Kinder und Katzen

Hallo,

ich arbeite seit knapp 3 Wochen in Australien als Au Pair. Meine Familie hat neben ihren 3 Kindern (2 Mädchen 5 und ein Junge 8) auch noch einen Kater. Die Katze wurde wohl (soweit ich erfahren habe), auf den Wunsch der Kinder hin gekauft (aus einem Schaufernster heraus :/), da besonders die Mädchen total Katzenfanatisch sind. Leider haben die Eltern ihren Kindern wohl nie richtig beigebracht, wie man mit der Katze umzugehen hat.
Dementsprechend wird die Katze fröhlich durchs Haus gehetzt wenn die Kinder mit ihr spielen wollen, sie wird in unmöglichen Positionen getragen, es wird an ihr gezerrt wenn einer sie auf dem Arm hat der andere sie aber habe will, es wird auch schonmal am Schwanz gezogen um sie unter einem Sofa hervorzuholen usw. Ich denke ihr könnt euch gut vorstellen wie es hier abgeht. Leider ist Goldie (der Kater), sehr sehr friedfertig. Er wehrt sich praktisch gar nicht dagegen, kuckt einen aber immer mit großen verschreckten Augen an.
Da ich selber daheim 3 Katzen habe, tut mir diese richtig leid. Ich versuche schon immer dazwischen zu gehen wenn sie es mal wieder übertreiben, abe da die Eltern kaum etwas darüber sagen, stehe ich ziemlich auf verlorenem Posten.
Nachdem die Katze jetzt aber eines der Mädchen schon gebissen hat (war nicht weiter schlimm, nur ein Kratzer) und öfters auch mal gekratzt hat, drohten die Eltern gestern die Katze wieder abzuschaffen.
Das würde ich gerne verhindern, denn ich denke trotzallem hängt GOldie ja an seiner Familie.

Also kam mir die Idee, den Kindern in „Katzenstunden“ (vielleicht 2 mal die Woche?) richtiges Verhalten mit Katzen beizubringen.
Evtl. könnte man auch im Alltag „Katzenpunkte“ vergeben, wenn die Katze gut behandelt wird (oder wenn Vernatwortung für soetwas wie das Katzenklo übernommen wird), die man am Ende vom Monat gegen etwas eintauschen kann.

Was haltet ihr denn von der Idee? Wie könnte ich solche Katzenstunden aufbauen? Und welche Themen sollten angesprochen werden? Wie kann man das möglichst spielerisch rüberbringen, denn natürlich konzentrieren sich die Kinder nicht gerne auf fades Gerede.

Ich hoffe ihr könnt mir mit vielen Ideen weiterhelfen, denn ich möchte das ganze möglichst am 1. August starten :smile:

Liebe Grüße

Anna

Guten Morgen Anna,
(bei Dir ist es jetzt sicherlich schon Abend), die Idee finde ich toll.
Kinder in den genannten Altersbereichen sind bereits in der Lage, die Fehlerhaftigkeit ihres Verhaltens einzusehen, wenn man sie darauf hinweist und ihnen gleichzeitig vermittelt, wie es anders und richtig bzw. besser wäre/ist.
Das kann u. a. damit beginnen, dass die Kinder darauf hingewiesen werden, dass speziell Katzen immer eine besonders saubere Umgebung/ein sauberes Katzenklo wünschen. Welches Kind geht gern auf eine total verschmutzte Toilette? Vermutlich keins. Genau so verhält es sich auch mit dem Futterplatz des Tieres usw.
Fünfjährige Kinder sind i. a. noch ziemlich tollpatschig und können ihre Kraft gegenüber Tieren kaum einschätzen. Wichtig ist hier immer wieder, den Kindern zu vermitteln, wie sich vermutlich das Tier fühlt.
Kinder wollen auch nicht durch die Wohnung/das Haus getrieben werden, und an den Haaren wollen sie sich bestimmt auch nicht ziehen lassen.

Wenn man diese Grundkenntnisse den Kindern immer wieder konsequent vermittelt und beim entsprechenden Anlass ihr Verhalten entsprechend korrigiert, sollte sich eigentlich eine Veränderung zum Positiven zeigen (so denn die Kinder keine bereits notorischen Tierquäler/Psychopathen sind, wovon ich jedoch nicht ausgehe).

Du schreibst leider nicht, ob die Familie in der Stadt oder auf dem Land wohnt bzw. ob es weitere Tiere in der unmittelbaren Umgebung gibt. Speziell auf dem Lande wird n. m. E. den Kindern meistens rechtzeitig eine gesunde Haltung zu Tieren und deren Behandlung vermittelt. Selbst kleine Großnichte verstand im Alter von 1 Jahr sehr wohl, wenn ich ihr zeigte, dass die Katze bei Zerren am Schwanz ein Aua hat, und wenn man ganz lieb „Ei“ macht, dass die Katze sich dann ganz lieb streicheln lässt und das auch noch toll findet.

