Hallo Mario,
ob Du Dich an das Jugendamt wendest oder nicht, musst Du ganz allein entscheiden, und zwar aus DEINEM Bauch heraus. Vielleicht hilft es ja, wenn Du Dir die Punkte vorher auf einen Zettel notierst und sie dann so versachlichend wie möglich umformulierst. Schließlich braucht das Jugendamt, um wirklich eingreifen zu können, handfeste Beweise.
Aus Deinem Text kann ich viel herauslesen, aber eben auch wiederum nichts. Durch die Formulierungen von Dir habe ich den Eindruck, dass die „Verlobte“ das schwarze Schaf der Familie ist. Oder irre ich mich?
In unserem engsten Verwandtenkreis haben wir eine Familie, bei
der der Vater schon lange selbstständig ist. Nun hat sich
seine Verlobte auch selbstständig gemacht. Die zwei
dazugehörigen Kinder (Sohn 3 Jahre, Tochter 4 Jahre) sehen nun
Ihre Eltern so gut wie gar nicht mehr, bzw. haben wir nun
gehört das die Kinder ständig müde sind.
Es ist also der engste Familienkreis? Deine Informationen sind aber sehr dünn. Ist euer Verhältnis vielleicht nur auf dem Papier sehr eng? Sonst aber eher distanziert? Das ist wichtig; denn wie willst Du sonst die tatsächliche Familiensituation einschätzen können? Anhand der Anzahl der Stunden, in denen sich Eltern und Kinder sehen? Und ist es denn eine Frage der Quantität? Was sind dann die Eltern, die den ganzen Tag arbeiten und ihre Kinder in Tageseinrichtungen bringen müssen? Gewalttäter? Kann man aus dem Umstand, dass Kinder müde erscheinen, schließen, dass sie gewaltsam vom Schlaf abgehalten werden? Du suggerierst ja beinahe Kinderarbeit.
Wenn ich nur die blanken Tatsachen nehme, kommt ein einziger Schluss heraus: Diese Familie ist in einer sehr angespannten Ausnahmesituation und benötigt dringend Hilfe. Wer, wenn nicht der engste Familienkreis böte sich da an, beispielsweise die Kinder mit zu übernehmen, bis die Existenz der Eltern auf sichereren Füßen steht? Oder im Umkehrschluss: Was könnte das Jugendamt für Maßnahmen ergreifen, damit nach Deinem Denken den Missständen Abhilfe getan wäre?
Der Sohn wurde auf
seine Müdigkeit angesprochen, sagte er, er müsse immer bei
seiner Mama im Laden hocken und immer teilweise mit auspacken.
So etwas nennt man Autosuggestion. Ein Dreijähriger - mit Verlaub - kann mitnichten eine sachliche Einschätzung über seinen Alltag abgeben. Er weiß ja noch nicht einmal, was „nächste Woche“ bedeutet. Prinzipiell ist es weder schlimm, im Laden der Mutter den Tag zu verbringen noch Dinge aus- oder einzupacken.
Die Kinder sehen nach Angaben der Oma immer schlecht aus.
Nach Meinung meiner Mutter mache ich auch immer alles falsch!
Wir
wissen auch das die Kinder immer ziemlich spät ins Bett kommen
und beim Frühstück im Kindergarten teilweise einschlafen.
Was genau ist SPÄT?
Jeder Mensch, sogar jedes Kind, hat ein anderes Schlafbedürfnis. Mein Sohn fiel jahrelang pünktlich um 18 Uhr um und schlief ein, egal ob er am Tisch saß oder nicht (alle haben mich beneidet). Allerdings war er jeden Morgen zwischen fünf und sechs Uhr hellwach und war zu keinem Mittagsschlaf zu bewegen. Im Übrigen litt er als Kleinkind unter Neurodermitis. Folge: Tiefe Augenringe!!!
Müsste der Kindergarten so etwas nicht dem Jugendamt melden?
Zuerst stünde ja wohl ein Gespräch mit den Eltern an. Aber die Erzieherinnen sind meistens Profis und können ganz gut einschätzen, was normal oder nicht ist. Meistens - wie gesagt. Entbindet niemanden davon, selbst die Augen und im Notfall den Mund aufzumachen.
Müssten wir die nahen Verwandten es dem Jugendamt melden?
Nahe Verwandten kommunizieren in der Regel untereinander. Zuerst. Oder?
Bitte beachtet das wir miteinander verwandt sind. Und wenn es
raus käme, dass wir es dem Jugendamt gesteckt hätten, wohl
keinen Kontakt mehr miteinander hätten.
Also ehrlich: Wenn das Wohl des Kindes auf dem Spiel steht, wäre es mir sch…ß-egal, was die Rabeneltern von mir denken könnten! Aber das Jugendamt gibt meines Wissens sowieso keine Namen heraus.
Um einen der Eltern
wäre es allerdings nicht schlimm.
Siehe oben: Ich wette, es ist „die Verlobte“.
Viele nachdenkliche Grüße von der alleinerziehenden und schon immer voll arbeitenden Mama
Jana