Hallo Fralli,
Kinderpatenschaften sind eine sehr heikle Sache, die ich selber niemals unterstützen würde: da wird ein Kind einer armen Familie unterstützt, darf zur Schule gehen und Geschwister und die Nachbarn im Dorf entwickeln Neid. Vor allem, wenn die Familie innerhalb des Dorfes ein schlechtes Ansehen geniesst, können Störungen in der Dorfstruktur entstehen, die letztlich schädlich sein können und zur Zerstörung des Dorfgefüges führen können.
Auch die Paten erheben manchmal ein Ansprüche, wenn sie sich ziemlich genaue Vorstellungen davon machen, was das Kind zu tun hat und wie es sich entwickeln soll.
Letztlich ist eine Kinderpatenschaft wohl besser als nichts, aber viele Organisationen lassen ihre Patenschaften inzwischen auslaufen und konzentrieren sich auf Kollektiv- oder Projektpatenschaften, in denen ganze Dörfer und Regionen beteiligt sind.
Selbst World Vision wirbt inzwischen damit, dass durch das Geld auch Projekte unterstützt würden, wollen aber auf die aggressive Werbung für die einträglichen Kinderpatenschaften immer noch nicht verzichten, zumal sie inzwischen ziemlich allein auf dem Patenschaftsmarkt sind.
Wenn du auf die persönliche Komponente, die du mit „deinem“ Patenkind hast, verzichten kannst, unterstütze ein Wasserprojekt, ein weibliche-Beschneidung-Projekt, ein Aufforstungsprojekt, eine Mütter und Kind-Beratung, ein Kleinkreditprojekt etc.
Wenn du aber eine Kinderpatenschaft willst:
Nur seriöse Organisationen auswählen und nicht irgendeinen Pfarrer, der einen Kollegen hat, der wiederum in einem Dorf in Angola etc. Da stimmt das mit dem sozialen Umfeld des Kindes bestimmt nicht, das Auswahlverfahren ist zweifelhaft und Zoff im Dorf ist vorprogrammiert. Wenn du dein Geld aber eins zu eins weitergeben willst, ist dieser halbprivate Weg vermutlich die einzige Möglichkeit.
Kinder per Katalog, mit Schwerpunkt süssem Kinderphoto, kommen mir wie Viehmarkt vor. So eine Organisation würde ich meiden. Wichtig ist vor allem die Beschreibung der Familie und seiner Lebensbedingungen und wo dein Geld dort eingesetzt wird. Ein Photo zur Symphatie-Abschätzung kann natürlich dabei sein, sollte aber im Hintergrund stehen.
Um sicher zu gehen, wieviel Geld wirklich dem Kind oder dem Projekt zugute kommt, schau dir die Jahresbilanz der Organisation an und gucke wieviel Prozent der Einnahmen für Administration verwendet wird (aber auch dies ist Projektabhängig, am aufwendigsten und teuersten kommen da die Kinderpatenschaften, da Kontakte zwischen Einzelpersonen hergestellt werdn müssen).
Eine seriöse Organisation wirtschaftet nicht in den eigenen Sack und macht keine Gewinne, aber das Zeitalter ehrenamtlicher Mitarbeiter ist endgültig vorbei.
Wie auch immer du dich entscheidst: Schön, das du etwas gegen das Elend auf dieser Welt tun möchtest.
Viele Grüsse, Nicola
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