Kinderkrippe ja oder nein?

Hallo Bärle,

ich habe die anderen Beiträge nicht gelesen, möchte Dir aber mal meine Erfahrungen dazu berichten.

Ich habe, obwohl ohne Job, meinen Sohn mit 1 1/2 Jahren aus verschiedenen Gründen halbtags in eine Krippe gegeben. Die Reaktionen reichten von: „War ja auch höchste Zeit“ bis „Ist das nicht viel zu früh?“. (Übrigens klar getrennt nach Ossi- und Wessi- Herkunft, das nur am Rande)

Hier sieht man auch das grundsätzliche Problem dabei: Ihr trefft doch die Entscheidung für Euch und für Euer Kind, nicht für die anderen, die sich Ihren Teil dazu denken dürfen - und leider auch ungefragt äußern. Auch die Pro- und Contra-listen halte ich für wenig hilfreich dabei. Da taucht ja bestimmt auch einiges auf, dass von außen an Euch herangetragen wurde. Es sind also z. T. nicht Eure eigenen Argumente. Ich habe selbst erlebt, wie das Umfeld Eltern terrorisieren kann, das ist ja auch nicht schwer. Als Eltern kann man quasi gar nichts richtig machen. Wehrt Euch ganz bewußt gegen Einflußnahme von außen.

Im nachhinein war die Entscheidung für uns richtig. Mein Sohn war viel mit anderen Kindern zusammen, hat gelernt sich in eine Gruppe einzufügen. Außerdem war die Krippe einfach eine „Gute“, das Angebot an Beschäftigungsmöglichkeiten war phänomenal gut, die Betreuung liebevoll. Mit kaum 2 Jahren durfte er mit Farbe und Pinsel und Leim hantieren, zuhause hätte ich ihn das sicher nicht so häufig gelassen. Ich war entspannter und habe mich mittags auf mein Kind gefreut, Hausarbeiten in Ruhe erledigt. Alle haben profitiert, er ist jetzt fast 7 und ich kann keine „Schäden“ durch die Krippenbetreuung feststellen. Ganz im Gegenteil: Er ist sozial sehr gut integriert, Kindergartenwechsel durch Umzüge und die Einschulung hat er sehr gut überstanden.

Mein Rat: Schaut Euch die Krippe genau an. Hierbei zählt nur am Rande das groß auf dem Schild stehende pädogische Konzept, sondern die Menschen, die dort arbeiten. Wie ist das Klima in der Krippe, welchen Eindruck habt Ihr von der Erzieherin? Ist die Betreuung so organisiert, dass Ihr damit klar kommt? Trefft Eure eigene Entscheidung.

Und: Laßt Euch von anfänglichen Abschiedszenen nicht aus dem Konzept bringen, das gehört dazu. Je überzeugter Ihr Euch verabschiedet, umso besser wird auch das Kind mitmachen. Hört sich hartherziger an, als es gemeint ist.

Wenn sich nach einigen Wochen herausstellt, dass es gar nicht klappt in der Krippe, könnt Ihr Euer Kind ja wieder herausnehmen. Ihr und Euer Kind müßt Euch mit der gewählten Lösung wohlfühlen, sonst eigentlich niemand.

Viel Erfolg damit
kernig

Hallo,

also ehrlich gesagt, mir würde sich da keine Frage stellen, was ich tun sollte.

Ich würde die Eltern und Großeltern nehmen. Für ein 1jähriges Kind finde ich das ideal. 3 Tage Oma/Opa-Tag und den Rest machst Du selber. So hat das Kind auch Zeit eine intensive Bindung zu den Großeltern zu finden. Wie oft würden sie ihn den sonst sehen?
Und die 400 Euros pro Monat gespart ist doch auch eine super-Sache. Immerhin 4.800 p.a. Das ist ein schöner Urlaub, Sparen fürs Kind, Anschaffungen oder was auch immer.

Wenn das Kind dann später in einen Kindergarten geht, wird es auch ausreichend Kontakt zu anderen Kindern haben.

