft ist sie also eigentlich nicht.
Nimm dich vielleicht ein bisschen zurück, respektiere ihre
Zurückhaltung - irgendwann legt sich das. Sicher.
Meine Erfahrung ist die, daß, wenn ich mich nicht von ihren Argumenten beeindrucken lasse und ihr einen Kompromiss anbiete, der es ihr ermöglichst, sozusagen „ungebrochen“ in die zunächst abgelehnte Situation zu gehen, sie in der Wanne landet.
Liebe Grüße
Avera