Aus eigener Erfahrung!
Hallo,
zur Abwechslung aus eigener Erfahrung:
Ich habe selbst mit weniger als 3 Jahren Lesen und Schreiben (Druckbuchstaben) gelernt. Auf die Frage „Woher wisst Ihr (Eltern) eigentlich, wie die Tankstellen heißen?“ „Das steht doch da dran!“ („Ja, wie…?“) hat mein Vater mir die ersten Buchstaben (M-A-M-A, P-A-P-A etc.) noch selbst erklärt, den Rest habe ich mir selbst beigebracht. Insbesondere auch die Kleinbuchstaben. Soviel zu dem Thema „ach, Kinder merken sich ja alles mögliche, aber nicht so richtig und bringen das auch durcheinander“ (sinngemäß, wie es hier im Thread anderweitig erwähnt wurde). Das Wort „M-A-M-A“ lesen zu können, machte auf mich einen unerhörten Eindruck und hat mich sehr angespornt, mehr zu lernen. So war Lesen auch ohne die kryptischen Kunstkniffe á la „Fu ruft“ usw. möglich. Und das pädagogisch gedehnte „E“ habe ich nie benötigt (Eugeeeeen"). Ich habe stattdessen also RICHTIG gelesen, nicht mit Hilfskonstruktionen, von denen ich später auf das normale Lesen wieder hätte umlernen müssen.
Im Kindergarten konnte ich längst vernünftig lesen. Bei der Schultauglichkeitsuntersuchung habe ich mich an eine Landkarte gestellt und mich köstlich über den „Bodensee“ amüsiert.
Es mag sein, dass ich mir unter manchen Dingen nichts vorstellen konnte (wie sich Erwachsene später auch nichts unter vielen Dingen vorstellen können), aber ich verstand, zu lesen, und las mir selbst brauchbare Dinge aus Zeitschriften und Büchern an. Und mit Tankstellen umgehen konnte ich dann natürlich auch bestens („ARAL“ - „ESSO“…)
Das Problem kam erst auf in der Schule. ICH konnte von Anfang an in der ersten Klasse alles lesen, aber nicht die anderen Kinder, das führte häufiger dazu, dass ich der Streber und Angeber war. Neid also. Und durch mein Lesen konnte ich mich sprachlich auch viel besser ausdrücken. Und manche Aufgabe, die die Lehrerin in der Vorschule erst mühsam erklären musste (die für normale Kinder mit Bildern erklärt war, aber für die Lehrerin am Rand mit stichwortartigen Hinweisen zur Lösung versehen war), hatte ich durch einfaches Lesen der Stichworte schnell gelöst.
Ich konnte zwar sehr gut Lesen, aber ich konnte die Schreibschrift (die „lateinische Ausgangsschrift“) nicht schreiben (dafür Druckbuchstaben), das musste ich dann wie die anderen Kinder lernen - mit gleichwertiger Sauklaue.
Im Gegensatz zu der Ansicht der von Dir angeführten Eltern im Kindergarten habe ich mich auch in der 1. Klasse nicht gelangweilt. Das Lesen war ja nur ein Teil des ganzen. Die Situation, eine Lesefibel zu haben und die vielen Bilder mit ihren Geschichten zum Lesenlernen waren auch für mich interessant genug. Ich habe mich allerdings dann später in anderen Fächern gelangweilt, die Deine Kindergarteneltern gar nicht erwähnt haben. Das lag daran, dass ich mir vieles Wissen bereits selbst angelesen hatte und über das Niveau der Klasse an der Stelle längst hinaus war. Es dürfte in dem Zusammenhang aber auch viele Kinder geben, die sich langweilen, weil sie Dinge nicht verstehen, weil sie ihnen nicht richtig erklärt wurden (weder in der Schule - noch zuhause!), oder weil sie sie auch schon können. Beim Handwerken zum Beispiel (Stricken! Häkeln!). Und wer ein richtiges Instrument spielt (Klavier, Blockflöte…) langweilt sich auch im Musikunterricht später mit den Orffschen Instrumenten ganz fürchterlich.
Ich konnte ansonsten viele andere Dinge gleich gut wie andere Kinder (malen, basteln), manche Dinge besser, manche schlechter (vor allem Sport).
Es war damals zu meinen Kindergarten-Vorschul-Grundschulzeiten in den '70ern nicht üblich, schlaue Kinder zu fördern - „nur“ die Kinder mit Lernschwierigkeiten wurden gefördert. Auf meine Probleme wurde keine Rücksicht genommen. Ich war typisch ziemlich schüchtern und wenig selbstbewusst.
Ich will Dir sagen, das Lesen selbst ist überhaupt kein Problem - im Gegenteil. Dein Kind kann sich dann beibringen, was es interessiert, und seinen Wissensdurst zu einem Großteil selbst befriedigen.
Die Schwierigkeiten entstehen für mich erst im Umfeld, dass neidisch auf die Fähigkeiten Deiner Kleinen ist. Davor musst Du sie schützen und sie unterstützen. Dann wird das schon
Und mittlerweile gibt es auch ein besseres Bewusstsein dafür, dass auch die kleinen Überfliegerkinder Unterstützung gebrauchen können.
Mit meiner eigenen Geschichte kann ich bestätigen, dass Kinder häufig künstlich verdummt werden. Und ich kenne noch mehr solche Fälle. Ermutige Deine Tochter zum Lesen - es wird Dir sehr gefallen, wenn SIE DIR aus ihrem Lieblingsbuch etwas nettes vorliest.
CryptoLogic.
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