Kindergarten - Notantrag

Hiho,

Mein Sohn ist im März drei geworden. Wir leben auf dem Land und haben immer noch keinen KiGa-Platz, und so langsam verzweifle ich.

Ich arbeite an drei bis vier Tagen die Woche, jedesmal 2 bis 3 Stunden (auf Honorarbasis). Momentan organisiere ich von Tag zu Tag, mal paßt meine Mutter auf den Kleinen auf, mal nehme ich ihn einfach mit. Das ist sehr anstrengend

Nun habe ich vor drei Wochen einen Notantrag bei unserem Wunsch-KiGa gestellt. Letzte Woche haben sich nun die Leute vom KiGa gemeldet, der Notantrag ist eingegangen. Wir haben entweder Mittwoch oder die Woche drauf einen Termin.

Da sind dann der Elternrat, die KiGa Leitung und der Pastor (evangelischer KiGa).
Und die muß ich dann allesamt von der Dringlichkeit meines Antrages überzeugen (Oton KiGa-Leitung: „Machen Sie sich aber nicht zu viele Hoffnungen“ *seufz*).

Der Antrag fußt auf zwei Dingen:

Erstens meine Berufstätigkeit. Ist ja klar.

Zweitens der Tatsache, daß Joshua in einigen Bereichen ziemlich weit ist. Sprachlich ist er ca. auf dem Level 5 - 6 Jahre. Wie das aber immer so ist, hat er gerade deswegen mehr und mehr Schwierigkeiten, sich mit anderen Kindern zu verständigen. Er spricht einfach die „Kindersprache“ nicht mehr, bzw. er verlernt sie. Mit Erwachsenen kommt er problemlos klar, Kinder verunsichern ihn. Unser Kinderarzt hat mir attestiert, daß Joshua dringend regelmäßig unter andere Kinder muß, zumal er ja (mehr oder weniger) Einzelkind ist (10 Jahre ältere Schwestern zählen psychologisch nicht *g*). Das Attest liegt dem KiGa vor.

Der Kinderarzt meinte aber auch, ich sollte diesen Aspekt bei der Vorstellung wenig oder gar nicht erwähnen. Er meinte, der Elternrat müsse entscheiden, und bei anderen Eltern könnte es sein, daß sie einfach aus Neid, weil der Kleine weit ist, den Antrag ablehnen. :frowning:

Ich möchte am liebsten mit offenen Karten spielen und einfach alles schildern, wie es ist. Im Moment bin ich auch wirklich überfordert genug, ich könnte da sicher sehr überzeugend wirken. :confused:

Was würdest Ihr denn machen? Hat jemand schon mal einen solchen Antrag gestellt? Gibt’s Kindergarten-Angestellte hier, die wissen, wie so etwas abläuft?

Ich wäre für alle Antworten dankbar!
Liebe Grüße,
Nike

Hallo Nike,

ich habe bisher in zwei Kindergärten und in vier Schulen (je zweimal Grundschule und Gymnasium) mitgearbeitet. Aus persönlicher Erfahrung würde ich sagen: lege deine Karten so offen wie möglich auf den Tisch. Mit einer (kleinen) Einschränkung: deine Arbeitszeiten würde ich etwas „großzügiger“ auslegen (also nicht die Anzahl der Tage pro Woche, sondern die Stunden pro Tag).

Es gibt bei den Elternräten - wie auch sonst im Leben - solche und solche: Menschen, die engagiert und verantwortlich mit dem ihnen übertragenen Amt umgehen genauso wie die, die es toll finden, „wichtig“ zu sein, einen „Posten“ zu haben. Letztere zu überzeugen ist ohnehin ein Risiko-Spiel; es kann durchaus sein, daß das Kind von Frau A dort vorgezogen wird, weil es private Verflechtungen gibt oder ein weiterer Notantrag vorliegt, wo die betroffene Mutter eben 20 Std./Woche berufstätig ist.
Aber die erste Gruppe wird über deine Gründe eher sachlich entscheiden. Und dafür ist es wichtig, alle Faktoren zu kennen. Also nicht nur deine Berufstätigkeit, sondern auch Joshuas nahezu „Einzelkind-Position“ sowie die Einschätzung eures Kinderarztes.
Außerdem: wenn es im Kindergarten zu Schwierigkeiten (mir fällt gerade kein schwächeres Nomen dafür ein…) wegen seiner Unsicherheit gegenüber Gleichaltrigen kommt, wäre es besser, die Erzieherinnen wüßten vorher über diese ärztliche (und eure elterliche) Einschätzung Bescheid. Wirkt sonst eher komisch, damit im Nachhinein rüber zu kommen, finde ich.

