Kindesentzug wegen schwachem IQ?

hallo!!

gestern habe ich einen Artikel im aktuellen Spiegel gelesen, und danachi st mir fast die Birne geplatzt vor Wut!!

Es ging darum, dass man einer Frau ihre beiden Kinder wegnehmen wollte( den einen hatten man ihr auch schon weggenommen…und das andere soll ihr noch weggenommen werden), weil sie lediglich einen iq von 56 hat!
Ich meine…das ist schon recht tief…aber inwiefern sagt denn der IQ was darüber aus, ob sie fähig ist, den Kindern liebe,Zärtlichkeit und geborgenheit zugeben???
Sie haben Gutachten erstellt und da stellte sich heraus,dass sie wohl in der Lage sei, dazu…ABER, sie wollen es ihr trotzdem wegnehmen!!

ich finde das eine Bodenlose Sauerei!Und es geht mal wieder auf Kosten des Kindes…denn obwohl man es ja manchmal nichtglauben mag…solche kleinen Kinder( zwischen ein paar Monaten und 2 Jahren) merken sehr wohl, was da mit ihnen passiert!

Und überhaupt…wer sagt denn, dass einer mit einem überdurchschnittlichen IQ in der Lage ist, ein Kind zu erziehen; aufzuziehen…ihm liebe und Zärtlichkeit zu geben?? Ich kenne da so einige, die trotz ihres großen IQ dazu nicht in der Lage wären,weil es ihnen am EQ fehlt!! Nämlich mit Gefühle umzugehen und sich sozial zu verhalten!!

Was denkt ihr dazu??

Grüßle

Pia

Hallo Pia,

ich habe den Artikel nicht gelesen, aber ich möchte Dich bitten, zu bedenken, daß Liebe allein manchmal nicht reicht. Ich bin überzeugt, daß jemand mit einem IQ von 56 fähig ist, zu lieben und auch, jemandem Geborgenheit zu geben.

Aber ist dieser jemand auch fähig, Haushaltsgeld einzuteilen (ich möchte jetzt gar nicht sagen: zu verdienen), richtige Medikamente im Krankheitsfall zu dosieren und regelmäßig zu geben, regelmäßig zu kochen, den größeren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen? Ich weiß es nicht und Du weißt es auch nicht.

Nun halte ich den Spiegel nicht für eine Zeitschrift, die Tränendrüsenartikel veröffentlicht - aber es ist doch von Seiten den Jugendamtes viel zu bedenken zum Wohl der Kindern. Vielleicht läuft auch was falsch in diesem Fall - alles möglich.

Aber ein IQ von 56 ist wirklich sehr sehr wenig (wie immer man das gemessen hat) und jemand mit diesem IQ lebt üblicherweise selbst betreut und arbeitet in einer Werkstätte außerhalb des normalen Arbeitsmarktes - da verdient man dann auch ganz wenig, weil eben auch nicht die Anforderungen gestellt werden.

Und auch wenn ich mich mit meiner folgenden Aussage ganz extrem in die Nesseln setze: Gerade wenn man der Frau schon mal Kinder weggenommen hat und sie nun wieder in der gleichen Situation ist, dann hat ja zumindest das Thema Empfängnisverhütung gewollt oder ungewollt nicht funktioniert…

Grüße und nur ein paar Denkansätze…

Wendy

Hallo, ich habe übrigens nochmal gesucht, der Spiegel hat den entsprechenden Artikel leider nicht online, aber in der Braunschweiger Zeitung bzw. der Lokalausgabe der Wolfsburger Zeitung ist dazu heute folgender Artikel:

http://www.wolfsburger-nachrichten.de

„Katastrophale soziale Zustände“

Landgericht Braunschweig nimmt Stellung zum vorläufigen Sorgerechtsentzug einer 23-jährigen Bromerin
Von Dirk Kühn

GIFHORN. Sowohl der Landkreis Gifhorn als auch das Landgericht Braunschweig haben gestern die Entscheidung verteidigt, einer 23-jährigen Bromerin das Sorgerecht noch vor der Geburt ihrer jetzt vier Wochen alten Tochter vorläufig zu entziehen.

„Im Interesse des Kindes ist die Entscheidung richtig gewesen“, sagte Landrätin Marion Lau.

