Kinder und Umgang mit dem Tod

Hallo Ihr Lieben,

wir haben vier kleine Kinder (1-9 Jahre alt).
In der Familie meines Mannes sind kurz vor Weihnachten zwei Menschen gestorben, was für uns alle sehr schwer ist. V.a. mein Schwiegervater (57) wurde von unseren Kindern sehr geliebt und ist nun ganz plötzlich und wirklich unerwartet nicht mehr da (Lungenembolie). Er hatte viel Energie und unternahm eine Menge mit den Kindern auf seinem Bauernhof…

Nun ist es so, daß weder mein Mann noch ich selbst je mit Todesfällen konfrontiert wurden, das heißt, wir wissen nicht, wie es sich als Kind anfühlt, wenn jemand stirbt. Außerdem heißt die Tatsache, daß wir es nie erlebt haben auch, daß in absehbarer Zeit im engen Umfeld noch mehr Menschen sterben werden, da unsere Großeltern nun einmal schon alt sind.

Wir sind nun bemüht, unsere Kinder möglichst gut durch diese schwere Zeit zu bringen, gehen natürlich sehr nach unserem Gefühl. Wir würden uns freuen, wenn Ihr uns sagen könntet, worauf wir besonders achten sollten, was vielleicht für jemanden eine schlechte Erfahrung war etc.

Wir bemühen uns, auf alle Fragen der Kleinen ehrlich zu antworten, die Größeren waren auch bei der Beerdigung dabei. Wir spüren eine Verunsicherung, Ängste (stirbt jetzt auch der Weihnachtsmann?). Natürlich ist es auch schlimm, die eigenen Eltern so traurig zu sehen, die sonst doch immer stark sind und die Beschützerrolle innehaben…

Wir mußten leider auch etwas besonders Schlimmes erleben. Mein großer Sohn hatte den starken Wunsch, den Opa noch einmal zu sehen, was wir nach intensiven Gesprächen mit der Familie dann auch erlaubten, schließlich ist das traditionell schon immer so gewesen und wenn das Kind es selbst möchte… er ging mit meinem Mann und der Oma zum offenen Sarg. Er wollte vorher wissen, wie denn der Opa aussieht, ich beschrieb ihm das nach bestem Wissen/Gewissen: blaß, als ob er schläft etc…
Nun war es aber ein Schock, daß man sowohl am Hals als auch am Kopf deutliche Spuren der Obduktion (Blut, Nähte) sah, der Schädel war ganz platt als wäre da was gebrochen.
Es fällt mir schwer, das zu schreiben. Ihr könnt Euch vorstellen, daß damit niemand gerechnet hat, schließlich kann man das kaschieren was ich natürlich voll und ganz annahm. Mein Kind war völlig aufgelöst, hat mit mir dann auch noch viel darüber gesprochen. Es tut mir so leid, daß es diese Wendung genommen hat und mein Sohn nur noch mit Grauen daran denken kann…ich mache mir Vorwürfe. Ich wußte ja, daß der Großvater in der Patho war, ich mußte selbst früher mal bei so etwas zuschauen und weiß daher aber auch, daß nachher am Leichnam nichts zu sehen ist, normalerweise. Auf die Idee bin ich gar nicht gekommen…

Hinzu fügen muß ich noch, daß wir versuchen, den Kindern den christl. Glauben zu vermitteln und ihnen auch gesagt haben, das ist nur der Körper, den der Opa jetzt nicht mehr braucht etc.

Vielleicht weiß jemand zu dem Thema etwas, wie wir mit dem Thema nach all dem umgehen sollen. Worauf würdet Ihr achten etc…
Ich möchte mich vor allem gern vorbereiten, wenn wieder jemand stirbt, daß ich dann möglichst alles richtig mache, ihr versteht schon.

Danke

malina

Hallo Malina,

Ihr macht wohl schon intuitiv alles richtig.

Das Wichtigste ist sicher mit den Kindern zu reden, sie nicht allein zu lassen damit.

In der Rubrik Eltern Kinder gibt es in den FAQ’s
einen Link mit Literaturtips:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/faqs/faqlist.fpl…

Vielleicht ist ja für Deine Kinder und ihre jeweilge Alterstufe etwas dabei.

