Ich bin auf der Suche nach Leidensgenossen, oder einen Hinweis auf ein Forum etc. für mein PRoblem. Ich leide seit ca. 30 Jahren (ich bin jetzt 37) unter der emotional gestörten Beziehung zu meiner Mutter. Erst jettz, wo die Situation immer schlimmer wird, habe ich erkannt, woran unser sehr schlechtes Verhältnis liegen könnte. Ich bin mir nach dem Einlesen in entsprechende Literatur fast zu 100% sicher, dass es sich um immer stärker werdende Nachkriegsdressionen handelt. Das größte Problem: Meine Mutter weiß es selbst nicht und die komplette Familie leidet unter den Missständen (jetzt auch unsere Tochter). Ich bin dringend auf der Suche nach Menschen, die ähnliches erleben. Vielleicht hat jemand einen Tipp oder einen Hinweis. Für mich ist der erste Schritt: Ich helfe mir selbst, indem ich mich indormiere 2) Wie gelangt man dann an meine mutter überhaupt? Frage über fragen…viellelicht gibt es hier Antworten? Habe schon über ww.kriegskinder.de kontakt zu einer Expertin aufgenommen. Warte noch auf Antwort.
Hallo
viel helfen kann ich dir wohl nicht, ich wollte dir nur mitteilen, dass meine Mutter offensichtlich auch im Krieg traumatisiert wurde, und dass ich mir ihr aber bisher nicht drüber reden konnte.
Doch, so einiges hat sie erzählt, aber bestimmt nicht alles, das weiß ich.
Es handelt sich aber wohl um was anderes, hier bei uns geht es nämlich um den 2. Weltkrieg.
Da du von Kriegskinder sprichtst, geht es bei euch wohl um einen nicht ganz so lange zurückliegenden Krieg außerhalb von Europa.
Ich glaube, man muss sich mit diesem Krieg beschäftigen, wenn er so stark die Familie bestimmt, da bleibt einem leider nichts anderes übrig. Also möglichst viel erfahren, was da war. Und dann muss man da irgendwie mit fertigwerden.
Ich weiß aber, dass manche Traumatherapeuten eher darauf setzen, die ganz schlimmen Dinge zu vergessen. Vielleicht kann euch ja ein Traumatherapeut helfen.
- Wie gelangt man dann an meine mutter überhaupt?
Hast du sie schon mal direkt gefragt? Was sie im Krieg erlebt hat? Als Mutter erzählt man solche Dinge seinen Kindern oft nicht gerne, und eher nicht ungefragt.
Habe schon über ww.kriegskinder.de kontakt zu einer Expertin aufgenommen. Warte noch auf Antwort.
Die kennen sich bestimmt gut aus und haben eine Idee, was da helfen könnte.
Viele Grüße
Thea
Kinder von Kriegskindern sind überall
hi,
rein statistisch befindest du dich in jeder deutschen strassenbahn unter betroffenen!
der 2. weltkrieg hat duch die katastrophen der einzelschicksale in ganz europa, besonders auch in deutschland millionenfache traumatisierung hervorgerufen, die familien oder die psyche von menschen wurde auseinandergerissen, zum horror des hungers in der nachkriegszeit kann ich eine geschichte aus meiner familie erzählen:
bei der hochzeit meiner cousine 1999 -aufgebaut war ein mega-buffet- stand eine großtante von mir weinend vor dem ganzen essen. als ich sie fragte, was los sei, antwortete sie zitternd: „wir sind vor lauter hunger nicht in den schlaf gekommen.“ -gemeint waren die jahre im und direkt nach dem krieg, als sie als kleines kind nicht wusste, ob sie mit ihrer familie morgen, übermorgen oder die tage danach ÜBERHAUPT etwas zu essen finden wird. 50 jahre später steht diese alte frau vor bergen von essen und weint in der erinnerung an den hunger! auch meine oma ist nur durch den krieg gekommen, weil sie zwei kinder durch extreme sparsamkeit und wachsamkeit durchfüttern konnte. es gab in meiner jugend andauernd streit darüber, dass man nicht so geizig sein muss. ausserdem sind viele beziehungen auch in meiner familie durch übermäßige angst vor irgendetwas, „dass vielleicht morgen wieder über einen hereinbricht“ (zitat meiner oma, übernommen von meiner mutter, gemeint waren wohl bombenangriffe!) geprägt.
solche und viel größere und massivere probleme sind in der tat generationsübergreifend. ich empfehle eine familientherapie oder eine familienaufstellung, das kann die beziehungen zwischen den personen auch unter einbezug älterer generationen verbessern. möglich ist das aber auch durch das gespräch mit jedem psychotherapeuten.
wenn du allerdings das gefühl hast, dass aktuelle beziehungsprobleme vorherrschen, bleibe erst mal mit der klärung im hier und jetzt und kümmere dich um die klärung der alten geschichten ergänzend dazu später oder parallel dazu alleine.
ein höchst interessantes thema!
Hallo,
Du bist 37, also 1971 oder 1972 geboren. Ich vermute, Deine Mutter hat den 2. Weltkrieg als Kind erlebt und es geht darum, dass sie in dieser Zeit traumatisiert wurde.
Die übliche Strategie dieser Generation war und ist das Verdrängen, Vergessen. Wenn Deine Mutter sich der Traumatisierung nicht bewusst ist, kann sie auch nicht verstehen, dass sie sich auf andere Familienmitglieder auswirkt.
Es bedarf sicherlich mehrerer ganz behutsamer Gespräche, sich diesem Thema zu nähern und Deiner Mutter die Möglichkeit zu geben, sich zu öffnen. Ganz wichtig ist es dabei, ihr zu vermitteln, dass sie keine Schuld hat!
Meine Mutter, Jahrgang 1928, hat mir erst im Alter von ca. 70 Jahren erzählt, was ihr Schreckliches auf der Flucht widerfahren ist. Es war so bedeutend, dass ich plötzlich einen Schlüssel in der Hand hielt, der mir viele Facetten ihrer Persönlichkeit in ganz anderem Licht erscheinen ließ. Wie unrecht hab ich ihr früher oft getan! Ich glaube, sie selbst hat nie ermessen, wie sehr sie dies Erlebnis beeinflusst hat. Sie hat es jahrzehntelang zu verdrängen versucht, aber nicht wirklich verarbeitet. Schließlich hat sie im Zustand der Demenz wiederholt darunter gelitten, dass die Erinnerung durchbrach.
Versuch mit Deiner Mutter zu reden! Sag ihr, dass es nicht nur für Dich, sondern auch für sie selbst wichtig ist. Ich wünsche Dir viel Erfolg.
Gruß
Jette