Kinderkrippe - Erfahrungen

hallo,

ich habe keine kinder und meine freundinnen, die welche haben, sind zur zeit vollzeit-mütter.

neulich hatten wir eine diskussion zum thema kinderkrippen für babys (>3 monate) und haben uns gewundert, wie der alltag dort für die kleinen organisiert ist. irgendwie stelle ich mir das schwierig vor, wenn eine betreuerin 10 babies wickeln und füttern soll, wo doch jedes kind seinen eigenen biorythmus hat. spielt man dort auch mit den kindern oder geht es wirklich nur um lebensnotwendige grundbedürfnisse, die gestillt werden?

da leider niemand von uns erfahrung hat, wäre es nett, wenn diejenigen mit erfahrung hier berichten könnten.

danke und grüße
anita

Hallo,

neulich hatten wir eine diskussion zum thema kinderkrippen für
babys (>3 monate) und haben uns gewundert, wie der alltag
dort für die kleinen organisiert ist. irgendwie stelle ich mir
das schwierig vor, wenn eine betreuerin 10 babies wickeln und
füttern soll, wo doch jedes kind seinen eigenen biorythmus
hat. spielt man dort auch mit den kindern oder geht es
wirklich nur um lebensnotwendige grundbedürfnisse, die
gestillt werden?

früher war mal der Personalschlüssel 5 Unter-Drei-Jährige - 1 Erzieherin. Das geht schon, denke ich.
Natürlich werden „lebensnotwendige Grundbedürfnisse“ gestillt, dazu gehört aber auch die Beschäftigung, es wird (vor)gesungen, (vor)gelesen, es gibt Spielzeug, es wird spazierengegangen…Es ist aber ziemlich selten, glaube ich, dass Kinder unter einem Jahr in eine Krippe gehen, die Größeren können sich dann schon allein „füttern“ und gehen aufs Töpfchen…

Beatrix

Es gibt einen gesetzlich vorgeschriebenen Personalschlüssel für die Betreuung. 5 Kinder sind das Max zur gleichen Zeit für einen Betreuer in dem Alter. Meistens sind die Kinder unterschiedlich alt - nur Wickelkinder ist genauso Kampf wie nur Zweijährige.

Es gibt in der Regel mind. zwei oder mehr Betreuer, damit auch in schwierigen Situationen die anderen Kinder noch „bewacht“ sind.

Normaler Weise gibt es in diesen Krippen ein „Programm“ was aber relativ locker im zeitlichen Ablauf ist, da Kinder in dem Alter eben ihr eigenes Programm machen und Du nicht genau bestimmen kannst, wer wie lange schläft etc…Es wird für die Älteren ein Rahmen in Bezug auf Essenszeiten gegeben - die Minis werden frei nach Bedürfnis versorgt und natürlich hat man auch mal die Zeit mit denen zu spielen und zu kuscheln. Es werden in den Einrichtungen die ich kenne Anreize und Spiele angeboten - eben dem Alter entsprechend. Oft „kümmern“ sich auch die Größeren um die Kleineren bzw. die Kleineren versuchen die Größeren nachzumachen und beobachten viel. Es läuft in vielen Fällen ähnlich wie in einer Familie ab, in der sich mehrer Kinder befinden - man bastelt mit den Größeren oder baut etwas und die Minis versuchen mitzumischen so gut sie können und erhaschen dann eben auch mal nen Schnipsel oder nen Lego.

…und befrei Dich von dem Gedanken, dass die so genannten Vollzeitmuttis den ganzen Tag mit ihren Babys spielen und denen jeden Wunsch von den Augen ablesen…auch diese Frauen machen ihren Haushalt, Garten, Einkauf etc. und da ist das Kind nicht ewig Mittelpunkt des Geschehens und wird 24 Stunden am Stück bespielt und gekuschelt und beschäftigt. Erst recht nicht, wenn noch ein Geschwisterkind da ist. …und so lieb die kleinen auch sind - Babys können anstrengend sein, da sie eben nicht in den Tagesablauf rein passen, nicht jeden Tag gleich gut drauf sind oder man eben auch mal Dinge erledigen möchte wo man nicht weiß wo man das Kind hin stecken soll was ja noch nicht mal laufen, sitzen kann z.B. Aufräumen des Kellers etc. mit nem ganz kleinen Baby.

…hast Du mal Mütter mit kleinen Kindern beim Einkaufen beobachtet so abends um 17:00 Uhr…Du erkennst sofort welche Mütter arbeiten gehen und welche die Kinder den ganzen Tag um sich haben… für das erstere Paar ist einkaufen in der Regel ein Event - da werden Produkte erklärt, Packungen gelesen, Gemüse gerochen…

hallo,

mal eben von unten hochkopiert, weil ich nicht weiß, ob du weitverzweigte artikelbäume liest:

in den kinderkrippen, die ich kenne, bestehen die gruppen abhängig von der raumgröße aus maximal 12 kindern. im kindergarten sind es meist 25. auf die 10 kinder in der gruppe, die meine tochter vom ersten bis zum vierten lebensjahr besucht hat, kamen eine feste erzieherin, eine feste kinderpflegerin und eine (jährlich wechselnde) praktikantin. außerdem gab es im haus für 7 gruppen zwei springerkräfte für krankheitsfälle und zur differenzierung für die älteren, mit denen regelmäßig anderes gemacht wurde (ausflüge…). es handelte sich um eine städtische kinderkrippe in münchen. meine tochter liebte sie. und sie wurde geliebt. ich hatte als studentin einen ganztagesplatz für meine tochter, hatte aber nicht vor, sie ganztags dort zu lassen. wenn ich um halb drei ankam, um sie zu holen, verkündete sie mir mit eineinhalb jahren, sie müsse noch spielen, sie sei noch nciht fertig. und das hielt sich dann so. oft saß ich stundenlang auf der bank im garten, unterhielt mich mit erzieherinnen oder anderen müttern , denen es ähnlich ging und konnte mich so täglich davon überzeugen, dass mein kind in dieser einrichtung glücklich war. meine tochter hat noch immer freunde aus dieser zeit…

noch heute besuchen wir die krippe - meine tochter ist inzwischen zehn.

