Hi Rasta,
mann darf das mittelalter nicht nach heutigen maßstäben und
denke beurteilen.
allerdings.
wie im posting weiter oben bemerkt, war es
imho einzig die schuld der katholischen kirche am judenhass.
damals war es in ganz europa gang und gebe, juden als
minderwertig anzusehen.
Als Historikerin rede ich ungern von Schuld, das ist nämlich ein moralischer Begriff - und der ist in einer Diskussion über Ursachen und Hintergründe von Entwicklungen und Ereignissen irrelevant. Aber „Ja“, die katholische Kirche hatte aufgrund ihrer „Ideologie“ und ihrer Politik einen erheblichen Anteil an der Judenfeindschaft im Mittelalter. Aber nicht nur.
Z.B. Das Konstrukt der Kammerknechtschaft. Das lieferte die Juden auf Gedeih und Verderb dem deutschen Kaiser aus - Grundidee: Schutz und rechtliche Privilegien für Geld. War das am Anfang eine durchaus auf Gegenseitigkeit beruhende annehmbare Lösung im mittelalterlichen Rechtsgefüge (die ersten Juden waren schließlich auf Geheiß des Kaisers als Fernhandelsleute ins Land geholt worden und die ersten Familien standen eben unter seinem persönlichen Schutz und hatten an Zollstationen gewisse Privilegien, damit der Kaiser und sein Adel Seide, Pfeffer und andere Luxusgüter importiert bekamen), entwickelte sich hier über die Jahrhunderte eine für die Juden katastrophale Situation. Dieser „Schutz“ wurde wie andere Regalien auch (Regalien= Reichsrechte, platt formulier:t mit Einnahmen verbunden, irgendwie musste der Mann sich ja finanzieren:smile:)im Laufe der Zeit verpfändet - und verlor seine ursprüngliche Schutzfunktion. Wurde zu einer reinen Geldauspressfunktion gegen die Juden, die auch schauen mussten, wie sie das immer zusammenkratzen konnten. Ok, ein sehr komplexes Thema in drei Sätzen stark vereinfacht:smile:. Auf jedenfall ist der Status der Juden als Kammerknechte AUCH eine sehr wichtige Ursache für ihre de jure und de facto unterdrückte Stellung. Und natürlich das jeweilige Stadtrecht etcpp.
schön wenn er über die freiheit des christenmenschen schreibt.
mag ja schön sein, deswegen stellt er den christen trotzdem
über den juden. aber wie gesagt, das darf man nicht nach
heutigen maßstäben beurteilen
Definiere bitte Faschismus?
Die orthodox marxistische Definition des Faschismus ist „Faschismus = Vollstrecker des Finanzkapitals“ *gg*…Nach dieser Definition wurde unsereins (westlich-liberales Bürgertum:wink:) auch schon von dem ein oder anderen enthusiastischen Trotzkisten als „Faschist“ beschimpft. Womit ich in diesem Fall leben kann.
Aber mal ernsthaft: Faschismus hat ja nicht per se die Juden im Mittelpunkt seiner Ideologie. Das trifft sicher auf den deutschen Faschismus - sprich Nationalsozialismus - zu. Das gilt aber nicht für die Italiener, die vorher sehr erfolgreich faschistische Gesellschaftsstrukturen aufbauten. Oder Franco in Spanien. Alles Faschisten. Spätestens bei der Gleichschaltung hätte Luther nicht mehr mitgemacht, um mal auf den Ausgangspunkt zurückzukommen.
Und nicht jeder Antisemit ist Faschist und
auch nicht jeder Judenfeind ist Antisemit…
-)
als jude interessiert mich das, mit verlaub, einen
scheissdreck. alle 3 in einen sack und knüppeln.
Supereinstellung für ein Diskussionsbrett, in dem Sach- und Fachfragen ausgetauscht werden sollen *grmpf* Mal davon abgesehen auch keine sehr nützliche, wenn es darum geht, Antisemitismus zu sehen und zu benennen und zu bekämpfen.
grüße,
Barbara