Kinder von Alkholikern

Hallo zusammen!

Ich habe da mal eine Frage, die ich mir schon sehr oft gestellt habe, und die ich bisher noch nie zufriedenstellend beantwortet bekommen habe:

Warum gibt es so viele Kinder von Alkoholikern, die selbst irgendwann auch in diese Sucht abrutschen? Eigentlich müssten sie doch genau erfahren haben, was Alkohol aus einem Menschen machen kann.
Selbst wenn da Vererbung eine Rolle spielt, ist es mir doch sehr unlogisch.

Gruß,

Danielle

Hallo zusammen!

Ich habe da mal eine Frage, die ich mir schon sehr oft
gestellt habe, und die ich bisher noch nie zufriedenstellend
beantwortet bekommen habe:

Warum gibt es so viele Kinder von Alkoholikern, die selbst
irgendwann auch in diese Sucht abrutschen? Eigentlich müssten
sie doch genau erfahren haben, was Alkohol aus einem Menschen
machen kann.
Selbst wenn da Vererbung eine Rolle spielt, ist es mir doch
sehr unlogisch.

Einfach weil man die Abwehr dagegen nicht kennt, es existiert also in der Familie kein Handlungskonzept ‚alkoholfrei leben‘, dies aus eigenem Antrieb zu erstellen ist nicht besonders einfach, zumal diese Gesellschaft Alkohol immer noch mit Geselligkeit verbindet oder Geselligkeit ohne Alkohol kaum noch herstellen kann, dann werden Alkoholiker auf Teufel komm raus toleriert, es gilt als witzig was man im Suff getan hat, es gilt als cool schwer betrunken gewesen zu sein.
Siehe den Film ‚Barfly‘, Harald Juhnke, Fussball, etc.

Hallo,
unlogisch - mag sein - aber was ist z.B. mit der Frau, deren Mutter von dem Schlägeralten regekmäßig verdroschen wurde und die im späteren Leben ähnliches „Geschick“ in der Auswahl der Männer beweißt. Nur eins von vielen Bsp., wo man eigentlich aus den Fehlern (anderer) hätte lernen müssen. Ein bisschen geht das in Richtung „Täteridentifikation“ (wenn ich mich recht entsinne).

Gruss
Enno

Hi Danielle,

Selbst wenn da Vererbung eine Rolle spielt, ist es mir doch
sehr unlogisch.

Vertrautes Elend zieht oft mehr an als das Unbekannte…

Gruß zurück,
Anja

Hallo zusammen!

Ohne umfassende Kenntnisse dazu zu haben möchte ich ergänzend zu dem unten bereits genannten auf den Mechanismus der Stigmatisierung hinweisen. Schon der Satz ‚die meißten Kinder von Alkoholikern werden selber zu solchen‘ (so hast Du ihn nicht formuliert) ist eine solche Stigmatisierung.
Vereinfacht ausgedrückt bekommen die Kinder sozusagen den Stempel aufgedrückt und verhalten sich irgendwann entsprechend indem sie quasi der Erwartungshaltung der Außenwelt nachgeben…‚sie denken ich trinke irgendwann, also trinke ich auch‘.

Bekannt ist mir das aus dem Bereich der Kinder von Straftätern, aber das dürfte überall greifen, wo man Milieu findet und Leute, die auf dieses hinabsehen (egal ob berechtigt oder nicht.