Viel Kraft wünscht Euch

Ullrich Sander

Das hört sich doch schon gut an
Hallo auch.

Ich finde, was Du beschreibst, hört sich doch vernünftig an. Ihr macht Euch viele Gedanken darüber und das, obwohl ihr selbst ja schon genug Kummer habt. Dafür meine Hochachtung.

Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit und im Gespräch bleiben (nicht aufdrängen, aber Bereitschaft signalisieren) finde ich in solchen Situationen wichtig. Ein paar Details kann man ja unterschlagen, wenn nicht direkt danach gefragt wurde, das läuft bei mir unter „Schonung“. Bei meinem Kind habe ich festgestellt, dass er das Thema manchmal sachlicher sehen konnte, als ich. Seine Fragen haben mich oft aus den Latschen gehauen und die Beantwortung hat mir oft geholfen, wieder auf den Boden zu kommen. Was nicht heißt, dass wir alle nicht auch einfach traurig waren, es gab da einfach zwei unterschiedliche Ebenen, die sachliche und die emotionale.

Die Situation mit dem verunstalteten Leichnam könnte man Euch natürlich zum Vorwurf machen, aber die machst Du Dir ja schon selbst zur Genüge. Hinterher ist man immer schlauer. Hätte und könnte hilft da aber nicht weiter, es ist eine (sehr üble) Erfahrung für Euer Kind, mit der es umgehen muss, mit Eurer Hilfe. Ich denke, das kann man (auch Ihr) schaffen. Man kann daran auch wachsen.

Hinzu fügen muß ich noch, daß wir versuchen, den Kindern den
christl. Glauben zu vermitteln und ihnen auch gesagt haben,
das ist nur der Körper, den der Opa jetzt nicht mehr braucht
etc.

Das ist doch eine gute Erklärung, finde ich.

Ich möchte mich vor allem gern vorbereiten, wenn wieder jemand
stirbt, daß ich dann möglichst alles richtig mache, ihr
versteht schon.

In so einer Situation kann man nicht alles richtig machen. Wir sind Menschen und keine Maschinen. Vor allem, wenn Du selber mit Deiner Trauer zu kämpfen hast. Verabschiede Dich von diesem Anspruch an Dich selbst, er kann Dich nur unzufrieden machen. Versuche, es so gut zu machen, wie Du es eben kannst. Das ist übrigens auch etwas, was man meiner Ansicht nach auch seinen Kindern vermitteln sollte.

Vorbereitung auf weitere Schicksalsschläge habt Ihr ja so gesehen schon hinter Euch, soweit das überhaupt möglich ist. Je nach Alter wird den Kindern schon klar geworden sein, dass der Tod irgendwie und blöderweise zum Leben gehört.

Kopf hoch und geh die Sache nicht zu „verkopft“ an

kernig

Mach Dir keine Vorwürfe
Liebe Malina,

quäl Dich nicht noch zusätzlich mit Vorwürfen!
Du hast Dir viele gute Gedanken gemacht und Dein Bestes getan!

Liebe Grüße, Son-ja

Hallo Malina,

wie schnell wird einfach so dahergesagt „Herzliche Anteilnahme“, um ganz schnell das Thema zu wechseln und zum Alltag übezugehen? Sterben und Tod scheinen so gar nicht in unser modernes Leben - unseren lifesyle - zu passen und werden folglich gern und oft tabuisiert und außer Sichtweite befördert. Wurden früher Verstorbene zu Hause gewaschen, eingekleidet, in den Sarg gelegt und vielfach auch aufgebahrt, sollen sie heute möglichst noch warm abgeholt und fernab im sterilen Raum beim Bestatter „weiterverarbeitet“ werden . . .

Es sind m. E. weniger die Kinder, die ein Problem im Umgang mit Tod und Sterben haben, als vielmehr die Erwachsenen - und das spüren Kinder vermutlich.

Wir sind nun bemüht, unsere Kinder möglichst gut durch diese
schwere Zeit zu bringen, gehen natürlich sehr nach unserem
Gefühl.

