Kindliches Ohnmachtsgefühl

Hallo an alle.

meine Tochter muss aufgrund einer schweren Bronchitis dreimal täglich ein Medikament inhalieren. Sie hat Angst vor dem Gerät, aber es muss wirklich sein. Eine Alternative scheidet aus, wir haben alle Möglichkeiten in Betracht gezogen. Ich muss also die Kleine festhalten, sie schreit und weint bitterlich dabei.
Das gleiche beim Baden und Haarewaschen. Wir haben alles versucht, es ihr irgendwie schmackhaft zu machen, es für sie so erträglich wie möglich zu gestalten.
Fakt ist, wir werden in diesen Situationen ihr gegenüber immer wieder übergriffig, was ich verabscheue.
Die Bindungsforschung geht davon aus, dass es nicht viele solcher Ereignisse braucht, um das kindliche Urvertrauen zu zerstören.
Unser Sohn hat nicht mal Angst vor einer Blutabnahme, aber da dürfte er einer Minderheit angehören.
Wie geht Ihr mit solchen Situationen um? Oft hasse ich mich dafür, dass ich ihr so wehtun muss, aber davon hat sie auch nichts.

Beste Grüße
Andrea

Hallo,
wie alt ist denn die Tochter?
Viele Grüße
Chili

Hallo,

meine Tochter muss aufgrund einer schweren Bronchitis dreimal
täglich ein Medikament inhalieren. Sie hat Angst vor dem
Gerät, aber es muss wirklich sein. Eine Alternative scheidet
aus, wir haben alle Möglichkeiten in Betracht gezogen. Ich
muss also die Kleine festhalten, sie schreit und weint
bitterlich dabei.

wenn ihr es ihr vormacht, um ihr diese Ängste zu nehmen, damit sie Vertrauen gewinnt, sieht, das es nicht schlimm ist, Kinder haben ein Ur-Vertrauen…

Das gleiche beim Baden und Haarewaschen. Wir haben alles
versucht, es ihr irgendwie schmackhaft zu machen, es für sie
so erträglich wie möglich zu gestalten.

macht es ihr vor,oder besser: macht es gemeinsam, dann hat sie Vertrauen, weiß, das dabei nichts ‚schlimmes‘ ist, das es normal ist.

Fakt ist, wir werden in diesen Situationen ihr gegenüber immer
wieder übergriffig, was ich verabscheue.

Wie jetzt??

Die Bindungsforschung geht davon aus, dass es nicht viele
solcher Ereignisse braucht, um das kindliche Urvertrauen zu
zerstören.

Du beantwortest Deine Frage doch quasi schon selbst.

Unser Sohn hat nicht mal Angst vor einer Blutabnahme, aber da
dürfte er einer Minderheit angehören.

Und Deine Tochter soll jetzt mit ihm mitziehen? Die kleine, tapfere Heldin sein, oder wie denkst Du Dir das?

Wie geht Ihr mit solchen Situationen um? Oft hasse ich mich
dafür, dass ich ihr so wehtun muss, aber davon hat sie auch
nichts.

wie schon gesagt: macht es ihr vor, macht es gemeinsam, um ihr die Ängste zu nehmen.

Gruß

Hallo,
wie alt ist denn die Tochter?
Viele Grüße
Chili

guckst Du in die Vika…:wink:

Gruß

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Hallo Talüü

meine Tochter muss aufgrund einer schweren Bronchitis dreimal täglich ein Medikament inhalieren. Sie hat Angst vor dem Gerät, …

Hat sie wirklich Angst vor dem Gerät, oder ist es eher die Gewaltausübung, die damit verbunden ist?

Selber vormachen, wie vorgeschlagen wurde, finde ich eine gute Idee, aber ich weiß nicht, ob das in dem Stadium noch hilft. Vor allen Dingen kann man ja wohl nicht einige Tage oder Wochen vormachen und solange das Kind in Ruhe lassen. Ich würde möglicherweise einen Psychiater fragen, was da vorrangig ist. Dreimal täglich sein Kind zu etwas zwingen, wovor es Angst hat, das ist sicher keine Kleinigkeit.

Das gleiche beim Baden und Haarewaschen.

Das ist aber wirklich nicht nötig. Ihr könnt die Haare auch einfach mit warmem Wasser ohne jeden Zusatz waschen, ohne dass das Kind irgendeinen Schaden davon nimmt (das Problem ist doch die Seife, die sie in die Augen kriegt, oder? Oder ist es eventuell auch zu heißes Wasser?)