Die Anordnung des Amtsgerichts Wolfsburg beruhe nicht auf den geistigen Leistungen der jungen Mutter, sondern auf ihrer Fähigkeit zur verantwortungsvollen Erziehung, erläuterte der Pressesprecher des Landgerichts Braunschweig. In einem 34-seitigen ärztlichen Gutachten heiße es unter anderem, dass bei der Frau „die Voraussetzungen für eine eigenverantwortliche Erziehung und Betreuung“ ihres Kindes nicht gegeben seien. Die Bromerin verfüge weder über „die geistigen Fähigkeiten noch über die praktischen Fertigkeiten und die notwendige psychosoziale Kompetenz“. Und weiter: „In der Familie der Kindesmutter herrschen derart katastrophale hygienische Zustände, dass eine Erziehung des neugeborenen Kindes dort nicht zu verantworten ist“, so das Landgericht. Ferner verwies der Pressesprecher auf einen Fall von Inzest in der Familie. Danach soll der Bruder der Bromerin die heute 23-Jährige vor Jahren missbraucht haben. „Vor 14 Jahren war sie das Opfer und jetzt wird sie erneut bestraft, in dem man ihr das Kind wegnimmt“, kritisierte in einer Stellungnahme der Gynäkologe Hendrik de Haan, der am Sonntag die junge Mutter zu Hause besucht hat. Von katastrophalen Zuständen könne nicht die Rede sein. „Es ist alles da, wo es hingehört“, so der Mediziner, der heute ein Gespräch mit dem Ersten Kreisrat Gero Wangerin hat.

Auch Wangerin verteidigte gestern das Vorgehen des Jugendamts, das als „Wächter des Kindes“ gehandelt habe. Die Frau habe individuelle Hilfe abgelehnt, es habe keine andere Möglichkeit gegeben. Mitte Dezember wird sich das Wolfsburger Amtsgericht erneut mit dem Fall beschäftigen. Dann geht es um die endgültige Sorgerechtsentscheidung.
Dienstag, 19.11.2002

gewiß die richtige Entscheidung
Hallo,

Du hast dankenswerterweise „vergessen“ zu erwähnen, daß der Vater geistig behindert ist. Da Intelligenz durchaus vererbbar ist, stellt sich schon mal die Frage, inwieweit das Kind frühzeitig betreut bzw. behandelt werden muß bzw. inwieweit die Eltern dazu in der Lage sein werden.

Dies vorab.

Liebe und Geborgenheit sind eine Sache, praktisches Leben eine andere. Die Trennung eines Kindes von seinen Eltern ist eine harte Maßnahme, die wohlüberlegt eingesetzt werden sollte. M.E. passiert das leider oft nicht wohldurchdacht, so daß ich mich gelegentlich frage, ob nicht genau die falschen Kinder ihren Eltern weggenommen werden.

Die von Dir zitierte soziale Intelligenz (EQ) teilt sich doch ganz sicher in zwei Bereiche: Den innerfamiliären (dort müssen nicht zwangsläufig Probleme entstehen) und den außerfamiliären. Wie soll ein Kind (falls dieses überhaupt in der Lage sein wird, Kontakte zu anderen Menschen zu haben), dessen Eltern nicht einmal zu verstehen in der Lage sind, warum ihnen das Kind weggenommen wurde, in der Lage sein, dem Kind Werte zu vermitteln oder eine normale Umgehensweise mit anderen Menschen?

Die IQ-Skala spricht bei einem IQ von unter 65 von schwachsinnig! (So falsch das auch sein mag, Menschen in solchen Kategorien zu beurteilen.) Schon Menschen mit einer nicht ganz so geringen Intelligenz sind oft nicht in der Lage, ihre Kinder zu Menschen zu erziehen, die einen auch nur minimalen Nutzen für die menschliche Gesellschaft haben.

Dieses Paar schafft das ganz sicher nicht.

Gruß
Christian

Hallo,

es mag sicherlich sehr schmerzhaft sein für alle Parteien, das vorab.
Aber mal ehrlich, was glaubst Du wie und womit diese Mutter bzw Eltern ihr Kind fördern könnten?
Kinder fragen sobald sie sprechen können ihre Umgebung Löcher in den Bauch…und zwar mit Fragen die sich gewaschen haben.
Wenn aber schon das nahe Umfeld derart minderbemittelt ist und anscheinend noch chaotische Zustände herrschen, was glaubst Du wie sich das auf das Kind auswirkt? Was glaubst Du, wie belastbar dieses Kind sein wird…in Schule, Umfeld Freunde usw?
Bleibt es bei seinen leiblichen Eltern, wird ihm von vornherein jegliche Möglichkeit auf geistige und persönliche Entwicklung verwehrt.
Zum Wohl des Kindes, ist es besser aus dieser Familie herausgenommen zu werden.