Und die Kinderbetreuung wird sicherlich auch den Großeltern gut tun.
Sie werden sich ja kaum mit dem Kind zu Hause verschanzen sondern spazieren gehen, auf Spielplätze etc. . So wäre auch der soziale Kontakt sichergestellt, außerdem haben die Großeltern dann auch soziale Kontakte.

Meiner persönlichen Meinung nach ist das sicherlich eine gute Lösung. Als 1jähriges Kind muss man noch keine Konfliktlösung lernen, die man ohne Krippe gar nicht hätte :smile:
4 Großmütter, -väter kümmern sich sicherlich liebevoller um Dein Kind, als eine fremde Erzieherin. Das kommt alles noch früh genug.

Ich möchte Krippen nicht schlecht machen, aber Familienmitglieder sind, gerade in diesem Alter, sicher die bessere und individuellere Wahl. Außerdem können auch „Gänge“ wie Kinderarzt u.ä. erledigt werden, was eine Krippe ja normalerweise auch nicht macht und Du hast die restliche Zeit wirklich ganz für Dein Kind, was sicherlich auch gut für Dich ist.

LG

Sarah

Danke für die Antworten
Erst mal vielen Dank, dass so viele geantwortet haben.

Habe mir lange überlegt, auf alle zu antworten oder das mal kompakt zusammen zu fassen, da sich ja einiges wiederholt.

Erst mal zu der Krippe. In meiner Stadt gibt es zwei Krippen, beides sind städtische Kinderhäuser. Bei beiden muss ich das Kind fünf Tage in die Krippe bringen.
Begründung, es soll eine Gruppe werden und somit eine gewisse Regelmäßigkeit herrschen, einzige Trennung der Gruppen sind halbtags und ganztags.
Macht vielleicht auch Sinn.

Bisher habe ich von beiden Krippen viel gutes gehört, allerdings haben die Mütter (die ich kenne) die Kinder erst rein als die Kids älter waren, ab 20 Monate aufwärts.

Zu den Großeltern.
Bei meinen Eltern würde er die meiste Zeit verbingen, die wohnen halt nur zwei Straßen weiter. Es gibt hervorragende Ernährung (teils alles aus dem eigenen Garten), sehr abwechslungsreich und meine Mutter kocht auch fettarm und supergesund (im Gegensatz zu mir). Hier gab es nie Diskussionen, warum unser Kleiner so lange gestillt wird (wegen den Allergien) und bei der ersten Beikost gab es nur Zustimmung. Muss hier auch keine Angst haben, dass er überfüttert wird oder mit Süßigkeiten zugemüllt. Was bei meinen Schwiegereltern schon etwas schwieriger ist. Die würden ihm am liebsten vom Tisch füttern und zwischendurch immer wieder ein Stückchen Schoki geben.
Dafür hat mir meine Mutter auch vorgeworfen, da ernährst Du ihn allergenarm und dann kriegt er in der Krippe „Einheitsfutter“.

Was die Grundtendenzen der Erziehung angeht, bin ich mit meinen Eltern ziemlich einig (bis jetzt).

Sie haben (beide Großeltern) auch nix gegen einen Kindergarten, aber halt erst wenn er älter ist.

Zur momentanen Belastbarkeit.
Meine Schwiegereltern haben noch zwei Enkel. Die sind öfter eine oder zwei Wochen da (wohnen 250km weg). Allerdings sind diese zwei absolut anstrengend, wenn ich etwas unhöflich sein darf „Psychopaten“.
Und damit kommen sie auch zurecht (allerdings ein absehbarer Zeitraum).
Bei meinen Eltern ist es der erste und einzige Enkel. Sie sind überglücklich und megastolz. Meine Mutter ist ein Workaholik, da ist an dem einen Tag die Frühschicht ein Klacks. Allerdings warte ich auf den großen Schlag, an dem die Abrechnung für den körperlichen Raubbau kommt. Aber ohne den Schlag, wird sich da nix dran ändern.

