Kinder mit Dialekt - Warum eigentlich nicht
Hallo,
ich habe jetzt nicht alle Artikel gelesen, aber ich will dir aus meinem Erfahrungsschatz ein bißchen erzählen.
Ich komme ursprünglich aus dem Schwäbischen. In meiner Klasse waren Kinder die sehr starken Dialekt sprachen, davon hatten die meisten große Schwierigkeiten in der Rechtschreibung.
Somit war klar, meine Kinder werden einmal nur Hochdeutsch sprechen.
Gesagt getan. Mit unserem Großen habe ich nur Hochdeutsch gesprochen und er hatte keine dialektische Einfärbung. Das war zeitweise recht gut. Denn wir zogen, als er 5 Jahre war nach Niedersachsen. Dort hatte ich mit meinem Schwäbisch größte Probleme. Ich dachte, die sprechen eine andere Sprache. Mein Sohn war da besser dran, er sprach ja bereits Hochdeutsch, aber auch nicht in Perfektion . In dieser Zeit prachen nur mein Partner und ich untereinander noch im Dialekt, was sehr seltsam war.
Als unser Sohn in die vierte Klasse kam, zogen wir wieder ins Schwabenland. Er sprach weiter Hochdeutsch und ihn verstanden alle. Inzwischen sind wir nach Bayern gezogen, er ist 17 Jahre und findet es voll Scheiße, dass er keinen Dialekt spricht. Jetzt versucht er sich im Schwäbischen und es klingt voll daneben .
Heute denke ich, die Kinder sollten beides beherrschen, quasi wie eine Fremdsprache.
Ich kann inzwischen sehr gut hochdeutsch sprechen, aber i schwätz au en meiner Mudderspraoch .
Noch etwas vergessen. Die Niedersachsen hängen gerne ein „NE“ ans Satzende, dass wurde von unserem Sohn ruckzuck übernommen, aber das verlor sich dann wieder.
Ich finde es auch nicht schlimm, wenn Lehrer und Erzieher im Dialekt sprechen, denn es schult das Gehör auch für Fremdsprachen - meine Meinung.
Die Freundin unserer Tochter (5) spricht bestes Bayrisch und das hört sich richtig Klasse an .
Mein Sohn wächst ebenfalls zweisprachig auf, Spanisch Deutsch. Spanisch -klar- mit katalanischem Akzent… und „echden Teusch aus Nürnperk“ ;o))) -Allmächd! *hihihihi*
Hallo Ralf,
wir sind hier in Niederbayern, 35 km entfernt von der Grenze nach Österreich und du kannst mir glauben, hier ist man tatsächlich sogar mit Worten wie „hinein“ oder „Etui“ überfordert, zumindest was die Schülerseite betrifft - die Lehrerschaft „versteht“ zumindest hochdeutsch, auch wenn es viele leider nicht sprechen. Im Deutschunterricht wurde meine Tochter darauf hingewiesen, dass sie nicht „das oder dass“ sagen soll, sondern „dees“ und „doos“.
Der positive Nebeneffekt: die Schüler hier sehen kaum fern - vielleicht, weil sie nicht verstehen, was in unserem meist auf hochdeutsch angelegtem TV gesprochen wird?
Gruß Susanne
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ich glaube man sollte die Kinder „zweisprachig“ erziehen. Entweder das 1
Elternteil Dialekt spricht und einer Hochdeutsch, oder dass die Eltern
hochdeutsch sprechen und bei Oma und Opa wird Dialekt gesprochen. Das
funktioniert natürlich nur, wenn die Großeltern öfter besucht werden.
So habe ich das gelernt und ich bin eigentlich recht zufrieden damit.
hier ist man
tatsächlich sogar mit Worten wie „hinein“ oder „Etui“
überfordert, zumindest was die Schülerseite betrifft - die
Lehrerschaft „versteht“ zumindest hochdeutsch, auch wenn es
viele leider nicht sprechen. Im Deutschunterricht wurde meine
Tochter darauf hingewiesen, dass sie nicht „das oder dass“
sagen soll, sondern „dees“ und „doos“.
Der positive Nebeneffekt: die Schüler hier sehen kaum fern -
vielleicht, weil sie nicht verstehen, was in unserem meist auf
hochdeutsch angelegtem TV gesprochen wird?
Das finde ich echt schlimm. Was es nicht alles gibt *kopfschüttelnd*
Im Deutschunterricht wurde meine
Tochter darauf hingewiesen, dass sie nicht „das oder dass“
sagen soll, sondern „dees“ und „doos“.
Das war bestimmt nur als Hilfestellung gedacht. Viele Schüler, und auch Erwachsene (wie man auch hier im Forum oft genug beobachten kann) tun sich schwer „das“ und „dass“ zu unterscheiden. Im Dialekt ergibt sich das ganz automatisch. Darum „lernt“ man das oft so auch in der Schule. Aber eben nur zur Überprüfung. Ich schätze mal, dass ihr ziemlich ländlich wohnt. Da ist es schon so, dass auch an Schulen hauptsächlich Dialekt gesprochen wird. Aber im Unterricht haben bei uns alle Lehrer höchstens gefärbtes Hochdeutsch gesprochen. Das die Mitschüler das „seltsam“ finden, wenn deine Kinder Hochdeutsch sprechen, ist wohl nicht ungewöhnlich. Kinder grenzen da einfach sehr schnell aus. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sie sie nicht verstehen.
Der positive Nebeneffekt: die Schüler hier sehen kaum fern -
vielleicht, weil sie nicht verstehen, was in unserem meist auf
hochdeutsch angelegtem TV gesprochen wird?
