Hey,
ich hab noch eine Frage:
Wie oft gingen die Leute
im MA in die Kirche
und wie lief es da ab?
Liebe Grüße
Welche Kirche meinst Du??
Die Lutheraner gingen nur Sonntags. Sie wurden von der Glocke gerufen.
mfgConrad
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Servus!
ich hab noch eine Frage:
Wie oft gingen die Leute
im MA in die Kirche
Es wurde ja schon darauf aufmerksam gemacht, daß es regionale und konfessionelle Unterschiede gab, da es aber im Mittelalter in Europa nur Katholiken gab, beziehe ich mich mal auf das, was ich von den Katholiken weiß.
Die hatten die Pflicht zum täglichen Meßbesuch. Das war in den Dörfern im übrigen noch bis in die 50er Jahre so: Morgens nach dem Aufstehen, aber noch vor dem Frühstück in die Messe.
Die Umsetzung dieser Pflicht sah anders aus: Das komplette Dorf war nur Sonntags anwesend.
und wie lief es da ab?
Jedenfalls im Stehen: Kirchenbänke gab´s noch nicht. Der Pfarrer las seine Messe auf Latein, und im Stillen am Altar, abgewandt vom Volk, das sich die Zeit mit stillen Gebeten vertreiben sollte. In der Realtität wurde während der Messe geratscht, diskutiert und sogar Handel getrieben. Es war (gerade in den großen Kirchen und Domen) ein ständiges Kommen und Gehen, im Augsburger Dom sogar zu Pferd.
*kurz aushol* Die Augsburger hatten beim Bau des gotischen Ostchors nur die Möglichkeit, in die bestehende Strasse (es war die alte Römerstrasse durch Augsburg und die Hauptverbindung zwischen Italien und den großen Handelsstädten im Norden - Frankfurt, Nürnberg, etc.) hinein zu bauen und die Strasse um den neuen Chor herumzu führen. Einige Patrizier reservierten sich das Recht, trotzdem dem alten Strassenverlauf folgend durch Augsburg zu reiten. Sie ritten also bei einem Kirchenportal hinein und beim anderen wieder hinaus.
Da viele Messen nicht am Hauptaltar, sondern in den Nebenkapellen gelesen wurden - und das gleichzeitig - störte das nicht sonderlich.
*aushol Ende*
Wenn nicht nur ein Priester eine Messe las, sondern irgendwas Größeres gefeiert wurde, gab´s auch Chorgesänge. Ansonsten las und betete der Priester als Stellvertreter des Volkes die Messe.
Das Volk war nur anwesend und nahm teil.
Nur um´s nochmal zu betonen: Zwischen städtischen und dörflichen, großen und kleinen Kirchen, Dorfpfarrern und Stadtklerikern gab´s natürlich große Unterschiede!
VG
Christian
Die Lutheraner gingen nur Sonntags. Sie wurden von der Glocke
gerufen.
Tja, aber mal ehrlich: Wo gab es denn im Mittelalter Lutheraner???
Levay
Vielen Dank,
das war wirklich sehr hilfreich 
L G
Fury
Hey
vielen Dank für eure Hilfe.
Aber wenn die Messe auf Latein
gehalten wurde,
hat das Dorf dann überhaupt etwas
verstanden?
Konnten damals alle Latein?
Liebe Grüße
Fury 
Nein. Das hat niemand verstanden. Was glaubst du, warum es so sensationell war, als dieser eine Typ da auf die Idee kam, dass man eine Messe doch auch auf Deutsch halten und - ja! - sogar die Heilige Schrift ins Deutsche übersetzen könne?
Levay
Hallo,
Konnten damals alle Latein?
Das kommt stark darauf an, was Du mit „damals“ genau meinst und vor allem wo.
Ich geh jetzt aber mal davon aus, dass Du nicht unbedingt romanische Länder und vor allem vom Hochmittelalter sprichst: nein, da konnten die einfachen Gläubigen kein Latein. Daher gibt es ja auch heute noch die Predigt (oder Homilie), die in regionaler Sprache abgefasst war. Deren Funktion war es eben Bibelstellen der Messe (Evangelium - NT - und Lectio - AT) zu wiederholen und zu erklären, so dass ein Messebesucher auch etwas damit anfangen konnte.