Gruß Maja

Hallo Pia!

Da ich mal Zivi in einer Werkstatt für geistig und körperlich Behinderte war und auch in einem meiner Praktika während des Psycho-Studiums mit solchen Fragen konfrontiert wurde, kann ich Dir versichern, daß es manchmal besser ist, wenn die Kinder von Menschen mit geringem IQ in andere Hände gegeben werden. Dies hat u.a. den Grund, daß ein niedriger IQ der Mutter ein Risikofaktor für die Entstehung psychischer Störungen und eines schwachen Intellekts bei den Kindern dieser Mütter ist. Interessanterweise sind Lernbehinderungen und leichte geistige Behinderungen zum überwiegenden Teil nämlich auf die mangelnde Förderung durch z.B. die Eltern bedingt.

Du solltest auch bedenken, daß man für sozial kompetenten Umgang mit anderen Menschen zwar keinen superhohen IQ braucht, aber ein Minimum muß schon gegeben sein. Wenn dieses Minimum bei den Eltern fehlt, dann können die Eltern dem Kind kaum dasjenige beibringen, was das Kind im Umgang mit anderen Menschen braucht.

Gruß,

Oliver Walter

Auch wenn es hart und gemein klingt…
… die Entscheidung wäre richtig.

Hallo Fledermäuschen,

ich kann Deine Emotionen durchaus nachvollziehen, bitte Dich aber folgendes zu bedenken:

Mit Liebe allein kriegst Du ein Kind beim besten Willen nicht großgezogen, ohne daß es einen Schaden nimmt. Ein Kind soll schließlich nicht nur vor sich hinwachsen, sondern auch soziale und emotionale Kompetenz erlangen. Wer soll es dem Hosenscheißer beibringen? Na klar! Die Mama!

Eine Mutter mit einem IQ von 56 - so sehr sie die Teppichratte auch liebt -, die weder links von rechts noch vorne von hinten unterscheiden kann, deren Sprachschatz weit unter dem Durchschnitt liegt, die sich kaum allein die Schuhe zubinden kann, weil es mit der Feinmotorik nicht weit her ist, etc., kann es einem Kind doch nicht vermitteln.

Verstehe mich bitte nicht falsch, mir geht es nicht um Zustände wie im Dritten Reich (Zwangssterilisation von Schwachsinnigen oder ähnliches), aber Pflegefamilien mit einer großzügigen Besuchsregelung für die Mutter bzw. für die Eltern wären aus meiner Sicht sehr wohl eine Alternative.

Hexenschmatzer!

Tessa

Alternative: Mutter-Kind-Heime
Hallo,

ich habe mal gelesen, dass es für solche „Fälle“ (wo es Eltern aufgrund einer geistigen Behinderung nicht möglich ist, sich um die Kinder zu kümmern) Eltern-Kind-Wohnheime gibt.
Die Kinder wohnen da ganz normal mit ihren Eltern (oder einem Elternteil) zusammen, können sich selbst um ihre Kinder kümmern soweit ihnen dies möglich ist.
Es gibt dort Betreuer/innen und Erzieher/innen, die sich um das kümmern, was die Eltern nicht selbst schaffen (z.B. helfen sie mit beim kochen, bei der Erziehung etc.). Für die Kinder gibt es Hausaufgaben- und Lern-Betreuung durch die Erzieher/innen.

Ich finde das ein sehr gutes Konzept.
Die Familien müssen nicht auseinander gerissen werden, und trotzdem können die Kinder das lernen, was ihnen die Eltern nicht geben können.

Alleine würde geistig behinderten Eltern sicherlich schnell vieles über den Kopf wachsen:
Sie können ihre Kinder nicht so gut vor Gefahren schützen (Krabbelalter!), dann kommen die Trotzphasen des Kindes (und einer geistig behinderten Mutter wird es sicherlich schwer fallen, hier die für die Erziehung notwendigt „Härte“ zu zeigen), später in der Schule wird die Mutter ihrem Kind kaum selbst helfen können (Mathe üben, Vokabeln lernen, Aufsatz schreiben?!).

Erziehung bedeutet außer Liebe auch ein gewisses gerechtes Maß an „Härte“. Man kann nicht immer nur Ja sagen, nach dem Motto „ist ja noch ein Kind, er/sie darf das“, wenn z.B. die Kinder Unfug treiben.
Da muss man als Elternteil auch mal eingreifen - Aus, Amen, Schluss.
Gerade aber das schaffen geistig Behinderte oft nicht.
Und wenn sich die Kinder alles erlauben können, dann ist das gewiss nicht gut für sie.

