Kirchen:Empörter ü. Mord an Behin. als an Juden?

Hallo und Guten Tag,

ich habe zuweilen den Eindruck, dass während des „Dritten Reiches“ jene Kirchenfunktionäre, die sich über die Mordmaschinerie der Nazis öffentlich empörten, im Wesentlichen die Behinderten und deren Schicksal im Blick hatten. Also, dass es über den Mord der Nazis an Behinderten auf Seiten der Kirchen echte, von Herzen kommende Entrüstung gab, was gegenüber dem Mord an Juden längst nicht so sehr der Fall war, sondern erst hinterher und zunächst auch nur aus „Pflichtschuldigkeit“.

Ist da was dran?

Vielen Dank für Antworten und Meinungsäußerungen,

Jasper.

Hallo Jasper,

nein, kann man so nicht sagen. Der fabrikmäßige Mord an den Juden wurde in seiner ganzen Dimension erst 1945 bekannt. Der Rassismus der Nazis wurde aber bereits 1937 ganz offiziell in der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ (ungewöhnlicherweise auf Deutsch und nicht auf Latein veröffentlicht) von den Kanzeln verurteilt.

Dass natürlich im Christentum der Antijudaismus (vom Antisemitismus zu unterscheiden!) tief verwurzelt war, ist unbestritten.

Gruß,
Andreas

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Das ist dann schon recht spät gewesen, denn die Pläne standen im Buch „Mein Kampf“ drin. Auch der Krieg gegen Rußland war dort geplant. Stalin hat das Buch übersetzen lassen und es gelesen.

Hallo Jasper,

nein, kann man so nicht sagen. Der fabrikmäßige Mord an den
Juden wurde in seiner ganzen Dimension erst 1945 bekannt. Der
Rassismus der Nazis wurde aber bereits 1937 ganz offiziell in
der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ (ungewöhnlicherweise auf
Deutsch und nicht auf Latein veröffentlicht) von den Kanzeln
verurteilt.

„Etwas dran“ ist an diesem Eindruck bestimmt. Bei den Gründen muss man imho natürlich differenzieren, zumal es „die Kirche“ in dem Sinn auch im Katholizismus nicht gibt, sondern verschiedene Kirchenmitglieder, Laien und Priester, in unterschiedlicher Stellung innerhalb der Hierarchie. Es gab auch einzelne Priester sowie Würdenträger bis in den Vatikan, die sich gegen die Ermordung der Juden aussprachen. Allerdings sehe ich das ähnlich wie Jasper: Dieser Protest wurde in der Summe nicht so scharf und öffentlichkeitswirksam formuliert, wie der gegen die Ermordung der Behinderten.

Dafür gibt es eine Reihe von Erklärungen: Christliche Behinderte mögen vielen Kirchenfunktionären deutlich näher gestanden haben als Juden. Der Antijudaismus, die religiös begründete Verdammung der „Gottesmörder“, war zu dieser Zeit noch weit verbreitet. Zudem wurden Behinderte häufig in kirchlichen oder Ordenseinrichtungen gepflegt. Dadurch bekam die Kirche deren Schicksal viel unmittelbarer mit, zumal die Behinderten meist unmittelbar im alten Reichsgebiet ermordet wurden, also in den deutschen Diözesen. Die Juden wurden dagegen meist erst deportiert und in den großen Vernichtungslagern im Osten umgebracht. Das waren zwar teilweise auch katholische Regionen, aber außerhalb der deutschen Kirchenstruktur.

Nach „Mit brenennder Sorge“ wurde die Repression des NS-Staats gegen die Kirche auch sofort stärker, so dass ihre Protestmöglichkeiten eingeschränkt waren. Pius XI. ließ unter dem Titel „Humani Generis Unitas“ eine weitere Enzyklika vorbereiten, die gezielt die Rassenideologie kritisieren sollte aber nie erschien. Sein Nachfolger Pius XII. ging mit dem NS-Regime wesentlich sanfter um. Über die Hintergründe gibt es eine immer noch hitzige Kontroverse. Unbestreitbar bleibt allerdings die mildere Haltung Pius’ XII.