Insgesamt ist es allerdings tatsächlich so, daß Notanträge häufig bei älteren Kindern angenommen werden. Aus der Einschätzung heraus, daß ein Dreijähriger, so er im nächsten Jahr einen Regelplatz bekommt, immer noch mindestens zwei Jahre Kindergartenzeit hat. Ob diese Einstellung nun im Einzelfall immer richtig ist, sei dahingestellt.

Habt ihr die Möglichkeit, in Nachbargemeinden nach einem Kindergartenplatz zu schauen? Auch wenn das u.U. bedeutet, Joshua einen längeren Weg zu fahren? Oder ggf. nach einem Jahr in den bevorzugten KiGa zu wechseln? Hier z.B. wird im Sommer ein Kindergarten mangelns Anmeldungen geschlossen - und das, wo andere aus allen Nähten platzen. Es wäre der Idealfall, Joshua mit den Kindern der unmittelbaren Nachbarschaft in einen nahegelegenen KigGa gehen zu lassen - aber falls der Idealfall nicht funktioniert, gibt es evtl. Ausweichmöglichkeiten.

Ansonsten würde ich schauen, ob es private Kindergruppen in erreichbarer Nähe gibt. In meinem vorherigen Wohnort gab es eine solche Gruppe, die zwar deutlich eingeschränktere Öffnungszeiten als ein Regelkindergarten hatte, aber: besser als nichts.

Viel Glück -

Sams (und falls noch Fragen offen sind: nur zu)

Hallo auch!

Mein Sohn ist im März drei geworden. Wir leben auf dem Land
und haben immer noch keinen KiGa-Platz, und so langsam
verzweifle ich.

Das hier weißt Du (oder nicht?):

Sozialgesetzbuch Achtes Buch - Kinder- und Jugendhilfe
§ 24 - Ausgestaltung des Förderungsangebots in Tageseinrichtungen

Ein Kind hat vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens. Für Kinder im Alter unter drei Jahren und für Kinder im schulpflichtigen Alter sind nach Bedarf Plätze in Tageseinrichtungen vorzuhalten. Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben darauf hinzuwirken, daß ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsplätzen zur Verfügung steht. Solange ein bedarfsgerechtes Angebot in Tageseinrichtungen nach Satz 2 oder 3 noch nicht zur Verfügung steht, sind die Plätze vorrangig für Kinder, deren Erziehungsberechtigte erwerbstätig, arbeits- oder beschäftigungssuchend sind, zur Verfügung zu stellen.

Heißt: Deine Gemeinde (?) ist verpflichtet, Dir einen Platz zur Verfügung zu stellen. Leider kannst Du dann nicht wählen, wo genau.

Gruß

Hi Sams,

erst mal danke für Deine Ausführlichkeit! :smile:

Deine generelle Einschätzung beruhigt mich: Ich tendiere auch zu Offenheit. Irgendwie bleibt mir ein mulmiges Gefühl, wenn ich einen Teil der Geschichte „verheimliche“.

Mit einer (kleinen)
Einschränkung: deine Arbeitszeiten würde ich etwas
„großzügiger“ auslegen (also nicht die Anzahl der Tage pro
Woche, sondern die Stunden pro Tag).

OK, das läßt sich problemlos machen: Meine Chefin bescheinigt das gerne. :smile: Dazu kommt, daß ich _tatsächlich_ mehr arbeiten _sollte_, also durchaus noch mehr Stunden gäbe, wenn Joshua erst mal im KiGa wäre. Da ich Unterricht gebe, sind die 8 Stunden, die ich de facto _unterrichte_ ohnehin tatsächliche 12 - 15 Stunden, da ich jede Stunde genau vorbereiten muß.

Es gibt bei den Elternräten - wie auch sonst im Leben - solche
und solche: Menschen, die engagiert und verantwortlich mit dem
ihnen übertragenen Amt umgehen genauso wie die, die es toll
finden, „wichtig“ zu sein, einen „Posten“ zu haben.