Grüße,
Nina

Guten Morgen…

ich denke, wünschenswert wäre es, wenn es möglichkeiten gäbe, beides zu vereinen.
zum einen, die kinder in ihrem vertrauten umfeld zu lassen, bei ihrer mutter… zum anderen sich dafür einzusetzen, daß die kinder entsprechend gefördert werden.
d.h. der mutter zu helfen, statt sie zu bestrafen. evtl. durch eine sozialarbeiterin. und je nach alter der kinder entsprechende einrichtungen anbieten, oder sogar zur auflage machen, in der die kinder gefördert werden.
ich schließe mich der meinung anderer an, daß ein IQ von 56 auch bei aller liebe nicht ausreichend ist, ein kind auch nur halbwegs zu erziehen. dennoch sollte eben MIT der mutter und nicht GEGEN sie gearbeitet werden.
In diesem Sinne
liebe grüße
lunatics-wife

schöne alternative :smile:

Hi,
das geht aber nur freiwillig. In dem Artikel unten stand aber, dass die Mutter individuelle Hilfen abgelehnt hat.

Gruß
Nelly

ich denke, wünschenswert wäre es, wenn es möglichkeiten gäbe,
beides zu vereinen.
zum einen, die kinder in ihrem vertrauten umfeld zu lassen,
bei ihrer mutter… zum anderen sich dafür einzusetzen, daß
die kinder entsprechend gefördert werden.
d.h. der mutter zu helfen, statt sie zu bestrafen. evtl. durch
eine sozialarbeiterin.

Hallo,

sowas gibt es ja. Sogenannte Familienhelferinnen. Ist natürlich schweineteuer, solche individuelle Hilfe. Gibt es aber. Man muss sie aber auch annehmen. In dem Artikel unten stand, dass die Mutter individuelle Hilfen abgelehnt hat.

Gruß
Nelly

Hallo Pia,

ich glaube, da bist Du einer einseitigen reißerischen Medienmasche ziemlich auf den Leim gegangen, denn entgegen der immer wieder gerne verbreiteten These werden in D Kinder ihren Eltern höchst selten (zu selten) und auch nur in extremen Einzelfällen weggenommen (was nicht heißen soll, dass es nicht tatsächlich auch einzelne zu kritisierende Fälle gibt).

Hier fühle ich mich aber sehr an einen Fall aus eigenem Erfahrungshintergrund erinnert, und kann die Entscheidung daher (nach den wenigen gegebenen Fakten) durchaus nachvollziehen und gutheißen.

Bei einem IQ in dieser Größenordnung muss man schon den Begriff „Liebe“ mit äußerster Vorsicht verwenden, denn diese äußert sich unter solchen Umständen gerne in einem einfachen „in Besitz haben wollen“, ohne jegliches Verständnis und jegliche Einsicht in die damit verbundene Verantwortung. D.h. das Kind soll da sein, wird wie ein Teddy gedrückt, aber auf der anderen Seite herrscht eine vollkommene Gleichgültigkeit dann, wenn andere Dinge gerade interessanter und wichtiger erscheinen. Das sind dann leider häufig die Fälle, wo Mami einen neuen „Freund“ findet (oder sagen wir mal lieber Sexualpartner) und die Kinder dann einfach in der Wohnung zurückbleiben und verwahrlosen und verdursten. Und dies kann man der Mutter dann nicht einmal vorwerfen, weil aufgrund des Grades der geistigen Behinderung die Zusammenhänge gar nicht erkannt werden. Darüber vergessen darf man allerdings nicht das Kindeswohl, denn dieses hat immer Priorität, und muss dann ggf. durch Wegnahme von der Mutter geschützt werden.

Ich habe selbst, wie gesagt, einen ähnlichen Fall hautnah während des Zivildienstes mitbekommen, wo Mama innerhalb kürzester Zeit drei Kinder von drei nicht zu ermittelnden Vätern einfach nur deshalb produziert hat, weil die biologischen Zusammenhänge nicht realisiert wurden. Alle Kinder wurden natürlich von der Mutter in einem naiven Verständis von Liebe behandelt, nur hatten sie davon kein Essen, wenn es Mama mal wieder auf die Straße zog. Nach der dritten Geburt wurde dann das Jugendamt eingeschaltet, sie wurde untersucht und als 100% geistig behindert bei uns eingewiesen. Die Kinder kamen in Pflegefamilien, und es fanden sich natürlich sofort liebe Freunde und Verwandte aus dem gleichen Umfeld (wer in einer zivilisierten Familie groß geworden ist, kann sich nicht vorstellen, was es in D alles noch gibt), die Skandal riefen. Insbesondere sollte sie auf keinen Fall die Kinder zur Adoption frei geben.