Vielleicht aber auch, weil diese Kinder einfach noch zu schätzen wissen, wie schön es ist mit anderen draußen unterwegs zu sein?
ich wollte dir einfach auch noch von meinen Erfahrung in Punkto Dialekt und Hochdeutsch erzählen.
Bei uns zu Hause wurde nur Dialekt gesprochen (Oberpfälzisch). An den Kindergarten kann ich mich nicht mehr so genau erinnern, denke aber, dass da beiden gesprochen wurde. Ich hatte aber in der Schule überhaupt keine Probleme, mit Rechtschreibung, lesen oder so. Ich denke, dass lag daran, dass meine Eltern mir viel vorgelesen haben. Ja vorlesen mussten. Oft mehr als sie Lust hatten Ich verrückt nach Geschichten. Vorgelesen wurden natürlich so wie es da stand: Auf Hochdeutsch. Deshalb hatte ich später überhaupt keine Probleme es zu verstehen, und zu schreiben. Nur sprechen mochte ich es nicht. Auch die meisten Klassenkameraden sprachen Dialekt. Drum kam es mir einfach komisch vor, wenn ich mit denen auf einmal hochdeutsch gesprochen hätte. Die Lehrer haben schon Hochdeutsch gesprochen, aber nur im Unterricht. Manche haben mehr darauf geachtet, dass auch wir hochdeutsch sprechen, als andere.
Alles in allem, hab ich ziemlich lange gebraucht, bis es mir nicht mehr komisch vorkam hochdeutsch zu sprechen. Mit anderen Oberpfälzern würd es mir auch jetzt noch komisch vorkommen, wenn ich nicht Dialekt sprechen würde. Wenn aber jemand mit mir hochdeutsch spricht, z. B. im Beruf, schalt ich automatisch um. Damit bin ich auch sehr glücklich. Mein Dialekt ist meine Muttersprache, meine Heimat.
Hi Michaela,
nein, wir wohnen nicht sonderlich ländlich, es ist halt eine Kleinstadt und die Kinder und Jugendlichen sind hier auch genauso selten draußen anzutreffen, wie ich das von früher aus der Großstadt kenne. Sie sitzen hier halt vorwiegend an Computerspielen , wenn sie nicht lernen. Aber ausgrenzen tun sie meine Kinder nicht, die sind wirklich sehr nett in ihrem Kreise aufgenommen wurden - es gibt nur wirklich leider ganz schwierige Verständigungsprobleme! Man kann ja nicht alles schriftlich machen!
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mir geht das im Kopf herum, dass jemand angeblich kein Hochdeutsch versteht, deshalb noch ein Argument: Selbst ich als eisenharter Mundartler spreche Hochdeutsch, wenn ich Kindern vorlese. Das liegt natürlich daran, dass es keine kaum Kinderbücher gibt, die im Dialekt geschrieben sind, abgesehen davon, dass man Dialekt nicht schreiben kann. Angeblich geht das doch, aber dann kann es keine S… lesen (einzige Ausnahme: Niederösterreich).
Nun frage ich mich, aus welchen Büchern in Niederbayern vorgelesen wird. Als nächstes würde mich brennend interessieren, wie sich das Vorlesen in der Schule gestaltet: Hochdeutsche Vorlage und dann freier Vortrag, so quasi als Nachwuchs-Simultandolmetscher? Fragen über Fragen, und so wenig Antworten da draußen…
denke gerade darüber nach, ob es richtig ist, einem Kind
gegenüber in einem Dialekt-sprechendem Raum (wir sind in
Sachsen) auf hochdeutsche Aussprache zu bestehen. Ich finde, das Kind sollte schon einigermaßen „normales“ Deutsch sprechen, aber so bisschen Dialekt ist doch niedlich.
Sollte man das Kind berichtigen oder seine Aussprache akzeptieren? Wenn es jetzt zu krass wird, würde ich das Kind berichtigen, aber bei so bisschen gesächsel, hätte ich nichts einzuwenden. Würde es ehr schade finden, wenn die Sprachkultur total erlischt.
Wenn sich durch Kindergarten, Schule etc. ein Dialekt
entwickelt (obwohl im Elternhaus hochdeutsch gesprochen wird),
festigt sich dieser mit der Zeit, ist er dann sozusagen
„eingefleischt“ oder kann und möchte das Kind irgendwann
hochdeutsch sprechen? Wie ist die Erfahrung?
Also, bei mir war es so, meine Eltern redeten mit mir immer hochdeutsch. Meine Oma hingegen Oberfränkisch. Und im Kindergarten wurde auch meistens Oberfränkisch gesprochen. In der Schule reden wieder die meisten Leute Hochdeutsch.
Ich würde ganz gern richtig Oberfränkisch können. Leider kann ich es kaum. Ich versteh zwar, was jemand zu mir sagt, antworten kann ich aber ausschließlich auf Hochdeutsch. Vorallem so Ausdrücke, die es nur in diesem Dialet gibt, versteh ich nur zu sehr geringen Teilen.
Auf lange Sicht ist das ja nicht so gut, wenn das Kind Dialekt
spricht(so dieser unter den Hochdeutsch-Sprechenden auch recht
unbeliebt ist), spätestens doch dann wenns ins Berufsleben
kommt…
Weiß ich jetzt nicht so genau, aber ich weiß, dass ein Kollege von meiner Ma richtig schweren Berliner Dialekt spricht und da hat eigentlich niemand was gegen.
Ist es nicht auch eine Sache der Kindereinrichtungen auf
ordentliche Aussprache zu achten?