Wenn sie allerdings bereits eine Panik vor dem Baden hat, dann ist es wohl nicht ganz so einfach, das wieder hinzukriegen. Ich stelle mir etwas vor mit selber in die Wanne gehen und das Kind sich auf den Bauch setzen, so dass höchstens die Beine und der Po im Wasser sind. (Da gibt es allerdings das Problem, dass einem das Wasser, das für das Kind gerade richtig ist, einem selber zu kalt vorkommt. Also nicht so lange baden, damit man sich nicht erkältet.)

Da würde es wahrscheinlich einige Wochen dauern, bis sich das Kind baden lässt, aber ich fände es trotzdem viel wichtiger als dass das Kind immer sauber ist. Das nötigste kann man ja auch mit einem weichen feuchten Waschlappen (ohne Seife!) abwaschen, und dabei auf ihre Reaktionen reagieren. D. h. wenn sie das Gesicht unwillig verzieht, nicht weiterrubbeln usw.

Ich denke, wenn man so weitermacht wie bisher, wird sie vielleicht überhaupt Angst vor Wasser haben und nur sehr schwer Schwimmen lernen, und außerdem kein so gutes Verhältnis zum eigenen Körper haben.

Die Bindungsforschung geht davon aus, dass es nicht viele solcher Ereignisse braucht, um das kindliche Urvertrauen zu zerstören.

Das ist bestimmt schädlicher als mal ein Jahr oder so dreckig durch die Gegend zu laufen.

Viele Grüße

Hallo Andrea,

erstmal mein Mitgefühl, das ist wirklich für alle Beteiligten eine unangenehme Situation.

meine Tochter muss aufgrund einer schweren Bronchitis dreimal
täglich ein Medikament inhalieren. Sie hat Angst vor dem
Gerät,

Das schon erwähnte Vormachen hat bei uns (20 Monate, Lungenentzündung letzten Monat) super geholfen, nach zwei Tagen brachte sie mir den Inhalator und wollte viel häufiger als sie sollte…

Das Problem ist natürlich, dass sie jetzt schon panisch ist. Vieleicht könnt ihr einen neuen Inhalaltor (andere Maske, statt einer Ente einen Elefanten etc.) besorgen, um einen neuen Start zu ermöglichen? Vielleicht ist es auch möglich/ medizinisch vertretbar, mal einen Tag damit auszusetzen?

Das gleiche beim Baden und Haarewaschen.

Hier allerdings sehe ich keine Notwendigkeit. Meine Tochter hat extrem empfindliche Haut, daher reduzieren wir Wasserkontakt so gut es geht - und es ist ganz erstaunlich, wie selten ein Kind baden muss. Versuche es mal wirklich auf das notwendige Maß zu reduzieren. Was passiert denn, wenn sie mal 2 Wochen nicht badet? 3 Wochen? Haarewaschen lässt sich mit warmem Wasser und einem Waschlappen erledigen, wenn die Haare dafür zu lang sind, werden sie eben gekürzt.

Habt ihr übrigens Duschen/ vorsichtiges Abbrausen mal versucht?

Gruß und alles Gute
Ramona

Vielen Dank für die Beiträge!
Das Baden bzw. mit Waschlappen abtupfen machen wir ohnehin nur dann, wenn es gar nicht mehr anders geht. Wenn sie zum Beispiel nach drei Wochen wie verrückt am Kopf kratzt, weil er schon grindig ist :wink:.
Wie sauber andere Leute unser Kind finden, ist uns wurscht. Sie mag einfach generell nicht nass werden, zwei, drei Regentropfen im Gesicht bringen sie schon zum Schreien.
Beim Inhalieren haben wir auch schon alle möglichen Tricks durch. Die ganze Familie hat es ihr vorgemacht, auch der größere Bruder, den sie sonst in allem nachahmt. Heute morgen habe ich herausgefunden, dass es mit Keksen in Tierform einigermassen klappt. Sie kriegt drei Stück zur Belohnung, das ist zwar vom pädagogischen Standpunkt aus auch nicht besonders toll, aber immerhin schreit sie nicht mehr.
Ich lese aus Euren Antworten, dass Ihr es auch bedenklich findet, ein Kind mit Gewalt zu etwas zu zwingen, was vom Erwachsenen-Standpunkt aus wichtig für das Kind ist. Ich rechnete schon damit, dass meine Skrupel als übertrieben wahrgenommen werden.

Schöne Grüße
Andrea

Hi,

Das ist aber wirklich nicht nötig. Ihr könnt die Haare auch einfach mit warmem Wasser ohne jeden Zusatz waschen, ohne dass das Kind irgendeinen Schaden davon nimmt (das Problem ist doch die Seife, die sie in die Augen kriegt, oder? Oder ist es eventuell auch zu heißes Wasser?)

