Vertrauen
Hallo liebe Eltern,
Hallo Martina,
da hast du dich aber ganz schön reingeritten! In deiner Haut möchte ich jetzt nicht stecken!
Vor kurzem lag das Mädchen in der Badewanne und ihr Handy
klingelte. Sie bat mich dran zu gehen. Nachdem das Gespräch
beendet war, siegte bei mir die Neugier und ich schaute in den
SMS Eingang.
Autsch!
Ich weiß das dies eine Verletzung des
Vertrauensverhältnis ist und bereue es schon. Jedenfalls laß
ich die SMS einer Freundin, die ihr schrieb, dass sie und ein
anderes Mädchen gerade total bekifft bei ihr sind und es
Schade sei, dass sie nicht dabei wäre.
Tja, zumindest weißt du jetzt, dass der Umgang mit Drogen für die Dame kein Neuland ist.
Andererseits lehnen sich Mädels in diesem Alter gern weiter aus dem Fenster als sie eigentlich hängen und erzählen auch gern mal Geschichten. Vielleicht stimmt das gar nicht und es ist nur Show und Machogetue (jaaaa, das gibt`s auch bei den Weibern ;o))
Ich weiss dass die Mutter des Mädchens sehr offen mit ihrer
Tochter redet. Das Thema Drogen war jedoch, da kein Anlass
bestand (?) noch nie auf dem Tisch.
Woher weißt du, dass „Drogen“ noch kein Thema war? Bei mir wäre es schon Thema, denn der Kontakt mit Drogen fängt immer früher an. Meine älteste Tochter geht mit diesem Thema ganz locker um, sie hat Freunde die kiffen, sieht, was bei übermäßigen Gebrauch mit denen passiert und hat darauf keinen Bock. Zumal ein Freund bereits bekifft gefahren zu Tode kam und ein Mitfahrer dadurch bleibende Schäden hat.
Ich weiß (meine Mutter, wo sie lebt, weiß es nicht, die würde irre werden), dass sie auch schon gekifft hat, wir haben darüber gesprochen, ich habe Vertrauen zu ihr und weiß, dass es keinen ernsten Einfluß auf ihr Leben hat. Sie ist vom Charakter und Selbstbewußtsein her nicht suchtgefährdet und macht ihr Ding. Scheint dazu zu gehören, wie auch immer. Ich habe als junger Mensch auch ab und zu gekifft und bin auch nicht abgeschmiert, ich denke, es kommt darauf an, wie persönlichkeitsstark ein Mensch ist. Natürlich bin ich sensibilisiert, aber ich bewerte das nicht zu hoch, da viele andere Dinge in Saris Alltag wichtiger sind und Drogenkonsum keinen hohen Stellenwert hat, ebenso wie Alkohol.
Ich weiß, dass auf der weiterführenden Schule auch bei den Kleinen bereits Drogen zu finden sind, die ersten Kontakte entstehen.
Bedeutet aber nicht, dass die automatisch auch zugreifen. Aber das führt dazu, dass es auf jeden Fall das Gespräch darüber gibt, wenn meine Kleine zur weiterführenden Schule kommt. Alkohol sollte da auch ein Gesprächspunkt sein, hängt eng zusammen.
Ich stecke natürlich ganz tief in der Zwickmühle, da ich
letzlich nicht mal weiss ob das Mädchen selbst Drogen nimmt
oder nehmen würde.
Ich denke, so hart wie es wird, dass ich den direkten Weg gehen würde. Zugeben, dass man Scheiß gemacht hat, zugeben, dass es ein großer Fehler war, aber man dadurch ernste Sorgen und Nöte hat. Das Vertrauen wird weg sein, zumindest eine Weile, je nachdem, wie sie den Vertrauensmißbrauch wegsteckt und wie du es verpacken kannst.
Rausreden oder Lügen bringt nix, denn 1. machst du es dadurch noch schlimmer, 2. ist das dann der 2. Vertrauensmißbrauch.
Ich würde ihr sagen, dass ich mir Sorgen mache, aber sie nicht den Eindruck macht, dass sie Drogen nimmt oder damit nicht umgehen kann. Wenn sie Drogen nimmt, wirst du und auch ihre Mutter das nicht verhindern können, ihr könnt nur aufpassen und es etwas steuern. Verbieten oder Drohen mit Sanktionen bringt gar nichts, dann wird es heimlich gemacht. Und das restliche Vertrauen ist dahin.
Geht mit ihr um wie mit einem verantwortungsbewußten Teenager, nicht wie mit einem Kind! Steh zu dem, was du getan hast und erkläre ihr auch den Grund (schlicht Neugier). Versuche ihr klar zu machen, dass du ihr nichts Böses willst, sprich erst mit ihr allein und erkläre ihr, dass du ihrer Mutter irgendwann alles erzählen musst, weil du ihre Freundin bist und das deine Pflicht als Freundin ist. Aber dass du am liebsten mit ihr zusammen dieses Gespräch führen möchtest, da es ja um sie geht und man gemeinsam eine Lösung für den Konflikt finden muss. Auch mit ihren Freundinnen und deren Eltern muss gesprochen werden, wenn die Damen Drogen konsumieren.
Frag sie, wie du damit umgehen sollst. Frag sie, wie SIE reagieren würde.
Frag sie nach ihrer Meinung, wenn sie etwas erfahren würde über einen Menschen, den sie lieb hat, mit diesem oder ähnlichen Problem, wie sie damit umgehen würde. So als Einstieg in das Gespräch. Dann kannst du mit der Wahrheit rausrücken, wenn ihr im Gespräch seid und du mitkriegst, wie sie reagiert.
(Benutz doch einfach deine Formulierung wie oben, das Kind einer Freundin hat das Problem und du hast durch blöden Zufall davon Wind bekommen, wie sie das sieht in ihrem Alter und so)
Tja, leider kann ich dir nur aus Sicht einer Mutter sagen, wie ich damit umgehen würde. Es ist aber schwierig, denn du bist nicht ich und die Tochter deiner Freundin kenne ich nicht um sagen zu können, wie sie reagiert.
Also ist meine Meinung nicht die allerheiligste und richtige, sondern nur subjektiv zu betrachten, um vielleicht einen Gedanken mehr zu haben, entscheiden und machen kannst du nur aus deinem Bauchgefühl heraus!
Dafür wünsche ich dir, die richtigen Worte zu finden und den richtigen Moment!
Liebe Grüße
Sabine