Lieber Wolle,
mit meinem ARtikel wollte ich nicht sagen, dass Kinderhaben
der reinste Horror ist - ich wollte darstellen, dass die
täglichen Schwierigkeiten dabei nur wenig mit Geld zu tun
haben. Falls du die oben beschriebenen Wechselfälle als Horror
empfindest… nun ja. Um mich zu wiederholen: Es ist ernsthaft
wunderbar, Kinder zu haben, es macht geradezu süchtig
(vielleicht ist damit der Kindersegen in deiner Nachbarschaft
zu erklären).
>>> Kann sein, aber wenn das dazu führt, dass nur noch die Kinder wichtig sind, man selber alles zurückfährt, die Nachbarschaft über Gebühr nur noch belästigt und nur noch Unverständnis für die Bedürfnisse der Erwachsenen hat, weil man hat ja so viele Kinder, da müssen sich doch alle unterordnen. Und Kinderlose? Die haben ja sowieso keine Ahnung, sollen doch mal ganz ruhig sein… Sorry, aber es ist wirklich so, zumindest kommt es mir so vor als zur Zeit (noch) Kinderloser, dann hab ich echt Zweifel… Auf diese Weise möchte ich NIE NIE Kinder haben, es muss doch auch anders gehen, ich kenne zwar auch einen (!) Fall in meiner Bekanntschaft, wo es einfach wunderschön ist mit den beiden Kindern die sie haben, aber das ist eindeutig eine Ausnahme, es gibt zig Gegenbeispiele.
Liebe Mitdeutsche,
Kinderhaben ist schön (usw. , siehe oben), aber in Frankreich
und Polen, in Schweden und den Niederlanden, in Großbritannien
und Spanien haben die Leute besser kapiert, wie man dafür
sorgt, dass Eltern (vor allem Mütter) nicht beinahe
automatisch aus der Gesellschaft herauskatapultiert werden.
>>> Das machen sie doch teilweise selber, aber ich meine das jetzt etwas anders: Es gibt ganz klar eine Polarisierung in der Gesellschaft, das ist klar. Aber das verursachen häufig die Eltern selber! Ich höre immer, dies und das geht nicht wegen der Kinder. Verstehe ich, klar. „Wir können dies und das nicht mit Euch unternehmen wegen der Kinder“ (obwohl einige andere mit Kindern gleichen Alters dabei sind…, verstehe ich irgendwie nicht), klinken sich selber sozusagen völlig aus. Auch telefonische Kontakte etc. gehen mehr und mehr zurück (verstehe ich gar nicht). Keine Einzelfälle, sondern haufenweise passiert im Bekanntenkreis.
Es ist wohl so, dass man mit Kindern ein anderer Mensch wird. Wenn das aber dazu führt, dass nur noch die Kinder wichtig sind, man selber völlig darin untergeht und z.B. der Vater jedesmal froh ist der Familie zu entfliehen wenn´s mal die Gelegenheit dazu gibt, dann kann es das doch wirklich nicht sein! Und alle denken dann, es dreht sich alles nur noch um Kinder. Und glauben, alle anderen (Kinderlose) denken genauso. Wenn man etwas kritisiert weil es einen wirklich extrem stört, dann heisst es immer mit einem süffisanten Lächeln „Naja, Ihr habt ja keine Kinder! Wartet erst mal ab, wenn´s bei Euch so ist!“ Oder sogar: „Typisch, Ihr seid ja eben kinderfeindlich“!
Meiner Ansicht nach schon fast eine Frechheit so eine Aussage. Denn kinderfeindlich bin ich wirklich nicht. Aber ich bin der Meinung dass man sich z.B. nicht als Nachbar mit 4 Kindern einfach so ausbreiten kann, dass nur noch eine einzige Rücksichtnahme zählt: Nämlich die auf das ungestörte Ausleben der Kinder, egal wie laut und extrem es ausartet. Darauf soll man gefälligst Rücksicht nehmen. Selber hat man dann als Nachbar allerdings keinen Anspruch auf irgendwas, wenn unsererseits um etwas Rücksichtnahme gebeten wird, dann ist man nur der böse Nachbar, der es wagt, irgendetwas gegen Kinder zu sagen… Ist das wirklich der Zustand der Kinderfreundlichkeit, den alle wollen? Das stell ich mir doch ganz anders vor! Kinder können ein gesundes Mass an Rücksichtnahme gar nicht früh genug lernen.
Wie gesagt, es gibt in unserer Bekanntschaft und Nachbarschaft eigentlich nur ganz wenige positive Beispiele, wie schön es mit Kindern sein kann. Das stell ich mir auch vor als Ziel bei eigenen Kindern. Aber irgendwie hab ich den Eindruck, dass solche Kinder es später bei den allgemein rücksichtslos und ego-bezogen erzogenen Kameraden sehr sehr schwer haben werden…
Vielleicht sollten wir auch nur umziehen, könnte auch schon helfen. Jeden Tag wird mir hier nämlich vor Augen geführt wie abschreckend alles mit diesen (vielen) Kindern unserer Nachbarn ist, ich fahre schon mit Bauchschmerzen immer von der Arbeit nach Haus. Blöd nur, dass es das eigene Haus ist, was man nicht so einfach verkauft…
Mit nur schwach hoffnungsvollen und sehr nachdenklichen Grüssen
Wolle