Aus lebhafter Erinnerung an die eigene Kindheit: Man hat Angst davor, dass man Wasser in die Augen bekommen KÖNNTE. Und dann brennt auch der kondensierende Wasserdampf (oder was auch immer… aus der Erinnerung weiß ich, dass kein Wasser in die Augen lief, weil entweder wie beim Frisör mit dem Kopf nach hinten gewaschen wurde, oder weil ich einen Waschlappen vor meine Augen hielt, während vornüber gewaschen wurde. oder beides in Kombination).

die Franzi,
die sich auch gut an die Machtlosigkeit und Verzweiflung ihrer Mutter erinnert

Vielen Dank für die Beiträge!
Das Baden bzw. mit Waschlappen abtupfen machen wir ohnehin nur
dann, wenn es gar nicht mehr anders geht. Wenn sie zum
Beispiel nach drei Wochen wie verrückt am Kopf kratzt, weil er
schon grindig ist :wink:.

entschuldige bitte, aber denkst du wirklich, dass solches verhalten langfristig für eure tochter eine hilfe ist? erziehung heißt, die kinder auf das leben vorzubereiten!

es hat mir zwar auch immer das herz zerrissen, wenn mein kleiner schrie, wenn ich nach einer schweren meninghitis krankengymnastik mit ihm machen musste. aber diesen übungen ist es zu verdanken, dass er heute über eine völlig normale motorik verfügt und keinerlei behinderung hat.

gruß
ann

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OT Nützlichkeit von Waschlappen
Hi Franzi

… aus der Erinnerung weiß ich, dass kein Wasser in die Augen lief, … weil ich einen Waschlappen vor meine Augen hielt, während vornüber gewaschen wurde. …

Und ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, dass einem die Seife trotz Waschlappen in die Augen lief! Die saugt sich doch da ein!

Na ja, das tut hier allerdings nichts zur Sache :smile:

Simsy Mone

Alternative?

Das Baden bzw. mit Waschlappen abtupfen machen wir ohnehin nur
dann, wenn es gar nicht mehr anders geht. Wenn sie zum
Beispiel nach drei Wochen wie verrückt am Kopf kratzt, weil er
schon grindig ist :wink:.

entschuldige bitte, aber denkst du wirklich, dass solches
verhalten langfristig für eure tochter eine hilfe ist?
erziehung heißt, die kinder auf das leben vorzubereiten!

Hallo Ann,

nur Interessehalber: Was schlägst Du denn dann vor, was sie tun sollte? Und vor allem wie?

Liebe Grüße
Stefanie

Hallo Stefanie,

ich denke, ich habe Ann schon richtig verstanden. Es gibt Dinge, hier im medizinischen Bereich, die man dem Kind einfach nicht ersparen kann. Es gehört wohl zum Mutter-/Vatersein dazu, dass man diese Sachen dann unter Einbeziehung aller möglichen Alternativen durchziehen muss.
Mein Bruder hatte im Alter von zwei Jahren einen komplizierten Beinbruch. Damals durfte man pro Tag nur zwei Stunden ins Krankenhaus, Geschwisterkinder durften gar nicht rein. Mein Bruder hat immer bitterlich geweint, meine Mutter hat wie eine Löwin um eine Verlängerung der Besuchszeiten gekämpft. Ohne Erfolg. Das war einfach so, sie hatte keine andere Möglichkeit. Das gehört auch zum Leben.
Es gibt Leute, die hadern recht viel mit sich, ich gehöre leider dazu. Als Mutter kann man sich förmlich drin suhlen.

Beste Grüße
Andrea

2 Like

Hallo!

Ich kann das ein wenig nachfühlen. Unser Kind hatte einen verengten Tränenkanal und wir mussten ihm immer wieder Augensalbe verabreichen. Er muss so 1-2 Jahre alt gewesen sein. Da die Verletzungsgefahr dabei recht groß ist, haben wir ihn dazu immer in ein Handtuch wickeln müssen, festhalten, Augensalbe rein, noch ein wenig verlaufen lassen und wieder raus. Jedes Mal ein Mordsgebrüll und wir Eltern waren fix und fertig, weil uns das so zuwieder war.

Mit der Zeit hat sich aber herausgestellt, dass je selbstverständlicher wir das taten, unser Sohn sich nicht mehr so gewehrt hat.

Das ist das, was ich Dir dazu sagen möchte: Es ist notwendig und es muss getan werden und es ist in Ordnung, wenn ihr das tut. Diese Selbstverständlichkeit müsst ihr dem Kind vermitteln, so schwer das ist. Euer schlechtes Gewissen vermittelt dem Kind das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist, das erschwert die Angelegenheit zusätzlich.

