Kinderpsychologie

Hallo,

was könnte es für Gründe geben, warum ein (Vorschul-)Kind oft die Meinung der Bezugsperson übernimmt, wenn es etwas gefragt wird? Wenn also das Kind das antwortet, wovon er glaubt, dass das der Erwachsene dazu antworten würde? Anmerkung: das Kind schaut mitunter bei einer gestellten Frage den Erwachsenen fragend an und sucht die Antwort in dessen Gesicht.
Falls Ihr Ideen dazu habt, freu ich mich, wenn Ihr sie mir mitteilt.
LG
Tigerin

Jedes Kind will geliebt werden
Hallo, Tigerin,
klar, dass das Kind versucht sich das Wohlwollen und die Liebe seiner engsten Bezugsperson zu erhalten.

Es hat sicher schon erfahren, was passiert, wenn es nicht die Vorlieben der Mutter (brav sein) erfüllt.

Also versucht es diese (auch unausgesprochenen) Wünsche zu erahnen - an der Mimik und Körpersprache abzulesen und zu erfüllen.
Gruß
Eckard

Hallo Eckard,

ja so klingt das einfach, aber das Kind weiß eigentlich auch, dass die EIGENE Meinung - auch seitens der Bezugsperson - gefragt ist. Mutter versteht also nicht wieso er nicht einfach sagen kann was er dazu denkt.

Bsp. eine Katze - eine Frau fragt das Kind, ob die Katze so aussähe, als ob sie nichts zu essen bekommen würde. Kind schmollt, lächelt verschmitzt, schaut nach unten, dann zur Mutter, die dann sagt (weil nichts vom Kind kommt) na so wie sie aussieht (war dicke Katze) wird sie wohl genug zu essen bekommen. Und plötzlich sagt Kind das gleiche.
Kind weiß aber dass es seine Meinung geradeaus raussprechen soll, immer gleich sofort sagen, was es meint/denkt. Mutter versteht nicht, warum es seine Meinung nicht oft nicht selbst äußern kann.

Kind ist allgemein unsicher, in der Gruppe werden Fragen gestellt und bevor Kind was antwortet, hört er sich erst die Meinungen der anderen an. Oder in der Vorschule, ein paar melden sich, erst dann getraut er sich auch mal zu melden. Er schaut auch erst beim Nachbarn, wie/was der so macht/aufschreibt bzw malt, bevor er selbst loslegt.

LG
Tigerin

Hallo fanta,

das find ich gar nicht merkwürdig. An wem außer der Bezugsperson sollte sich „Kind“ denn orientieren?

„Kind“ hat ja wenig eigenes Erfahrungspotential. Und wenn die „Kinder“ dann eigenes sammeln, dann werden sie verdammt unbequem für die Eltern :smile:

Liebe Grüße
usch

Hallo,

ja so klingt das einfach, aber das Kind weiß eigentlich auch,
dass die EIGENE Meinung - auch seitens der Bezugsperson -
gefragt ist. Mutter versteht also nicht wieso er nicht einfach
sagen kann was er dazu denkt.

  1. Das Kind ist 6.
  2. Guck dir mal diesen Film an:
    http://imdb.com/title/tt0079470/
    Da gibt es diese Szene:
    Brian: I’m not the Messiah! Will you please listen? I am not the Messiah, do you understand? Honestly! (Ich bin nicht der Messias! Hört ihr mir bitte mal zu? Ich bin nicht der Messias, verstanden?)
    Girl: Only the true Messiah denies His divinity.
    (Nur der wahre Messias verleugnet seine Göttlichkeit.)
    Brian: What? Well, what sort of chance does that give me? All right! I am the Messiah!
    Followers: He is! He is the Messiah! (Was? Dann bleibt mir ja gar keine Wahl! Okay. Ich bin der Messias!)
    Brian: Now, fuck off! (Und jetzt verpisst euch!)
    [silence] [Stille]
    Arthur: How shall we fuck off, O Lord? (Und wie sollen wir uns verpissen, oh Herr?]

Verstehst du?
Wenn du einem Sechsjährigen sagst, er soll gefälligst seine eigene Meinung haben, dann kann er das nicht.