Hallo Andreas,

Der
Rassismus der Nazis wurde aber bereits 1937 ganz offiziell in
der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ (ungewöhnlicherweise auf
Deutsch und nicht auf Latein veröffentlicht) von den Kanzeln
verurteilt.

entweder kennst Du diese Enzyklika nicht, und dann redest Du schlicht von Dingen, von denen Du nichts weisst. Oder Du kennst sie, und dann ist das, was du hier betreibst, unverschämte Geschichtsklitterung.

Der Text: http://www.mit-brennender-sorge.de/index.html

Zitat: „Mit brennender Sorge und steigendem Befremden beobachten Wir seit geraumer Zeit den Leidensweg der Kirche, die wachsende Bedrängnis der ihr in Gesinnung und Tat treubleibenden Bekenner und Bekennerinnen inmitten des Landes und des Volkes, dem St. Bonifatius einst die Licht- und Frohbotschaft von Christus und dem Reiche Gottes gebracht hat.“

Darum ging es in dieser Enzyklika und um sonst gar nichts. Kein Wort von „Rassismus“ - geschweige denn, dass irgendwo im Text das Wort „Juden“ oder „jüdisch“ auftaucht. Von Behinderten ist übrigens auch nicht die Rede - die sog. ‚Aktion T4‘ (die Ermordung von Kranken) begann allerdings auch erst im Januar 1940.

Zitat von Dr. theol. Klaus Kühlwein auf http://www.shoa.de/content/view/652/41/ :

"War die Enzyklika Mit brennender Sorge ein greller Blitz in finsterer Zeit, begleitet von einem ebenso heftigen Donnerschlag innerhalb eines men­schen­verachtenden und gottlosen Geschrei? Ja und nein. Der römische Donner traf die Kirchenpolitik der Reichsregierung und der theologische Blitz fuhr in das pseudoreligiöse Gehabe der nationalsozialistischen Ideologie. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen verteidigte der Vatikan die Rechte der Kirche und zentrale Glaubenswahrheiten. Millionen von Katholiken und auch Protestanten waren dafür dankbar. Doch Blitz und Donner beschränkten sich auf den Binnenraum der Kirche. Die Erschütterung endete abrupt an ihren Grenzen. Gleichwohl litten unter der Staatstyrannei alle Verfemten der Nazi-Ideo­lo­gie, insbesondere das erste Volk Gottes. Weder der Alttestamentler Faulhaber, noch der Diplomat Pacelli, noch der Petrusnachfolger Pius XI. fanden es opportun, darauf Bezug zu nehmen. Selbst an unverdächtiger Stelle sucht man das Wort „Jude“ vergebens in der Enzyklika. "

Freundliche Grüße,
Ralf

Servus,

ich glaube nicht, dass man hierüber von heute aus eine brauchbare Aussage machen kann, und gebe zu bedenken:

  • Entsprechende öffentliche Äußerungen waren auch hinsichtlich T4 an einzelne Personen gebunden und können nicht als genereller Standpunkt der Kirchen betrachtet werden. Die Initiativen von Adolf Meerwein und Karl Leube sind diejenigen eines Leiters einer Heil- und Pflegeanstalt und eines Krankenhausseelsorgers, die in ihrer alltäglichen Arbeit den „verlegten“ Patienten viel näher standen und sich naturgemäß um deren Schicksal kümmerten. Theophil Wurm ist eine einzelne Person; sein badischer Kollege Julius Kühlwein hat auf Meerweins Initiative eher kühl reagiert und Meerwein an Wurm verwiesen.