Die Variante mit der Belohnung finde ich - so es denn im Rahmen bleibt - akzeptabel: Einfach einen Plan gemeinsam mit den Kindern aufstellen, wer wann wofür verantwortlich ist. Dazu eine Spalte für jeden Tag und jedes Kind, zuzüglich einer Spalte, wo die Kinder die Erfüllung sichtbar abhaken können. Das größte Problem sehe ich, dass die Belohnungen u. U. zu einer Gewöhnung führen könnten nach dem Motto: Keine Belohnung - dann mach ich das auch nicht.
Vielleicht auch so banale Dinge wie Katze zusätzlich streicheln, Katzenfutter gemeinsam einkaufen gehen, eine zusätzliche Geschichte am Abend (das hängt natürlich alles mit dem allgemeinen Umfeld zusammen, was in der Familie sonst so üblich ist).

Dass die Eltern dem Verhalten ihrer Kinder gegenüber Desinteresse zeigen, irretiert mich. Leider geht aus Deiner Vika nichts hervor, weder Dein Alter noch Dein Werdegang. Ich spekuliere mal: Da Du als Au Pair arbeitest, wirst Du vermutlich so ca. 17 - 20 Jahre jung sein. Die Eltern der Kinder dürften (ebenfalls nur spekuliert) ca. 30 - 35 Jahre alt sein. Versuche mal, einen netten Abend zu organisieren, und wenn die Kinder im Bett sind, das Thema nochmals anzusprechen. Vielleicht kannst Du durch z. B. die o. g. Maßnahmen bereits erste kleine Erfolge präsentieren und die Eltern so zu mehr Engagement inspirieren.

In jedem Falle wünsche ich Dir für Deine Zeit in Australien alles, alles Gute und viel Erfolg.
Fröhliche Grüsse aus dem sonnig-heißen (32 ° sollen es heute werden) Deutschland von BM
(selbst dreifache Katzenversorgerin)

Hallo BM!

Naja, nacht isses hier noch nicht :wink: Ich lebe nur 8 Stunden in der Zukunft :smile:

Gut geschätzt übrigens, ich werde in 2 Monaten 20 :wink: Die Eltern sind glaube ich etwas älter als von dir geschätzt. Wir leben hier in einem Vorort von Sydney, also keine Tiere weit und breit.
Die Eltern gehen die meiste Zeit arbeiten, haben also unter der Woche wenig Kontakt zu den Kindern.
Die Kinder sind es gewöhnt zu bekommen was sie wollen (-> reiche Eltern, gehen arbeiten -> kompeniseren vieles mit Geschenken u.ä.), und lassen sich nicht gerne belehren. Ich versuche schon meistens wenn ich sehe das sie z.B. der Katze weh tuen ihnen zu erklären, dass sie ja auch nicht an den Haaren gezogen werden wollen usw. aber sie hören kaum zu, weil sie total aufgekratzt sind. Die Mädchen sind Zwillinge, das kommt vielleicht noch hinzu, wenn eines irgendwie rumkrakelt und rumtobt macht es die andere auch. Meistens ignorieren sie einen dann schlichtweg.
Mich hat es auch sehr gewundert, dass die Eltern da nicht einspringen. Schließlich sollten die ja wissen, wie man eine Katze behandelt. Und nach einem Jahr sollten sie es doch ihren Kindern vermittelt haben.

Die Sache mit der Belohnung wäre eine Abwandlung der hier herrschenden Regeln. Die Kinder bekommen für eine gute „Tat“ (morgens schnell angezogen, brav den Teller leer gegessen wenn viel Gemüse drauf war, Zimmer aufgeräumt usw.) ein Häkchen im Kalender, für eine schlechte Tat (nicht gehört, aggressiv gewesen usw.) ein Kreuz. Am Ende der Woche bekommen sie dann für jedes Häkchen eine kleine Süßigkeit und für jedes Kreuz eines wieder vom Häufchen weggenommen.
Das hat auch nicht zur Folge das sie sich mustergültig verhalten. Es ist nur ein Anreiz es zu tun. Und bestimmte Dinge automatisieren sich gerade im Bezug auf Verhalten ja dann auch. (Es gibt z.B. kein Haken mehr dafür den Teller wieder in die Küche zu bringen nach dem Essen, weil es jetzt einfach vorrausgesetzt wird)

Wie genau die Belohnung aussieht weiß ich auch nicht genau. Es könnte ja auch sowas Banales sein, wie z.B. für 30 Katzenpunkte können wir alle zusammen schwimmen gehen oder so.

Die Idee mit dem Plan ist zwar gut, aber man kann ja schlecht auf den Plan schreiben „10 Minuten Katze streicheln“.

