arbeitende Mütter
Hallo Kerstin,
Du sprichst vielen Müttern aus der Seele, auch mir stellen sich die selben Probleme.
Meine Hauptfrage dazu lautet immer: Welcher Mann in Deutschland muß sich diese Gedanken machen? Wahrscheinlich kaum einer, die Problematik wird auf dem Rücken der Mütter ausgetragen. Eine Antwort für den Personalchef könnte also lauten: Stellen Sie einem männlichen Bewerber die selben Fragen? Auch Männer können sich freistellen lassen, wenn ihr Kind krank ist, das ist nicht die alleinige Aufgabe der Mütter.
Gerade hier in Bayern herrscht nach wie vor die Einstellung vor: Mütter gehören zu den Kindern und das zu Hause. Kinderbetreuung ist möglich von 8 bis 16:00 Uhr - eine Vollzeitbeschäftigung der Mütter wird so effektiv unterbunden. Hortplätze sind rar, Betreuung für Kinder unter 3 hat (zumindest im ländlichen Raum) echten Seltenheitswert.
In den Nachrichten habe ich neulich eine Meldung gehört: Eine bayrische Gemeinde hat einer Kindertagesstätte eine an sich regelmäßige Förderung gestrichen, weil der Gemeinderat einstimmig der Meinung war, Kinder bis 3 Jahre müssen von den Müttern betreut werden.
Eine Mutter hier im Ort wollte sich selbständig machen und mußte sich auf der Handwerkskammer fragen lassen, ob sie denn arbeiten müsse, ihr Mann verdiene doch genug.
Du siehst, mir geht bei dem Thema echt das MEsser in der Tasche auf. Da wundert sich noch jemand, warum immer weniger Kinder geboren werden?
Unsere Lösung: Ich arbeite diesen Sommer von März bis Oktober, ein Job,auf den ich mich sehr freue. Aufgrund der Kinderbetreuungszeiten, der Oma in der Ferne etc. wird mein Mann kündigen müssen oder sich freistellen lassen. Das ist für Außenstehende natürlich ein wenig wahnsinn, aber ich bin sehr froh, dass er dazu bereit ist. Ich gehe sonst ein zuhause und ich werde sonst kaum mehr eine Chance auf einen qualifizierten Arbeitsplatz haben, wenn ich noch länger zu hause rum hocke.
Auf dem Arbeitsamt wollen sie mich eh nur noch ungelernt vermitteln, Lehre zu lange her, Studium mit minimaler Berufserfahrung ist gleich ungelernt. Hier wird erwartet, dass Frauen die üblichen schlecht bezahlten Jobs machen, um noch etwas dazuzuverdienen oder um ein wenig Abwechslung zu haben. Bei Aldi an der Kasse trifft man ja auch nette Leute, das ist doch Abwechslung genung.
Setz dich durch, investiere auch wenn es sich finanziell nicht wirklich lohnt in Kinderbetreuung. Verliere nicht den Anschluß. Die überzeugenste Antwort auf „Kinderbetreuungsfragen“ eines potentiellen Arbeitgebers ist natürlich der HInweis auf einen Job in dem Du das gemeistert hast.
Viel Erfolg, bleib dran
kernig