  • Das Dritte Reich und sämtliche gesellschaftlichen Akteure sind kein Monolith. Die Aktion T4 in ihrer eigentlichen Form (Zusammenfassung und zentrale Ermordung der Opfer) war in Grafeneck auf das Jahr 1940 beschränkt, in Sonnenstein auf die Zeit bis 1941, auch in Hadamar wurden die Gaskammern 1941 stillgelegt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Birkenau erst in Bau - insbesondere Grafeneck war technisch und organisatorisch ein Pilotprojekt dafür gewesen, in Grafeneck wurde Zyklon B erprobt, das Personal von Grafeneck setzte seine Tätigkeit in Birkenau fort. In Bezug auf Deine These: Die Transporte von Behinderten und psychisch Kranken waren im Vergleich zu der endgültigen Konzentration der jüdischen Bevölkerung in den Vernichtungslagern sehr viel schlechter getarnt, die Benachrichtigungen der Angehörigen erfolgte so naiv, dass es auch Meistern der Verdrängung nicht möglich war, etwas anderes zu glauben, als dass sie ermordet wurden. Im Gegensatz dazu war es später, als ab 1942 die systematische und massenhafte Ermordung der jüdischen Bevölkerung stattfand, sehr viel leichter, daran zu glauben, dass die jüdischen Nachbarn „irgendwie“ ausgewandert, umgesiedelt, in welcher Weise auch immer noch am Leben waren. Die Aktion T4 fällt ferner in eine Zeit, in der die öffentliche Äußerung von abweichenden Meinungen - soweit nicht kommunistischer oder sozialistischer Prägung - noch wesentlich weniger riskant war als ab Herbst 1942/Februar 1943. Insofern ist eine öffentliche kritische Äußerung zu T4 nicht unmittelbar vergleichbar mit einer solchen zu Birkenau, Belzec, Majdanek etc.

  • Die Bedeutung der kritischen Äußerungen von Wurm, Meerwein, Leube und anderen zu T4 soll auch im Zusammenhang mit der Rezeption dieser Äußerungen gesehen werden: Diese Äußerungen erhalten bei dem, der davon hört oder liest, eine besondere Bedeutung dadurch, dass sie bei der Vorstellung helfen, dass der Mut und die Zivilcourage dieser Geistlichen auch unter den Bedingungen des Dritten Reiches Wirkung gezeigt hätten - diese Vorstellung ist angenehm, sie gibt der Sache Gewicht. Wenn man sich die Anzahl der Mordopfer anschaut, kommt man allerdings zu der - für Zeitzeugen überraschenden - Erkenntnis, dass mit der Einstellung der Vergasung von Behinderten und Psychiatriepatienten 1941 - 1942 die Zahl der Mordopfer nicht geringer geworden ist, sondern lediglich die Tarnung der Morde und die angewendeten Mittel (Cardiazol, Hunger, Infektionskrankheiten - Anwendung lokal und ohne Zusammenfassung in besonderen Einrichtungen) geschickter geworden sind.

Kurz: Es lässt sich m.E. von heute aus nicht sagen, wer was aus innerer Bewegung und was aus „bloßem“ Pflichtgefühl geäußert hat. Und man kann auch keinen generellen kirchlichen Standpunkt ausmachen. Und zuletzt: So mutig die Kritiker waren - ihre Kritik blieb hinsichtlich T4 genauso ohne Folgen wie diejenige, die mehr oder weniger zaghaft an der massenhaften Ermordung von Juden geäußert worden ist. Und: 1941 die Gosch aufmachen war etwas anderes als dito 1943.

Schöne Grüße

MM

Gemach
Hallo Ralf,

Oder Du
kennst sie, und dann ist das, was du hier betreibst,
unverschämte Geschichtsklitterung.

Na, na, lassen wir mal die Kirche im Dorf und zitieren die Quelle:

„Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung […] aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge.“

(Mit brennender Sorge, Ziffer 12)

Du schreibst:

Kein Wort von „Rassismus“ - geschweige denn,
dass irgendwo im Text das Wort „Juden“ oder „jüdisch“
auftaucht.