Jaaa, beide Sorten kenne ich. :wink: Vor letzteren ist mir auch, ehrlich gesagt, etwas mulmig. Ich kann mit solchen Leuten nicht und zeige das gemeinhin gerne schnell und unverblümt… was hier aber sicher nicht sehr diplomatisch wäre.
Ich will nun erst einmal positiv denken und davon ausgehen, daß alle in _diesem_ Elternrat zur ersten Sorte gehören. :wink:

Aber die erste Gruppe wird über deine Gründe eher sachlich
entscheiden. Und dafür ist es wichtig, alle Faktoren zu
kennen. Also nicht nur deine Berufstätigkeit, sondern auch
Joshuas nahezu „Einzelkind-Position“ sowie die Einschätzung
eures Kinderarztes.

Das sagt mir mein Bauchgefühl auch.

Außerdem: wenn es im Kindergarten zu Schwierigkeiten (mir
fällt gerade kein schwächeres Nomen dafür ein…) wegen seiner
Unsicherheit gegenüber Gleichaltrigen kommt, wäre es besser,
die Erzieherinnen wüßten vorher über diese ärztliche (und eure
elterliche) Einschätzung Bescheid. Wirkt sonst eher komisch,
damit im Nachhinein rüber zu kommen, finde ich.

Den Erzieherinnen hätte ich es eh gesagt. Es ging mir eben vorwiegend um den Elternrat (Typus B). Wobei „Schwierigkeiten“ im sozialen Umgang weniger die anderen betreffen, sondern eher Joshua selbst. Er ist mit anderen Kindern sehr umgänglich - sie verstehen ihn nur manchmal nicht. Er „diskutiert“ dann mit ihnen, und sie begreifen einfach nicht, was er will. Im Zweifelsfall kriegt er eine verpaßt (verbal oder physisch) und zieht sich dann eben zurück. Aber naja, das ist eine andere Geschichte. *seufzel*

Insgesamt ist es allerdings tatsächlich so, daß Notanträge
häufig bei älteren Kindern angenommen werden. Aus der
Einschätzung heraus, daß ein Dreijähriger, so er im nächsten
Jahr einen Regelplatz bekommt, immer noch mindestens zwei
Jahre Kindergartenzeit hat. Ob diese Einstellung nun im
Einzelfall immer richtig ist, sei dahingestellt.

Ja, siehe oben. Es ist eben jetzt schon so, daß ich bei ihm kaum noch „hinterherkomme“. Seine Freunde sind alle 6 oder älter. Ich glaube, daß ein weiteres „isoliertes“ Jahr nicht gut für ihn ist.

Habt ihr die Möglichkeit, […] gibt es evtl.
Ausweichmöglichkeiten.

Ja, erwägen wir alles, versuchen wir alles, wenn es mit dem Notantrag nicht klappt. Wir haben jetzt erst mal entschieden, daß _noch dieses Jahr_ etwas passieren muß. Jetzt konzentriere ich mich auf den einen KiGa (übrigens sind die im Umkreis auch alle voll), wenn das schief geht, denke ich über Notlösungen, Übergangslösungen oder andere -Lösungen nach. :smile: Danke für die Tips!

besser
als nichts.

Vielleicht passiert ja doch das Beste. Ansonsten verwende ich dies

Viel Glück -

Auf das Zweibeste. :wink: Danke Dir!

Liebe Grüße,
Nike

Hi Daisy,

Das hier weißt Du (oder nicht?):

Ja, weiß ich. :smile:

Leider sind Theorie und Praxis so eine Sache - vor allem auf dem Lande. Wir wohnen in einer Flächengemeinde. Und die ist ziemlich groß. Ich hätte keine Probleme damit, etwas weiter zu fahren. Es gibt in unserer Gemeinde aber auch Kindergärten, die 40 Minuten Autofahrt entfernt liegen - das würde Problem B zwar lindern, Problem A (Arbeit) aber nicht wirklich bessern…

Jetzt schauen wir erst mal, was der Notantrag bringt, und dann weiter.

Danke Dir,
Nike

Hallo

Ja, siehe oben. Es ist eben jetzt schon so, daß ich bei ihm
kaum noch „hinterherkomme“. Seine Freunde sind alle 6 oder
älter. Ich glaube, daß ein weiteres „isoliertes“ Jahr nicht
gut für ihn ist.

Könnte man da - únd wegen seiner besonders schnellen Entwicklung natürlich - nicht evtl. eine Einschulung mit 5 in Erwägung ziehen? Und aufgrund dessen auch damit argumentieren, dass er dann ja nur ein Kindergartenjahr hätte, wenn er erst nächstes Jahr einen Platz bekommt?

