Fluch der Karibik … KRITIK
Ein Kumpel von mir schrieb das hier zum Film:
Fluch der Karibik
Jack Sparrow, der wohl schlechteste Pirat den man je gesehen hat, und ich-will-mein-Mädchen-zurück-William-Turner machen sich auf, ein paar extremen Fällen von Magersucht in den Allerwertesten zu treten…
Wieso ich unbedingt in diesen Film wollte? Weil ich sehen wollte was herauskommt, wenn Brillanz(Johnny Depp) auf Kommerz(Jerry Bruckheimer) trifft. Nun habe ich auf der einen Seite einen Star, der sich vom Hollywoodimage losgesagt hat, und auf der Anderen einen Produzenten der für den Inbegriff Hollywoods steht. Einige werden nun fragen wo denn der ach so wichtige Regisseur bleibt…in diesem Fall nirgends, denn Gore Verbinski ist keine Größe in Hollywood und daher sicher froh einen, mit hoher Wahrscheinlichkeit, karrierefördernden Bruckheimerfilm machen zu dürfen. Sicher, Bruckheimers Filme sind fast immer erfolgreich(ein paar Sachen sind ja auch ganz akzeptabel, wenn’s um seichte Unterhaltung geht), aber nicht auf Grund von hoher Qualität, sondern niedrigen Ansprüchen. Niedrige Ansprüche was die Zielgruppe betrifft! Bruckheimer hält die Masse für dumm, und macht auch keinen Hehl daraus(man muss sich nur „Armageddon“ anschauen, und leider bestätigen die Einspielzahlen dieses Machwerks ihn). Wenn Jerry Bruckheimer also einen Film produziert, dann nach der Formel was-geilt-Teenies-zur-Zeit-am-meisten-auf-ohne-sie-geistig-fordern-zu-müssen.
Was geilt Teenies zur Zeit am meisten auf, ohne die geringste geistige Tätigkeit zu verlangen? Gangsterrap!! Yeah, Gangster sind cool. Jeder will ein Gangster sein, oder nicht? (wenn man sich die Gesichter auf der Straße anschaut, scheint es so) „Huh, was hat das mit diesem Film zu tun?“, werdet ihr fragen. Tja, Piraten waren doch coole Gangster, oder nicht?
Ich gebe zu das hört sich konstruiert an(so hanebüchen konstruiert wie die Story des Films), aber wenn man sich den Film zu Gemüte führt, muss man zwangsläufig auf Parallelen stoßen. Ganz offensichtlich wussten die Verantwortlichen nicht was sie mit ihrer Geschichte denn eigentlich aussagen wollten(der Handlungsverlauf hat generell keinen festen „Kurs“). So, als bestände ein moralischer Konflikt. Gerade hat man es mit fürchterlichen, gnadenlos mordenden Kreaturen zu tun, und dann sind Piraten ja irgendwie doch sympathische, nette Jungs, die halt ab und an Jemandem die Kehle durchschneiden müssen, weil Mami nicht so liebevoll bei der Erziehung war. Die Grundaussage des Films, „Auch ein Pirat kann ein guter Mann sein“, ist zwar nett gedacht, erinnert mich aber doch zu sehr an eine Zeile aus einem meiner Lieblingslieder…“tu mir nen Gefallen und bleib Gangster“(und lieben wir nicht alle dieses Lied?).
Wieso ich eigentlich so darauf herumreite? Ganz einfach, was ich hier beschrieben habe, ist Beispielhaft für die Grundproblematik des Films, nämlich Widersprüchlichkeit(spätestens ab dem Showdown wird jegliche Logik verbannt). Hier wurde scheinbar ein nettes Skript vergewaltigt, um kommerztauglich zu werden. Scheiß auf das Ergebnis, wir müssen ja nur die Teenies verarschen.
Das Verhalten der Charaktere erinnert ziemlich an die heutige Zeit, die Handlung passt nicht zusammen und die Story an sich, haut eigentlich auch keinen um. Trotzdem kann man sich den Film anschauen! Richtig gelesen, man kann, denn „Fluch der Karibik“ ist, wenn man sich einfach nur berieseln lässt, ganz unterhaltsam. Der Film hat zwar einige Fehler und eine etwas lächerliche Aussage, aber beleidigt den Zuschauer nicht(im Gegensatz zum „Meisterwerk Armageddon“). Wenn ich mir einen Piratenfilm anschaue, will ich in erster Linie unterhalten werden, und das gelingt diesem Film durchaus. Dies ist vor allem Depps Verdienst, der mit Jack Sparrow doch wieder einen eher abgehobenen Charakter spielt. Depp spielt den berüchtigten Piraten so überzogen, das man ihn nur lieben oder hassen kann. So wirkt Sparrow schwuchtelig(der Versuch vornehm aufzutreten) und dann doch wie ein ganzer Kerl, ein wenig irre und dann doch glasklar, usw. Es ist wohl reinste Ironie das Depps Darstellung parallelen zum Film selbst aufweist, nur gewinnt Depps Rolle durch die überzogene Widersprüchlichkeit, während der Film dadurch viel verliert.
Auf Regie, Schnitt und Kamera werde ich nicht näher eingehen, denn man bekommt durchweg Hollywooddurchschnitt geboten(was als gut auszulegen wäre).
Die Schauspieler sind passabel, nur Depp sticht, wie bereits erwähnt, besonders hervor. Dazu sei aber gesagt, das Orlando Blooms Synchronstimme eher schlechte Arbeit abliefert. Möglich das seine Darstellung dadurch nicht korrekt wiedergegeben wird.
Die Effekte hauen bei Leibe niemanden aus den Socken. Vor allem die Darstellung der Verfluchten wirkt fern jeglicher Erwartung(da gab es schon wesentlich bessere Computereffekte), aber gut möglich das dass Absicht ist, um den Film „familientauglicher“ zu machen.
Fazit:
Wer das Wort „Tiefgang“ sucht, sollte vielleicht denn nächsten Pokemonfilm vorziehen. Wer allerdings einfach nur mal wieder nett unterhalten werden will, ohne großen Wert auf Stimmigkeit zu legen, der ist mit „Fluch der Karibik“ durchaus bedient.