Gruß Maid

Hallo Danielle,

warum Kinder von Alkoholikern selbst welche werden können bzw. welche Dinge zu einer größeren Wahrscheinlichkeit, als Kind von Alkoholikern selbst einer zu werden, führen, ist noch nicht abschließend geklärt. Ein paar potentielle Einflußfaktoren will ich nennen, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben:

  • Vererbung: Manche Forscher sind der Ansicht, daß es eine genetische Veranlagung mit der Folge eines erhöhten Risikos gibt, Alkoholiker zu werden.
  • Umwelteinflüße:
    a) In Alkoholikerfamilien besteht tendenziell mehr Kontakt zu Alkohol als in Nicht-Alkoholiker-Familien. Dabei muß man bedenken, daß nasse Alkoholiker nicht alle als „Penner“ auf der Straße leben, sondern durchaus auch als „respektable“ Bürger in ihren Familien. Die Kinder wachsen in einem Umfeld auf, in dem Trinken und kräftig Zechen einfach die natürlichste Sache der Welt sind und Erwachsene als Vorbilder das Trinken als positive Sache vorleben. So etwas stellt ein großes Risiko für die Abhängigkeitsentwicklung dar.
    b) In Familien nasser Alkoholiker besteht nicht unbedingt ein Bewußtsein dafür, daß jemand ein Alkoholproblem hat bzw. daß es überhaupt so etwas wie ein Alkoholproblem auf Erden geben könne. Es bestehen also tendenziell keine oder wenig Informationen darüber, wie viel man trinken kann, ohne seine Gesundheit zu gefährden. Außerdem: Alkoholiker verleugnen ihr Problem häufig und können sehr agressiv werden, wenn man sie damit konfrontiert. Ihre Kinder werden also tendenziell eher bestraft, wenn sie sich irgendwie mit Alkohol differenziert auseinandersetzen.
    c) In Familien nasser Alkoholiker gibt es tendenziell mehr Probleme (–> „broken home“-Milieu) als in Familien, in denen es keinen Alkoholismus gibt: Ehe- und Partnerprobleme, Gewalttätigkeit, Unfälle unter Alkoholeinfluß, Gesetzeskonflikte, finanzielle Probleme, sekundäre gesundheitliche Probleme, Erziehungsprobleme, schulische Probleme, Probleme mit dem Arbeitgeber, Probleme mit dem sozialen Umfeld und andere mehr. Es besteht in diesem Umfeld das Risiko, daß Kinder selbst zu Alkohol als „Problemlöser“ greifen, obwohl dieser eigentlich die Ursache und nicht die Lösung der Probleme ist.
    d) Nasse Alkoholiker haben sehr oft andere nasse Alkoholiker als Freunde. Das Umfeld, in dem Alkohol und viel Trinken positiv bewertet werden, bleibt also nicht auf die Kernfamilie beschränkt, sondern erstreckt sich auf den Bekanntenkreis, so daß die Kinder tendenziell ihre Erfahrungen in einem weiten Umfeld machen, in dem Alkohl und Trinken positiv bewertet werden.

Gruß,

Oliver Walter

Hallo zusammen!

Hallo Danielle!

Ich habe da mal eine Frage, die ich mir schon sehr oft
gestellt habe, und die ich bisher noch nie zufriedenstellend
beantwortet bekommen habe:

Warum gibt es so viele Kinder von Alkoholikern, die selbst
irgendwann auch in diese Sucht abrutschen? Eigentlich müssten
sie doch genau erfahren haben, was Alkohol aus einem Menschen
machen kann.

Da diese Menschen (Kinder der Alkis) selbst noch jung sind, wenn sie dieser Sucht verfallen, aus welchen Gründen auch immer, werden sie die Folgen nicht unbedingt vor Augen haben. Warum sollten sie also grundsätzlich nicht trinken? Ich vergleiche das mit Ernährungsgewohnheiten, da ist es ein vergleichbarer Prozess.
Nur sehr gereifte Persönlichkeiten schaffen das vielleicht, ohne sich das von den Eltern „abzuschauen“. Kannte einen jungen Mann, dessen Vater Alkoholiker war. Er konnte mit Alkohol wunderbar umgehen. Er war sehr früh sehr selbständig, da er wegen des (Alki-)Vaters für sich selbst sorgen musste (Mutter und noch 3 Geschwister). Er nahm viele Dinge schon sehr früh wahr und verarbeitete schon viel in seiner Kindheit, während andere oft verdrängen. Er registrierte sehr genau, dass der Vater alkoholisiert agressiv war und seine Geschwister, ihn und vor allem die Mutter schlug. Darunter leidete er sehr und hat sicherlich den Alkohol als was sehr negatives erlebt. Er selbst hat in 5 Jahren, in denen ich ihn näher kannte, nie Gewalt angewendet und war echt ein vorbildlicher und wunderbarer Mensch. Das nur dazu, dass das nicht von Eltern auf Kinder übergehen muss.

