Ergänzung 
Hallo an alle,
was mir ganz wichtig ist: Ich möchte auf gar keinen Fall einen ganzen Berufsstand verunglimpfen, falls das so angekommen ist, entschuldige ich mich hiermit.
Es ist auch klar, dass niemals ALLE Vertreter einer Berufsgruppe genau gleich „ticken“. Ich fand nur Klaras Posting so, dass es einige Vorurteile oder eben auch Erfahrungen auf’s schönste bestätigte. Dazu später.
Und nein, ich finde nicht, dass zwingend alle Pädagogen Kinder haben müssen. Aber wenigstens „ersatzweise“ sehr intensiven Kontakt zu Kindern - da sind wir uns ja einig. Wenn dann die kinderlosen Pädagogen verinnerlichen, dass manches aus Elternsicht etwas anders aussieht, ist schon viel gewonnen.
Ich kenne mehrere Lehrerinnen und Erzieherinnen, die mir selbst erzählt haben, dass sie manche Aussage gegenüber Eltern aus ihrer kinderlosen Zeit so nicht wieder machen würden.
Der Informatiker, der als Berufsanfänger Mist baut, macht einfach weniger kaputt als jeder Berufsstand, der direkten Menschenkontakt hat.
Die Gefahr besteht natürlich, dass eigene Erfahrungen zu sehr als allgemein angenommen werden, wie schon Vanessa schreibt: Beim Lehrerkind funktioniert Massnahme XY vielleicht ganz toll, bei meinem nicht. Ich habe übrigens Glück, der Sohn der Lehrerin meiner Ältesten ist inzwischen ebenfalls Schulkind, das fließt häufig in Gespräche mit ein 
Und ich habe auch Glück mit der Lehrerin meiner zweiten Tochter: Sie ist ganz jung, kinderlos, sehr engagiert, hält sich unbeirrbar an ihren eigenen Stil. Zufällig passt dieser hervorragend zum Charakter meiner Tochter *g*. Eine andere Mutter (die im übrigen Lehrerin an einer anderen Schule ist *g*) streitet ständig über zu viele Hausaufgaben, zu viele „gelbe Karten“ für ihren Sohn, usw. Sie als erfahrene Pädagogin findet die junge Pädagogin unmöglich
.
Trotzdem finde ich es angenehm, wenn Lehrer eigene Kinder haben oder wirklich intensive Kindererfahrung. Man unterhält sich nicht nur auf der Ebene Eltern - Lehrer, sondern hat auch gewisse gemeinsame Erfahrungen, und sei es nur das Wechseln von Stinkewindeln *Ironiealarm*.
Ich finde auch, dass ein Arzt, der selbst mal Patient in einer Klinik war, einen anderen Zugang zu seinen Patienten hat.
Meine langjährige Friseurin ist ähnlich gestrickt wie ich, sprich, sie experimentiert gerne mit ihren Haaren. Die Kollegin, die ich schon ersatzweise aufgesucht habe, ist der Typ „lange Haare sind das Tollste“, und sie bekommt einfach keinen so richtig pfiffigen Kurzhaarschnitt hin, weint um jeden Millimeter Kundenhaar *ggg*.
Und dass ein Bänker privat einmal auch durch finanziell enge Zeiten gehen müßte, um seine Kunden freundlicher zu behandeln, fände ich auch wünschenswert - als EX-Bänker darf ich das so sagen 
Vanessa, ich finde es interessant, dass Du Dich (oder Ihr Pädagogen Euch ?) belächelt fühlst. Wer mit offenen Augen in einen Schulhof geht, dem müßte klar sein, dass Lehrer ein sauschwerer Beruf ist. Auch alles, was an Pädagogik drumherum stattfindet, Schulsozialarbeit usw., ist wichtige und harte Arbeit.
Auf der anderen Seite fand ich Klaras Posting „typisch“, und zwar aus folgendem Grund:
Sie hat ihre Theorien gelernt. Das ist wichtiges Handwerkszeug, keine Frage. Aber sie hat (noch) nicht die Distanz und/oder die Erfahrung, dass die Praxis oft anders aussieht. Sie schreibt als Fachfrau über Laieneltern, ich finde ihren Tonfall recht verräterisch. Dagmar, ich habe auch schwer gelacht, wir beide als Mäuschen im Kaufhaus, einen hilflosen Prof beobachtend *gggggg*…
Ich hatte leider mit einer Lehrerin zu tun, die auch sehr „belesen“ war *Ironiealarm*. Nun sind meine Kinder etwas anders, da kann ich nichts dafür. Ich weiß aber genau, dass ich sie nicht so „gemacht“ habe. Die gute Lehrerin aber wußte aufgrund ihrer Ausbildung, dass DAS einfach nicht sein KANN. Sie WUSSTE, dass meine Tochter nie an die frische Luft kommt - tatsächlich ist sie ein ziemliches Wald-und-Wiesen-Kind. Sie WUSSTE, dass sie sich nie bewegt. Auch hier schlug nur die Schublade zu, in die sie mich als Mutter steckte. Der letzte Versuch, mit ihr ins Reine zu kommen, endete mit „SIE wissen sehr wohl, was SIE mit Ihrer Tochter wirklich machen !“ Leider übertrug sie ihre Aversionen gegen mich böse Mutter auf meine Tochter
((
Ich bin längst offiziell rehabilitiert, die Dame verweilte nur sehr kurz an unserer Schule, war dann ganz kurz an einer anderen Schule und ist inzwischen Mutter *ggg*.
Ihre Lieblingskollegin (auch jung, dynamisch und kinderlos) ist aber noch da. Ich habe nichts mit ihr zu tun, kenne sie nur flüchtig. Ich zitiere eine Mutter über den Verlauf eines Problemgesprächs: „ICH habe studiert, und ICH bin hier die Pädagogin.“ Bei besagter Mutter fällt das dritte Kind aus dem gewohnten Rahmen (ist kein Störer !), und das gibt es ja wohl nicht, kommt nicht im Lehrbuch vor…
Ich komme sonst mit Lehrern sehr gut aus, wir respektieren uns gegenseitig, keine Probleme.
Warum lästert man oft über Pädagogen ?
Ich denke, wer mit Kindern arbeitet, muss selbst ein bißchen „Kind“ bleiben, und das meine ich im positiven Sinne. Tritt also ein netter, engagierter und innerlich jugendlicher Lehrer im sonstigen Leben auf, ist er einfach ZU „jugendlich“.
Das kann nerven - ich hatte auf der Bank Lehrerkunden, die irgendwie naiv genug waren, eine Bank für ein Wohlfahrtsunternehmen zu halten.
Jetzt, nicht mehr als Bänker, habe ich eine Lehrerin als Kundin, über deren Briefe ich mich immer freue: Absolut „ungeschäftlich“, in typischer Lehrerinnenhandschrift, mancher Kollege würde darüber milde lächeln, ich aber emfinde ihre Briefe als nette Abwechslung. Und ich muss einfach immer grinsen - eine richtige Bilderbuchlehrerin eben
.
So gesehen sind viele Lehrer nette Farbtupfen in unserer Gesellschaft - darf ich das so sagen ?
Es grüßt Euch
Inselchen