Also? Wie können gerne diskutieren, aber bitte schön wissenschaftlich und nicht unter der Gürtellinie.

Auch wenn die Sprache der Enzyklika geschwollen ist, z.T. verquer daher kommt - geschenkt. Aber wie heißt schon im NT? Wer Ohren hat, der höre. Ich denke schon, dass die Zeitgenossen wussten, was gemeint ist.

Quellenkritik bedeutet ja, die Quelle in ihre Zeit (1937: nach den Rassegesetzen, vor der „Kristallnacht“), Umstände (Vervielfältigung und Veröffentlichung in einem totalitären Staat) und ihre Absichten (es noch einmal im Guten zu versuchen) einzuordnen.

Noch eine persönliche Bemerkung. Ich gebe zu: mir passen die ganzen besserwisserischen Magister-Historiker (bin selbst einer) nicht, die natürlich präzise nachweisen und anklagen, wie man (im Zweifel sie selbst) es damals richtigerweise gemacht hätte.

Gruß,
Andreas

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Hallo Scotty,

man muss ja nicht jeden Erguss eines Ex-Knackis kommentieren. Und wer sich dann als Regierungschef davon distanziert („Jugendsünde“), nun gut. Hinterher weiß man es immer besser. Anscheinend hat Stalin ja nicht die richtigen Schlüsse gezogen, denn er missachtete die Warnung seiner Militärs vor dem bevorstehenden deutschen Angriff.

Gruß,
Andreas

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Hallo Andreas,
nehmen wir doch mal das Zitat und schauen, wir, was es wirklich aussagt. Ich erlaube mir, den Teil, den Du wohlweislich ausgelassen hast, zu ergänzen:

„Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die
Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte
menschlicher Gemeinschaftsgestaltung — die innerhalb der
irdischen Ord­nung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz
behaupten
— aus dieser ihrer
irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller,
auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult
vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und
gottbefohlene Ordnung der Dinge.“

So liest es sich schon ein wenig anders, nicht war? Da geht es keineswegs um eine grundsätzliche Kritik an der nationalsozialistischen Ideologie, im Gegenteil, deren „Grundwerte“ wie „Rasse“ (!) oder „Volk“ haben „einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz“ „innerhalb der irdischen Ord­nung“. Das soll nun eine offizielle Verurteilung des Rassismus der Nazis sein?

Wie Du selbst schreibst - das sollte man ruhig im Kontext mit den Nürnberger Rassegesetzen sehen, denen hier - als Teil der „irdischen Ordnung“ - implizit ein wesentlicher und ehrengebietender Platz zugebilligt wird.

Der katholischen Kirche ging es einzig und allein darum, sich gegen den Antiklerikalismus und das Neuheidentum der Nazis zur Wehr zu setzen - da, wo in ihren ureigenen Gefilden gewildert wurde. Man hatte geglaubt, mit dem Pakt von 33 die Claims der jeweiligen Einflusssphären abgesteckt zu haben und sah sich betrogen. Die Enzyklika wandte sich gegen den Totalitätsanspruch und gegen die Gleichschaltungspolitik der Nazis - soweit sie ihr selbst zum Opfer fiel. Nicht aber gegen deren Rassismus. Nicht einmal für die Konvertiten und die sog. ‚Halb- und Vierteljuden‘ katholischen Glaubens hatte man in dieser Enzyklika auch nur ein Wort der Fürsprache oder Solidarität übrig.

Noch eine persönliche Bemerkung. Ich gebe zu: mir passen die
ganzen besserwisserischen Magister-Historiker (bin selbst
einer) nicht

Gerade, weil Du ausweichlich Deiner ViKa Historiker bist, meine scharfe Reaktion. Deine Behauptung

Der Rassismus der Nazis wurde aber bereits 1937 ganz offiziell in
der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ (ungewöhnlicherweise auf
Deutsch und nicht auf Latein veröffentlicht) von den Kanzeln
verurteilt.

ist völlig unhaltbar.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Ralf,

Gerade, weil Du ausweichlich Deiner ViKa Historiker bist,
meine scharfe Reaktion. Deine Behauptung
ist völlig unhaltbar.