Selbst wenn da Vererbung eine Rolle spielt, ist es mir doch
sehr unlogisch.

Der Oliver sprach von der erblichen Möglichkeit. Ich halte diese Suche nach solchen Kausalitäten (die ja noch nicht wissenschaftlich belegt sind) für zu einfach. Es ist mit Sicherheit ein Potential in solchen Menschen, die aber nicht für die Sucht sprechen, sondern für die gleichermaßen (vererbte) Sensibilität. Ich kenne viele Menschen, die süchtig sind, die alle mächtig sensibel sind. Davon sind aber einige süchtig, deren Eltern es nicht sind. Mir gefällt das auch nicht, einfach nach irgend welchen Erbfaktoren zu schauen. Das hilft dem Süchtigen doch nicht. Es sind Menschen mit Probleme. Es gibt viele verschiedene Suchtformen, aber die Ursachen sind oft sehr ähnlich. Es sind verletzte Seelen, was mich oft total traurig und wütend macht.

Liebe Grüße
Fabi

Gruß,

Danielle

Und ich hab natürlich die drei Punkte als Elend gelesen. Nein, im Ernst ich bin selber Kind von Alkoholikern (beide tot), irgendwann stößt es ab und zieht einen nur noch runter weil man so hilflos dagegen ist und man Menschen sieht die man lieben will, die langsam Selbstmord begehen und nur noch Wrackdenke und Wrackverhalten von sich geben. Dazu - so war es jedenfalls bei mir - muß man sich aber gehörig vor einem Selbst erschrecken (oder was auch immer passiert ist), damit man den Bruch schafft und zumindest in eigener Sache wieder Verantwortung übernimmt. Nur um die Regel zu erhalten, meine beiden anderen Geschwister sind nicht trocken…

Ohne umfassende Kenntnisse dazu zu haben möchte ich ergänzend
zu dem unten bereits genannten auf den Mechanismus der
Stigmatisierung hinweisen…

Das wiederum kann ich mitnichten bestätigen, das erlebte Sozialverhalten bedingt, aber nicht die Meinung von Nachbarn, zumal die eh eher auf Friede, Freude, Eierkuchen machen und einen kaum darauf ansprechen - kurz - das bekommt man nicht mit.

Es kommt sicher auf das konkrete Umfeld an. Und das die Nachbarn schweigen, heißt ja nicht, daß man genau weiß, wie sie denken. Wenn ein Kind von Alkoholikern (von denen es bekannt ist, klar) ein Glas zuviel trinkt, dann wird das anders gewertet, als wenn es das Kind
des angesehenen Bürgermeisters ist. bei dem einen sieht man es als logische Konsequenz, beim anderen als Ausrutscher oder jugendlichen Überschwang. Ein Kind von Alkoholikern ist quasi einem erhöten Zwang ausgesetzt zu beweisen, daß es kein Alkoholproblem hat. Auch sich selber gegenüber. Das spielt alles mit rein in dies Geschichte mit der Stigmatisierung. Ich sage auch nicht, daß es eine alleinige Bedeutung hat.
Hinzu kommt, das es m.E. keine ‚typische‘ Alkoholikerfamilie gibt. Gibt es überhaupt eine verlässlich Statistik darüber wieviel Kinder aus Alkoholikerfamilien KEINE Alkoholiker werden?

Gruß Maid

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