Kindergartenauswahl/ Konzept vs. Nähe

Hallo zusammen,

langsam stze ich mich mit der Auswahl eines Kindergartens auseinander.

Zwei Einrichtungen kommen in Frage:

  1. Ein kirchlicher Kindergarten in ca. 600 m Entfernung. Ein absoluter Standard-Kindergarten, die Erzieherinnen wirken nett, der Personalschlüssel ist okay, die Anlage schön.

  2. Ein Waldorfkindergarten in der nächsten Stadt.

Ich kann mit der Steinerschen Weltanschauung zwar nicht allzuviel anfangen, finde aber die praktische Umsetzung in den Kindergärten super. Eine Waldorfschule käme nicht in Frage, ein Waldorfkindergarten entspräche dagegen genau dem, was ich mir für meine Tochter wünsche.

Die Entfernung zum Waldorfkindergarten ist praktisch kein Problem (8 km).

Meine Hauptbedenken sind, dass die Kinder, mit denen sie in die Schule kommen wird, den ersten Kindergarten besuchen. Reichen die Kontakte, die nebenher entstehen (Spielgruppen, Nachbarschaft etc.), um ihr die Einschulung ein bißchen zu erleichtern? Wird sie Probleme haben, hier im dörflichen Umfeld Kontakte zu finden, wenn sie nicht in den hiesigen Kindergarten geht? Oder mache ich mir viel zu viele Gedanken und sollte mich mal locker machen?

Wie sind Eure Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema?

Danke und Gruß
Ramona

Hallo Ramona,

wenn für dich eine Waldorfschule nicht in Frage kommt und auch sonst in Richtung Schulwahl nichts anderes deutet, würde ich den Kindergarten vorort nehmen, auf der Basis, dass du grundsätzlich keine größeren Einwände gegen ihn hast.

Für den Aspekt Soziales ist ein Kindergarten in der Nähe der Wohnung sehr wichtig. Bei einer Entfernung von 600 m ist später sogar daran zu denken, dass das Kind den Weg alleine / mit anderen Kindern zurück legen könnte. In jedem Fall sind aber spontane Verabredungen möglich. Wenn das Kind im Nachbarort ist, wird das schwieriger.

Ich spreche aus eigener Erfahrung: wir mussten damals einen Kindergarten weiter weg nehmen, weil es der einzige war mit Nachmittagsbetreuung. Die Entfernung war noch nicht mal riesig - und dennoch gab es eine Delle in Sachen Sozialkontakt. Abgesehen davon, dass die Wahrscheinlichkeit stark sinkt, dass sie mit bekannten Kindern zur Grundschule gehen kann.

Hat sie Kontakte in der Nachbarschaft, dann wirst du irgendwie immer zwei Gruppen haben. Und es besteht eben auch die Gefahr, dass sich die Nachbarskinder eher dahin orientieren, wo sich die Kinder auch im Kindergarten sehen. Klar lässt sich das auch steuern, aber es erfordert aktiven Einsatz und kann trotzdem „in die Hose“ gehen… Ich würde so etwas nur machen, wenn qualitativ deutliche Unterschiede bestehen.

LG Petra

Hallo Ramona,

Wie sind Eure Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema?

bei uns war die Situation ziemlich exakt die gleiche wie bei Dir.

Im Dorf ein Kidergarten der AWO, rund 8 km entfernt einer der Waldis.

Wir haben unsere Kinder in den Waldorfkindergarten gesteckt und es war eine sehr gute Entscheidung.
Waldorfschule kam nicht in Frage, weil in erreichbarer Nähe keine liegt. Nachdem wir die beiden Schulen, die am nächsten lagen in Augenschein genommen hatten, hatten wir aber auch inhaltliche Probleme.