Und wie sah die Realität aus: Mama genoß es wahnsinnig, einmal im Monat zur Pfelgefamilie zu fahren, sich dort in den Garten zu setzen und sich einen schönen Tag zu machen. Die Kinder interessierten dabei kaum. Zurück im Heim, war von den Kindern nie groß die Rede, da nutzte sie die Zeit lieber, um mit den Jungs rumzumachen (was kein Vorwurf sein soll, sondern einfach Ausdruck der Behinderung ist).

Auf der Strecke blieben dabei nur die Kinder, die immer auf Abruf in der Pflegefamilie lebten, weil es eben keine Adoption geben sollte. Es musste also damit gerechnet werden, dass sie von heute auf morgen aus der Familie wieder herausgerissen werden konnten, weil es eben nur eine Pflegestelle war. Dabei drohte auch die Gefahr, dass die Kinder auseinander gerissen werden könnten. Und dann kam da einmal im Monat diese komische Frau an, setzte sich in den Garten, und wollte Mutter genannt werden. Ob dies so zum Kindeswohl ist???

Natürlich klingt das alles recht hart gegenüber der Mutter, aber das Kindeswohl muss immer vorgehen. Und wenn es eben nicht möglich ist, dass Kinder bei und durch ihre Eltern vernünftig versorgt werden, dann ist es wirklich besser, ihnen ein guten und nicht so extrem vorbelasteten Start unter anderen Bedingungen zu ermöglichen.

Gruß vom Wiz

Hi Pia,

eine interessante Diskussion hast Du da losgetreten. Ja, Ämter treffen manchmal Fehlentscheidungen. Nein, in diesem Fall war es wohl keine (soweit das irgendwie von außen beurteilbar ist).

Von vielen wurde schon der Untscheid der instinktiven Liebe zur praktischen Befähigung genannt. Die Mutter mag ihre Kinder liebhaben, aber sie kann ihnen keinen Eintopf kochen und ihr Haushaltsgeld einteilen, denn dafür braucht man eben einen Mindest-IQ.

Ich möhte aber nochmal auf die intellektuelle Seite eingehen. Unsere vorrangige Aufgabe ist es, die Kinder zu lieben und emotional zu stärken, die wir in diese Welt setzen.
Aber gleich auf Platz zwei kommt die Aufgabe, diese kleinen Wesen, die stets und ständig Fragen haben, mit Wissen zu füllen, ihnen Kultur und Bildung zu vermitteln.

Diese Mama mit ihrem IQ von 56 wird ihren Kindern niemals Gutenachtgeschichten vorlesen können. Sie kann ihnen keinen Grundwortschatz vermitteln, wie sie ihn im Kindergarten und in der Grundschule brauchen werden. Sie kann ihnen nicht sagen, wie Vögel und Pflanzen heißen, und später nicht helfen, ihre Rechenaufgaben zu machen.

Sie wird nicht in der Lage sein, den intellektuellen Anforderungen, die Elternsein mit sich bringt, zu genügen, selbst, wenn sie die emotionalen und praktischen Anforderungen bewältigen könnte.

Was Mutter-Kind-Heime oder ähnliche Einrichtungen betrifft… ich weiß nicht. Das Kind, das ihr weggenommen wurde, ist erst wenige Wochen alt. Für das Kind wäre es wahrscheinlich am besten, wenn man ihm einen neuen Start schenkt. Denn auch Pflegefamilien können ein Kind sehr lieben.

Liebe Grüße,
Nike

huhu!!

Vielen Dank für die Vermittelung dieser anderen Sichtweise, zu der ich im Moment des Schreibens nicht fähig war!!

Ämter treffen viele Fehlentscheidungen, viel zu viele!

Und in diesem Falle habe ich echt nicht drann gedacht, dass diese Frau ja echt nicht in der Lage ist, ihrem Kind wichtige Lebensgrundlagen zu vermitteln!

*sternchengeb*

Grüßle

Pia

Vielen Dank;O)
Hallölli!!

Vielen vielen Dank für eure Antworten und Belehrungen!!

Ich hatte echt viele Dinge gar nicht bedacht dabei!!

