Hallo Uwe!
Ich gehöre zu den Gegnern von „Jedes Kind kann schlafen lernen“ und der darin beschriebenen Methode.
Erstmal: Seid froh, dass Ihr einen Sohn habt, der seine Bedürfnisse ausdrücken kann. Denn Nähe ist ein Bedürfnis. Ein Bedürfnis, das befriedigt wurde, verschwindet irgendwann - ein Bedürfnis, das nicht befriedigt wird, zeigt sich nur in anderer Art und Weise wieder - z.B. das Kuscheltier muß immer dabei sein (Ersatz für Bezugsperson), es wird jahrelang am Daumen genuckelt etc.
Ich kann jetzt nicht sagen „meine Erfahrung sagt“, denn mein Sohn ist erst 1 Jahr alt. Meine Meinung ist aber einfach, dass Kinder Bedürfnisse haben, die man so gut wie möglich erfüllen sollte. Dazu gehört nun mal auch das Rumtragen. ALLE Kinder kommen mit diesem Bedürfnis auf die Welt - bei den einen ist es mehr ausgeprägt, bei den anderen weniger.
Habt Ihr denn eine Tragehilfe? Wenn mein Sohn anstrengend ist, kommt er einfach in den Ergo, ich hab beide Hände frei und er wird getragen.
Schreien lassen finde ich persönlich grausam und absolut gegen die Natur. Das Urvertrauen geht flöten (fehlendes Urvertrauen ist eine Ursache von vielen bei unterschiedlichen psychischen Erkrankungen). Bevor jetzt der Aufschrei kommt: Nein, ich sage nicht, dass jedes Baby, das schreien gelassen wird später psychische Probleme hat, ich denke aber, dass das durchaus passieren kann, wenn der Mensch sowieso einen eher sensiblen Charakter hat und vielleicht noch andere Faktoren hinzukommen (z.B. später, was es alles so gibt in der Kindheit, Krankheit, Scheidung etc).
Und die Methode - naja… Wenn es mir schlecht gehen würde und ich weinen würde, würde ich mich persönlich verarscht fühlen, wenn man mich weinen läßt, mich NICHT tröstet, sondern mir immer nur sagt: „Hey, ich bin nebenan, keine Angst“, mir vielleicht nochmal kurz über den Kopf tätschelt und dann wieder geht. Ich würde mich erbärmlich fühlen und ich denke, einem Baby geht es genauso. Dass es irgendwann nicht mehr schreit ist nur Resignation, sonst nichts. Menschen passen sich sehr schnell den Gegebenheiten an. Ja, das Kind ist dann „brav“. Aber mir persönlich ist ein glückliches Kind lieber als ein braves. Außerdem ist inzwischen erwiesen, dass Streß (und schreien ist richtiger Streß für die Kleinen) schlimme Schäden anrichten kann.
Hier noch Infos zu den „Methoden“:
http://www.rabeneltern.org/schlafen/wissen/schlafen-…
und noch ein paar Ammenmärchen:
http://www.rabeneltern.org/schlafen/ammenmaerchen/sc…
Ansonsten: Hör auf Deinen Instinkt! Wenn Du Dich wohl dabei fühlst, wenn Dein Kind alleine schreit, dann ok. Wenn nicht, dann laß Dir nicht von anderen Leuten sagen, was Du tun solltest. Der Instinkt und das Gefühl haben meistens Recht.
Ich denke, dass Kinder die Nähe, nach der sie sich sehnen auch bekommen sollten. Nur so werden sie glücklich und haben eine Sicherheit, die ihnen keiner mehr nehmen kann.
Die älteren Kinder, die ich kenne, die von Anfang an im Familienbett schlafen durften, sind alle irgendwann von selbst ausgezogen (so mit 3-4 Jahren).
Ich erspare mir außerdem jede Menge Streß, indem ich meinem Sohn das gebe, was er möchte. Wenn er schreien würde, könnt ich mich ja mal gar nicht locker machen…
Ich empfehle außerdem die Bücher „In Liebe wachsen“ von Carlos Gonzalez und „Schlafen und Wachen“ von William Sears.
So, jetzt hast Du von allen Seiten was gehört und kannst Dir ja das Richtige für Euch rausziehen. Viel Glück!
Lieben Gruß und guten Schlaf 
N.
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