Da läuft was schief
Hallo nochmal!
ich bin von einer Hänselei im „üblichen“ Rahmen ausgegangen.
Das so etwas auch richtig massiv passieren kann, ist mir klar.
Aber das hatte ich aus dem Posting so nicht herausgelesen.
Das hat man an Deinem Posting deutlich gemerkt.
Deshalb auch meine Erwiderung, ich bin mir da nicht so sicher. Aus Sicht des betroffenen Kindes hat das evtl. auch schon schlimmere Ausmaße angenommen. Eine Glaskugel hat ja keiner hier, immer wieder schade.
Mobbing ist nichts harmloses, das möchte ich gar nicht
behaupten, aber nicht immer wenn jemand geärgert wird, steckt
Mobbing dahinter.
Man sollte einfach genauer hinschauen, bevor man es abtut, das wollte ich mit meiner Antwort einfach sagen.
Meiner Meinung nach wird aber schon einiges aufgebauscht, was
wirklich unter die Rubrik Muggenschiß fällt. Wenn ich im
Psycho-Brett lese wegen was wie viele Depressionen und
sonstiges haben, kommt es mir vor, wie wenn solche Begriffe
sehr inflationär verwendet werden.
Da ich selbst davon ein Stück betroffen bin und war, weiß ich, wie tabuisiert diese „Psychothemen“ noch sind. Ich denke, man ist grad dabei, da drüber offener zu reden und damit deckt man natürlich vieles auf, was früher unterm Mantel gehalten wurde.
Womit ich aber nicht die „Hausfrauenpsychologie“ meine, sondern handfest von einem Arzt diagnostizierte Krankheiten. Nur weil ein Kind sich danebenbenimmt, ist es nicht gleich hyperaktiv.
Die kleine Erzählung wie es früher war, ist nur ein Beispiel.
Vieles ist heute besser und manches wird da etwas verklärt
Ich könnte mich jedes Mal wieder über diesen Text aufregen, weil er so unreflektiert ist. Ich seh immer Mütter mit ungesicherten Kindern im Auto „Früher hat uns das auch nicht geschadet“. Da kocht mir die Galle über.
Ich bleibe jetzt mal bei meiner Schulzeit, da gab es wirklich
schlimmere Sachen als gehänselt und beschimpft zu werden. Da
wurden z. B Schulhefte mit Hausaufgaben verbrannt usw, das
Schulmäppchen mit Sekundenkleber auf den Tisch geklebt. Das
war echt nervig, aber da mußte keiner zum Schulpsychologen
deswegen.
Weißt Du’s? Vielleicht wäre es für den einen oder anderen eine Hilfe gewesen.
An was das alles liegt, kann ich leider auch nicht sagen.
Früher habe ich das oft auf die Eltern geschoben, aber seit
dem ich selbst mit erlebe, das mit dem Kindergartenbesuch
schon ein sehr großes Stück Erziehung aus der Hand gegeben
wird und später in der Schule noch mehr, sehe ich das nicht
mehr so.
Wenn die Erziehung dann in den Institutionen ordentlich stattfindet, finde ich dagegen nichts zu sagen. Ich beobachte teilweise das Gegenteil: Wenn sich ein Kind im Kindergarten danebenbenimmt, werden abends die Eltern informiert und Beobachtungsbögen ausgefüllt, anstatt das Kind sofort und konsequent zur Ordnung zu rufen. (Selbst so erlebt)
Aber irgendwas läuft doch schief…
Ein bißchen was läuft immer schief, aber so katastrophal sehe ich das nicht. Schon vor Jahrhunderten wurde über die Jugend von heute geschimpft und in jeder Generation gibt es Versager und Erfolgreiche.
Die Bedingungen in unserer Gesellschaft haben sich für Kinder massiv verändert. In manchen Dingen ist das Leben der Kinder einfacher geworden, es gibt ja alles, was das Leben erleichtert. Andererseits stehen die Kinder heute ganz anderen Anforderungen gegenüber:
Der Druck, der z.B. schon auf Grundschülern liegt, ist enorm. Die Eltern projezieren ihre Ängste auf das Kind und wollen ihm den Start erleichtern (was oft nach hinten losgeht, aber woher soll man das vorher so genau wissen?). Es gibt einfach weniger Kinder, die Sozialisation läuft ganz anders. Bewegungsdrang ausleben und eigene Erfahrungen sammeln, Freunde treffen ist nur noch organisiert möglich.
usw usw.
Das Ergebnis ist ein ziemliche Verunsicherung bei allen Beteiligten, denke ich. Abhilfe? Keine Ahnung. Die Augen offen halten und versuchen, seinen moralischen Ansprüchen treu zu bleiben in der Erziehung. Und: ein bißchen mehr Gelassenheit, zu einem kleinen Teil gebe ich Dir da recht.
Schöne Grüße
kernig