Also, mal schroff gesagt: Reißt Euch zusammen, tut was notwendig ist. Und fertig.

Wie machst Du das mit dem Anschnallen im Auto? Nur so eine Frage am Rande und zum Vergleich. Das Anschnallen ist ja auch unbedingt notwendig, man muss es nicht mit Gewalt tun, aber man kann dem Kind deutlich klar machen, dass das Auto nicht losfährt, so lange es nicht angeschnallt ist.

Schöne Grüße
und viel Erfolg
kernig

Du hast recht owt

danke
hallo andrea,

ich denke, ich habe Ann schon richtig verstanden.

genauso meinte ich es auch.

Es gibt
Dinge, hier im medizinischen Bereich, die man dem Kind einfach
nicht ersparen kann.

dazu kommt, dass wir gern von unseren kindern geliebt werden wollen und nur schlecht damit leben können, wenn sie - und sei es nur aus unverständnis - böse auf uns sind, wenn wir etwas zu ihrem wohl durchsetzen, das ihnen nicht gefällt. und manchmal sind sie es sogar lange zeit.

schöne grüße
ann

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Ich wollt mich nur zum Thema waschen äußern. Ist das wirklich notwendig? Haare kann man doch einfach bürsten bzw. falls wirklich Dreck drin ist mit nem feuchten Tuch ausreiben. Auch den Körper würde ich spielerisch einfach mit nem feuchten Lappen säubern. Evtl. gar nicht im Badezimmer. Wir hatten auch so Phasen, die waren irgendwann vorbei.

Sonst geht doch einmal die Woche ins Schwimmbad, das mögen Kinder doch viel lieber.

Fs

Hallo Fräulein Smilla,

siehe weiter unten, 8.11., 11.51 Uhr.
Schwimmbad geht mit ihr schon mal gar nicht.

Beste Grüße
Andrea

Hallo kernig,

Das ist das, was ich Dir dazu sagen möchte: Es ist notwendig
und es muss getan werden und es ist in Ordnung, wenn ihr das
tut. Diese Selbstverständlichkeit müsst ihr dem Kind
vermitteln, so schwer das ist. Euer schlechtes Gewissen
vermittelt dem Kind das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung
ist, das erschwert die Angelegenheit zusätzlich.

Das trifft es, glaube ich, ziemlich exakt. Manchmal klappt das, oft aber auch nicht, vor allem, wenn mir die Aussagen von Erziehungsbüchern wieder allzu präsent sind…

Wie machst Du das mit dem Anschnallen im Auto? Nur so eine
Frage am Rande und zum Vergleich. Das Anschnallen ist ja auch
unbedingt notwendig, man muss es nicht mit Gewalt tun, aber
man kann dem Kind deutlich klar machen, dass das Auto nicht
losfährt, so lange es nicht angeschnallt ist.

Wichtiger Punkt. Auch hier gibt’s Terz, aber im Vergleich zum Baden und Inhalieren, Arztbesuchen etc. ist das Anschnallen nicht mit Angst sondern bloßem Unwillen verbunden. Mit letzterem kann ich souverän umgehen und die Kinder akzeptieren hier, dass ich das Sagen habe.

Vielen Dank für die klaren Worte!
Andrea

Hallo Ann,

dazu kommt, dass wir gern von unseren kindern geliebt werden
wollen und nur schlecht damit leben können, wenn sie - und sei
es nur aus unverständnis - böse auf uns sind, wenn wir etwas
zu ihrem wohl durchsetzen, das ihnen nicht gefällt. und
manchmal sind sie es sogar lange zeit.

Solange ich das Maximum getan habe, damit sie sich zu gesunden und stabilen Persönlichkeiten entwickeln, soll es mir recht sein, wenn sie mich temporär zum Kotzen finden. Es ist nicht ihr Job mich lieb zu haben.

Schöne Grüße
Andrea

Sorry, ich hatte es dann auch gelesen.

Zumindest beim Waschen würde ich komplett den Druck rausnehmen. Ich würde das erstmal ne Weile beobachten. Eventuell explizit das Element Wasser in spielerischer Form betrachten. Also schritt für Schritt den Kontakt normalisieren.

Habt Ihr das Tinti-Zeugs schon mal probiert? Gibts auch von dm. Evenetuell hilft ja auch Taucherbrille und Schnorchel vor Einstieg in die Badewanne.

Allerdings gäbe es z.B. beim Zähneputzen keinen Kompromiß bei mir.

FS