Gruß
Elke

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Zusatz
Noch was:
Kinder lernen durch das, was ihnen vorgelebt wird.
Der Sechsjährige reagiert nicht nur darauf, wie seine eigene Meinung - wenn er sie denn hat - angenommen wird, sondern auch darauf, wie die Meinungsäußerungen von anderen von der Umwelt angenommen werden.
Ganz vereinfacht: Wenn er sieht, dass Mama Krach mit Papa kriegt ,weil sie verschiedene Meinungen haben, dann lernt er, dass man am Besten die eigene Meinung nach denjenigen ausrichtet, die man nicht verärgern will.
Wenn er von dir eine negative Reaktion kriegt (das kann von Verärgerung zur Verunsicherung reichen), kann er nur total verunsichert werden.
Er versucht, dir zu gefallen, in dem er deine Meinung annimmt.
Deine Forderung ist aber: hab deine eigene Meinung. Das ist ein Widerspruch, den ein Kind nicht auflösen kann. --> er versucht noch mehr, dir zu gefallen und weiß nicht wie.

Gruß
Elke

Hallo zusammen,

erstmal möchte ich sagen,das manche Kinder von Natur aus unsicher sind,sei es nun Schuld der Eltern oder weil Kind vielleicht auch einfach so ist.

Jedes Kind ist anders auch trotz selber Eltern/Erziehungsberechtigten,z.B.unsere Große(25 j) ist sehr Selbstbewußt,nimmt ihr Leben gerne selbst in die Hand und mag es am liebsten ,wenn sie das sagen hat.

Die beiden Jungs (23/21 j)sind eher ruhige Vertreter die sich von ihrer Schwester herumkomandieren ließen,wenn man nicht ab und an eingeschrieten ist.

Mein leiblicher Sohn(16j.),hat das auftreten,"so jetzt komme ich, mir gehört die Welt"hat übrigens im Alter von 4 Jahren versucht mich mit fremden Männern zu verkuppeln.*g

Meine leibliche Tochter (11 j.)war/ist auch eher so ,das sie erstmal schaut was die anderen machen und danach handelt.

Kinder lernen durch das, was ihnen vorgelebt wird.
Der Sechsjährige reagiert nicht nur darauf, wie seine eigene
Meinung - wenn er sie denn hat - angenommen wird, sondern auch
darauf, wie die Meinungsäußerungen von anderen von der Umwelt
angenommen werden.

Das ist sehr richtig,habe meine Kinder in allen einbezogen und nach ihrer Meinung gefragt,so hatten wir auch fast mal ne kunterbunte Stube*g,aber nur fast,wurde ausgelost.

Ganz vereinfacht: Wenn er sieht, dass Mama Krach mit Papa
kriegt ,weil sie verschiedene Meinungen haben, dann lernt er,
dass man am Besten die eigene Meinung nach denjenigen
ausrichtet, die man nicht verärgern will.

So,das ist bei uns nicht der Fall,wir bereden Probleme und Meinungsverschiedenheiten unter uns Eltern ,unter uns.Ausnahme wenn es ein Kind betrifft.

Wenn er von dir eine negative Reaktion kriegt (das kann von
Verärgerung zur Verunsicherung reichen), kann er nur total
verunsichert werden.

Das stimmt schon,was du da schreibst,trifft aber nicht auf jedes Kind zu.Ich habe meine Tochter immer positiv bestättigt.Das einzigste was hilft ist die Hammermethode bei ihr z.B.wenn sie mit einen Kind spielen wollte,mußte sie selbst anrufen,ansonsten konnte sie mit diesen Kind nicht spielen,nachdem sie nun 3 mal alleine da saß,siehe da rief sie an u.s.w vorher hatte Mama das alles in die Hand genommen,ein Fehler ich weiss.Das war aber doch keine negative Reaktion,oder?

Er versucht, dir zu gefallen, in dem er deine Meinung annimmt.
Deine Forderung ist aber: hab deine eigene Meinung. Das ist
ein Widerspruch, den ein Kind nicht auflösen kann. --> er
versucht noch mehr, dir zu gefallen und weiß nicht wie.

Das kann schon so zu treffen.Ich habe aber mehr die Ansicht das Mama(so wie ich)für ihr Kind zu viel antwortet.Bei der Frage nach der Katze,hätte Mama besser sagen sollen,nun antworte(nett)anstatt selbst zu antworten.

Deswegen könnte es auch sein,das Kind erstmal abwartet,ob Mama schnell antwortet,dann braucht schüchternes Kind das nämlich nicht.Genauso ist es dann auch bei anderen Dingen erstmal gucken,was die anderen machen/sagen,also ist das Kind ein Mitläufer.

Wie kann man das in den Griff bekommen?

