Kirche im Nationalsozialismus - hat sie versagt?

eine kurze Ergänzung
Mir ist gerade eingefallen (natürlich kurz nachdem ich den Artikel abgeschickt hatte), dass ich etwas wichtiges vergessen habe: Die DC haben Geistliche, die sich geweigert haben, ihre „neue Glaubensrichtung“ anzunehmen, abgesetzt. Dann beschafften sie neue „Geistliche“, die teilweise keine Ahnung von Theologie hatten, und besetzten mit ihnen (größtenteils ohne Rücksicht auf das Presbyterium oder die Gemeinde) die kirchlichen Posten.
Meistens bekamen diese DC-Geistlichen nichtmal eine Inthronierung oder ähnliches, sondern nur den Auftrag, Hitlers Wort mit dem Gottes zu unterstützen.
Einer der bekanntesten DC-Geistlichen war Ludwig Müller, ein Wehrkreispfarrer, der dafür berüchtigt war, an seinem Talar alle seine Abzeichen aus dem 1. Weltkrieg zu tragen.

Kann mir jemand erklären, wobei die Kirchen einmal NICHT versagt hat? Die ganze Geschichte ist nur ein einziges Versagen der Kirche.

Im Nationalsozialismus hat sie teilweise sogar als Handlanger der Nazis gedient. Sie ist zu wenig entschieden aufgetreten.

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nicht jeder Judenfeind ist Antisemit…

nein? was denn dann?

Antijudaismus-Antisemitismus
Hallo vbt,

es gab auch religiös begründetet Antijudaismus, der sich gegen die Religion der Juden richtete, aber nicht gegen ihr „Volk“ oder ihre „Rasse“, wie es der Anisemitismus tut (bitte: Rasse in der Terminologie des Antisemiten zu verstehen, das ist nicht mein Vokabular). War der Jude getauft, war alles gut. Im 3. Reich hatten jedoch selbst getaufte Juden ein Problem.

Außerdem: Luther war sicher ein Judenfeind, aber kein Antisemit. Antisemitismus wie wir ihn heute kennen, ist eine recht späte Erfindung und es ist unhistorisch und schlichtweg falsch einen gegen Juden hetzenden Wanderprediger im Mittelalter als Antisemiten zu bezeichnen. (was ihn ja nicht „besser“ macht) Meines Wissens kann man Antisemitsmus i.S. eines spezifischen „Rassismus“ das erste Mal bei den „Marranen“ (zwangsgetaufte spanische Juden im 15./16. Jahrhundert, die ihre Religion heimlich weiterlebten) beobachten. Hier wurde in entsprechenden Quellen das erste Mal auch von jüdischem Blut gesprochen, das unrein sei (frag mich aber bitte nicht nach der Quelle, das habe ich noch aus einem alten Semnar aus meine Geschichtsstudium im Kopf.)

Beste Grüße,

barbara

Kann mir jemand erklären, wobei die Kirchen einmal NICHT
versagt hat? Die ganze Geschichte ist nur ein einziges
Versagen der Kirche.
Im Nationalsozialismus hat sie teilweise sogar als Handlanger
der Nazis gedient. Sie ist zu wenig entschieden aufgetreten.

Ich finde, so pauschaul sollte man dieses Thema nicht abtun.
Vergebung und Feindesliebe kontra Macht und Massenmord - kaum etwas widersprach sich mehr als Kirchen und NS-Staat. Dieses gewaltige Widerstandspotenzial aktivierten die Leitungen beider Kirchen aber nie in größerem Umfang. Das hatte vielfältige Gründe: theologische, nationale, persönliche, auf evangelischer Seite auch konfessionelle. Entscheidend jedoch war der Selbsterhaltungstrieb der beiden Kirchen, also eine übergeordnete Überlebensphilosophie. Spürbarer Widerstand der Kirchen gegen das Regime kam durchwegs von unten: von Pfarrern Gemeinden und einzelnen Christen.
Und diese Einzelpersonen sollte wir nicht vergessen:
Augustin Rösch und Alfred Delp standen in Verbindung zum Kreisauer Kreis. Bischof von Galen predigte in Münster gegen die Euthanasie. Dietrich Bonhoeffer verfocht den aktiven Widerstand - auch ein Attentat auf Hitler - und nahm Kontakt mit Oppositionellen aus der Wehrmacht auf. Hier sind nur die wichtigsten genannt.
Zu den konsequentesten Gegnern des NS-Staates gehörten übrigens die „Bibelforscher“, wie sich die „Zeugen Jehovas“ zunächst nannten. Im Gegensatz zu den beiden großen Kirchen haben sie jede Verbindung mit dem Nationalsozialismus abgelehnt, was mindestens 2000 von ihnen mit dem Leben bezahlen mussten.