Es läßt sich aber keine generelle Empfehlung geben, weil die meisten Waldorfeinrichtungen als Verein und Elternprojekt organisiert sind und es eine weite Bandbreite gibt.
‚Unser‘ WaldorfKiGa war ein ‚gemäßigter‘, wir haben aber auch einen erlebt, in dem Steiner wie ein Messias verehrt wurde und kein Jota von seiner Lehre abgewichen wurde; mit dem hätten wir wahrscheinlich ein Problem gehabt.

Für das Bewerbungsgespräch empfiehlt es sich, mit der Steinerschen Lehre einigermaßen vertraut zu sein und man sollte auch halbwegs mit den Aussagen einverstanden sein.

Was uns so gut gefallen hat, war der Umgang der Erzieherinnen mit den Kindern, das Umfeld und auch was gemacht wurde. Z.B. jeden Tag raus in den Garten, auch wenn es Bindfäden regnete.
Ein eigener Gemüsegarten, in dem die Sachen angebaut wurden, die täglich gegessen wurden. Das die Lebensmittel fast ausschließlich Demetersachen waren.

Es wird allerdings auch erwartet, daß ihr euch als Eltern sehr intensiv einbringt. Ich hab manches Wochenende im Gebäude und im Garten verbracht, weil irgendwas umgebaut oder angelegt wurde.

Aber ich würde es immer wieder machen - in diesem speziellen KiGa!

Gandalf

Hallo,

ich glaube Du machst Dir da zu viele Gedanken - Kinder die halbwegs normal sozialisiert sind finden schnell und gut Kontakt und wer sagt Dir, dass Dein Kind hinterher in die Schule am Ort gehen wird? Unser Kindergarten ist auch im Nachbarort Y und die Schule dann an Platz x, da hier das Betreuungsangebot entsprechend ist.

Ich kenne viele Kinder aus Pfarrersfamilien, welche alle 4-8 Jahre umgezogen sind und die haben alle gute Freunde und Kontakte. Ich selbst bin auch oft genug umgezogen und habe meine Freunde fürs Leben eigentlich erst in der letzten Schule gefunden. Den Kontakt zu zwei drei Mädchen aus der Grundschule habe ich wieder aufgenommen - mittlerweile wohnen eh alle in Deutschland und der Welt verteilt.

Viele Kontakte zu haben empfinde ich (wenn man nicht alle 3 Jahre umzieht und eine Basisumgebung hat) als breichernd, da sie einem auch die Möglichkeit bieten über den Tellerand Dorf hinaus zu schauen.

Ansonsten versuchen wir die Kontalte zu den Kindern im Dorf über eine Kindergruppe und ggf. über Sport herzustellen (wenn denn Krümel Fussball spielen möchte sehr viel mehr wird hier nicht angeboten). Krabbelgruppenvorschläge etc. wurden von den anderen Eltern hier im Dorf nicht angenommen, so dass man dann eh für alles fahren muss und wir und Kind es gewohnt sind fahren zu müssen.

…und ein Walldorfkindergarten ist so speziell, dass ich es nicht ausschließe, dass auch aus Eurer Nähe ein oder zwei Kinder dort untergebracht sind.

Lieben Gruß,
Alexandra

Hallo,

ich plädiere klar für den Kindergarten um die Ecke. Unkompliziert und einfach - das wirst du noch zu schätzen lernen. Auch wenn es z.B. darum geht, dass sich die Kinder gegenseitig besuchen, Kindergebutstage und ähnliches. Das ist schlicht einfacher und leichter zu handeln. Dabei denke ich gar nicht an später, sondern an eben jetzt - und den Stress den du dir sparst (abholen, zu Freunden bringen etcpp.). Und wenn der Kindergarten bei dir um die Ecke eine schöne Anlage hat und die vor allem Erzieherinnen nett sind?

Beste Grüße,

Barbara

Hallo!

  1. Ein kirchlicher Kindergarten in ca. 600 m Entfernung. Ein
    absoluter Standard-Kindergarten, die Erzieherinnen wirken…

Hört sich nicht schlecht an. Man könnte zu Fuß dorthin gehen. Wie stark ist das kirchliche ausgeprägt, wie steht ihr dazu?
Standard muss nicht schlecht sein.