Das möge nun jeder Lesende selbst entscheiden.

Gruß,
Andreas

1 „Gefällt mir“

Hallo Jasper,

ich habe zuweilen den Eindruck, dass während des „Dritten
Reiches“ jene Kirchenfunktionäre, die sich über die
Mordmaschinerie der Nazis öffentlich empörten, im Wesentlichen
die Behinderten und deren Schicksal im Blick hatten. Also,
dass es über den Mord der Nazis an Behinderten auf Seiten der
Kirchen echte, von Herzen kommende Entrüstung gab, was
gegenüber dem Mord an Juden längst nicht so sehr der Fall war,
sondern erst hinterher und zunächst auch nur aus
„Pflichtschuldigkeit“.

Da ist schon was dran, finde ich. Die Kirche hätte sich ja nur einmal deutlich äußern müssen, dass es nicht akzeptabel ist, Juden zu ermorden, und ich bin mir sicher, dass plötzlich im katholischen Polen viele Juden einfach irgendwo „verschwunden“ und erst nach Kriegsende wohlbehalten wieder aufgetaucht wären.

Aber die Kirche hat sich hier nicht öffentlich geäußert. Mag sein, dass man Angst hatte, der Vatikan hätte von den Nazis erobert werden können. Aber ich bin der Meinung, man hätte es drauf ankommen lassen sollen. Wenn man überzeugt ist von seinem Glauben, dann sollte es einen auch nicht abschrecken, dass da irgendwelche Nazis etwas dagegen haben, dass man Juden schützen möchte. Wenn man überzeugt ist von seinem Glauben, dann hat man ja nichts zu verlieren, oder?

Na ja, das Thema ist sicher sehr viel komplexer.

Du kannst dir ja für den Anfang mal etwas zur Enzyklika „Mit brennender Sorge“ durchlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Mit_brennender_Sorge

Es wurde während der Naziherrschaft auch ein anderer Papst gewählt, was schade war. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber man vermutet, dass der alte Papst die Judenverfolgung vielleicht nicht so kommentarlos hingenommen hätte. Aber er erlebte nur noch den Anfang davon.

Schöne Grüße

Petra

Hallo Andreas,

Das möge nun jeder Lesende selbst entscheiden.

ein solche Entscheidung sollte bei Lektüre des Textes in der Tat keine Probleme bereiten.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Andreas, hallo Ralf,

