Kirche

wir hatten gestern die Diskussion über die Frage, ob es möglich ist in Deutschland eine Kirche zu gründen.

Ein Teil war der Meinung, daß dies vollkommen ausgeschlossen sein müßte.
Ein anderer sah dies nicht begründet.

Es stellt sich allerdings die Frage, welcher Teil hat Recht und wie wäre dies zu begründen.

Gruß

Theo

… ob es möglich ist in Deutschland eine Kirche zu gründen.

Hallo Theo,

gründe lieber was anderes. Das ist leichter (und seriöser).
Mitglieder zu finden, dürfte das kleinere Problem sein. Wenn die vertretenen Ideen nur hinreichend abgedreht sind, findest Du auch Gefolgsleute. Mit denen gründest Du einen eingetragenen Verein und taufst ihn blabla-Kirche e.V. . Für Dein persönliches Wohlergehen als Kirchenfürst sorgen die Aufwandsentschädigungen aus der von den Vereinsmitgliedern gespeisten Vereinskasse.
Wenn Du an den Spendennapf z. B. der von Gerichten verhängten Bußgelder willst, wird es schwieriger. Dein Verein müßte dafür als gemeinnützig anerkannt werden. Bis dahin und wahrscheinlich auch darüber hinaus ist der Verein nur eine „Sekte“, die sich großspurig Kirche nennt. Wobei niemand sagen kann, was der Unterschied zwischen Sekte und Kirche ist.

Eher aussichtslos wäre der Versuch, den Vereinsbeitrag durch das Finanzamt eintreiben zu lassen. Die Konkurrenzunternehmen, die das schafften, bewachen diese automatisch (und grundgesetzwidrig) sprudelnde Geldquelle mit Argusaugen.

Grundsätzlich spricht also nichts dagegen, eine Kirche zu gründen. Du brauchst nur einen Leithammel (schon lange tot oder lebendig, zur Not machst Du es selbst) und eine möglichst abstruse Story.

Gruß
Wolfgang

PS: Eigentlich gehört Dein Posting ins Brett Existenzgründung.

Gründe statt einer Kirche lieber eine politische Partei. Die postulierten Ideen können (müssen aber nicht) ebenso verrückt wie bei der zu gründenden Kirche sein. Sehr bequem: Du brauchst Dich an einmal abgesonderte Leitsätze fortan nicht mehr zu halten. Inzwischen geht’s auch ganz ohne Programm. Persönliche Voraussetzungen jedweder Art, eine fundierte Ausbildung* oder praktisch erprobte Kenntnisse interessieren niemanden.

Das Schönste aber: Du bist den öffentlichen Töpfen ganz nah. Sollte man in diesem Zusammenhang irgendwelche Rechenschaft verlangen, sorge Dich nicht. Hauptsache, Du führst Deinen Terminkalender sauber. Der Bericht muß nämlich pünktlich eingehen, damit Du die ersehnte Kohle bekommst. Irgendeine auch nur entfernte Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit ist jedoch nicht erforderlich.

Pferdefuß an der Sache ist nur, daß Du Dich regelmäßig den Wahlen stellen mußt. Aber wieder gilt: Sorge Dich nicht. Gehe ordentlich frisiert zum Fotografen und erzähle nur Dinge, die Du am Stammtisch aufgeschnappt hast. Dann kann nichts schief gehen. Falls aber doch etwas schief geht, sorge Dich nicht: Das Wahlvolk ist beliebig dumm und vergeßlich. Wenn Dir bei Deinen zahlreichen Aufgaben wirklich einmal ein Mißgeschick widerfährt, aus Versehen eine kleine Bestechlichkeit oder Steuerhinterziehung: Sorge Dich nicht. Was den Normalbürger hinter Gitter bringt, bringt Dich nur in die Medien und dem nächsten Wahlsieg ein Stückchen näher.

Gruß
Wolfgang

* Anmerkung zur Ausbildung: Wenngleich für den Job entbehrlich, kann ein Lehramt-Studium (Religion und Sport) nicht schaden. Alternativ kannst Du Dich auch durch ein paar Semester Sozialpädagogik quälen. Wenn Du dann noch ein Schmalspur-Studium anhängst, das Dich als Jurist in der öffentlichen Verwaltung ausweist, steht einer kometenhaften Karriere nichts mehr entgegen. Dies nur als kleiner Tipp am Rande für Leute, die heute noch glauben, mit einem naturwissenschaftlichen Studium etwas werden zu können.