  1. Ein Waldorfkindergarten in der nächsten Stadt.

Du schreibst sonst nichts über den Kindergarten. Wie in einem anderen Posting schon gesagt, ist Waldorfkiga nicht gleich Waldorfkiga.

Ich kann mit der Steinerschen Weltanschauung zwar nicht
allzuviel anfangen, finde aber die praktische Umsetzung in den
Kindergärten super.

Hört sich für mich ein wenig zweifelhaft an. Je nach Einstellung der Einrichtung kannst du aber durchaus richtig liegen.

Die Entfernung zum Waldorfkindergarten ist praktisch kein
Problem (8 km).

*räusper* Ein Problem ist das sicher nicht. Aber hast du mal gerechnet: 8km mal 5, sind 40km einfach in der Woche. Wenn Du extra dorthin fahren musst zum Bringen und Abholen, sind das 160km in nur einer Woche, im Monat 640km, im Jahr über 6000km Fahrt. Für mich wäre das indiskutabel, wegen meines Umweltgewissens und auch finanziell. Außerdem kostet die Fahrerei auch Zeit.

Es gibt inzwischen auch Untersuchungen, die zeigen, dass sich Kinder heutzutage weniger gut orientieren können, weil sie von A (zu Hause) nach B (KiGa) nach C (Fraunde aus dem dortigen Ort) immer nur mit dem Auto gefahren werden, Entfernungen nicht mehr erleben etc. Nur am Rande zum Bedenken. Hatte nicht das Waldorf-Konzept so eine umwelt-bewahrende Komponente ? :wink:

Meine Hauptbedenken sind, dass die Kinder, mit denen sie in
die Schule kommen wird, den ersten Kindergarten besuchen.
Reichen die Kontakte, die nebenher entstehen (Spielgruppen,
Nachbarschaft etc.), um ihr die Einschulung ein bißchen zu
erleichtern? Wird sie Probleme haben, hier im dörflichen
Umfeld Kontakte zu finden, wenn sie nicht in den hiesigen
Kindergarten geht? Oder mache ich mir viel zu viele Gedanken
und sollte mich mal locker machen?

Die Gedanken finde ich berechtigt, Sorgen würde ich mir da weniger machen, das läuft so oder so. Du sitzt halt mehr im Auto wenn Du die entferntere Variante nimmst. Wo wird denn die Grundschule später sein?

Wie sind Eure Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema?

Vielleicht gibt es wenigstens die Möglichkeit einer Fahrgemeinschaft zu dem entfernteren KiGa?

Ansonsten empfehle ich auf jeden Fall den näheren, wenn nichts gegen ihn spricht. Auch in einem Standard-Kindergarten kann man sich engagieren und schöne Sachen auf die Beine stellen (Falls es die dort nicht schon gibt).

Das Konzept und das Organisatorische ist ja das, was die Eltern vor allem interessiert. Für das Kind besonders wichtig ist meiner Erfahrung nach vor allem die Person des Erziehers/der Erzieherin.

Grüße
kernig

Danke!
Hallo zusammen,

vielen Dank für Eure Beiträge - war ja jede Meinung vertreten…

Ich werde mir nochmal intensiv Gedanken machen und mir beide Einrichtungen nochmal (auch mit dem Vater) anschauen.

kernig: Lustig, dass Du von Autotransport ausgehst, an den allermeisten Tagen wüden wir Rad fahren, mindestens eine Strecke (die andere lässt sich mit anderen Fahrten verbinden und ist keine Extrafahrt).

Vielen Dank also und Gruß
Ramona

uups
Hallo!

Ich denk wohl immer nur das Schlechteste von den Menschen :smile: Hier ringsrum würde niemand überhaupt irgendeine Strecke mit dem Rad fahren, außer ein paar Exoten und Spinner (ich gehöre zu letzteren).

Hut ab!

Grüße
kernig