Da Ihr bisher keine eigenen Erfahrungen habt, ist es richtig und gut (für Euch selbst und die Kinder), auf das eigene Gefühl zu hören. Und bei deren Umsetzung sollte man ehrlich bleiben und nicht heucheln: Obwohl man angeblich über Tote nichts Böses sagen soll, muss nichts schön geredet werden und warum sollte man sich nach dem Tod eines Menschen z. B. nicht mehr irgendwann über ihn geärgert haben?

. . . Wir würden uns freuen, wenn Ihr uns sagen könntet,
worauf wir besonders achten sollten, was vielleicht für
jemanden eine schlechte Erfahrung war etc.

Ich habe als Kind bei unseren Nachbarn erlbet und gesehen, wie Großvater oder Oma aufgebahrt waren. Obwohl auch bei uns mit einem komischen Gefühl geschah, habe ich davon m. W. nie Schaden genommen oder z. B. schlecht geträumt odgl. In schlechter Erinnerung habe ich, als in unserer Familie ein schwerer Unfall passierte und man mich als 8-jährigem von Informationen und Überlegungen ausschloss. Kinder kriegen viel mehr mit als man bisweilen meint: Besonders beim „Ausnahme-Thema“ Tod sind Kinder in höchster „Anspannung“ (neugierig). Bindet sie in Eure Gespräche (und Gefühle) dazu ein und gebt ihnen das Gefühl, mit dem Thema jederzeit zu Euch kommen zu können und keine Tabus dazu zu haben.

Meine Erfahrungen
Hallo Malina,

auch wenn du alles richtig machen willst, es wird dir nicht gelingen. Dafür reagieren menschliche Individuen nun mal zu unterschiedlich und unkalkulierbar. Sogar Kinder.

Ich dachte ich tu meinem Kind einen großen Gefallen, wenn ich sage, dass der Papa immer irgendwie da ist und zuschaut. Ich dachte, dann ist der Papa nicht ganz weg, so plötzlich (Kind war 8 Jahre alt zum Zeitpunkt des Todes).

Viele Jahre nach Papas Tod erfuhr ich dann von meinem inzwischen erwachsenen Kind, dass das regelrechte Horrorvorstellungen erzeugt hat im Kindesalter. Mein Kind hatte massive Schlafstörungen, weil es immer dachte, der tote Papa sitzt auf dem Bett und schaut es an…

Das dazu, was Mama denkt, was für’s Kind richtig ist.

Ich Kann dir nur sagen, wir müssen alle irgendwann zum ersten Mal mit diesem Thema umgehen und niemand hat uns in die Wiege gelegt, dass wir es richtig machen. Ich bezweifle, dass ich irgendwie „richtig“ mit diesem Thema umgehen kann, höchstens emotional.

Mach dir also keine Vorwürfe. Sei für deine Kinder da, sprich mit ihnen, beantworte Fragen, versuch ihnen klar zu machen, dass sie ihren Schmerz erleben und auch leben dürfen.

Das ist schon sehr viel wert!!

Liebe Grüße
Demenzia

Hallo Malina,

es gibt keinen Königsweg.

Wichtig ist, mit den Kindern darüber zu sprechen und ihre Fragen sehr ernst zu nehmen und nichts zu beschönigen.
Eure eigene Trauer und Hilflosigkeit dürft, ja müßt ihr ihnen zugeben, das läßt euch in keiner Weise schwach erscheinen, im Gegenteil.
Je nach religiösem Hintergrund kann es auch für die Kinder tröstlich sein zu wissen/glauben, das die Toten nun in einer anderen, besseren Welt sind

Kinder haben üblicherweise weniger Probleme mit dem Tod als viele Erwachsene fürchten.

Gandalf

Hallo Malina,

es gab im Jahre 2004 eine sehr interessante Folge der „Sendung mit der Maus“ zum Thema Tod.
KLingt zwar komisch, aber war eine wirklich gute Sendung, vielleicht kann man die vom WDR bekommen.

Ich hab auch mal gegoogelt, vielleicht ist da was passendes für Euch dabei.

Viel Glück

Uwe

http://www.lernzeit.de/sendung.phtml?detail=407313
http://www.trauer-bestattung.de/download/ekhn-kiju-f…
http://www.google.de/search?hl=de&sa=X&oi=spell&resn…