Viele Grüße
Thea

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Hallo Nike,
also, ich bin selbst Kindergartenleitung und ich kann dir erzählen, wie es bei uns abläuft, bzw. wie ich es an deiner Stelle machen würde!
Es läuft ja auch immer in jedem Bundesland und jeder Einrichtung etwas unterschiedlich ab…

Da sind dann der Elternrat, die KiGa Leitung und der Pastor
(evangelischer KiGa).
Und die muß ich dann allesamt von der Dringlichkeit meines
Antrages überzeugen

Klar musst du die alle von deiner Dringlichkeit überzeugen. Ein Notantrag muss auch wirklich ein Notantrag sein. :smile:

Der Antrag fußt auf zwei Dingen:
Erstens meine Berufstätigkeit. Ist ja klar.

Bring am besten eine Bescheinigung von deinem Arbeitgeber mit, dann hat das alles Hand und Fuß.

Zweitens der Tatsache, daß Joshua in einigen Bereichen
ziemlich weit ist. Sprachlich ist er ca. auf dem Level 5 - 6
Jahre.

Woher weißt du das? Kinderarzt?

Wie das aber immer so ist, hat er gerade deswegen mehr
und mehr Schwierigkeiten, sich mit anderen Kindern zu
verständigen. Er spricht einfach die „Kindersprache“ nicht
mehr, bzw. er verlernt sie. Mit Erwachsenen kommt er
problemlos klar, Kinder verunsichern ihn. Unser Kinderarzt hat
mir attestiert, daß Joshua dringend regelmäßig unter andere
Kinder muß, zumal er ja (mehr oder weniger) Einzelkind ist (10
Jahre ältere Schwestern zählen psychologisch nicht *g*). Das
Attest liegt dem KiGa vor.

Hm, ich sehe einen anderen wichtigen Aspekt:
Joshua ist anscheinend nur mit Erwachsenen zusammen und braucht dringend den Kontakt zu anderen Kindern.
Erzähl Ihnen doch einfach, wie schwierig der Umgang für ihn mit Gleichaltrigen ist und das du da unbedingt dagegenwirken möchtest.
Das er sprachlich auf dem Level eines 6jährigen ist, würde ich so nicht erwähnen. Ich würde einfach sagen, dass du der Meinung bist, dass er sehr weit ist und einfach mehr Förderung benötigt.

Der Kinderarzt meinte aber auch, ich sollte diesen Aspekt bei
der Vorstellung wenig oder gar nicht erwähnen. Er meinte, der
Elternrat müsse entscheiden, und bei anderen Eltern könnte es
sein, daß sie einfach aus Neid, weil der Kleine weit ist, den
Antrag ablehnen. :frowning:

Entschuldigung, aber da bin ich ganz anderer Meinung!
Es gibt solche und solche Eltern, und ist nicht jedes Kind in einem Bereich „weiter“ wie Gleichaltrige und hat dafür andere Defizite?
Und nur weil dein Kind vielleicht sprachlich weiter ist als andere Kinder, wirst du bestimmt nicht aufgenommen!
Viel wichtiger ist, dass du arbeiten musst, evt. deine Mutter mit der ständigen Betreuung überfordert ist und Joshua unbedingt Kontakt zu anderen Kindern hat!!!
Aber nun noch eine ganz wichtige Frage: Der Träger von eurem Kindergarten ist doch die Kirche, oder? Wieso entscheidet bei euch der Elternbeirat?
Bei uns ist das z.B. so, dass der Elternbeirat Anhöre- und evt. Mitspracherecht (aber nur in ganz bestimmten Situationen) hat, ansonsten entscheiden natürlich Leitung und letzendlich Träger, also Kirchenverwaltungsvorstand, also Pastor. :smile:
Bei einer Elterninitiative ist das natürlich anders, aber bei einem konfessionellen Träger kann ich mir fast nicht vorstellen, dass die Eltern entscheiden dürfen!

Ich möchte am liebsten mit offenen Karten spielen und einfach
alles schildern, wie es ist. Im Moment bin ich auch wirklich
überfordert genug, ich könnte da sicher sehr überzeugend
wirken. :confused:

Mach das doch einfach! Erzähl einfach so, wie du das siehst, wie schwierig deine Situation ist, wie schwer sich Joshua mit anderen Kindern tut, leg die Bescheinigung von deinem Arbeitgeber vor und gut ist! :smile:

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen!
Wenn du noch Fragen hast, nur her damit! :smile: Erzähl doch dann, wie es gelaufen ist!