Hinzu kommen dann noch die Bilder in den Kirchen: Reliefs, Steinfiguren etc. Deren Funktion war es eben, den Gläubigen die Geschichten der Bibel in Bildern zu erzählen.
Gruss
Y.-
Kirche im Mittelalter
Hi Fury,
die Frage ist so gestellt fast unmöglich zu beantworten. Ich versuche es trotzdem mal.
Zuerst einmal mußt Du Dir klarmachen, daß das Mittelalter einen sehr großen Zeitraum umfaßt. Die Grenzen zur Antike und zur Neuzeit hin sind sehr fließend.
Die Anfänge kann man irgendwann zwischen 200 und 600 nach Christus sehen (Stichwort Völkerwanderung), das Ende so im 15. Jahrhundert (Stichworte Renaissance, Buchdruck, Fall Konstantinopels etc.).
http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Die_Einteil…
Im frühen Mittelalter ging zum Beispiel in unseren Breitengraden noch niemand in die Kirche, da waren irische Missionare noch damit beschäftigt, uns zu bekehren. 
Und dann: Welche Kirche meinst Du? Die römisch-katholische?
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_R%C3%B6m…
Die anglikanische? Die byzantinische Reichskirche?
Du siehst schon, da ist etwas Einlesen nötig, um überhaupt die Frage spezifizieren zu können. Du könntest es als Einstieg mal hiermit versuchen:
Die mittelalterliche Kirche.
von Michael Borgolte
ISBN: 3486200267 Buch anschauen
Liebe Grüße,
Nike
Hallo Nike,
ich weiss nicht ob Borgoltes Beitrag für Furrys Frage nicht etwas zu sehr auf Deutschland und etwas zuviel Vorwissen verlangt.
Ich würde ansonsten noch Isnard Wilhelm Frank, Kirchengschichte des Mittelalters empfehlen. ISBN: 3491690641 Buch anschauen
Da ist von der Christianisierung (ganze Europa) bis zu den einzelnen Reformen und Elementen der Messe alles erklärt.
Bei Amazon seh ich grad, kann man sich auch das Inhaltsverzeichnis ansehen: http://www.amazon.de/gp/reader/3491690641/ref=sib_dp…
Grüsse
Y.-
Hi meine Liebe,
ich weiss nicht ob Borgoltes Beitrag für Furrys Frage nicht
etwas zu sehr auf Deutschland und etwas zuviel Vorwissen
verlangt.Ich würde ansonsten noch Isnard Wilhelm Frank,
Kirchengschichte des Mittelalters empfehlen. ISBN:
3491690641 Buch anschauen
Lustig, ich schwankte zwischen dem, das ich empfahl, und Frank (zwei Bücher wird er eher nicht lesen, schätze ich *g*). Habe mich dann nicht für Frank entschieden, weil Borgolte knapper ist und weil ich glaubte, daß Furry sich wahrscheinlich gerade auf unsere Gegend bezieht. Aber ja, die Kirchengeschichte ist sicher auch ein guter Einstieg.
Findest Du es für Anfänger leichter zu lesen als Borgolte?
Liebe Grüße,
Nike
Hallo und einen schönen Sonntagmittag,
Findest Du es für Anfänger leichter zu lesen als Borgolte?
Eigentlich schon. Wobei diese Frage natürlich immer schwer ist, wenn man selbst Vorwissen hat und man nicht genau weiss, was man beim Fragenden voraussetzen kann. *hint*
Borgolte würde ich nach Frank lesen, um spezifisch für die Deutsche Kirche und vertiefend Infos zu bekommen. Ausserdem kann man bei Frank auch einfach einen Abschnitt lesen, bei Borgolte eher nicht.
Aber das ist nur meine Einschätzung, vielleicht hat ja jemand noch eine andere Idee für eine gute Einführung?
Liebe Grüsse an Dich
Y.-
Um an Furys Beitrag anzuschließen:
Wie lief der „Kirchgang“ so um 1100-1300 in der tiefsten Provinz ab? Soweit ich weiß hatten viele Dörfer nur wenige Häuser 3-10. Hatten die dann überhaupt eine eigene Kirche nebst Pfarrer, oder mußten sie kilometerweise ins nächste größere Dorf mit einer Kirche pilgern?