Ralf und ich hatten ja nun schon einmal an anderer Stelle das Problem, dass er Dinge zu einem bestimmten Zeitpunkt sieht, während ich eher dazu neige, betimmte Ereignisse als Resultat eines mitunter recht langen geschichtlichen Prozesses zu sehen.
Nur in diesem Fall komme ich, auf der Basis dieser unterschiedlichen Überlegungen zum gleichen Ergebnis, wie Ralf, nur müsste man es eigentlich noch deutlich härter formulieren.
1933 hat Hitler mit der katholischen Kirche ein Konkordat geschlossen, dass eigentlich der Kirche nicht mehr gab, als sie ohnehin schon hatte. Es waren die Nazis, die ganz eindeutig profitierten, nämlich dadurch, dass die Kirche mehr oder wenioger unterschrieb, sich nicht einzumischen. Verhandlungsführer für die Kirche war 1933 Kardinal Pacelli, der bereits zuvor ein Konkordat mit dem Land Bayern ausgehandelt hatte. Er war in Deutschland tätig, er hat dieses Konkordat trotzdem er wusste, was die Nazis taten, durchgezogen.
1939 wurde Pacellit zu Papst Pius XII.
Pius XI hat das Konkordat 1933 unterschrieben und erst als klar wurde, dass Hitler sich nicht an das halten wollte, was darin stand sondern auch das, was die Kirche als ihre Rechte sah, einschränkte, reagierte er mit der Enzykla „Mit brennender Sorge“. Obwohl sich diese Ezykla nicht ausdrücklich gegen die Nazis richtete sondern eigentlich die Meinung der beiden Piusse (es war 1937 schon ziemlich klar, wer Pius XI Nachfolger werden würde) bezüglich welticher Ordnung wiederspiegelte, wird sie heute natürlich als „DAS“ Beweismittel gehandelt, wenn man belegen will, „die Kirche hat ja was getan“. „Die Kirche hat“ gar nichts getan, außer ihre Rechte zu verteidigen. Wer etwas getan hat waren Einzelpersonen. Und Pius XII weihte seinenalten Freund und Bekannten Alois Hudal zum Bischof der später zur zentralen Fluchthilfestelle für Naziverbrecher wurde.
Das muss man alles unter dem Gesichtspunkt des geschichtlichen Prozesses sehen: Die Kirche sah ja lange die Gefahr des Kommunismus, der ja explizit atheistisch war. Gerade der Antikommunismus der Nazis machte ja diese für die Kirche als Verhandlungpartner interessant und dafür hatte man ja zumindest von 1933 bis 1937 stillschweigend an anderer Stelle zur Seite gesehen. Erst 1937, als man anfing, im Rahmen der Wehrpflicht auch katholische Theologiestudenten zu ziehen, reagierte der Papst „mit brennender Sorge“.
Die Sache hatte ein nettes Nachspiel 1943. Rom wurde von den Deutschen besetzt und Pius XII (Pacelli) befürchtete offenbar, nach Berlin entführt zu werden. Deswegen hatte er bereits einen schriftlichen Amtsverzicht vorbereitet.
Aber Hitler ließ den Papst nicht entführen. Weil er sich der Tatsache sehr klar wurde, dass er dann die Katholiken im eigenen Land gegen sich haben würde (während er die Enzykla von 1937 gar nicht ernst genommen hatte).
Pacelli blieb Papst Pius XII bis Oktober 1958, Bischof Hudal machte sich um die Fluchtrouten der Naziverbrecher verdient und Franz v. Papen, der damals für die Deutschen am Verhandlungstisch gesessen hatte und mit Pacelli das Konkordat ausgeheckt hatte, bekam die kirchliche Würde des Geheimkämmerers (die er ursprünglich von Pius XI verliehen bekommen hatte und 1939 durch Pius XII aberkannt bekam) 1959 durch Pius XII Nachfolger Johannes XXIII zurück. Er war bereits 1949 (eigentlich hatte er acht Jahre abzusitzen) durch Amnestie entlassen worden nachdem u.a. der Vertreter des Vatikan in england bei der Regierung vorstellig geworden war.
Nun ließ mal den Text von „mit brennender Sorge“ unter diesem Kontext. Da muss ich sagen, war Ralf Recht zahm.

Gruß
Peter B.

(während er die Enzykla
von 1937 gar nicht ernst genommen hatte).

Falsch. Hitler tobte. Allein schon ein Indiz für die Sachlichkeit der Enzyklika.

(während er die Enzykla
von 1937 gar nicht ernst genommen hatte).

Falsch. Hitler tobte. Allein schon ein Indiz für die
Sachlichkeit der Enzyklika.

Bring das mal in den Maßstab zurück. Getobt hat der Kerl dauernd. Wenn er die Sache wirklich ernst genommen hätte, dann hätte es Maßnahmen gegeben. Aber das war ja eben nicht notwendig, weil die katholische Kirche, abgesehen von Einzelfällen, immer schön unter dem Radar flog. Aber das taten ja die evangelischen Kirchen auch fleißig.

Gruß
Peter B.