Liebe Grüße und viel Erfolg,
Silke

Könnte man da - únd wegen seiner besonders schnellen
Entwicklung natürlich - nicht evtl. eine Einschulung mit 5 in
Erwägung ziehen? Und aufgrund dessen auch damit argumentieren,
dass er dann ja nur ein Kindergartenjahr hätte, wenn er erst
nächstes Jahr einen Platz bekommt?

Halte ich für überhaupt keine gute Idee!
Eine gute sprachliche Entwicklung ist kein Grund ein Kind vorzeitig einzuschulen, da es in diesem Fall in allen Bereichen überdurchschnittlich weit sein müsste.
Und Joshua hat anscheinend ein Defizit im sozialen Bereich…
Also ist eine vorzeitige Einschulung schon fast ausgeschlossen und eine solche Argumentation widersprüchlich.

Lieber einfach mit offenen Karten spielen und nichts „an den Haaren herbeiziehen“. :smile:

LG,
Silke

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Hallo

Eine gute sprachliche Entwicklung ist kein Grund ein Kind
vorzeitig einzuschulen, da es in diesem Fall in allen
Bereichen überdurchschnittlich weit sein müsste.

Erstens sind die meisten Kinder, wenn sie in einer Sache besonders weit sind, auch in den meisten anderen Sachen weiter. Eine Spezialbegabung ist nicht sehr häufig.

Außerdem soll die vroezitige Einschulung ja nur in Erwägung gezogen werden, und noch nicht jetzt beschlossen werden.

Und Joshua hat anscheinend ein Defizit im sozialen Bereich…

Wie kommst du denn darauf? Weil er so wenige Kinder kennt? Aber deshalb soll er ja so früh wie möglich in den Kindergarten, um das aufzuholen. In zwei Jahren kann er die fehlenden Erfahrungen gut aufholen.

Er soll ja schließlich noch nicht jetzt eingeschult werden.

Also ist eine vorzeitige Einschulung schon fast ausgeschlossen
und eine solche Argumentation widersprüchlich.

Schon fast ausgeschlossen? Nicht so voreilig! Eine Einschulung jetzt sofort würde ich allerdings auch ausschließen.

Viele Grüße
Thea

Erstens sind die meisten Kinder, wenn sie in einer Sache
besonders weit sind, auch in den meisten anderen Sachen
weiter.

Das sehe ich nicht so, dazu kenne ich viel zu viele Ausnahmen!

Eine Spezialbegabung ist nicht sehr häufig.

Es ist richtig, dass eine Spezialbegabung (im Bereich Hochbegabung) nicht sehr häufig ist, aber wir sprechen hier davon, dass ein Dreijähriger keine Kindersprache mehr spricht. Man darf nicht vergessen, dass Joshua anscheinend fast ausschließlich Kontakt zu Erwachsenen hat. Meinst du nicht, dass daher seine sprachliche Ausdrucksfähigkeit kommen kann?

Außerdem soll die vroezitige Einschulung ja nur in Erwägung
gezogen werden, und noch nicht jetzt beschlossen werden.

Also ich ziehe bei KEINEM Dreijährigen eine vorzeitige Einschulung in Betracht, denn in drei Jahren kann viel passieren.

Und Joshua hat anscheinend ein Defizit im sozialen Bereich…

Wie kommst du denn darauf? Weil er so wenige Kinder kennt?

Nike schreibt nicht, dass er wenige Kinder kennt, sondern dass er mit gleichaltrigen Kindern nicht klar kommt und sehr unsicher ist. Das würde ich einen Defizit im sozialen Bereich nennen, was anscheinend auch der Kinderarzt bestätigt hat.

Aber deshalb soll er ja so früh wie möglich in den
Kindergarten, um das aufzuholen. In zwei Jahren kann er die
fehlenden Erfahrungen gut aufholen.

Er soll natürlich in den Kindergarten, ob er vorzeitig eingeschult wird oder nicht.
Aber eine vorzeitige Einschulung ist doch kein Argument dafür…

Also ist eine vorzeitige Einschulung schon fast ausgeschlossen
und eine solche Argumentation widersprüchlich.