Die Kinder streicheln sie ja gerne, deshalb gibt es ja so oft streit um sie wenn einer sie auf dem Arm hat.
Hier müsste man ja eher so Dinge beibringen wie
-nicht schreien in der Nähe der Katze

  • nicht an der Katze zerren wenn einer sie auf dem Arm hat
  • nicht auf die Katze zurennen wenn sie ins Zimmer kommt, sondern ruhig warten bis sie zu einem kommt
    Das kann man ja schlecht als Tagesplan aufstellen.
    Die Kinder füttern die Katze auch gerne, das ist mehr oder weniger eine Belohnung für den ders machen darf.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Anna,
schön, dass ich mit dem Alter nicht ganz so falsch lag.
Eines muß Dir klar sein: Du wirst als Kindermädchen auf Zeit nicht grundlegend die ERziehung der Kinder ändern/beeinflussen können.
Die Eltern waren, bleiben und sind die Hauptdarsteller in dem Jahrzehnte währenden Stück namens „ERZIEHUNG“.
Auch mein Mann und ich waren während der gesamten Kinderzeit unserer Töchter berufstätig. Manches kommt dabei zu kurz, manches versucht man mit Nachsicht zu kompensieren. Jeder hat da seine ganz eigenen Ansichten und Strategien zur Bewältigung des Alltags. Nur bei uns gab es kein Au-Pair-Mädchen. D. h. jeder hatte seine Pflichten im Alltag, geschadet hat es den beiden nicht: Beide haben Abitur gemacht und studieren.
Du bist für eine befristete Zeit der Hauptansprechpartner der Kinder, vermutlich nicht das erste Au-Pair-Mädchen und wahrscheinlich auch nicht das letzte. Das ist nicht böse gemeint, aber Kindermädchen wechseln, und mit ihnen die Ansichten, wie bestimmte Dinge bewältigt werden sollten.
Sprich mit den Eltern der Sprösslinge, wie Du die Sache siehst, aber auch, wie letztendlich mit dem Verhalten ihrer Kinder umgegangen werden soll. Gegen den ausdrücklichen Wunsch und Willen der Eltern wirst Du leider wenig oder nichts ausrichten. Nur wenn ihr gemeinsam eine strukturelle Grundbasis findet, wird Dein löblicher Vorsatz, den Kindern etwas Gutes zu vermitteln, Deine Zeit in Australien überdauern. Dass gerade 5jährige, zumal im Doppelpack, sich manchmal nur schwer bändigen lassen, weiss ich aus eigener Erfahrung: Meine beiden waren nur 1 Jahr 8 Monate auseinander: Wenn ich manchmal schon fertig „in den Seilen“ hing, waren die noch putzmunter und vergnügt. Manchmal helfen schon einfach Konzentrationsübungen: 10 Minuten irgend etwas Spannendes beobachten und anschließend malen - aber diese Hinweise gehören eher ins Brett Eltern&Kinder bzw. Unterricht und Erziehung.
Also genieße die schöne Zeit in Sydney und lass Dich nicht unterkriegen. Schönen Nachmittag wünscht BM

zum Punktesystem
Hallo,

kurze Anmerkung dazu. Das Problem scheint hauptsächlich bei den Zwillingen zu liegen. Die sind erst fünf, d.h. lieber kleinere Belohnungen in kürzeren Abständen als große, die weit in der Zukunft liegen (mehr als 8 Stunden :wink: ).

Gruß
Elke

Klar will ich das nicht alleine durchziehen! Ich dachte ich bastele mir ein Modell zusammen hier wie man so eine „Kinderkatzenerziehung“ durchführen kann ohne sie zu langweilen, und stelle es dann den Eltern vor. Und wenn sie einverstanden sind, würde ich es versuchen - das müsste dann natürlich vom nächsten Au Pair weiter geführt werden. Aber der Kontakt zwischen den verschiedenen Au Pairs war hier immer recht gut, also wäre es kein Problem dem nächsten Au Pair das System zu übertragen.

Zu den Belohungen, naja, es wäre ja ähnlich wie mit den Haken, allein schon die Tatsache DASS sie einen Haken bekommen, ist für die schon was tolles. Die freuen sich da tierisch drüber, obwohl die eigentliche Belohnung dafür ja viel später kommt. Von daher sehe ich da kein Problem. Ausserdem kann man ja nicht alle 8 Stunden etwas schenken (spekulierst du da auf irgendeine Süüßigkeit o.ä.?). Die Kinder bekommen am Tage schon genug Sachen, das wäre nichts mehr besonderes mehr.

Naja, ich werd mir halt jetzt doch allein Gedanken machen wie ich das aufbauen könnte. Trotzdem Danke an euch :smile:

Hallo,

Zu den Belohungen, naja, es wäre ja ähnlich wie mit den Haken,
allein schon die Tatsache DASS sie einen Haken bekommen, ist
für die schon was tolles. Die freuen sich da tierisch drüber,

Das kann schnell vergehen (eigene Erfahrung, meine Kinder haben diese Art der „Dressur“ (sorry, ihre Worte als sie etwas älter waren) schon sehr früh abgelehnt).

obwohl die eigentliche Belohnung dafür ja viel später kommt.
Von daher sehe ich da kein Problem. Ausserdem kann man ja
nicht alle 8 Stunden etwas schenken (spekulierst du da auf
irgendeine Süüßigkeit o.ä.?).

An Süßigkeiten habe ich gar nicht gedacht. Wenn das System bei diesen Kindern funktioniert, ist es ja gut. Meine Erfahrungen damit sind eben anders.

Gruß
Elke