Stand heute glaube ich nicht, dass für die Betreuung mal eine „Abrechnung“ kommt (Auslagen für Eis etc.)
Auch eine Abrechnung im immateriellen Sinne kann ich mir schlecht vorstellen. Die einen haben fast nie was vor und die anderen sagen schon, wenn es nicht paßt, weil sie fort wollen.

Ebenso genießen beide Großeltern es sichtlich wenn er mal bei ihnen übernachten darf und man den Enkel herumzeigen kann.

Dann zu der Frage Kompromiss, einen halben Tag in die Krippe und an den drei Tagen holen ihn die Großeltern ab.
Damit habe ich auch schon geliebäugelt, wäre mir auch sehr recht.
Aber da weigern sich beide Großeltern, die sind so gegen die Krippe, dass sie ihn da auch nicht abholen möchten.

Um Argumente gegen die Krippe zu finden sind beide Eltern sehr agil.
Es wurde schon Pläne geschmiedet und mit den zuständigen Personen gesprochen, wie es den mit der Krabbelgruppe und dem Babyschwimmen weitergehen soll (in beiden ist unser Kleiner noch). Das Babyschwimmen würde die Leiterin sogar auf Freitag verlegen, damit wir weiterhin zum schwimmen gehen können.

So sehr ich mich über die Zusage für den Krippenplatz gefreut habe. Die letzten Tage und Wochen waren echt sehr anstrengend (was die Großelterngespräche betrifft). Langsam zweifle ich meine Entscheidung über den Krippenplatz immer mehr an, was keine gute Voraussetzung ist.

Nächsten Dienstag ist Schnuppertag in der Krippe. Mal sehen, vielleicht erleichtert mir der Tag die Entscheidung, egal in welche Richtung.

Danke nochmal für Eure Ansichten

Eine schöne Adventszeit.

Gruß
Bärle

Hallo

Aber da weigern sich beide Großeltern, die sind so gegen die
Krippe, dass sie ihn da auch nicht abholen möchten.

Das ist ja schade! Gibt es irgendeinen vernünftigen Grund dafür?

Aber angenommen, sie hätten nur die Wahl zwischen *Kinderkrippe ganztags und gar keine Enkelbetreuung* oder *Kinderkrippe halbtags und den Enkel dort abholen*? Würden sie wirklich für Kinderkrippe ganztags entscheiden (wäre ja dann ihre Entscheidung, was anderes bliebe dir dann ja nicht übrig), wo sie doch so gegen die Kinderkrippe sind?

Hat es denn sonst keinen besonderen Grund, dass sie die Halbtags-Kinderkrippe nicht wollen? Es hört sich für mich schon ein wenig so an, als wäre hier eine Machtposition in Fragen Enkelerziehung angestrebt. Ich weiß nicht, ob man sich darauf einlassen sollte.

Ansonsten scheint es ja so zu sein, dass du die Qual der Wahl zwischen mehreren guten Betreuungsmöglichkeiten. Selbst wenn sich das vielleicht viele wünschen würden, ist das auch nicht beneidenswert!

Viele Grüße
Simsy

PS: Erfährt man hier irgendwann deine Entscheidung?

Erst mal vielen Dank, dass so viele geantwortet haben.

Habe mir lange überlegt, auf alle zu antworten oder das mal

Hallo Bärle,

also, ich kenne auch Kinder, die mit einem Jahr in die Krippe kamen (Mutterschaftsurlaub in den 80-ern war nicht länger). Diese Kinder sind genaus aufgeweckt wie andere, die zuhause oder von Großeltern betreut werden.

Was die Grundtendenzen der Erziehung angeht, bin ich mit
meinen Eltern ziemlich einig (bis jetzt).

bis auf die Frage: Krippe oder nicht!

Ebenso genießen beide Großeltern es sichtlich wenn er mal bei
ihnen übernachten darf und man den Enkel herumzeigen kann.