Schon fast ausgeschlossen? Nicht so voreilig! Eine Einschulung
jetzt sofort würde ich allerdings auch ausschließen.

Wieso soll ich bei einem Dreijährigen von vorzeitiger Einschulung sprechen? Weil er keine Kindersprache mehr spricht? Wir wissen doch ansonsten überhaupt nichts von Joshuas Entwicklung, außer dass er gut spricht und nicht so gut mit gleichaltrigen Kindern kann.
Wieso soll ich einer Mutter den Wurm mit vorzeitiger Einschulung ins Ohr setzen?
Nike vorzuschlagen, diesem Kindergartenkomitee irgendetwas von vorzeitiger Einschulung zu erzählen, finde ich keine gute Idee und ich glaube auch nicht, dass das besonders hilfreich ist!

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Hi Silke,

danke für Deine ausführliche Antwort!

Klar musst du die alle von deiner Dringlichkeit überzeugen.
Ein Notantrag muss auch wirklich ein Notantrag sein. :smile:

Schon klar. Das ist es ja auch, sonst hätte ich ihn nicht gestellt. :smile:

Bring am besten eine Bescheinigung von deinem Arbeitgeber mit,
dann hat das alles Hand und Fuß.

Hätte ich probleemlos beibringen können, wollten sie aber nicht haben (ich hatte vorher angefragt, ob ich sie mitbringen soll).

Zweitens der Tatsache, daß Joshua in einigen Bereichen
ziemlich weit ist. Sprachlich ist er ca. auf dem Level 5 - 6
Jahre.

Woher weißt du das? Kinderarzt?

Ja, Kinderarzt. Er spricht Nebensätze, z.B. mit korrektem Konjunktiv (soeben: „Wenn ich jetzt drinnen bliebe, dürfte ich dann in die Badewanne gehen?“)

Hm, ich sehe einen anderen wichtigen Aspekt:
Joshua ist anscheinend nur mit Erwachsenen zusammen und
braucht dringend den Kontakt zu anderen Kindern.
Erzähl Ihnen doch einfach, wie schwierig der Umgang für ihn
mit Gleichaltrigen ist und das du da unbedingt dagegenwirken
möchtest.

Ja, so war es auch gemeint.

Das er sprachlich auf dem Level eines 6jährigen ist, würde ich
so nicht erwähnen. Ich würde einfach sagen, dass du der
Meinung bist, dass er sehr weit ist und einfach mehr Förderung
benötigt.

Ich habe jetzt (das Gespräch war ja schon letzten Mittwoch) das „weit sein“ ganz weggelassen und eher auf das „anders sein“ abgezielt, was ganz gut funktioniert hat (siehe mein obiges Posting).

Entschuldigung, aber da bin ich ganz anderer Meinung!
Es gibt solche und solche Eltern, und ist nicht jedes Kind in
einem Bereich „weiter“ wie Gleichaltrige und hat dafür andere
Defizite?

Ja, natürlich ist das so, bei Joshua genau so (Er ist motorisch nicht besonders weit vorne). Allerdings habe ich auch oft die Erfahrung gemacht, daß nicht die Kinder, sondern die Eltern negativ reagieren, wenn sie hören, wie gut Joshua spricht. Das ist leider einfach Fakt. :frowning:

Aber nun noch eine ganz wichtige Frage: Der Träger von eurem
Kindergarten ist doch die Kirche, oder? Wieso entscheidet bei
euch der Elternbeirat?

Der Elternbeirat entscheidet nicht. Es entscheiden (bzw. entschieden) vier Personen: Eine Vertreterin des Elternbeirates, eine der Erzieher(innen), die KiGa-Leiterin und der Pastor der Gemeinde. Sie haben sich zu viert alle Notanträge angehört und gemeinsam entschieden, was ich mehr als fair finde.

Bei uns ist das z.B. so, dass der Elternbeirat Anhöre- und
evt. Mitspracherecht (aber nur in ganz bestimmten Situationen)
hat, ansonsten entscheiden natürlich Leitung und letzendlich
Träger, also Kirchenverwaltungsvorstand, also Pastor. :smile:
Bei einer Elterninitiative ist das natürlich anders, aber bei
einem konfessionellen Träger kann ich mir fast nicht
vorstellen, dass die Eltern entscheiden dürfen!

Siehe oben, sie haben Mitspracherecht.