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Alaaf und Helau
*Lol* und zwei güldene Sternchen an Wolfgang für die Absonderungen zu Politik und Kirche.
Ich hab einen dritten Vorschlag: Gründung eines Karnevalsvereines. Da gibts zwar kein Geld von Staat, jedenfalls nicht regelmässig und nicht selbstverständlich, dafür sind die Karnevalsvereine die einzigen Institutionen, in denen man ein ausreichenendes Quantum an bierernster Ehrlichkeit erwarten kann.
Ordentlich frisiert zu sein und eine abstruse Story vorweisen zu können, ist hier nicht unbedingt erforderlich.
Hat doch auch was für sich…
Kamelle für alle.
Helau
Gundel

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und eine abstruse Story vorweisen zu können, ist hier nicht :unbedingt erforderlich.

Entschiedener Widerspruch, Gundel!

Sowas brauchen auch die Karnevalsvereine. Nur ausdenken müssen sie sich die verwursteten Geschichten nicht selbst. Sie werden nämlich von Politik und Kirche beliefert.

Gruß
Wolfgang

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Die Mundwinkel sind auch frisiert

und eine abstruse Story vorweisen zu können, ist hier nicht :unbedingt erforderlich.

Entschiedener Widerspruch, Gundel!

Sowas brauchen auch die Karnevalsvereine. Nur ausdenken müssen
sie sich die verwursteten Geschichten nicht selbst. Sie werden
nämlich von Politik und Kirche beliefert.

Ja, Wolfgang,
stimmt eigentlich, du hast uneingeschränkt Recht. (Ist ja schliesslich auch ein Rechts-Forum hier.)
Ich mache immer wieder den Fehler zu glauben, dass abstruse Geschichten dem eigenen Hirn entspringen müssten… Dabei sind die Gratislieferungen doch viel näher liegend.
Und die Lieferanten - die werden in Mainz am 23.Februar wieder auf den Promi-Sesselchen sitzen…
Jeder der Honorigen hat „seins“, wie´s singt und lacht, fein herausgeputzt, neben sich platziert und alle sind perfekt frisiert. Selbst die Mundwinkel sind mit extraforte-Viagra-Salbe einbalsamiert, damit sie auch schön oben bleiben.
Die heimlichen Geliebten schauen mit gewässerüberfluteten Äuglein dem heuchlerischen Mummenschanz trauernd und sehnsüchtig am Bildschirm zu.
Und am Rosenmontag schliesslich werden die Vertreter der Parteien und der beiden Grossen Sekten als Pappmaché-Figuren durch Kölle gekarrt.
Ob die realfleischigen Figuren dann ihrerseits heimlich die Gewässer in den Augen haben angesichts soviel geballter Wahrheit?..

…fragt sich Gundel
Alle Jahre Wieder *träller*

und wirft dem Wolfgang noch ein paar Sternchen-Kamelle in die Bütt…

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nachgehakt
Hallo Wolfgang,

zuerst möchte ich danken.
Dieses Posting, istletztlich, sicherlich nicht ganz unberechtigt, in eine gewisse Lächerlichkeit abgedriftet. Die Frage war auch nicht so bierernst gemeint :smile: ,
jetzt schreibst Du grunde doch mal eben eine Partei, daß klingt so, als wäre das einfach, daher ohne spezielle Vorraussetzungen möglich (Kenntnissen), eine Partei zu gründen ?
Abgesehen von der Frage mit der Kirche, muß es doch Verfahren in der Gründung geben - sonst könnte doch tatsächlich jeder B. in Deutschland, der nur irgendwie in der Lage ist einige Mitläufer zu motivieren, eine Partei oder Kirche gründen.
Das kann ich mir nicht wirklich vorstellen.

Gruß Theo

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Denk mal an Schlingensief
Hallo,

eine Partei zu gründen ist tatsächlich ganz einfach, wäre ja auch undemokratisch, wenn man einen TÜV für Parteien einführt.

Was dann etwas schwieriger ist, ist es an Wahlen teilzunehmen, denn erst da bekommst Du die fette Beute! Hier werden Dir unermeßlich schwere Hürden in den Weg gestellt, u baruchst soundsoviel tausend Unetrstützungsunterschriften etc.

In anderen Ländern (ich glaube z.B. Schweden oder Norwegen) da kann dann jede Partei völlig einfach an den Wahlen teilnehmen. Das führt zu extralangen Wahlzetteln, da die Micky-Maus-Partei noch vor der Partei der Radikalen Mittelmäßigjkeit auf Listenplatz 95 steht.

Aber jetzt mal zur Veranschauung: den satirischen Spaßwahlkamp hat uns doch Schlingensief mit seienr Chance 2000 vorgemacht!

Nachahmung empfohlen?

Gruß, Bernd

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