MfG, Der Hello
oder mußten sie kilometerweise ins nächste
größere Dorf mit einer Kirche pilgern?
ja.
gruß
ann
Servus!
Um an Furys Beitrag anzuschließen:
Wie lief der „Kirchgang“ so um 1100-1300 in der tiefsten
Provinz ab? Soweit ich weiß hatten viele Dörfer nur wenige
Häuser 3-10. Hatten die dann überhaupt eine eigene Kirche
nebst Pfarrer, oder mußten sie kilometerweise ins nächste
größere Dorf mit einer Kirche pilgern?
Ann hat schon recht. Wobei allerdings viele dieser kleinen Dörfer (soo viele gab´s davon gar nicht, die meisten Dörfer waren Rodungsdörfer, die per se schon mal mehr Häuser hatten), viele Dörfer also, die keine eigene Pfarrkirche hatten, hatten entweder eine Filialkirche, die in regelmässigen Abständen von einem Pfarrer mitbetreut wurden (hieß also, die Messe fand alle paar Wochen statt) oder einen Benefiziaten oder Kaplan hatten (mit täglichen oder wöchentlichen Meßterminen).
Zumindest eine Kapelle aber hatte selbst ein Einzelhof. Auch hier kam in regelmässigen Abständen ein Geistliher vorbei und feierte die Messe, nham zumindest die Beichte ab.
VG
Christian
Hey
ich hab noch eine ganz dumme Anfängerfrage =) :
Sind Lutheraner Protestantisch?
Sind das zwei verschiedene
oder nur ein Glauben?
Liebe Grüße
Fury
Hiho,
ich hab noch eine ganz dumme Anfängerfrage =) :
Es gibt keine dummen Fragen… 
Sind Lutheraner Protestantisch?
Außerdem sind die Konfessionen eine Wissenschaft für sich.
Sind das zwei verschiedene
oder nur ein Glauben?
Also, Glauben ist es eh nur einer, auch Protestaten und Katholiken haben nur einen Glauben - aber eine unterschiedliche Konfession. Sind alles Christen.
Die einzelnen Konfessionen unterscheiden sich in ihren Dogmen und Sakramenten und darin, wie sie ihren Gottesdienst feiern.
Lutheraner und Protestanten sind ursprünglich ein und dasselbe. „Lutheraner“ nannten anfangs die Katholiken „diese neue Sekte“, also die Anhänger Luthers, um sie eben als Ketzer zu verunglimpfen.
Erst später bezeichnete der Begriff eine eigenständige Strömung, zitiere:
"Kirchen bzw. Gemeinden werden oft „Lutherische“ Kirchen bzw. Gemeinden oder „Evangelisch-Lutherische“ Kirchen bzw. Gemeinden genannt. In vielen sogenannten „unierten“ Kirchen haben vor allem die lutherischen Gemeinden meist ihre traditionelle Gottesdienstform bewahren können. Im Zuge der Vertreibungen von deutschen Lutheranern aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reichs entwickelten sich viele ursprünglich reformiert geprägte Gemeinden zu unierten Gemeinden lutherischer Prägung. Diese Konstellation ist beispielsweise häufig im Rheinland anzutreffen.
Mehr dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Lutheraner#Lutherische_…
Vergleiche einmal mit dem Begriff des Protestantismus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Protestantismus
Wie gesagt, ziemlich kompliziert, dumm war die Frage also gar nicht. 
Liebe Grüße,
Nike
Es gibt keine dummen Fragen…
OOOHHHHH DOOOOOCH!
aber diese zzählt nicht dazu 
schöne grüße
ann
oder mußten sie kilometerweise ins nächste
größere Dorf mit einer Kirche pilgern?ja.
Jede Woche???
Angela
Hi Angela,
oder mußten sie kilometerweise ins nächste
größere Dorf mit einer Kirche pilgern?ja.
Jede Woche???
Na ja, meine Großeltern gingen noch 15 Kilometer zu Fuß in die Kirche. Bei jedem Wetter, auch im Schneesturm. Jede Woche.
Liebe Grüße,
Nike