Mach das doch einfach! Erzähl einfach so, wie du das siehst,
wie schwierig deine Situation ist, wie schwer sich Joshua mit
anderen Kindern tut, leg die Bescheinigung von deinem
Arbeitgeber vor und gut ist! :smile:

So habe ich es dann auch gemacht (Wobei ich das sprachlich weit etwas umformuliert habe in „formuliert altklug“, das klingt negativer. :wink:

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen!
Wenn du noch Fragen hast, nur her damit! :smile: Erzähl doch dann,
wie es gelaufen ist!

Jaaa, mache ich: Siehe oben - wir haben den Platz! *freu*

Cheers, Nike

So ging’s aus
Hallo Ihr Lieben Helfenden:

WIR HABEN DEN PLATZ!

Und so ging es zu:

Es ist für uns bestmöglich gelaufen, allerdings war ich zuerst trotzdem nicht sicher, ob es klappt.

Joshua habe ich mitgenommen, er war zuckersüß. Es war noch ein anderes Kind über Mittag da, ein Junge von ca. 6 (also das Alter, mit dem er schon weniger Probleme hat), und die beiden sind gleich abgedüst - für ihn eher ungewöhnlich. Als ich in die Besprechung mußte, wollte er zwar mit, ließ sich aber von der Erzieherin recht schnell überzeugen, draußen weiter zu spielen. Kein Theater, ich bin stolz auf den kleinen Keks.

Ich habe das Gespräch, glaube ich, ganz gut gemeistert, nichts vergessen und hatte einmal sogar sehr effektive Tränlein in den Augen (die waren sogar echt).

Es waren vier Leute da, KiGa-Leitung, Erzieherin, Pastor und eine Mutter vom Elternrat. Sie waren alle verständnisvoll und sagten, klarer hätte ich es nicht schildern können. Wie erwartet sprangen die Erzieherinnen mehr auf Argument 2 (Besonderheiten Kind) ein, da hatte ich sie merklich auf meiner Seite, wohingegen die Mutter das augenscheinlich weniger interessierte, die dafür mehr Einsicht für Argument 1 (muß arbeiten gehen) hatte.

Das große AAAABER:

Sie sagten gleich, sie hätten dieses Jahr so viel Notanträge wie noch nie zuvor gehabt, es würden etliche „hintenüber“ fallen, es täte ihnen ja selber leid, aber sie könnten ja nur versuchen, objektiv zu sein etc. pp. blabla … Es klang wie eine Vorabentschuldigung… :frowning:

Tja, und dann hat Joshua sich, glaube ich, den Platz selber noch erkämpft. Als ich ihn vom Spielplatz abholte, stand die Tür zum Besprechungszimmer noch offen. Er sagte zu mir: „Ich will den netten Frauen noch auf Wiedersehen sagen“, stiefelte also dort rein, baute sich auf und krähte:„Auf Wiedersehen, liebe Damen, es hat mir gefallen, bis morgen“. Es gab ein großes Gelächter. Sicher ist das kein Argument, das einen Notantrag unterstützen kann, aber ich glaube schon, daß es unterbewußt eine Rolle gespielt hat. :wink: Jedenfalls war’s süß. :smile:

Uuund nachmittags kam dann der Anruf mit positivem Bescheid. Mir ist sooo ein Stein vom Herzen gefallen… puh. :smile:

Vielen Dank für Ratschläge und Daumendrücken. :smile:

Cheers, Nike

frühe Einschulung
Hiho,

dann äußere ich mich auch noch mal selber dazu. :smile:

Erstens sind die meisten Kinder, wenn sie in einer Sache
besonders weit sind, auch in den meisten anderen Sachen
weiter.

Keine Ahnung, wie es damit steht. Daß Joshua sprachlich sehr weit ist, ist Fakt, in den anderen Bereichen sehe ich ihn eher beim Durchschnitt. Sprachlich z.B. formuliert er Sätze mit einem oder auch mehreren Nebensätzen, gebraucht korrekten Konjunktiv und korrekte Fälle etc.
Motorisch ist er Durchschnitt, schätze ich, geht Treppen noch nicht im Wechselschritt und hüpft noch nicht auf einem Bein, geht aber gut rückwärts und ist mit dem Laufrad flott - wie viele Dreijährige. Er malt noch Kreiskrickel und hält den Stift in der Faust, und Zahlen versteht er bisher nur im Zahlenraum bis fünf, zählen klappt bis 10. Also alles im normalen Rahmen, wir „üben“ auch nichts, weil ich das in dem Alter für Quatsch halte.