Also Kind selber antworten lassen - Mama Zunge abbeißen ;o)

So viel wie möglich in Entscheidung mit einbeziehen - auch wenn ne kunterbunte Stube entstehen sollte.*g

Mehr Aufgaben geben im Haushalt - immer viel loben.

Meine Tips die bei meinen schüchteren Kindern geholfen haben ,Selbstbewußter zu werden.Obwohl keiner sagt „mir gehört die Welt“ das ist wohl eher angeboren.;o)

Gruß Sabine

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Hallo Tigerin,

Bsp. eine Katze - eine Frau fragt das Kind, ob die Katze so
aussähe, als ob sie nichts zu essen bekommen würde. Kind
schmollt, lächelt verschmitzt, schaut nach unten, dann zur
Mutter, die dann sagt (weil nichts vom Kind kommt) na so wie
sie aussieht (war dicke Katze) wird sie wohl genug zu essen
bekommen. Und plötzlich sagt Kind das gleiche.

ich finde, an diesem Beispiel zeigt sich schon ein Lösungsansatz und eventuell auch ein (bzw. ein von mehreren) Grund für das Verhalten. Die Mutter hätte in dieser Situation ihre Meinung eben NICHT sagen dürfen, sondern hätte das Kind dazu ermutigen sollen, seine Meinung auszusprechen.

(Ich kenne solche Situationen, meine Mama redet auch gerne für mich. :smile:)

Mein Vorschlag also: Nimm dich selbst zurück. Wenn du das nächste Mal bei einer Frage die forschenden Augen deines Kindes entdeckt, das erst auf deine Antwort wartet, verkneife dir diese Antwort. Schau stattdessen das Kind an und mach ihm Mut, selbst etwas dazu zu sagen. Aber drängel das Kind nicht, es kann durchaus länger dauern, bis es eine Antwort herausbekommt. Lobe es anschließend, auch wenn du die Antwort aus welchen Gründen auch immer nicht so toll fandest. Steh zu der Antwort deines Kindes, kritisiere und/oder berichtige sie nicht! Auf diese Weise wird das Kind sicherlich mit der Zeit lernen, seine Meinung auszusprechen.

Ach ja, und gib dem Kind möglichst viele Gelegenheiten dazu, seine Meinung zu äußern. Frag ihn immer wieder, wie er etwas findet. Liest du ihm eine Geschichte aus einem Buch vor, so halte zwischendurch an und frage, was das Kind von der und der Figur hält, was es meint, wie die Geschichte weitergehen würde und so weiter. Wieder gilt: Halte dich mit deinen eigenen Gedanken zurück, sondern ermutige das Kind dazu, sich auszusprechen und lobe es ganz, ganz stark dafür!

Viele Grüße,
Anja

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Danke auch an Usch, Eklastic und Sabine.

Stimmt, ich habe ihm beim Bsp mit der Katze die Meinung vorweggenommen (wie sicher auch in anderen Situationen)… Das ist der Fall wenn er halt nicht reagiert und eine Antwort doch eigentlich ganz einfach wäre. Aber ich werde ihm künftig die Zeit lassen und nicht mehr für ihn antworten. Usch, das Bsp mit dem Buch ist auch eine gute Idee.
Stimme Eklastic auch zu, dass es eigentlich ein Widerspruch ist, Meinungen und Antworten zu fordern und dann in Situationen selbst zu antworten. Ich habe nur die Befürchtung dass gerade wenn er in die Schule kommt es Situationen geben wird, wo er nicht ewig dastehen und überlegen kann ob und was er nun für eine Antwort gibt oder nicht. Für langsame (denkende oder zweifelnde) Kinder ist halt in unserer hektischen Welt/Alltag oft keine Zeit.

Werde also mal schauen was sich machen lässt.

Danke Euch!
LG
Tigerin

Hi Tigerin,

[…]

Da hast Du recht,Kopf hoch auch die langsamen schüchternen Kinder kriegen das hin,sie brauchen nur mehr Bestättigung/Zeit und Knuddeleinheiten,in der Ruhe liegt die Kraft,auch sie werden ihren erfolgreichen Weg gehen.Sehe ich bei meinen Kindern.

Ja, die Welt ist zu hektisch geworden,Zeit sollte man trotzdem haben.;o)

Werde also mal schauen was sich machen lässt.

Du schaffst das schon und Spross auch.;o)

Gruß Sabine

MOD: Vollzitat entfernt