Hallo Pia,
ich glaube, da bist Du einer einseitigen reißerischen Medienmasche ziemlich auf den Leim gegangen, denn entgegen der immer wieder gerne verbreiteten These werden in D Kinder ihren Eltern höchst selten (zu selten) und auch nur in extremen Einzelfällen weggenommen (was nicht heißen soll, dass es nicht tatsächlich auch einzelne zu kritisierende Fälle gibt).
Hier fühle ich mich aber sehr an einen Fall aus eigenem Erfahrungshintergrund erinnert, und kann die Entscheidung daher (nach den wenigen gegebenen Fakten) durchaus nachvollziehen und gutheißen.
Bei einem IQ in dieser Größenordnung muss man schon den Begriff „Liebe“ mit äußerster Vorsicht verwenden, denn diese äußert sich unter solchen Umständen gerne in einem einfachen „in Besitz haben wollen“, ohne jegliches Verständnis und jegliche Einsicht in die damit verbundene Verantwortung. D.h. das Kind soll da sein, wird wie ein Teddy gedrückt, aber auf der anderen Seite herrscht eine vollkommene Gleichgültigkeit dann, wenn andere Dinge gerade interessanter und wichtiger erscheinen. Das sind dann leider häufig die Fälle, wo Mami einen neuen „Freund“ findet (oder sagen wir mal lieber Sexualpartner) und die Kinder dann einfach in der Wohnung zurückbleiben und verwahrlosen und verdursten. Und dies kann man der Mutter dann nicht einmal vorwerfen, weil aufgrund des Grades der geistigen Behinderung die Zusammenhänge gar nicht erkannt werden. Darüber vergessen darf man allerdings nicht das Kindeswohl, denn dieses hat immer Priorität, und muss dann ggf. durch Wegnahme von der Mutter geschützt werden.
Ich habe selbst, wie gesagt, einen ähnlichen Fall hautnah während des Zivildienstes mitbekommen, wo Mama innerhalb kürzester Zeit drei Kinder von drei nicht zu ermittelnden Vätern einfach nur deshalb produziert hat, weil die biologischen Zusammenhänge nicht realisiert wurden. Alle Kinder wurden natürlich von der Mutter in einem naiven Verständis von Liebe behandelt, nur hatten sie davon kein Essen, wenn es Mama mal wieder auf die Straße zog. Nach der dritten Geburt wurde dann das Jugendamt eingeschaltet, sie wurde untersucht und als 100% geistig behindert bei uns eingewiesen. Die Kinder kamen in Pflegefamilien, und es fanden sich natürlich sofort liebe Freunde und Verwandte aus dem gleichen Umfeld (wer in einer zivilisierten Familie groß geworden ist, kann sich nicht vorstellen, was es in D alles noch gibt), die Skandal riefen. Insbesondere sollte sie auf keinen Fall die Kinder zur Adoption frei geben.
Und wie sah die Realität aus: Mama genoß es wahnsinnig, einmal im Monat zur Pfelgefamilie zu fahren, sich dort in den Garten zu setzen und sich einen schönen Tag zu machen. Die Kinder interessierten dabei kaum. Zurück im Heim, war von den Kindern nie groß die Rede, da nutzte sie die Zeit lieber, um mit den Jungs rumzumachen (was kein Vorwurf sein soll, sondern einfach Ausdruck der Behinderung ist).
Auf der Strecke blieben dabei nur die Kinder, die immer auf Abruf in der Pflegefamilie lebten, weil es eben keine Adoption geben sollte. Es musste also damit gerechnet werden, dass sie von heute auf morgen aus der Familie wieder herausgerissen werden konnten, weil es eben nur eine Pflegestelle war. Dabei drohte auch die Gefahr, dass die Kinder auseinander gerissen werden könnten. Und dann kam da einmal im Monat diese komische Frau an, setzte sich in den Garten, und wollte Mutter genannt werden. Ob dies so zum Kindeswohl ist???
Natürlich klingt das alles recht hart gegenüber der Mutter, aber das Kindeswohl muss immer vorgehen. Und wenn es eben nicht möglich ist, dass Kinder bei und durch ihre Eltern vernünftig versorgt werden, dann ist es wirklich besser, ihnen ein guten und nicht so extrem vorbelasteten Start unter anderen Bedingungen zu ermöglichen.
Gruß vom Wiz