Seine Begabung ist (meines Erachtens) deutlich sprachlich und musisch, er reimt gerne, singt gerne und liebt Englisch, alles, was mit Sprache, Musik oder Rhythmus zu tun hat. Bei allem anderen ist er deutlich weniger begeistert.

Es ist richtig, dass eine Spezialbegabung (im Bereich
Hochbegabung) nicht sehr häufig ist, aber wir sprechen hier
davon, dass ein Dreijähriger keine Kindersprache mehr spricht.
Man darf nicht vergessen, dass Joshua anscheinend fast
ausschließlich Kontakt zu Erwachsenen hat. Meinst du nicht,
dass daher seine sprachliche Ausdrucksfähigkeit kommen kann?

Das kann m.E. durchaus sein. Ist mir allerdings auch nicht wirklich wichtig, woher es genau kommt. Wichtiger ist mir, was damit zu tun ist.

Also ich ziehe bei KEINEM Dreijährigen eine vorzeitige
Einschulung in Betracht, denn in drei Jahren kann viel
passieren.

Hier bin ich Deiner Meinung, darüber habe ich mir noch keinen einzigen Gedanken gemacht. Ich denke, wenn die Förderung im KiGa gut ist, muß nicht frühzeitig eingeschult werden. Solange ich nicht wirklich das Gefühl habe, daß sich das Kind im KiGa auf der ganzen Linie langweilt und deswegen unwohl fühlt, würde ich es auch eh nicht in Betracht ziehen.

Und Joshua hat anscheinend ein Defizit im sozialen Bereich…

Wie kommst du denn darauf? Weil er so wenige Kinder kennt?

Nike schreibt nicht, dass er wenige Kinder kennt, sondern dass
er mit gleichaltrigen Kindern nicht klar kommt und sehr
unsicher ist. Das würde ich einen Defizit im sozialen Bereich
nennen, was anscheinend auch der Kinderarzt bestätigt hat.

Nicht ganz richtig. Es ist tatsächlich so, daß er einfach vornehmlich Kontakt zu Erwachsenen hat. Der KiA hat zwar Deifizite im sozialen Bereich bescheinigt, aber nicht festgestellt. :wink:
Festgestellt hat er tatsächlich die sprachliche Begabung, war aber der Meinung, daß mich dieses Argument im Kindergarten nicht weiterbringt (siehe oben) und hat darum soziale Defizite „bescheinigt“. Es geht ja auch Hand in Hand. Bei Joshua ist es eher so, daß er mit mehr als 2 Kindern auf einmal einfach NIE zusammen ist (außer im Musikgarten und im Englischkurs, aber da bin ich dabei, es ist also kein freies Spiel). Er kennt diese Situation nicht und ist somit nicht in der Lage, adäquat damit umzugehen, z.B. wenn er auf dem Spielplatz 5, 6 Kinder an der Rutsche sieht.
In so einem Fall geht er dann hin und fragt das Kind in der Schlange:„Würdest Du mich auch einmal rutschen lassen?“ oder etwas ähnlich unpassendes. :wink: So würde man eben nur einen Erwachsenen ansprechen, kein gleichaltriges 3jähriges Kind…

Aber deshalb soll er ja so früh wie möglich in den
Kindergarten, um das aufzuholen. In zwei Jahren kann er die
fehlenden Erfahrungen gut aufholen.

Yep, so war’s gedacht. :smile:

Er soll natürlich in den Kindergarten, ob er vorzeitig
eingeschult wird oder nicht.
Aber eine vorzeitige Einschulung ist doch kein Argument
dafür.

Wie oben geschildert, brauchte ich dieses Argument nun auch gar nicht. Und was das betrifft, bin ich Deiner Meinung: Darüber mache ich mir Gedanken, wenn’s soweit ist.

Wieso soll ich einer Mutter den Wurm mit vorzeitiger
Einschulung ins Ohr setzen?

Keine Angst, Würmer ins Ohr könnt Ihr mir eh nicht setzen. :wink:

Bei dem KiGa Gespräch brauchte ich dieses Argument eh nicht - ich will ja JETZT einen KiGa Platz, nicht einen Schulplatz in zwei oder drei oder weißderKuckuckwieviel Jahren. :wink:

Und es hat ja nun auch geklappt. Ich freue mich total, vor allem für den kleinen Kerl. :smile:

Liebe Grüße,
Nike