Hoffentlich wird das Kind in eine gute Familie gegeben!!

Grüßle

Pia

PS:Hexenschmatzer an die liebe Hexe!;o)

Hallo
Nun melde ich mich doch auch noch zu Wort. Als ich dieses Posting hier vor ein paar Tagen zum ersten Mal las, hatte ich die schlimmsten Befürchtungen bzgl. der Antworten - in anderen Brettern, wo dieser Fall auch besprochen wurde, ging teilweise ein Gehetze gegen Jugendämter und Justiz los, das jeder Objektivität entbehrte. Nun, nach ein paar Tagen, komme ich wieder zu diesem Posting und stelle fest, dass „wer-weiss-was“ Mitglieder doch schon ein anderes Kaliber haben - nun gut, dass wusste ich natürlich auch vorher schon :wink:
Besonders freut mich dies, da ich in einer Einrichtung arbeite, die zur Zeit mit einem ähnlichen Fall zu tun hat. Auch dort wurde einem Elternpaar - u.a. aufgrund einer sehr unterdurchschnittlichen Intelligenz - das Aufenthaltsbestimmungsrecht über ihre Kinder entzogen (nicht jedoch das Sorgerecht). Die Kinder der Familie leben nun in einer Erzieherfamilie, die von unserer Einrichtung betreut wird. Sie haben regelmäßigen Kontakt zu ihren leiblichen Eltern, fühlen sich ansonsten jedoch in ihrem neuen Zuhause und mit den neuen, zuverlässigen Bezugspersonen sehr wohl. Alles hätte ganz positiv laufen können, hätte es nicht ein paar sensationsgeile Bildreporter und einen Verein zur Wahrung von Elternrechten gegeben, die meinten, dass sich dieses Thema auch ganz gut in der Öffentlichkeit ausschlachten ließe und anfingen, in den Medien Stimmung zu machen - ohne Rücksicht auf den Willen und die Empfindungen der Kinder, die inzwischen, wegen ihrer zweifelhaften Berühmtheit, kaum noch aus dem Haus gehen mögen. Das ganze Trauerspiel ging durch sämtliche Gerichtsinstanzen bis hin zum europäischen Gerichtshof, der den Fall wieder an die Deutschen Gerichte zurück gab. Eine endgültige Entscheidung über den Verbleib der Kinder gibt es nach wie vor nicht, aufgrund des öffentlichen Drucks ist es jedoch immer wahrscheinlicher, dass sie tatsächlich wieder zu den leiblichen Eltern zurück kommen (eine Entscheidung, die die Kinder selber ablehnen). Wenn ich dann in diversen Foren manche Kommentare von Leuten lese, die sich, ohne jegliche Hintergrundinformationen anmaßen, über solche Schicksale zu urteilen, dreht sich mir jedes Mal der Magen um. Glaubt mir mal einfach, dass es bei der finanziellen Lage der öffentlichen Haushalte, keinen Jungendamtsmitarbeiter gibt, der irgendwo ein Kind in einem Heim oder einer Pflegefamilie unterbingt, wenn dies nicht unbedingt notwendig ist - da würde keine Kostenstelle (hier sitzen i.d.R. keine Pädagogen - aber hier wird über eine Fremdplatzierung letztendlich entschieden) in diesem Pleiteland mitspielen. Leider ist eher das Gegenteil der Fall: Viel zu häufig werden Kinder, aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus, in ihren Ursprungsfamilien belassen - oft so lange, bis dermaßen starke Traumatisierungen (durch Gewalt, Missbrauch, emotionale Kälte …) eingetreten sind, dass die Kinder für Pflegefamilien oder „normale“ Heime nicht mehr tragbar sind. Und spätestens dann fangen die selben Leute (und die selben Zeitungen) wieder an Stimmung zu machen, die sich aufregen, wenn ein Kind aus einer Familie herausgenommen werden muss - diesmal hetzen sie jedoch gegen eine verrohte und gewaltbereite Jugend, die „nix im Kopf hat“, zu faul zum Arbeiten ist und dem Staat auf der Tasche liegt. Und das Schlimmste ist, dass sie dann noch nicht einmal Unrecht haben: woher sollen diese Kinder aber z. B. ein gesellschaftskonformes Wertesystem erlernt haben? Und wie sollen sie dies ihren eigenen Kindern einmal vermitteln können? Auf diese Weise ziehen wir uns die nächste Generation heran, über die wir dann später wieder urteilen können.
Gruß, Frank