Hallo
Unten im Thread (fast im Archiv) stand ja schon mal ein wenig zu King
Kong. Ich, mit Zeit und Plauderlaune, gebe mal meinen Kommentar ab.
Aaaalso: Um mich richtig vorzubereiten, habe ich mir vor einem Monat
den Film von 1933 nochmal angesehen und vor einer Woche den von 1976.
Die Effekte und die schauspielerische Leistung sowie Logik mancher
Dialoge des Klassikers von 1933 sind natuerlich Schenkelklopfer.
Eine Kostprobe:
Der Filmregisseur war der einzige an Bord, der wusste, wo die Insel
liegt. Der Kapitaen bestritt ihre Existenz mehrmals. Dann ploetzlich
erschien sie vor dem Schiff und der Kapitaen war sehr erstaunt
darueber. Man hoerte das Trommeln und sah die Feuer der Eingeborenen.
Der Regisseur zum Kapitaen: „Wir gehen gleich mal an Land. Kapitaen
sie kommen mit, sie kennen ja die Sprache der Eingeborenen.“ Und der
Kapitaen: „Ja, aber selbstverstaendlich!“ Da fragt man sich, warum er
sich so sicher war, die Sprache eines Volkes zu beherrschen, von
dessen Existenz er bis vor 5 Minuten noch gar nichts wusste.
Vielleicht nahm man damals an, dass es nur eine einzige
Eingeborenensprache auf der Welt gebe, derer sich alle bedienen,
sofern sie Eingeborene waren, ganz gleich, wo sie lebten.
Zu dem neuen Film:
Wie schon im Herrn der Ringe zeigt Peter Jackson, dass er die Dinge
perfekt in Szene setzen kann. Die Atmosphaere im depressiven New
York, seine Skyline, die Schiffsmannschaft: alles vom Feinsten.
Aber das sind ja nur die Vorbereitungen. Mit der Ankunft auf der
Insel beginnt die Action, die den Zuschauer, der etwas dafuer uebrig
hat, gut 1 1/2 Stunden kaum zu Atem kommen laesst. In der Kinopause
sahen alle sehr verstoert aus, aber danach sollte es ja erst richtig
losgehen. Die Eingeboren waren sehr gruselig und machten den Eindruck
voellig geisteskrank zu sein. Die schienen mehr Orks als Menschen zu
sein. King Kong sah super aus und hatte offensichtlich unendlich viel
Kraft, die er gegen die Kreaturen der Insel wie gegen die Menschen,
die ihn jagten, sehr effektiv einsetzte. Es kommt zu spannenden
Begegnungen mit dem ganzen Jurassic Park und mit widerlichen
Krabbelviechern, die natuerlich auch alle riesengross sind.
Die Klopperei von Kong mit den drei T-Rex ist echt spektakulaer,
zumal er diese besiegt, obwohl er in einer Hand oder einem Fuss, je
nach aktueller Lage, immer noch seine geliebte Schoenheit festhaelt
und beschuetzt.
Zwischen Kong und der weissen Frau entwickelt sich eine kleine
Romanze und alle im Kinosaal schliessen den gutmuetigen und
missverstandenen Riesen in ihr Herz. Herrlich ist auch, wie er die
beleidigte Leberwurst spielt, nachdem die Frau weggelaufen war (ihm,
der er sie doch liebt) und er ihr beweisen musste, dass sie ohne ihn
aufgeschmissen ist.
Aber letztlich siegen die Menschen mit ihren fiesen Tricks
(Schusswaffen, Falle, Chloroform) doch und Kong liegt schliesslich
betaeubt am Boden. Die schoene Frau konnte sich fuer ihn einsetzten
und weinen und zetern wie sie wollte, die Geldgier und den Fanatismus
des Regisseurs und des neuerdings auf seiner Seite stehenden
Kapitaens kann sie nicht erreichen. Das ist wirklich traurig.
Wie schon im Vorbild von 1933 (viele Szenen sind uebrigens reine
Imitate, gerade auch die, in der Kong mit dem zerbrochenen Kiefer des
Sauriers spielt) ist die naechste Szene schon die Buehne in New York
auf der Kong angebunden dem Publikum praesentiert wird.
Den Rests des Inhalts lasse ich jetzt mal beseite und wende mich den
Fragen zu, die der Film in mir geweckt hat:
Wie hat die Besatzung es geschafft, Kong von der Insel auf die Buehne
zu bringen, obwohl
- Kong praktisch unendlich stark ist und bestimmt soviel wiegt wie 5
Elefanten - Die Mannschaft bis auf wenige Leute umgekommen ist
- Die Ueberfahrt wohl mehrere Wochen dauert und das teilweise durch
unbefahrene Gewaesser - Kaum noch Lebensmittel an Bord sind, denn diese wurden ueber Bord
geworfen, um das Schiff in dem schwierigen Gewaesser zwischen den
Felsen der Insel zu erleichtern - Nicht nur die Mannschaft sondern auch Kong (und der wohl so 100 Kg
am Tag) essen muessen - Auf dem Schiff gar kein Kaefig fuer Kong vorhanden war und auch
sonst kein Raum, in den er gepasst haette
Tja, damit hat sich Peter Jackson dann auch nicht auseinandergesetzt,
denn diese Probleme sind unloesbar. Im Film von 1976 wurde die
Ueberfahrt gezeigt, aber die hatten auch ganz andere technische
Mittel, denn das war ein sehr grosses Schiff und die Handlung spielte
auch 1976.
Dann sind da noch andere Unstimmigkeiten:
- Die Insel zeichnet sich dadurch aus, dass sie staendig von einer
Nebelwolke umgeben ist, die sich wie eine Glocke ueber sie stuelpt.
Wie konnten Kong und die weisse Frau dann aber den Sonnenuntergang
bewundern? - Warum konnte der Regisseur oeffentlich auftreten, obwohl doch ein
Haftbefehl gegen ihn vorlag? - Wie ist es moeglich, dass die weisse Frau in den Schlussszenen ein
leichtes Sommerkleid traegt, ohne zu frieren und das obwohl in New
York strenger Frost herrschte (ein See war dick zugefroren) und sie
sogar auf der zugigen Spitze des Empire State Buildings herumturnte
und dies nicht nur fuer ein paar Minuten?
Aber wie dem auch sei: Mich hat der Film echt beeindruckt und ich bin
total begeistert.
Gruss, Tychi