Das ist aber was anderes als jeden Tag Verantwortung zu übernehmen.

Dann zu der Frage Kompromiss, einen halben Tag in die Krippe
und an den drei Tagen holen ihn die Großeltern ab.
Damit habe ich auch schon geliebäugelt, wäre mir auch sehr
recht.
Aber da weigern sich beide Großeltern, die sind so gegen die
Krippe, dass sie ihn da auch nicht abholen möchten.

Und hier hast Du schon den ersten Konfliktfall. Ich würde mich daher nicht drauf einlassen, das Kind bei den Großeltern zu lassen. Und wenn diese sich beklagen, kannst Du ja darauf verweisen, dass sie den halben Tag ja nicht wollten.

Gruß, Karin

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Hallo,

also meine Tochter (jetzt knapp drei) kam mit 6 Monaten in die Krippe, mit 9 dann ganztags. Es hat ihr sehr gut getan, inzwischen ist sie im Kindergarten (also in der großen Gruppe) und hat schon richtige Freunde. Sie ist sehr aufgeweckt und zu Hause hätte ich sie bestimmt nicht so gut betreut bekommen.
Anfangs hat sie beim Abgeben geweint, das ist ganz normal, allerdings auch beim Abholen, insbesondere nach einem halben Tag.

Ich kenne beide Seiten, bin im Westen aufgewachsen, inzwischen im Osten wohnhaft. Wenn Krippe schaden würde müsste man das ja eigentlich an einem Ost-West Vergeleich sehen. Mein subjektiver Eindruck ist allerdings eher, dass das Verhältnis meiner Westdeutschen Bekannten trotz anfänglicher Betreuung zu Hause zu ihren Eltern im Durchschnitt gespannter zu sein scheint als das der ostdeutschen, heute ca. 30 jährigen ehemaligen Krippenkinder.

Allerdings, wenn es um Krankheit geht, ist eher die Großeletrnvariante vorzuziehen. Alle Großeltern werden kaum krank werden, aber ein Krippenkind ist am Anfang ständig krank. Du bekommst dann zwar eine Krankschreibung, aber deine Krankheitstage für das Kind werden bei weitem nicht reichen. Das ist zwar gut für das Immunsystem und erspart dir diese Phase, wenn das Kind später in den Kindergarten kommt, ist allerdings bei Arbeitgebern sehr unbeliebt. Die wenigsten haben auch Verständniss dafür, dass gerade ein krankes Kind nur schlecht von jemandem betreuut werden kann, der nicht seine tägliche Bezugsperson ist.

Auf jeden Fall eine schwierige Entscheidung!

Viele Grüße

Bianca

Hallo Bärle,

Wie sind Eure Erfahrungen mit Krippen?

noch eine Erfahrung als Tagesmutter dürfte wichtig sein:

Einige hier haben jetzt geschrieben, dass die Kinder beim Abgeben und teilweise beim Abholen geweint haben. Dies ist NICHT von der Betreuungsform Krippe oder andere Bezugsperson abhängig.

Mein Neffe, der älteste Sohn meiner Schwester mit den drei Kindern, war bei mir ab 6 Monaten (Ende Mutterschaftsurlaub 1980) in Tagespflege. Er hat mindestens 4 Wochen lang regelmäßig ein Heulkonzert abgegeben, bis die Haustür hinter meiner Schwester zufiel, und setzte wieder ein, sobald er seine Mutter irgendwie geartet wieder wahrnahm. Dazwischen war er so vergnügt oder missvergnügt, wie Babys in diesem Alter halt so sind.

Ich habe das dann so interpretiert, dass er in diesem Alter eben keine andere Art hat, seiner Mutter zu erzählen, wie sehr er sie doch vermisst, wenn sie weggeht. Aber es hatte nichts mit KRIPPENbetreuung zu tun, das kann auch bei Deinen Eltern/Schwiegereltern passieren, wie es auch bei mir als Tante passiert ist.

Gruß, Karin