ich weiß sehr wohl, dass es auch ganz anders laufen kann, dass es lieblosere einrichtungen gibt, dass es unglücklichere konstellationen gibt. aber es ist einfach falsch und ärgerlich, wenn ständig behauptet wird, kleinkindbetreuung außer haus kann nicht mehr als verwahrung sein. das stimmt so einfach nicht!!!

meine tochter hat in der krippe vieles gelernt, was ich ihr alleine nicht so leicht hätte vermitteln können. krippenkinder sind oft selbständiger, sie orientieren sich an den großen, wollen auch schnell groß werden, werden problemloser trocken, essen sauberer - und sind offener. und dies nicht, weil sie dazu geprügelt würden, sondern weil die motivation durch das vorbild der älteren kinder enorm ist. außerdem lernen sie, sich als teil einer gruppe zu sehen - zuhause sind die meisten heute ja ohnehin die umtüttelten einzelprinzen/prinzessinnen…

anfügen möchte ich noch, dass in den krippen, die ich kenne, abgesehen von den ritualen im tagesablauf, die strukturgebend und orientierungsvermittelnd sind, sehr viel mit den kindern gemacht wird. kein künstlich umfangreiches programm… oft sind es kleinigkeiten und selbstverstänldichkeiten wie plätzchen backen, mit selbstgemachter knete basteln, töpfern, gemüse pflanzen…, die aber in vielen familien mangels möglichkeit oder einsatzbereitschaft zu kurz kommen. manche kinder haben in der krippe mehr ‚gelernt‘ als zu hause…

viele grüße
tabaiba

…so weit ich mich an meine Krippenzeit erinnern kann - entspricht das deinen Erfahrungen - ich bin als Kind gerne dort geblieben und hatte jede Menge Spaß… meine Eltern wollten mich als 1,5 Jährige auch nur Vormittags hin bringen, haben dann aber schnell auf Ganztags verlängert, weil sie es nicht besonders produktiv fanden jeden Mittag ein heulendes Kind nach Hause zu zerren ;o)

Wichtig finde ich für unseren Nachwuchs, dass es eine feste Bezugsperson gibt - also so was wie ein Gruppenprinzip - dass de Gruppen auch mal miteinander was unternehmen und im Hof zusammen spielen ist klar, aber genau zu wissen an wen man sich zu wenden hat war mir als Kind wichtig.

hallo,

…so weit ich mich an meine Krippenzeit erinnern kann -
entspricht das deinen Erfahrungen - ich bin als Kind gerne
dort geblieben und hatte jede Menge Spaß… meine Eltern
wollten mich als 1,5 Jährige auch nur Vormittags hin bringen,
haben dann aber schnell auf Ganztags verlängert, weil sie es
nicht besonders produktiv fanden jeden Mittag ein heulendes
Kind nach Hause zu zerren ;o)

derer gibt es viele :wink:

Wichtig finde ich für unseren Nachwuchs, dass es eine feste
Bezugsperson gibt - also so was wie ein Gruppenprinzip - dass
de Gruppen auch mal miteinander was unternehmen und im Hof
zusammen spielen ist klar, aber genau zu wissen an wen man
sich zu wenden hat war mir als Kind wichtig.

das ist auch sicherlich in den meisten krippen so geregelt. bei uns gab es schon als feste institution zwei mal die woche vormittags offene gruppen, aber die kinder wussten immer, in welcher gruppe und bei welchen erziehern sie ‚zuhause‘ sind…

schön, dass es auch von früher schöne krippenerfahrungen gibt. damals hatten die krippen ja wirklich den ruf der reinen aufbewahrungsanstalt…

viele grüße
tabaiba

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Es gibt einen gesetzlich vorgeschriebenen Personalschlüssel
für die Betreuung. 5 Kinder sind das Max zur gleichen Zeit für
einen Betreuer in dem Alter.

Bist du sicher? Wo steht denn das? Oder ist das nur in einer bestimmten Stadt oder einem bestimmten Bundesland?

Schlag mich… irgendwo im Jugendschutz??? Bin da aber sehr sicher, weil wir da damals auch im Bereich Pfadfinderarbeit mit zu tun hatten und es Unterschiede gab zwischen Betreuer pro Kind für verschiedene Altersgruppen und verschiedene Aktivitäten. Zusätzlich haben die Kommunen und Länder noch einmal eigene Schlüssel für ihre Tageseinrichtungen und Tagesmütter festgelegt…so einfach macht man keinen Kindergarten auf. Bin gerade etwas landunter, wenn mir nachher das richtige Buch in die Hände fällt, geb ich Dir noch den Gesetzestext.

vielen dank, dass ihr eure erfahrungen mit mir geteilt habt.